Sermones Varios 07
Lugar/Ort:Wege zum Wort-Lesepredigt

Fecha/Datum:30/12/1956
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Sonntag nach Weihnachten
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Johannes 5, 30-39
Skopus: Vater im Himmel schenkt rechte Weihnmachtsfreude
Varias 7 -Johannes 5,30-39
(Lesepredigt)
"Ich kann nichts von mir selber tun. Wie ich höre, so richte
ich, und mein Gericht ist gerecht; denn ich suche nicht
meinen Willen, sondern des Vaters Willen, der mich gesandt
hat. So ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht
wahr. Ein anderer ist's, der von mir zeugt; und ich weiß,
daß das Zeugnis wahr ist, das er von mir zeugt. Ihr
schicktet zu Johannes, und er zeugte von der Wahrheit. Ich
aber nehme nicht Zeugnis von Menschen; sondern solches sage
ich, auf daß ihr selig werdet. Er war ein brennend und
scheinend Licht; ihr aber wolltet eine kleine Weile fröhlich
sein in seinem Licht. Ich aber habe ein größeres Zeugnis
denn des Johannes Zeugnis; denn die Werke, die der Vater mir
gegeben hat, daß ich sie vollende, eben diese Werke, die ich
tue, zeugen von mir, daß mich der Vater gesandt hat. Und der
Vater, der mich gesandt hat, derselbe hat von mir gezeugt.
Ihr habt nie wieder seine Stimme gehört noch seine Gestalt
gesehen, und sein Wort habt ihr nicht in euch wohnend; denn
ihr glaubet dem nicht, den er gesandt hat. Suchet in der
Schrift; denn ihr meinet, ihr habet das ewige Leben darin;
und sie ist's, die von mir zeuget."

Wir stehen sicherlich alle noch unter dem Eindruck des
Christfestes, das wir gefeiert haben. Jesus Christus, der
Heiland der Welt, ist vom Vater im Himmel auf die Erde
gekommen, Diese Welt ist eine Welt voller Haß, in der man
sich nichts daraus macht, wenn der andere totgeschlagen wird
oder verhungert am Wege liegen bleibt. In diese Welt, in der
schon viele Tränen geweint worden sind und in der schon viel
Leid hat ertragen werden müssen, kommt der Messias Gottes.
Er kommt, um uns die Tür zum Vaterhaus wieder aufzuschließen
und uns an die Hand zu nehmen und zum Vater im Himmel
zurückzubringen. Er hat die Bitterkeit und Grausamkeit eines
menschlichen Lebens ganz auf sich genommen. Wir haben nun
einen Gott, der die Nöte und Gefahren eines menschlichen
Lebens mit durchgemacht hat. Ja, er ist sogar wie ein
Verbrecher zum Tode verurteilt und dann hingerichtet worden.
Wir haben nun einen Gott, der uns in allen unseren Sorgen
und Anfechtungen besser versteht als sonst irgend jemand.
Wir kennen doch alle die Verheißungen aus dem Alten
Testament, die in der Adventszeit und am Christfest immer
wieder lebendig werden:
"Machet die Tore weit
und die Türen in der Welt hoch,
daß der König der Ehren einziehe.
Wer ist derselbe KÖnig der Ehren?
Es ist der Herr Zebaoth,
er ist der König der Ehren."
Oder:
"Uns ist ein Kind geboren
ein Sohn ist uns gegeben,
und die Herrschaft ist auf seiner Schulter
Und er heißt Wunderbar,
Rat, Kraft, Held, Ewig-Vater, Friedefürst."
Oder:
"Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gererchter und ein
Helfer, arm und reitet auf einen Esel."
Oder wie alle die Verheiungen heißen mögen. Sie alle wollen
uns bezeugen, daß das Kind wirklich der Messias Gottes ist,
der Retter für uns Menschen. Woher nehmen wir sonst diese
feste Gewißheit? Denn könnte es nicht auch so sein, daß das
Kind, daß dort in Palästina das Licht der Welt erblickte,
irgendeines von den vielen Kindern ist, die damals in de
betreffenden Nacht geboren wurden?
Bei den meisten von uns steckt gerade in der Advents- und
Weihnachtszeit trotz aller Feststimmung etwas von diesem
Zweifel, daß hinter all der weihnachtlichen Stimmung doch
nur Menschliches-Allzumenschliches steht - Freude am
strahlenden Weihnachtsbaum etwa oder Verherrlichung der
Mutterschaft oder ein Betäubungsmittel, um einmal von der
Schwere des Alltages wegzukommen. Diese Zweifel sind nicht
nur heute unter uns lebendig, sondern schon damals zur Zeit
Jesu kamen Menschen damit zu ihm:
Wie kommst du Wanderprediger dazu zu behaupten, daß du der
Messias Gottes bist?
Selbst Johannes der Täufer ließ Jesus fragen:
"Bist du der, der da kommen soll oder sollen wir eines
anderen warten?"
Woher wissen wir wirklich, daß das Kind in der Krippe der
Sohn Gottes ist und nicht irgendein Mensch wie du und ich?
Jesus gibt uns in unserem Text eine Antwort auf diese Frage;
eine Antwort, wie er sie damals den fragenden und
zweifelnden Juden gegeben hat. Er weist sie an seinen Vater
im Himmel:
"Der Vater ist es, der von mir zeuget, und ich weiß, daß das
Zeugnis wahr ist, das er von mir zeuget."
Wer wissen will, ob Jesus der Sohn Gottes ist, der Messias
und der Heiland der Welt, der braucht nicht von einer Stelle
zur anderen zu laufen. Er kann zum Vater im Himmel kommen
und ihn bitten, daß er ihm alle Zweifel am
Christtagsgeschehen nehme, damit auch er, selbst wenn das
Christfest schon vorbei ist, dort an der Krippe niederfallen
und dieses Kind anbeten kann als seinen Retter. Dieser Vater
im Himmel ist es gewesen, der bei der Geburt Jesu die Engel
verkündigen ließ:
"Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große
Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute
der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der
Stadt Davids."
Dieser Vater ist es gewesen, der bei der Taufe selbst
bezeugte:
"Das ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen
habe."
Dieser unser Gott im Himmel ist es gewesen, der seinen Sohn
Für uns sterben ließ, damit die schwere Schuld und Strafe
von uns genommen und unser Ungehorsam uns vergeben wird.
Dieser Herr ist es gewesen, der seinen Sohn aus dem Tode
auferweckte und damit besiegelte, daß dieser Jesus von
Nazareth wahrhaftig sein Sohn und der Heiland der Welt
gewesen ist. Dieser unser Gott hat dann seinen Sohn zum
Herrn und König über Himmel und Erde gesetzt und ihm alle
Macht und Herrlichkeit übertragen.
Wir brauchen also wirklich nur zu diesem Vater im Himmel zu
gehen, um das Zeugnis zu hören und zu glauben, daß das Kind
in der Krippe unser Heiland ist. Wir sind nicht auf
menschliche Meinungen und Ansichten angewiesen,selbst nicht
auf die frommer Menschen. Sogar solch ein Mensch wie
Johannes, der Täufer, ist in seiner persönlichen Meinung
nicht beweiskräftig genug, um als Zeuge auftreten zu können
für die Richtigkeit dessen, was zu Weihnachten verkündigt
wurde. Auch die Verkündiger des Wortes auf den Kanzeln der
Welt können in ihrer persönlichen Meinung nicht als Zeugen
auftreten.
"Ihr schicktet zu Johannes, und er zeugte von der Wahrheit.
Ich aber nehme nicht Zeugnis von Menschen."
Gott, der Herr, ausschließlich und allein, ist es gewesen
und ist es noch heute und bleibt es auch in Zukunft, der
jedem einzelnen Menschen bezeugt, daß Jesus sein Heiland und
der Heiland der Welt ist.
Was Jesus tut und spricht, tut und spricht er im Auftrage
seines Vaters. Er hat uns auch gesagt, wo wir Gottes Stimme
hören können, wo wir Gottes Zeugnis von ihm, dem Sohne,
vernehmen dürfen::
"Suchet in der Schrift; denn ihr meinet, ihr habet das ewige
Leben darin; und sie ist's, die von mir zeuget."
In keinem anderen als in dem Worte Gottes finden wir die
Gewißheit, daß das Geschehen dort in der Christnacht Gottes
Geschehen für uns war. In keinem anderen als in dem Worte
Gottes wird uns bezeugt, daß dieses hilflose Kind in der
Krippe unser einziger und wahrer Helfer aus aller Not und
Traurigkeit ist und bleibt. Darum hat alles Reden der
Menschen über Jesus - ganz gleich, ob von Johannes oder von
den Jüngern oder von den Predigern heute - nur dann einen
Wert, wenn sie uns Gottes Wort sagen. Nur wenn alles Reden
in der Kirche Gottes Wort ist, kann dieses Wort an uns
wirken, so daß auch wir auf die Knie fallen und den König
der Ehren anbeten:
"Ich steh an deiner Krippe hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und laß dirs wohlgefallen."
So tut es heute am Sonntag nach Weihnachten gut, uns daran
erinnern zu lassen, daß es mit ein wenig Feststimmung am
Heiligabend und am Christfest, mit ein paar Geschenken nicht
getan ist, sondern es kommt alles darauf an, daß wir Tag für
Tag, im grauen Alltag unseres Lebebns mit allen seinen Mühen
und Sorgen und Nöten, zu diesem Worte Gottes greifen. Es
kommt alles darauf an, daß wir dahin gehen, wo dieses Wort
Gottes verkündigt wird, damit wir immer und immer wieder von
dieser Christtagsfreude hören und es erleben dürfen:
Christus, dein Retter und Helfer, ist da.