Vater Unser 09
Lugar/Ort:Camarero

Fecha/Datum:13/05/1956
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Hernandarias, 27. Mai 1956
Vizcacheras 27. Mai 1956
Aldea Protestante, 1. Juli 1956
Meroú, 12.8.1956
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Exaudi
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 6, 12
Skopus: Vergebung der Schuld
Das Vaterunser 9 - Matthäus 6, 12
"Darum sollt ihr also beten: Und vergib uns unsere Schuld,
wie wir vergeben unseren Schuldigern."

Als wir die Bitte des Vaterunsers
"Unser täglich Brot gib uns heute!"
miteinander besprachen, erkannten wir, dass der Vater im
Himmel für uns seine Tür weit aufgetan hat. Da gibt es keine
Schildchen mit der Aufschrift: Sprechstunden nur von 8 - 11
Uhr, wie wir es in vielen Büros beobachten können, sondern
es gilt uns die frohe und uneingeschränkte Einladung:
"Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid,
ich will euch erquicken!"
Zu jeder Tages- und Nachtzeit, mit allen unseren Nöten und
Sorgen, dürfen wir zu ihm kommen, niemals verschliesst der
Vater im Himmel seine Türe vor uns.
Nun weist uns unser Herr Jesus Christus darauf hin, dass die
grösste Not des Menschen und damit auch die Ursache aller
anderen Nöte, sogar der Krankheiten und des Todes, unsere
Schuld vor Gott ist.
Während Gott, der Herr, uns von Anfang an die Tür zu ihm
aufgehalten hat, haben wir sie ihm selbst zugeknallt. Wir
wollten von Gott nichts wissen, wir fragten nichts nach
seinen Geboten, wir hörten nicht auf sein Wort und so
standen wir vor der von uns zugeschlagenen Tür Gottes; Gott
nahm daraufhin von uns seine tägliche Hilfe weg. So wurden
wir die armseligsten Kreaturen von der ganzen Erde; der
Mensch und seine ganze Welt lagen im eisigen Schatten des
Todes. Wir mussten das Leben führen, das nur das Grauen und
Fürchten kennt.
Da erbarmte sich Gott über uns und schickte seinen Sohn, um
uns zu helfen, um uns die Türe zum Vater im Himmel wieder
aufzuschliessen.
Mit dem Einsatz seines Lebens bis zum Tode am Kreuz auf
Golgatha hat er die zugeschlagene Tür zu Gott wieder
geöffnet. Seitdem haben wir wieder einen freien Zugang zu
Gott, unserem Schöpfer.
Weil das so ist, darum konnte Jesus uns beten lehren und uns
sagen, dass wir Gott unseren Vater nennen dürfen, trotzdem
wir es verdient hätten, dass Gott sich total von uns
abwendet.
Weil Jesus Christus durch sein Leiden und Sterben uns die
Tür zu Gott wieder aufgeschlossen hat, darum kann er uns
beten lehren:
"Vater, vergib uns unsere Schuld."
Wir dürfen nun jeden Tag aufs neue zu ihm kommen und ihn
bitten:
Herr, vergib mir, dass ich deine Feiertage nicht gehalten
habe.
Herr, vergib mir, dass ich böse zu meinen Eltern gewesen bin
oder hart zu meinen Kindern.
Herr, vergib mir, dass ich soviel Schlechtes über meine
Freunde und Bekannten geredet habe.
Herr, vergib mit, dass ich so geizig bin.
Herr, vergib mir, dass ich meinen Mann nicht immer so
geliebt hasbe, wie er es eigentlich hätte erwarten können.
Herr, vergib mir, dass ich meiner Frau in guten und bösen
Tagen nicht immer so beigestanden habe, wie ich es einst am
Altar gelobt hatte; statt dass sie meine Gehilfin war, habe
ich sie meiner Sklavin gemacht.
O, es gibt vieles, womit wir vor Menschen und vor Gott
schuldig geworden sind; aber Jesus Christus erlaubt es uns,
vor Gott hinzutreten und zu bitten:
Vater im Himmel, vergib mir meine Schuld und gib mir Kraft,
dass ich jetzt ein anderer Mensch werde.
Wenn Jesus Christus uns auffordert, darum zu bitten, dann
kann er das, weil er ja alle unsere Schuld auf sich genommen
hat:
"Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und
durch seine Wunden sind wir geheilt."
Sein Wort gilt für Zeit und Ewigkeit und darum können wir
uns darauf verlassen und fest darauf bauen. Gott spricht zu
uns:
"Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubt hast, dir sind alle
deine Sünden vergeben, du bist wieder mein liebes Kind."
Und wenn wir einmal den Unterschied aufzeigen wollten
zwischen einem Christen und einem Ungläubigen, dann liegt er
nicht darin, dass der Ungläubige ein besonders schlechter
und der Christ ein besonders guter Mensch ist, sondern
ausschliesslich und allein darin, dass der Ungläubige seine
Schlechtigkeit alle Tage mit sich herumschleppt und der
Christ dieses sein böses Handeln vor Gott im Blick auf
Golgatha abgelegt und gebeten hat:
"Vater, vergib mir meine Schuld,"
und Gott sie ihm vergeben hat:
"Gehe hin mit Frieden."
Die Gemeinde Jesu Christi ist solch eine Schar von
begnadeten schlechten Menschen, nicht mehr und nicht
weniger.
Unsere Seligkeit liegt nicht, wie Martin Luther es gesagt
hat, in unseren sogenannten guten Werken, die wir alle
miteinander doch nicht aufweisen können, sondern in dem, was
Jesus Christus für uns getan hat und wir nun aus dem Munde
unseres Vaters im Himmel hören dürfen:
"Dir sind deine Sünden vergeben."
In dieser Bitte heisst es aber weiter:
"..... wie wir vergeben unseren Schuldigern."
Damit will Jesus sagen, dass wir die Vergebung nicht nur für
uns in Anspruch nehmen können, sondern dass das, was Jesus
tat, für alle Menschen gilt. Es lautet doch:
"Kommet her zu mir ALLE, die ihr mühselig und beladen seid."
Und der Christ, der die Vergebung seiner Schuld empfangen
hat und wieder ganz neu anfangen durfte, kann nichts andres
tun, als auch all die anderen einzuladen, ebenfalls durch
die offene Tür zu gehen, damit sie in gleicher Weise froh
und glücklich werden.
Und dieses kann er gerade am besten zeigen, indem er
Menschen, die ihm gegenüber schuldig geworden sind, zuruft:
Ich vergebe dir auch deine Schuld, ich vergebe dir auch das
Böse, dass du mir angetan hast.
Damit begleiten wir den anderen Menschen bis zu der offenen
Tür Gottes, durch die er dann allerdings selbst gehen muss.
Unser aller Leben in der Familie, in der Freund- und
Nachbarschaft wäre nicht so vergiftet, wenn wir uns
freudiger gegenseitig uns unsere begangene Schuld vergeben
würden und nicht jahrelang dem anderen nachtragem, was er
uns angetan hat.
Ja, diese Bitte im Vaterunser stellt uns alle, die wir die
uns zugefügte Schuld des anderen nicht vergeben können oder
wollen, vor die Frage, ob Gott denn wirklich uns schon
unsere Schuld vergeben hat, die wir ihm und unseren
Mitmenschen gegenüber begangen haben, ob wir wir schon darum
gebeten haben.
Die Bitte:
"Vater, vergib mir meine Schuld, wie ich vergebe meinem
Schuldiger,"
weist darauf hin, dass der, der wirklich das Wort der
Vergebung aus dem Munde Gottes gehört hat, auch zum anderen
hingehen kann, um ihm zu sagen: Es ist zwischen uns wieder
alles gut, ich vergebe dir.

"5. Bitte
Und vergib uns unsere Schuld.
Was ist das?
Wir bitten in diesem Gebet, dass der Vater im Himmel nicht
ansehen wolle unsere Sünden, und um derenwillen solche
Bitten nicht versagen, denn wir sind der keines wert, dass
wir bitten, haben es auch nicht verdienet; sondern du
wollest es uns aus Gnaden geben, denn wir täglich viel
sündigen und wohl eitel Strafe verdienen. So wollen wir
wiederum auch herzlich vergeben und gern wohltun denen, die
sich an uns versündigen. Dazu schenke uns deine Kraft."