Predigten im Jahre 1952 - 24 -
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum: / /
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:1952
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Johannes 21, 1 - 14
Skopus: Jesu Erscheinung am See Genezareth
Predigten im Jahre 1952 - 24 - Johannes 21, 1 - 14
"Darnach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern an dem
Meer bei Tiberias. Er offenbarte sich aber also: Es waren
beieinander Simon Petrus und Thomas, der da heißt Zwilling,
und Nathanael von Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus
und andere zwei seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu
ihnen:
Ich will hin fischen gehen. Sie sprachen zu ihm: So wollen
wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und traten in das
Schiff alsobald; und in derselben Nacht fingen sie nichts.
Da es aber jetzt Morgen war, stand Jesus am Ufer; aber die
Jünger wußten nicht, daß es Jesus war. Spricht Jesus zu
ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten
ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werfet das Netz zur
Rechten des Schiffes, so werdet ihr finden. Da warfen sie,
und konnten's nicht mehr ziehen vor der Menge der Fische. Da
spricht der Jünger, welchen Jesus liebhatte, zu Petrus: Es
ist der Herr! Da Simon Petrus hörte, daß es der Herr war,
gürtete er das Hemd um sich sich (denn er war nackt) und
warf sich ins Meer. Die anderen Jünger aber kamen auf dem
Schiff (denn sie waren nicht ferne vom Lande, sondern bei
zweihundert Ellen) und zogen das Netz mit den Fischen. Als
sie nun austraten auf das Land, sahen sie Kohlen gelegt und
Fische darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringet her
von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus
stieg hinein und zog das Netz auf das Land voll großer
Fische, hundertunddreiundfünfzig. Und wiewohl ihrer so viel
waren, zerriß doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen:
Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern
wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? denn sie wußten, daß es
der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's
ihnen, desgleichen auch die Fische. Das ist nun das
drittemal, daß Jesus Jesus offenbart seinen Jüngern, nachdem
er von den Toten auferstanden war."

Einige Jünger, darunter Petrus und Johannes, sind im Norden
des Landes, wird uns berichtet. Aber wir können sicher
annehmen, daß sie auf Grund des Auftrages des
Auferstandenen, nach Galiläa zu gehen, sich dorthin auf den
Weg gemacht haben. Die Jünger sind in einer Lage, die von
der Frage bewegt ist:
Wie wird sich die verheißene Begegnung mit dem
auferstandenen Herrn gestalten?
Wir können uns gut vorstellen, daß sie ihre gespannte und
innere Unruhe kaum noch zu ertragen wissen, vornean Petrus.
So gehen sie, auf Vorschlag des Simon Petrus, an ihre
bürgerliche Arbeit. Sie fahren auf den See und fangen
Fische.
Und das Ergebnis einer ganzen Nachtschicht ist gleich Null.
Und es ist nicht leicht, am Ende einer Arbeitsschicht oder
einer Arbeitswoche, oder eines ganzen Lebensabschnittes oder
am Ende seines Lebens erfahren zu müssen:
Mein ganzes Leben war umsonst, mein Leben ist ohne einen
Sinn geblieben.
Möchte es uns doch dann auch so ergehen, wie es den Jüngern
ergangen ist, daß der auferstandene Herr uns in unserem
sinnlosen Lebensabschnitt begegnet.
Die Jünger und auch wir haben ja noch die Botschaft von
Ostern im Ohr:
"Jesus Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig
auferstanden!"
Und es kann nichts anderes geben, als daß wir uns mit den
Jüngern danach sehnen, daß der Auferstandene sich auch uns
zeigt. Muß das doch ein Erlebnis werden!! Welche
Vorstellungen und Hoffnungen mögen sich mit solch einer
Begegnung mit dem auferstandenen Herrn verbinden?!
Und da steht vor ihnen ein unbekannter Mann.
Es wird sofort in unserem Text eine Erklärung gegeben, daß
es Jesus ist. Aber für die Jünger war der auferstandene Herr
ein Unbekannter, fremder Mann. Dieser Jesus in seiner
Herrlichkeit als der erhöhte Herr hat nichts an sich, was
ihn als den auferstandenen Herrn kennzeichnet. Er trägt
keine Krone und hat auch keinen Heiligenschein um seinen
Kopf und ist auch sonst nicht an seiner Herrlichkeit zu
erkennen.
Jesus steht also da am Ufer, da die Jünger ihn nicht
erkennen. Sie wußten nicht, daß dieser fremde Mann Jesus
war.
Und es wäre wirklich schon eine Frage, ob nicht Jesus auch
schon dort gestanden hatte, als sie auf den See hinausfuhren
und sie hatten ihn nicht bemerkt. Ist vielleicht die Pleite
der Nacht beim Fischfang darauf zurückzuführen, daß sie an
Jesus, ihrem Herrn, dem Auferstandenen, achtlos
vorübergegangen sind?
Vielleicht ist das auch unsere Not, daß wir in dem Wunsch,
dem Auferstandenen zu begegnen, auf etwas auch rein
Außergewöhnliches warten.
Und wir warten enttäuscht darauf, denn es geschieht kein
Wunder. Es bleibt alles beim Alten. Wir gehen allein an die
Arbeit. Wir nehmen unser Leben selbst in die Hand und sind
fest davon überzeugt, daß das mit Auferstehung und mit dem
Auferstandenen ein Bluff ist.
Dabei sind wir an dem Auferstandenen schon längst
vorübergegangen.
Wir erwarteten etwas Außergewöhnliches und beachteten ihn
nicht in seinem Wort und in seiner Verkündigung, in der er
auch heute gegenwärtig mit uns redet.
Und die Sprache des Auferstandenen, die Sprache der
Verkündigung, ist nicht unterschieden von der Sprache der
Straße und des häuslichen Lebens. Sie sind so wenig zu
unterscheiden, wie der auferstandene Jesus am See Genezareth
von den anderen Menschen zu unterscheiden war. So, wie der
auferstandene Herr vor den Jüngern in der Gestalt eines
fremden Menschen steht, ist sein Wort in der Gestalt unserer
Sprache bei uns. Es gibt keine Sprache Kanaans, die
besonders heilig wäre oder von besonderer Herrlichkeit.
Und das ist schon wahr, leicht ist Jesus unter den anderen
Menschen nicht zu erkennen, wie auch Gottes Wort nicht so
leicht unter den vielen Wörtern der Menschen zu erkennen
ist.
Aber sicher werden wir sagen, wenn Jesus aber seinen Mund
auftut und mit seinen Jüngern spricht, dann werden sie
erkennen, dann werden wir ihn in dem, was er sagt, sofort
erkennen:
Es ist der Herr, der Auferstandene.
Und jetzt öffnet Jesus seinen Mund:
"Kinder, habt ihr nichts zu essen?!"
Seien wir doch ehrlich, müssen die Jünger und auch wir nicht
enttäuscht sein? Ist diese Frage wirklich eine Frage des
erhöhten Herrn und Meisters? Statt eines außergewöhnlichen
Wortes nun diese einfache und primitive und doch wichtige
menschliche Frage. Sie ist doch des auferstandenen Hernn
nicht würdig. Jesus muß uns doch viele größere und
erhabenere Dinge sagen. So ist jedenfalls unsere Meinung von
dem Auferstandenen.
Nein, Jesus hat es wirklich mit unserem grauen Alltag und
Werktag zu tun. Er fragt uns nicht, mit welchen Gedanken wir
uns am Sonn- oder Feiertag beschäftigen, sondern er fragt
nach unserem Leben an der Hobelbank, bei der Förderung der
Kohle, bei der Arbeit als Hausfrau im Haus oder ganz gleich,
wo es sein mag.
Jesus fragt uns danach, wo die Not unseres Lebens sitzt? Wo
wir enttäuscht sind?
In unserem Text fragt er die Jünger nach ihrer Pleite. Es
ist die Erfolglosigkeit des Fischens in der Nacht. Wo mag
die Pleite stecken, nach der Jesus uns fragt? Aber wenn wir
sie auch jetzt noch nicht wissen sollten, der Auferstandene
wird uns dennoch danach fragen, sodaß wir erschrocken
dreinschauen. Wird doch diese Frage klar und deutlich, daß
wir unser Leben selbst in die Hand genommen haben, ohne auf
ihn in rechter Weise gewartet zu haben.
Und was können wir schon auf eine Frage nach dem Ziel
unseres Lebens und seiner Ausgestaltung anders antworten,
als, es ist alles verpfuscht, weil wir nicht nach ihm
gefragt haben.
Hat unser Leben durch die enge Verbindung mit dem
Auferstandenen wirklich den so notwendigen Tiefgang, so wie
ein Schiff, wenn es nicht auf Grund auflaufen soll, eine
bestimmte Tiefe des Wassers haben muß.
Schämen wir uns nicht, vor dem auferstandenen Herrn zu
bekennen, zusammen mit seinen Jüngern:
Nein, unsere Verbindung mit dir ist immer noch unbeständig,
denn nur so kann Jesus uns helfen:
"Werfet das Netz zur rechten Seite des Schiffes aus, so
werdet ihr Fische finden!"
Gerade an der Stelle, wo wir nicht mehr aus noch ein wissen,
wo wir gestrauchelt sind, da dürfen wir wieder ganz neu
anfangen, da bekommt unser ganzes Leben einen neuen Sinn.
Aber hier in unserer Geschichte stehen wir wieder vor der
großen Schwierigkeit, daß Jesus als der Auferstandene gar
nicht zu erkennen ist. Irgendein fremder Mensch ist es ja in
den Augen der Jünger, der ihnen den Auftrag gibt, das Netz
auszuwerfen. Was gibt den Jüngern die Gewißheit, diesem
unbekannten Menschen zu gehorchen?
Wir müssen wirklich sagen, daß eigentlich nichts vorhanden
ist, was im letzten Grund die Gewißheit gibt, den Rat des
fremden Mannes durchzuführen. Kommt da doch so irgendein
Mensch an unsere Arbeitsstelle, den wir nicht kennen, und
sagt uns, wir sollen nicht das tun, was nach eigener
Erfahrung richtig ist, sondern wir sollen das tun, was er
sagt. Und das wird uns gesagt, die wir doch auf diesem
unserem Gebiete so viele Erfahrungen schon gesammelt haben.
Werden wir nicht diesem fremden Mann sagen, er solle sich
fortscheren und uns nicht behelligen, so dumm wären wir ja
auch nicht, daß wir nicht wüßten, was da zu tun sei oder was
da nicht zu tun sei. Sind wir doch Spezialisten auf unserem
Gebiet und haben unseren Beruf mit seinen bestimmten Regeln
wirklich gelernt.
Und glauben wir nur nicht, daß die Jünger nicht auch ihren
Berufsstolz als Fischer, wie wir ebenfals, gehabt haben.
Und doch - , sie tun, was dieser wildfremde Mann gesagt hat.
Sie werfen noch einmal, am hellichten Tage, gegen alle
Regeln des Fischfangs, ihre Netze aus. Wie können wir das
erklären?
Dieses können wir wirklich nicht erklären. Es ist nichts,
was die Jünger in der Hand hatten, um diesem Manne ihr
Vertrauen zu schenken. Genauso haben wir nichts in der Hand,
was uns als Beweis dienen könnte, wenn wir vor dem
verkündigten Worte Gottes stehen. Aber doch geschieht schon
da das große Wunder, daß die Jünger willig werden, diesem
Manne zu gehorchen. Es ist die Kraft des Auferstandenen und
Erhöhten, der trotz der niedrigen Gestalt, Menschen nach
seinem Bilde umgestalten kann. Selbst, wenn wir hier unter
der Kanzel sitzen und voller Zweifel sind, daß es wirklich
der Auferstandene ist, der dieses Wort zu uns sagt, so kann
doch der Auferstandene uns willig dazu machen, daß wir ihm
gehorsam sind.
Das ist das Wunder, auf das wir auch in dieser Osterzeit
warten dürfen, daß wir bereit und willig werden, dem
auferstandenen Herrn, der unser Leben wieder in Ordnung
bringen will, zu gehorchen. Und dem Gehorsamen erweist sich
der Auferstandene als der Herrliche und Mächtige, als der
Herr des Himmels und der Erde.
"Und das Netz kann die Menge der Fische kaum fassen."
Nun erweist sich das Wort dieses Mannes nicht als ein leeres
Wort. Es geschieht das Erstaunliche, daß das Fangen der
Fische auf den Befehl dieses Mannes von einem großen Erfolg
gekrönt wird, während ihr Mühen und Abrackern während der
ganzen Nacht völlig umsonst gewesen war.
Jetzt haben unsere Mühen und Plagen, unser ganzes Leben,
einen Sinn und Inhalt und ein Ziel bekommen, seit der
auferstandene Herr uns in den Dienst gestellt hat und uns
mit unserem ganzen Leben in Beschlag genommen hat.
Die Angst vor dem Bankrott unseres Lebens kann weichen,
Jesus, der Auferstandene, ist uns begegnet und will jeden
Tag aufs neue begegnen.
Während wir sagen mußten, nicht an der Gestalt des
Auferstandenen, nicht am Worte, können wir erkennen, daß
der, der vor uns steht, Jesus Christus ist, können wir jetzt
bekennen, es gibt eine Möglichkeit, daß wir Jesus erkennen
als den, der in seinem Worte wirklich zu uns spricht.
Dieses große Erkennungszeichen ist, daß alle seine
Verheißungen, die er uns durch sein Wort gegeben hat, in
Erfüllung gehen.
Johannes kann auf Grund dieser Tatsache, die er in dieser
Begegnung erfahren hat, zu Petrus sagen:
"Es ist der Herr!"
Wollen wir nicht alle heute anfangen, dem Worte des Herrn
wirklich zu trauen, damit auch wir es in unserem Leben
erfahren, Jesus, der auferstandene Herr, steht zu seinem
Wort, steht zu seiner Verheißung, daß wir erleben, es ist
wirklich der Herr, der so mit uns in seinem Worte handelt.
In mühevoller Arbeit hat Petrus das übervolle Netz ans Land
gezogen. Und da nun alles erledigt ist, bittet der
Auferstandene seine Jünger an den Tisch:
"Kommt und haltet das Mahl!"
Während sie sich im Ringen und Mühen ihres Lebens abgemüht
haben, hat Jesus ihnen schon längst das Mahl bereitet. Ehe
wir überhaupt im entferntesten daran dachten, für unseren
Lebenskampf die rechte Speise zu bereiten, hat der
auferstandene Herr schon längst daran gedacht. Ein Feuer mit
Fischen und Brot, ist das Zeichen.
Noch wird auch dieses Mahl ein vorläufiges Mahl sein, aber
schon längst hat er den Seinen in der Herrlichkeit einen
ewigen Tisch zubereitet, an dem es nur Freude und Jubel
geben wird:
"Jesus Christus ist der Auferstandene."
Er, der Auferstandene selbst, ist unser Gastgeber. Er reicht
uns das Brot und den Fisch dar.
Ob wir bereit sind, seine Gäste zu sein, wenn er uns zuruft:
"Kommt, denn es ist alles bereit. Schmecket und sehet wie
freundlich der Herr ist!"?

(Das exakte Datum ist nicht vorhanden.)