Predigten im Jahre 1952 - 23 -
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum: / /
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:1952
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Johannes 14, 1 - 3
Skopus: Bei Jesus sein
Predigten im Jahre 1952 - 23 - Johannes 14, 1-3
"Und Jesus sprach zu seinen Jüngern: Euer Herz erschrecke
nicht! Glaubet an Gott und glaubet an mich! In meines Vaters
Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, so wollte
ich euch sagen: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten.
Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, so will
ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid,
wo ich bin."

Jesus Christus hatte nun immer und immer wieder seinen
Jüngern davon berichtet, daß seine Tage auf dieser Erde
gezählt sind. daß sein Vater ihn verherrlichen und zu sich
nehmen wird. Aber die Jünger wissen mit dieser
Verherrlichung, mit seiner Himmelfahrt, nichts anzufangen.
Und das war nicht nur bei den Jüngern damals so, sondern es
ist heute bei uns nicht anders. Auch wir wissen oftmals mit
der Himmelfahrt Jesu nichts anzufangen.
Wir sehen nur das große Schreckgespenst, daß wir seit der
Himmelfahrt Jesu hier auf Erden allein sind, ohne ihn. Denn
das ist bei den Jüngern und bei uns gamz klar, mit der
Himmelfahrt hat seine leibliche Gegenwart auf dieser Erde
ein Ende genommen. Wir sehen ihn nicht mehr von Angesicht zu
Angesicht. Und es ist schon rein menschlich zu verstehen,
daß die Jünger darüber erschrocken sind und Angst haben vor
dem Augenblick, da Jesus nicht mehr bei ihnen ist, da sie
nicht mehr mit ihm umgehen können, wie sie es gewohnt waren.
Auch uns bereitet es immerwieder eine große Anfechtung, daß
wir unseren Herrn, mit dem wir sprechen, ihn aber nicht
sehen können.
Doch wie tröstlich ist es, daß Jesus diese unsere Not kennt.
Aber er sagt nicht:
Ihr tut recht daran, daß ihr durch diese Tatsache erschreckt
seid, sondern er ruft uns klipp und klar zu:
"Erschrecket nicht!"
Diese Aufforderung ist allerdings nicht ein Befehl, wie ihn
ein Diktator gibt, der einfach befiehlt, was ihm gut dünkt.
Nein, wenn Jesus uns zuruft, daß wir uns über seinen
Fortgang nicht erschrecken sollen, dann weiß er, daß für ein
Erschrecken überhaupt kein Grund vorliegt. Damit sagt er,
daß nicht Furcht und Sorgen am Platze sind, sondern eitel
Freude und großer Jubel.
Es muß also doch mit der Himmelfahrt Jesu etwas anzufangen
sein.
Was ist es nun, daß Jesus für uns als ein kostbares
Himmelfahrtsgeschenk bereit hält?
1. Jesus Christus allein kann und will uns Kunde geben von
unserer wirklichen Heimat.
Er weiß davon, daß wir alle hier auf dieser Erde keine
bleibende Statt haben. Wir sind letzten Endes alle
Flüchtlinge. Wer wollte es wagen, sich hier auf Zeit und
Ewigkeit einzurichten. Der wäre wahrlich ein Obernarr, der
diese Tatsache der Heimatlosigkeit in allen seinen
Lebensplänen nicht in Rechnung stellen wollte. Denken wir
doch nur an den reichen Kornbauer.
Jesus hat dieses Flüchtlingsdasein an seinem eigenen Leibe
erfahren müssen und darum gibt es auch keinen, der alle
diese Nöte, die damit verbunden sind, besser verstehen
könnte als er selbst.
Und wenn er uns helfen will, dann weiß er genau, was uns
allein helfen kann.
Einem Flüchtling auf der Straße kann nur ein Dach über dem
Kopf helfen, eine Bleibe, da er sich aufhalten kann, die ihm
zur Heimat werden soll. Und so ruft Jesus Christus uns zu,
daß er weiß, wo solche ewigen Hütten für uns bereit stehen,
wo unser unruhevolles und rastloses Leben ein Ziel haben
wird, wo wir unsere wirkliche Heimat haben.
Denken wir doch einmal an das Volk Israel, das durch eigene
Schuld damals aus seinem Heimatland Palästina vertrieben
wurde und jahrzehntelang in der Gefangenschaft verweilte.
Die dritte Generation war schon herangewachsen, kaum hatte
jemand noch eine Vorstellung von der Heimat. Und da kommt
nun einer aus der Heimat und berichtet diesen Gefangenen von
dieser ihrer Heimat. Wie schlugen da die Wellen hoch vor
Freude, kaum gab es einen Halt mehr in der Sehnsucht danach.
Jesus Christus möchte an dem heutigen Tage die große
Sehnsucht nach unserer wahren Heimat wachrufen. Sein ganzes
Leben war ja ein einziges Zeugnis von unserer Heimat, von
unserem Vaterhaus.
Jeder von uns, der durch besondere Nöte und Krankheiten,
Kummer und Sorgen, bei sich und seinen Lieben, gehen muß und
nun nicht mehr aus und ein weiß, der darf es heute als die
große Freudenbotschaft vernehmen, unser Leben hier auf
dieser Erde ist nur ein Durchgangsstadium. Es gibt eine
Stätte, wo uns das alles nicht mehr bedrängt, wo in der Nähe
des Vaterhauses alle Traurigkeit und alle Tränen in Freude
verwandelt werden.
Andererseits aber, jeder von uns, der hier auf dieser Erde
von Erfolg zu Erfolg schreitet, der in seiner Familie viel
Glück und Freude erlebt, der im letzten Grunde aller Welt
zurufen möchte:
Ich bin so glücklich auf dieser Erde?
auch der sollte es wissen, daß er dennoch ein Flüchtling auf
dieser Erde ist, daß er morgen schon all seines Glückes
beraubt sein kann und heimatlos auf den Straßen der Welt in
Trauer und Unglück herumirrt.
Vergessen wir doch alle miteinander niemals, daß wir hier
auf dieser Erde nur Gäste und Fremdlinge sind und wir unsere
wirkliche Heimat bei dem Vater im Himmel haben. Jesus
Christus aber weiß, daß uns allein das Wissen um diese
wirkliche Heimat moch keine Hilfe ist, sondern Hilfe
bedeutet, daß wir wirklich in diese Heimat kommen. Und so
ist das
2., das uns am heutigen Tage der zum Himmel Aufgefahrene
zuruft als eine frohe Botschaft:
Die Rückkehr aus eurer Gefangenschaft und aus eurem
Flüchtlingsdasein in die Heimat hat mit meiner Himmelfahrt
begonnen.
Während die Jünger meinten, daß wir durch das Fortgehen Jesu
in die Einsamkeit und Heimatlosigkeit gestoßen werden, sagt
Jesus ihnen:
Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich zeige euch jetzt den
Weg. Ich gehe euch voran in die Heimat.
Warum sind wir auf seine Hilfe angewiesen, wenn es heißt:
Wir wollen in die Heimat?
Vergessen wir nur nicht zu schnell, daß wir selbst es sind,
die das Heimatrecht mißbraucht haben und darum aus dieser
Heimat ausgestoßen wurden. Denken wir doch an die Wächter
mit dem Schwert, die vor die Tür des Paradieses gestellt
wurden, damit kein Mensch je wieder in dieses Paradies
zurück könnten. Gott hatte uns ja selbst aus diesem
Vaterhaus ausgestoßen.
Aber welch ein Jubel und welch eine Freude will uns heute
durch diese frohe Botschaft ergreifen:
Die Zeit der verschlossenen Tür ist endgültig vorbei!
Der Sohn Gottes hat diese Tür am Himmelfahrtstage wieder
aufgetan und ist als Erster durch dieses ehemals
verschlossene Tor hindurchgegangen. Ja, gerade an diesem
Tage der Himmelfahrt Jesu Christi wird uns bezeugt, daß der
Sohn Gottes Vater an dieses Tor gestellt wurde, damit uns
nicht mehr der Zutritt zum Vaterhaus verwehrt werde, sondern
damit wir mit offenen Armen vom Vater empfangen werden
können.
Es ist dasselbe, was uns auch in dem Gleichnis von der
Heimkehr des verlorenen Sohnes bezeugt wird. Der Vater im
Himmel wartet direkt auf unsere Heimkehr. Der Sohn Gottes
also bahnt uns den Weg zum Vaterherzen.
Wie köstlich doch schon das, was uns durch den Fortgang Jesu
Christi geschenkt wurde:
1. Wir haben eine Heimat beim Vater im Himmel.
2. Jesus Christus hat die bisher für uns verschlossene Tür
zum Vaterhaus weit aufgetan.
Und das wäre schon Grund genug, daß wir über den Fortgang
Jesu nicht traurig zu sein brauchten. Aber nun ruft Jesus
Christus auch noch zu, und das ist das
3.: Ich komme wieder zu euch zurück um euch heimzuholen.
Das letzte Ziel ist also nicht die Trennung von Jesus
Christus, im Gegenteil, wir werden jetzt nur für eine Weile
getrennt, um dafür, wenn Zeit und Stunde gekommen ist,
dauernd mit ihm vereinigt zu sein.
Es ist ein wesentlicher Punkt aller biblischer Verkündigung,
daß Jesus Christus leibhaft zu uns wiederkommt.
Das aber hat nichts zu tun mit all den schwärmerischen
Sekten, die das tausenjährige Reich, die Wiederkunft Christi
als die Mitte der christlichen Verkündigung nur gelten
lassen wollen, wenn auch die Kirche daran nicht ohne Schuld
war, weil sie die frohen Verheißungen am Himmelfahrtstage:
"Ich komme bald wieder",
fast völlig unter den Tisch fallen ließ.
Es geht bei der Wiederkunft Jesu Christi, wie es heute unser
Text sagt, nicht um das Wie? und Was? und Wann?, sondern es
geht ganz schlicht auch hierbei wieder um die Heimkehr ins
Vaterhaus.
Jesus Christus kommt wieder, um uns zum Vater
zurückzubringen, um uns in die Heimat zu führen.
Seit der Himmelfahrt Christi warten seine Jünger, warten
wir, auf die Zeit und die Stunde, da wir ein für alle Male
von Jesus Christus an die Hand genommen werden und an seiner
Hand den Weg ins Vaterhaus antreten.
Wir können nur beten:
"Jesu, geh voran, auf der Lebensbahn
und wir wollen nicht verweilen,
dir getreulich nachzueilen.
Führ uns an der Hand
bis ins Vaterland."
Und dort wird dann die Freude der Gemeinschaft mit unserem
Herrn eine vollkommene sein. Niemals werden wir dann von ihm
getrennt werden. Niemals werden wir dann aus dem Vaterhaus
ausgestoßen werden, dafür bürgt die Himmelfahrt Jesu.
Eigentlich müßte diese Botschaft genügen, um unser ganzes
Leben heute schon umzugestalten. Im Angesichte der Heimkehr
ins Vaterhaus gilt es zu leben als solche, die nicht mehr
hier auf dieser Erde herumirren und nicht wissen, in welche
Richtung das Leben zu gehen hat. Wer es selbst einmal erlebt
hat, kann die Freude ermessen, die einem Menschen überkommt,
der aus vielen hunderten von Kriegsgefangenen ausgesucht
worden ist, um bei dem nächsten Heimkehrtransport dabei zu
sein.
Rein äußerlich mag sich noch gar nichts geändert haben, die
Arbeit ist noch dieselbe, das kümmerliche Leben ist noch
geblieben, genauso wie bei den vielen, die nicht zum
Heimkehrtransport vorgesehen sind, aber wenn wir dann diesen
Heimkehrern einmal ins Gesicht schauen würden, dann würden
wir entdecken, wie alles das, was sie auch noch an Schwerem
durchzumachen hatten, überstrahlt wird von dem Glanz: In
kurzer Zeiut geht es doch heim, dann hat alle Not und Sorge
ein Ende.
Laßt uns solche auf die Heimkehr wartende Menschen werden!

(Das exakte Datum ist nicht vorhanden.)