Sermones Varios 08
Lugar/Ort:Wege zum Wort-Lesepredigt

Fecha/Datum:18/12/1955
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:4. Advent
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Philipper 4, 4-7
Skopus: Der Herr ist nahe.
Varias 8 -Philipper 4,4-7
(Lesepredigt)
"Freuet euch in dem Herrn allewege! Und abermals sage ich:
Freuet euch! Eure Lindigkeit lasset kund sein allen
Menschen! Der Herr ist nahe! Sorget nichts! sondern in allen
Dingen lasset eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung
vor Gott kund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher
ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in
Christo Jesu!"

Wer den Text mit rechten Ohren gehört hat, wird noch ganz
von der großen Freude des Apostels Paulus beeindruckt sein.
In einer unüberhörbaren Weise fordert er die Christen zu
Philippi, fordert er auch uns auf, mit in seinen
Freudengesang einzustimmen:
"Freuet euch in dem Herrn allewege! Und abermals sage ich:
Freuet euch!"
Er sagt es so deutlich, da keiner mehr von uns sagen könnte,
er habe diesen Aufruf zur Freude nicht gehört.
Alledings wird es vielen von uns dabei so ergehen, daß wir
abwehrend die Hand ausstrecken und sagen: Bleibe mir weg mit
einer Aufforderung zur Freude. Mein Leben ist nur Kummer und
Leid gewesen, und auch für die Zukunft weiß ich nicht mehr
aus noch ein.
Es mag durchaus so sein, daß viele von uns schon lange Zeit
keine frohen Stimmungen mehr gehabt haben und vielleicht gar
nicht mehr recht wissen, was Freude eigentlich bedeutet.
Aber meinen wir doch nur nicht, daß Paulus den Aufruf zur
Freude aus einer frohen Stimmung und Laune heraus gibt oder
daß es ihm zur Zeit des Schreibens äußerlich und innerlich
besonders gut geht. Nein, Paulus hat wirklich auch Grund
genug, um zu stöhnen und zu seufzen und zu klagen: denn er
sitzt als Gefangener im Gefängnis. Und dennoch kommt aus
seinem Munde kein Klagen, sondern der Aufruf zur Freude.
Nur wenige Tage trennen uns von dem Fest, das schlechthin
das Fest der Freude genannt wird, das Weihnachtsfest. Wenn
dieses Fest nur ein Fest der frohen Stimmungen werden soll,
dann können in der Tat nur wenige besonders veranlagte
Menschen es feiern. Was könnten uns aber frohe Stimmungen
schon nützen.
Und wenn wir dieses Fest nur feiern könnten, wenn es uns gut
geht, wenn wir in unseren Wohnungen die vielen Geschenke
aufgetürmt haben - was sollen dann die vielen Menschen
machen an diesme Tage, denen nicht einmal das Nötigste
gegeben ist, um ihren Hunger zu stillen, um nicht in der
Kälte zu frieren?
Genau so wie der Aufruf zur Freude des Apostels nichts mit
frohen Stimmungen und nichts mit einem guten und
wohlhabenden Leben zu tun hat, genau so ist es bei dem
kommenden Fest der Freude.
Was mag das dann sein, was den Apostel mitten im Gefängnis,
was mag das heute sein, was Menschen am kommenden
Weihnachtsfest mitten in aller Not und in allem Elend
dennoch froh werden läßt - ohne alle erhebenden Stimmungen?
Wir brauchen bei dieser Frage nicht lange auf eine Antwort
zu warten. Der Apostel nennt uns die Ursache seiner Freude.
Er nennt uns den Grund, warum da, wo rein menschlich alle
Freude eigentlich ersterben müßte, dennoch Raum zur echten
Freude gegeben ist.
"Der Herr ist nahe!"
Paulus kann sich hinter Gefängnismauern mitten in der Not
und Anfechtung freuen, weil er einen Herrn Jesus Christus
hat, der sein Heiland ist, der ihm nahe ist.
Darum geht es doch eigentlich auch bei dem kommenden
Weihanchtsfest, das doch besser CHRISTFEST genannt werden
sollte. Dort im Stalle zu Bethlehem geschah es, daß der Sohn
Gottes auf diese Erde kam, um uns ganz nahe zu sein, um
einer der Unsrigen zu werden, damit wir aus seinem Munde es
in aller Deutlichkeit ohne alle Zweifel hören sollten, wie
unaussprechlich lieb Gott uns hat.
Es ist das KInd in der Krippe, das dann später am Kreuz für
deinen und meinen Ungehorsam sterben mußte, damit Gott bei
seinem Versprechen bleiben konnte, uns dennoch zu lieben.
Von diesem Herrn Jesus Christus hat dann selbst dieser
Christushasser Saulus das heilende und frohmachende Wort der
Sündenvergebung hören dürfen.
Nur wer sich von diesem Herrn seine Schuld immer und immer
wieder hat vergeben lassen, weiß etwas von der Freude, von
der Paulus zu verkündigen nicht müde wird:
"Freuet euch in dem Herrn allewege! Und abermals sage ich:
Freuet euch!"
Und diese Freude ist keine fromme Stimmung und kann auch in
aller äußeren und inneren Not erlebt werden, wenn Jesus
Christus, der Heiland, uns nahe ist und uns zuruft:
"Dir sind deine Sünden vergeben!"
Dieses Wort kann dir die ganze Freudigkeit auch für das
Christfest geben, selbst ohne Weihnachtsbaum und ohne
Geschenke und ohne äußeren Prunk und Glanz. Daran erinnert
uns Paulus und läßt einmal all den Weihnachtszauber beiseite
und läßt uns das schauen, was der eigentliche Grund auch der
Christtagsfreude sein soll.
Mit der festen Gewißheit, daß
"der Herr nahe ist",
denkt Paulus auch an den Herrn, der wiederkommen wird, nun
nicht mehr als ein kleines Kind im Stall zu Bethlehem,
sondern in aller Pracht und Herrlichkeit als der, vor dem
sich beugen müssen aller derer Knie, die im Himmel und auf
Erden sind.
Ihm, dem nahenden Herrn aller Herren, darf Paulus angehören
und ihm entgegenziehen. Was spielen dabei die
Gefängnismauern schon für eine Rolle. Wer diesem Herrn
angehört, hat den Mächtigsten Himmels und der Erden auf
seiner Seite und weiß sich geborgen unter seiner
Herrsschaft. Sollte dabei einer traurig sein können?
Nein! Wer diesen Herrn sein eigen nennt, kann nur so froh
sein wie der Apostel Paulus auch; der kann und darf sich aus
aller Traurigkeit und Trübsal herausreißen und von diesem
Herrn Jesus Christus froh machen lassen.
In unserem Text wird uns auch gesagt, was diese Freude in
unserem Leben bewirkt:
1. Diese Freude bewirkt bei uns, daß wir gütig werden
gegenüber allen Menschen:
"Eure Lindigkeit lasset kund sein allen Menschen!"
Wer solch einen Herrn hat und sich durch ihn hat froh machen
lassen, braucht hinfort gegen niemanden irgendeinen Groll
und erst recht keinen Haß zu hegen. Er steht ja in der Hand
seines treuen Herrn, so daß ihm selbst von seinen
schlimmsten Feinden nichts angetan werden kann.
Ja, Jesus Christus gibt uns sogar die Möglichkeit, unsere
Feinde zu lieben, denn er ist auch für unsere Feinde
gestorben, sogar für seine eigenen Feinde. War er es nicht,
der uns liebte, als wir noch zu seinen Feinden zählten?
2. Diese Freude bewirkt, daß uns Jesus Christus aus unserem
sorgerischen Handeln und Treiben befreit:
"Sorget nichts! sondern in allen Dingen lasset eure Bitten
und Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden."
Wer solch einen Herrn Jesus Christus hat, der wird befreit
von allen Sorgen, als ob wir uns unser Leben selbst sichern
könnten. Jesus Christus, der uns nahe ist, ist allein unser
Schutz und unsere Hilfe. Ihm brauchen wir in allen Dingen
unseres Lebens nur die leeren Hände emporzustrecken, damit
er sie fülle. Noch niemand ist mit seiner Hoffnung zu diesme
Herrn auf dieser Erde zuschanden geworden. Dieser Herr hilft
uns sogar so, daß uns immer noch Grund zum Danken bleibt.
Wir sollten es wirklich in unserem Leben einmal probieren,
unser ganzes Vertrauen auf diesen Herrn zu setzen. Wir
würden es erleben, wie reich wir mit ihm werden.
Zum Schluß weist der Apostel Pauslus darauf hin, daß Gott
selbst es ist, der uns in dieser Freude, die Jesus Christus
uns geschenkt hat, bewahren will, damit wir nie solche
Menschen werden, die hin und her wanken.
Gott selbst will wachen, daß wir bei seinem Sohne aushalten
und uns von ihm halten lassen, bis daß sich der herrliche
Tag seiner Ankunft erfüllen wird:
"Der Friede Gottes, welcher Höher ist denn alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen 8und Sinne in Christo Jesu!"