Vater Unser 06
Lugar/Ort:Camarero

Fecha/Datum:06/11/1955
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Vizcacheras, 20-11-1955
Hernandarias, 20-11-1955
Meroú, 17-6-1956
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 22, 41 - 42
Skopus:
Das VATERUNSER 6 - Lukas 22, 41 - 42
"Jesus kniete nieder, betete und sprach:
Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir, doch nicht
mein, sondern dein Wille geschehe."

Wenn wir die Bitte im Vaterunser":
"Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden",
verstehen wollen, dann ist zuerst notwendig, dass wir einmal
sehen, was unser Herr und Heiland selbst darunter versteht.
Ja, wir wollen einmal sehen, wie der Sohn Gottes sich selbst
unter diesen Willen seines Vaters gestellt hat.
Ein schwerer Weg steht vor unserem Herrn. Seine
Passionszeit, seine Leidenszeit, soll jetzt beginnen. Und
wir wissen es doch selbst, dass kein Mensch mit einem
lachenden und fröhlichen Gesicht Qualen, Folter, Leiden und
Nöte und schliesslich den Tod ertragen kann. Und Jesus
Christus war doch ein wahrhaftiger Mensch, wie wir, von der
Jungfrau Maria geboren.
Unser Herr weiss, dass jetzt ein Weg vor ihm liegt, wo
Schlag auf Schlag das Unheil hereinbricht. Und am Ende
dieses Weges sieht Jesus hochaufgerichtet das Kreuz auf
Golgatha, an das er als ein zom Tode verurteilter Verbrecher
aufgehängt wird und seinen letzten Atemzug tun muss, umgeben
vom Spott der Menschen, die ihn anspucken und mit
Peitschenhieben züchtigen.
Das ist wahrlich keine herrliche Zukunft, der er
entgegengeht. Ihm bleibt die Angst vor dem, was da kommt,
nicht erspart. Es heisst von Jesus in einem anderen
Evangelium, dass er anfing
"zu trauern und zu zagen und zu sprechen: Meine Seele ist
betrübt bis an den Tod".
Der Sohn Gottes, der der Herr der Welt ist, der um
unseretwillen auf seine ganze Herrlichkeit und Macht und
Grösse und Würde verzichtet hat, der muss es erleben, dass
er zum Spielball und zum Gespött der Menschen wird, gequält,
misshandelt und ermordet.
Da wir schon bei den kleinen Nöten und Sorgen
zusammenzubrechen drohen, können wir sicherlich verstehen,
dass er, der Herr, ebenfalls fast unter der Last seiner
Leiden zusammenbricht. Er ist ja Fleisch von unserem
Fleisch.
Aber in dem Wissen und in der Angst um die Furchtbarkeit und
Grausamkeit des Weges, der vor ihm liegt, tut er etwas, wozu
er auch immer und immer wieder uns aufruft, dass wir nämlich
zu unserem Vater im Himmel eilen und ihm alle unsere Nöte
und Sorgen und unsere Kümmernisse sagen. Jesus spricht mit
seinem Vater im Himmel.
"Jesus kniete nieder, betete und sprach: Vater, willst du,
so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein Wille, sondern
dein Wille geschehe."
Indem Jesus Christus das tut, bekennt er: Ja, Vater, ich
habe Angst. Mein Wille ist es nicht, dass ich leiden muss.
Ich bin ein Mensch und hänge darum am Leben. Verschone mich
vor der Leidenszeit, verschone mich vor dem Verbrechertod am
Kreuz.
Wie gut ist es doch für uns alle, dass wir einen Heiland
haben, der alle Nöte, die wir durchstehen müssen und alle
die Anfechtungen, die auf uns einstürmen, ebenso ertragen
musste.
Jesus bringt seine Nöte und seinen Kummer zu seinem Vater.
Er eilt nicht von einer Stelle zur anderen, sondern er eilt
zu dem hin, der allein helfen kann und dessen Willen allein
allen Widerständen zum Trotz zur Durchführung kommt.
Und so liegt Jesus vor seinem Vater im Himmel mit seiner
Angst und mit seiner Not.
Welch eine flehentliche Bitte: "Vater, nimm diesen
Leidenskelch von mir, lass mir all das Schwere erspart
bleiben."
Welch eine Erniedrigung für ihn, durch unseren Ungehorsam in
solche Nöte hineingestürzt worden zu sein! Unser Ungehorsam
Gott gegenüber hat ihn, der von keinem Ungehorsam gegenüber
seinem Vater wusste, in solche Anfechtungen hineingetrieben.
Er soll an unserer Stelle zum Tode verurteilt werden und den
Verbrechertod erleiden. Aber so gross auch seine Angst und
seine Anfechtung sind und er mit der Frage ringt, ist das
nötig, dass ich so leiden muss?, so gross bleibt doch sein
Vertrauen zu seinem Vater. Er weiss:
"Es kann mir nichts geschehen, als was Gott hat ersehen
und was mir dienlich ist."
Er vertraut seinem Vater, das sein Wille nur das Beste im
Auge hat. Darum möchte er trotz seiner Angst und Pein nicht,
dass sein Wunsch zur Abwendung der Passion zur Ausführung
kommt, sondern dass der gute und gnädige Wille Gottes mit
uns Menschen sich realisiert, auch wenn dieser Wille Gottes
ihn auf den Weg des Leidens und der Qualen, auf den Weg des
Verbrechertodes am Kreuze führt.
Ja, so kann man fragen: Ist dass denn noch Gottes guter und
gnädiger Wille, was er da von Jesus Chrisrtus erwartet, dass
dieser sich anspucken, martern und kreuzigen lässt und sich
von ihm, seinem Sohne, sich abwendet, sodass dieser ausruft:
"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlasseen?!"
Muss das nicht ein harter und grausamer Gott sein?
Es sieht in der Tat nach einer Grausamkeit aus, wie ja alle
Anfechtungen, alles Leiden und alle Krankheit und auch der
Tod, die uns überfallen, grausam und hart erscheinen.
Jesus Christus aber weiss, voll Vertrauen und voller
Zuversicht zu seinem Vater, dass jeder Weg, den Gott uns
führt, Gottes guter und gnädiger Wille ist. Gott will immer
das Beste für uns und handelt auch danach.
Er hat mit niemandem von uns Gedanken der Vernichtung, der
Freude an der Qual im Leiden und im Tod, sondern er will uns
in allem, was er tut und handelt, in allem, was er auf uns
einstürmen lässt, seine grosse Liebe zu uns zeigen.
Sein Sohn Jesus Christus kommt mit seiner Not und seiner
Anfachtung zu seinem Vater, nicht um seinen eigenen Willen
zu erzwingen, sondern um von ihm die Bekräftigung zu
erhalten, dass er diesen Weg des Leidens gehen soll:
"Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe!"
Und es hat sich dann erwiesen, dass wirklich der Wille
Gottes, dass sein Sohn leiden und am Kreuz auf Golgatha
sterben musste, Gottes guter und gnädiger Wille gewesen ist.
Indem Jesus Christus den Weg an Kreuz ging und nicht seiner
Angst und Anfechtung nachgab, indem er nicht sein Wille,
sondern Gottes Willen zu erfüllen trachtete, wurde er der
Heiland der Welt; wurde er der, der uns wieder zu Gottes
Kindern machte.
Und es hat sich erwiesen, dass Jesu Weg durchs Leiden und
Sterben Gottes guter und gnädiger Wille war.
Möge dieser Wille, wie er sich in Jesus Christus offenbarte,
auch uns zu frohen und freien Menschen machen und auch uns
dahinbringen, dass wir recht beten und und danach handeln
können:
"Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden."