Vater Unser 04
Lugar/Ort:Rosario

Fecha/Datum:09/07/1955
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Camarero, 17. Juli 1955
Aldea Protestante, 7. August 1955
Paraná, 7. August 1955
Crespo, 14. August 1955
Bovril, 27. Juli 1956
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Gesamtpfarrkonferenz-Abendgottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 19, 40
Skopus: Steine werden schreien.
Das Vaterunser 4 - Lukas 19,40
"Jesus spricht: Wo diese werden schweigen,
so werden die Steine schreien."

Der König aller Könige, der Herr aller Herren, der Heiland
der Welt zieht in seine Königsstadt Jerusalem ein. Gott, der
Herr, ist auf diese Erde gekommen um sein Reich einzunehmen.
Und es erklingt der Königsruf: "Gelobt sei, der da kommt,
ein König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und
Ehre in der Höhe."
Aber dennoch war dieser Einzug so ganz anders erfolgt als
wie es sich die meisten frommen Juden gedacht und geträumt
hatten. Statt eines prunkvollen Einzugs mit Pauken und
Trompeten und einem nachfolgenden marschierenden Heeres nun
dieser ärmlich gekleidete Jesus von Nazaret auf einem Esel,
dem Tiere armer Leute und hinter ihm her dieser schreiende
lose Haufe von Menschen.
Das soll der König des Reiches Gottes sein, der Messias, der
Heiland der Welt? Dass ich nicht lache, so werden viele in
Jerusalem gesprochen und sich verächtlich die Nase rümpfend
von diesem Geschehen abgewandt haben. So ärmlich und so
erbärmlich besteigt kein König seinen Thron, wie es von
diesem Jesus behauptet wird. Und was ist von diesem
gepriesenen König übriggeblieben?
Ein Verbrecher, der zum Tode verurteilt worden ist und nun
am Kreuz hingerichtet wird.
Die Menschen von damals konnten schon an diesem König Gottes
irre werden und zweifeln.
Heute sieht es auch nicht anders aus. Wie ein Hohn klingt es
fast in dieser Welt, wenn wir von Jesus Christus als dem
König aller Könige sprechen. Nichts um uns her, nichts in
der weiten Welt, ist festzustellen, dass dieser Jesus
Christus die Welt regiert. Wer regiert die Welt?
Wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir feststeellen, alle
möglichen und unmöglichen Machthaber, alle möglichen und
unmöglichen Ideen und Weltanschauungen erheben ihren
Anspruch auf die Weltherrschaft. Aber keinerlei Beweise und
Anzeichen sind vorhanden, dass Jesus Christus der Herr der
Welt ist.
Wundern wir uns nicht, wenn wir als Menschen der Kirche, als
Jünger Jesu Christi für verrückt erklärt werden, wenn wir
diesen Machtanspruch unseres Herrn und Heilandes überall in
der weiten Welt verkündigen. Wundern wir uns nicht, wenn wir
deswegen sogar als angebliche Staatsfeinde Verfolgung
erleiden müssen. War es nicht schon bei der Geburt Jesu der
König Herodes, der den Königsanspruch Jesu nicht anerkennen
wollte und daraum danach trachtete, das Kind zu ermorden.
Wundern wir uns aber auch nicht darüber, dass Menschen der
Kirche, fromme Leute, genauso wie damals die frommen
Pharisäer, es einfach nicht vertragen und ertragen können,
wenn da von Jesus von Nazaret behauptet wird:
"Gelobt sei, der da kommt, ein König, in dem Namen des
Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe."
Man möchte Jesus als den Seelenflicker gern annehmen, als
den Propheten und persönlichen Heiland, aber wenn es darum
geht, ihn als den einzigen Herrn unseres Lebens und als den
einzigen Herrscher der Welt anzuerkennen, dann werden selbst
fromme Menschen böse. Jesus möchte nicht nur unser
Seelenarzt sein, sondern auch unser Herr, wie es Martin
Luther in seiner Erklärung zum 2. Artikel zum Ausdruck
bringt:
"Sei mein Herr!"
Jesus Christus erhebt den Anspruch auf unser ganzes Leben,
mit allem, was wir sind; mit allem, was wir haben, und in
allem, was wir denken und tun. Er erhebt auch den Anspruch
als der Herr der ganzen Welt, dem sich beugen müssen alle
Kniee. Das ist nur zu oft für uns alle unangenehm. Wir
möchten an unserem Platze nur zu gern selbst kleine
Herrgötter sein, auch in der Kirche. Dieser
Herrschaftsanspruch Jesu Christi hat allerdings auch gar
nichts mit dem Machtanspruch z.B. der römisch-katholischen
Kirche zu tun.
Vor wenigen Jahren konnte es mir im Siegerland in
Deutschland passieren, dass mir von frommen Christen gesagt
wurde, ich möchte doch bei ihnen nicht von Jesus Christus
als dem Herrn Himmerls und der Erde predigen, sondern von
Jesus als dem Heiland der menschlichen Seele.
In dem selben Sinne wird heute in Westdeutschland von vielen
Christen behauptet, ob Menschen in einem Kriege sich
totschlagen müssen oder ob Atombomben hergestellt und
abgeworfen werden dürfen, die hunderttausende von Menschen
dahinmorden, das hat nicht Jesus Christus und sein Wort zu
entscheiden, sondern die weltlichen Machthaber, staatlichen
Obrigkeiten. Jesus Christus und sein Wort haben nur dafür zu
sorgen, dass Menschen, die eine Atombombe werfen, dass
Menschen, die von solch einer Bombe getroffen werden, mit
einem getrösteten Gewissen sterben können.
Es ist auch zu unerhört, dass Jesus Christus sich in die
Dinge der Welt einmischen wollte, dass er uns in den
entscheidenden Dingen der Welt befehlen wollte. Welches
Recht hat er zu sagen, dass die ganze Herstellung der
Atomwaffen die augenblicklich grösste Gotteslästerung ist.
Es ist ja zu unerhört, dass da in Jerusalem die Jünger von
diesem Jesus behaupten, er sei der König Gottes, der Herr
der ganzen Welt, darum die Aufforderung der frommen
Pharisäer an Jesus:
"Meister, strafe doch deine Jünger! (die so etwas
behaupten)."
Darum die Aufforderung vieler frommen Christen, die Kirche
möchte sich nur um das Seelenheil der Menschen lümmern.
Unerhört erscheint es, dass sie heute noch verkündigen, dass
Jesus Christus den Anpruch auf unser ganzes Leben erhebt,
dass wir für alles, was wir tun und denken, ihm
verantwortlich sind, dass wir bei unserem ganzen Handeln
fragen müssen: Herr, was willst du, dass ich tun soll, denn
du bist der Herr aller Herren, dem allein ich bedingungslos
Gehorsam schuldig bin.
Weil das so unerhört ist, darum die Stimmen vieler Christen:
Die Hauptsache unseres christlichen Glaubens ist allein
unser Seelenheil.
Nein, nicht unser aller Seelenheil ist die Hauptsache
unseres christlichen Glaubens, sondern dass die
Königsherrschaft Jesu Christi, sein Friedensreich, mitten in
dieser sich gegenseitig hassenden und zerstörenden Welt
aufgerichtet wird, darum die Bitte im Vater unser:
"Dein Reich komme!"
Es ist nun möglich, dass das Zeugnis von der
Königsherrschaft Jesu Christi durch Verspottung und durch
Verfolgung seiner Jünger zum Schweigen gebracht werden soll.
Das sieht Jesus Christus ganz klar, wenn er sagt:
"Wo diese werden schweigen, so werden die Steine schreien."
Wo die Botschaft von dem einen König Jesus Christus zum
Verstummen gebracht worden ist, da werden die Ruinen und
Trümmerhaufen eine desto deutlichere Sprache reden.
Wer diesen einen Herrn nicht anerkennen will, wird es schon
zu spüren bekommen, was es heisst, ihn, den Herrn, von
seinem Thron stürzen zu wollen. Trümmerhaufen zeugen davon,
dass dieser eine Herr nicht von seinem Thron gestürzt werden
kann, dass im Gegenteil menschliche Macht und Grösse vor
ihm zerbricht und sich in einen Trümmerhaufen verwandelt.
Nur einige Jahrzehnte später haben die Frommen Jerusalems es
am eigenen Leibe erfahren Mússen, was es heisst, den Herrn
aller Herren ans Kreuz zu schlagen. Kein Stein blieb auf dem
anderen. Die zerstörten Städte Deutschlands waren solche
schreienden Zeugen des einen Herrn Jesus Christus, der auch
mit eiserner Faust dazwischenschlagen kann.
Unsere ganze heutige Menschheit hat im Angesichte der
grausamen Erzeugnisse menschlichen Geistes, der Atomwaffen,
keine andere Wahl, entweder sich ganz unter die Herrschaft
des Friedenskönig Jesus Christus zu stellen oder damit zu
rechnen, dass die ganze Erde ein Trümmerhaufen wird.
"Jesus Christus, König und Herr,
sein ist das Reich, die Kraft, die Ehr.
Gilt kein anderer Name,
heut und ewig. Amen."
Darum lasst uns nicht müde werden, unseren Herrn als den
einen wahren Königs des göttlichen Friedensreiches vor aller
Welt zu verkündigen und danach zu leben und zu beten im
Vaterunser:
"Dein Reich komme!"
Dann braucht dieses Gerichtswort Jesu nicht in Erfüllung
gehen:
"Wo seine Jünger werden schweigen,da werden die Steine
schreien."

"Dein Reich komme.
Was ist das?
Gottes Reich kommt wohl unser Gebet von sich selbst,
aber wir bitten in diesem Gebet, dass es auch zu uns
komme.
Wie geschieht das?
Wenn der himmlische Vater uns seinen Heiligen Geist
gibt, dass wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade
glauben und göttlich leben, hier zeitlich und dort
ewiglich."