Vater Unser 05
Lugar/Ort:Hernandarias

Fecha/Datum:25/09/1955
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Vizcacheras, 25. September 1955
Aldea Protestante, 2. Oktober 1955
Meroú, 16. Oktober 1955
Paraná, 2. September 1956
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:13. Sonntag nach Trinitatis
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 6, 10
Skopus: Gottes Reich
Das Vaterunser 5 - Matthäus 6, 10
"Darum sollt ihr also beten: Dein Reich komme."

"Jesus Christus, König und Herr, sein ist das Reich, die
Kraft, die Ehr; gilt kein anderer Name , heut und ewig.
Amen."
In diesem Lied wird es klar und deutlich ausgesprochen,
worum es geht, wenn wir von Gottes Reich sprechen und worum
es geht, wenn wir im VATERUNSER aufgefordert werden, zu
beten, dass das Reich Gottes auch zu uns komme.
Es geht um Jesus Christus dem einen Herrn Himmels und der
Erden. Er ist der Herrscher über die ganze Welt. Allerdings
wissen wir, dass diese Herrschaft noch nicht vor allen
Menschen deutlich und sichtbar ist.
Noch hat alles in der Welt, noch hat alles um uns her, den
Anschein, als ob andere Mächte und Gewalten sich um die
Herrschaft der Welt bemühen und in furchtbaren und grausamen
Kriegen und Revolutionen um diese alleinige Herrschaft
kämpfen. Noch sieht alles danach aus, als ob andere Herren
als Jesus Christus die Welt regieren. Wir können auch in
keinster Weise diese Weltherrschaft Jesu Christi beweisen,
wie 2x2=4 ist. Die Königsherrschaft Jesu Christi, das Reich
Gottes mitten unter uns, ist noch verborgen und verhüllt mit
einem grossen Schleier. Diese Königsherrschaft Gottes durch
Jesus Christus ist nur den Gläubigen als eine Gewissheit
unseres Glaubens festzustellen. Wir wissen aber aus der
Heiligen Schrift, dass der Tag kommen wird, da die ganze
Welt, da alle Menschen, auch die Heiden, auch die Gottes
Hasser, erkennen müssen, dass Jesus Christus alleiniger
Herrscher und König ist.
Es wird der Tag kommen, da sich beugen müssen vor diesem
Herrn, aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden sind,
wie es in dem Liede heisst:
"In des Jüngsten Tages Licht,
wenn ale Welt zusammenbricht,
wird zu Christi Füssen,
jeder bekennen müssen,
dass Jesus Christus ist König und Herr."
Wenn wir beten:
"Dein Reich komme," dann bitten wir damit Gott, dass dieser
Tag doch bald kommen möge, da die Welt diesen König Jesus
Christus erkennen wird.
Allerdings erinnert uns Martin Luther in seiner Erklärung zu
dieser 2. Bitte, dass Jesus Christus in ganz besonderer
Weise heute schon vor seinen Jüngern seine Herrschaft ausübt
in seiner Kirche, in seiner Gemeinde. Hier bei den Seinen
will er schon jetzt sichtbar seine Königsherrschaft ausüben.
Wir wollen es als seine Kirche und als seine Gemeinde
niemals vergessen, dass er in dieser Gemeinschaft der Seinen
sein Reich aufrichten will, sein Regierungsprogramm
durchführen möchte.
Hier in der Kirche, hier in der Gemeinde, hat nicht der
Pastor oder Kirchenpropst, auch nicht ein Synodalvorstand
oder der Gemeindevorstand, auch nicht der Wille irgendeines
anderen Menschen zu gelten, sondern allein der Wille Jesu
Christi.
Mögen wir weithin auch die Kirche als einen Verein
verstehen, in den man eintreten und auch wieder austreten
kann, täuschen wir uns aber nicht, die Kirche Jesu Christi
ist kein Verein unter vielen anderen Vereinen, sondern der
Bereich, in dem ausschliesslich und allein der Herr Jesus
Christus herrschen und regieren will.
Wodurch regiert der Herr in seiner Kirche?
Nicht durch Gewalt und nicht durch das Schwert, nicht durch
List und nicht durch böses Reden. Jesus Christus herrscht
und regiert in seiner Kirche durch das Wort. Wo das Wort der
Heiligen Schrift verkündigt wird und Menschen hingehen und
es tun und danach leben, da wird etwas davon sichtbar, dass
das Reich Gottes unter uns bereits da ist. Verstehen wir es
recht, dieses Reich Gottes kommt auch ohne uns zu seinem
Recht und zu seiner Machtentfaltung, aber es ist Gottes
gnädiger Wille, dass wir alle mithelfen, dass Gottes
Herrschaft in seiner Kirche mitten unter uns aufgerichtet
werde. Wir dürfen mithelfen auch dadurch, dass wir für
unsere Pastoren und für alle anderen Mitarbeiter die Hände
falten und beten, damit der Herr ihnen das rechte Wort und
das rechte Handeln seiner Herrschaft zu praktizieren fähig
macht und wir diesem Evangelium in Wort und Tat auch
Beachtung schenken. Wir dürfen mithelfen, dass sein Reich
komme, in dem wir uns zur Gemeinde halten, wenn die Glocken
uns einladen zum Gottesdienst. Wir können uns nicht damit
entschuldigen, dass wir keine Zeit haben. Wir dürfen treue
Gottesdienstteilnehmer werden. Wir können mithelfen, dass
das Wort Gottes verkündigt wird und damit Gottes Reich
aufgerichtet, in dem wir als Vater odr Mutter unseres Hauses
unseren Kindern Gottes heiliges Wort erzählen. Wir haben ja
einmal sogar bei ihrer Taufe versprochen, dass wir das tun
wollen. Denken wir noch daran?
Wer als rechter Hausvater oder rechte Hausmutter dieses
Versprechen ernstnimmt, ist Mitarbeiter im Reich Gottes und
hilft mit, dass dieses Reich auch zu uns komme.
Wir dürfen aber auch mithelfen an der Verwirklichung des
Reiches Gottes, wenn wir das tun, was das Wort Gottes uns
sagt.
Unser Herr Jesus Christus erwartet von uns, dass wir
gehorsame Untertanen seines Reiches sind, oder zu unserem
Glück heute noch werden.
"Seid Täter des Wortes und nicht Hörer allein,
womit ihr euch selbst betrüget",
sagt der Apostel Jakobus.
Wir dürfen mithelfen, das Reich unseres Christus zu
verwirklichen, in dem wir die Hände falten und zu unserem
Herrn mit all unseren Nöten und Sorgen, aber auch mit all
unseren Freuden kommen, ihn um Hilfe anflehen, aber ihm auch
fúr seine Hilfe danken.
Unser Herr Jesus Christus ladet uns immer wieder ein, an
seinem Tisch zu Gaste zu sein, an seiner Königsmahlzeit
teilzunehmen. In den Einsetzungsworten des Heiligen
Abendmahls heisst es doch:
"Solches tut zu meinem Gedächtnis."
Und wer diese Einladung annimmt und am Abendmahl immer und
immer wieder teilnimmt, der hilft mit, dass Gottes Reich
mitten unter uns aufgerichtet wird.
Wenn wir also im Vaterunser beten:
"Dein Reich komme",
dann bitten wir Gott, dass mitten unter uns sein Wort
verkündigt wird, seine Sakramente der Taufe und des Heiligen
Abendmahls in rechter Weise gehalten werden und dass wir die
Königsherrschaft Jesu Christi anerkennen, in dem wir seinem
Worte gehorchen und nach seinem Willen leben. Dazu helfe uns
der allmächtige Gott.
Wir können nicht schliessen, ohne dass wir hier sagen, das
das, was wir besprochen haben, die Verwirklichung der
Königsherrschaft Jesu Christi in seiner Kirche und in seiner
Gemeinde darstellt.
Dieses soll nur die Plattform dafür sein, dass wir unserem
Herrn mithelfen bei der Verwirklichung seines Reiches mitten
in dieser Welt, wo die Maximen seines Reiches gelten für
alle Menschen, ob reich oder arm, ob Regierender oder
Untertan, wo sein Regierungsprogramm nicht nur für die
Seinen gilt, sondern für alle Menschen.
Der Text der Bitte mit der Erklärung von Martin Luther wurde
bereits schon in der vorhergehenden Erklärung gegeben.
Darum sollt ihr also beten:
"Dein Reich komme."