Vater Unser 07
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:01/01/1956
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Camarero, 20. Januar 1956-Konfirmatiosgottesdienst-
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Neujahr
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 6, 10
Skopus: Gottes Wille
Das Vaterunser 7 - Matthäus 6, 10
"Darum sollt ihr also beten: Dein Wille geschehe auf Erden
wie im Himmel."

Wir stehen am Anfang eines neuen Jahres und fragend schauen
wir aus nach dem, was da kommen wird. Jeder von uns hat so
seine eigenen Pläne, was er im neuen Jahr erreichen will,
was er erarbeiten möchte.
Der eine möchte ein Stück Land dazu kaufen, der andere sein
Haus vergrössern und wieder ein anderer bereitet seine
Heirat vor. Wir wissen ja am besten selbst, welche Pläne und
Hoffnungen gerade wir haben. Und es ist durchaus etwas sehr
Gutes, wenn wir nicht plan- oder ziellos durch das Leben
gehen. Wir wären arme Menschen, wenn wir so einfach in den
Tag hineinleben wollten, ohne Plan und Ziel. Unser Leben
würde sehr langweilig unter solchen Umständen verlaufen.
Aber nun lehrt uns Jesus, dass wir beten sollen:
"Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel,"
das heisst doch, dass es neben uns, die wir planen und uns
bemühen, noch einen anderen gibt, der auch plant, der auch
seinen Willen zur Durchführung bringen will. Es ist nicht
irgendwer, der auch plant, sondern es ist der, dem Himmel
und Erde gehören. Es ist der, dem alle Macht gegeben ist,
dem sich beugen müssen alle Kniee derer, die im Himmel und
auf Erden sind. Es ist unser Vater im Himmel, der ebenfalls
über uns plant.
Allerdings ist uns das Eine klar, dass Gottes Wille und
Gottes Plan mit unserem Willen und Plan oft -nur zu oft-
nicht übereinstimmen, ja, dass wir rebellieren gegen Gott,
weil wir immer wieder spüren müssen, dass Gottes Willen
stärker ist als unser Wille; dass, wenn Gott nur ein Wort
spricht, es auch geschieht, während wir planen und uns
sorgen und uns abmühen und doch nicht von der Stelle kommen.
Nun müssten wir Heiden sein und nicht Christen, wenn wir
nicht wüssten, das Gottes Willen und Gottes Plan mit uns
immer das Beste für uns im Auge hat.
Wenn wir im Vaterunser aufgefordert werden zum Gebet:
"Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel,"
dann bekennen wir damit gleichzeitig, dass Gottes Wille über
uns immer ein guter und gnädiger Wille ist.
Gott müsste nicht Gott sein, wenn sein Wille uns in das
Verderben laufen lassen wollte. Nein, das dürfen und sollen
wir als Christen am Anfang des neuen Jahres wissen, Gott,
der Herr, will niemals das Schlechte für uns, sondern er
hat immer das Gute für uns im Plan.
Wie kommt es denn, dass Gott dabei oft geradezu gegen
unseren Willen, gegen unser Sorgen und Abmühen, handeln
muss?
Indem wir so fragen, kommt uns, wie von selbst, schon die
Antwort. Gott handelt oft gegen unseren Willen und gegen
unsere Wünsche und Träume, weil er im voraus sieht, dass
diese alle uns ins Verderben stürzen werden. Gott, der Herr,
kennt nämlich uns viel besser als wir uns selbst kennen.
Darum muss er oft, und das wird ganz bestimmt auch im neuen
Jahr mit uns geschehen, darum muss er uns vor dem Abgrund
zurückreissen, indem er unseren Willen zusammenschlägt und
seinen Willen durchsetzt.
Indem wir Gott bitten:
"Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel",
bitten wir, lass uns nicht ins Verderben rennen, sondern
führe uns den rechten Weg, auch wenn dieser Weg alle unseren
eigenen Pläne und Hoffnungen und Wünsche zusammenbrechen
lassen.
Wer diese Bitte des Vaterunser betet, der hat zu Gott das
vollste Vertrauen, der kann froh und getrost singen:
"Es kann uns nichts geschehen,
was Gott nicht hat ersehen
und was uns dienlich ist."
Woher wissen wir das und woher können wir dieses volle
Vertrauen zu unserem Vater im Himmel haben?
Wir haben ja doch wohl noch nicht vergessen, dass die
Heilige Schrift voll ist davon, wie Gott, der Herr, in
seiner ganzen Liebe zu seinen Kindern, sie stets vor dem
Verderben rettete.
Und wir haben doch vor kurzem die Geburt Jesu Christi
gefeiert und gesehen, wie Gott in seiner unaussprechlichen
Liebe zu uns, seinen Sohn, auf diese Erde sandte, damit er
uns noch besser helfen könnte.
Und wir wissen auch das andere, dass dieser Jesus Christus,
der uns im Vaterunser lehrt, zu beten:
"Herr, dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf
Erden",
dieses uns auch vorgelebt hat, als es Gottes Wille war, dass
er den Weg ans Kreuz gehen sollte und obwohl er wusste, was
das für ihn bedeutete, bekannte er:
"Nicht mein Wille, Herr, sondern dein Wille geschehe".
So lasst uns dann als Christen, mit allen Plänen und
Wünschen und Hoffnungen für das neue Jahr zu unserem Vater
im Himmel kommen und ihn bitten, dass alles, was uns zum
Verderben reichen würde, nicht in Erfüllung gehe, sondern
nur das, was er auch selbst in seiner Liebe zu uns
beschlossen hat.

"3. Bitte
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.
Was ist das?
Gottes guter und gnädiger Wille geschieht wohl ohne unser
Gebet; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er auch bei uns
geschehe.
Wie geschieht das?
Wenn Gott allen bösen Rat und Willen bricht und hindert, so
uns den Namen Gottes nicht heiligen und sein Reich nicht
kommen lassen wollen, als da ist des Teufels, der Welt und
unseres Fleisches Wille, sondern stärket und behält uns fest
in seinem Wort und Glauben
bis an unser Ende, das ist sein gnädiger, guter Wille."