Predigten im Jahre 1952 - 21 -
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum: / /
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:1952
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Johannes 13, 12 - 15
Skopus: Jesu Fußwaschung
Predigten im Jahre 1952 - 21 - Johannes 13, 12 - 15
"Da Jesus nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine
Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach abermals zu
ihnen: Wisset ihr, was ich euch getan habe? Ihr heißet mich
Meister und Herr und saget recht daran, denn ich bin es
auch. So nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße
gewaschen habe, so sollt ihr auch euch untereinander die
Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr
tut, was ich euch getan habe."

Jesus Christus hat seinen Jüngern die Füße gewaschen. Diese
Handlung ist für uns eine unverständliche Angelegenheit,
unverständlich, weil wir die Sitten und Gebräuche der
damaligen Zeit nicht mehr kennen. Zur Zeit Jesu war es aber
die Pfliocht eines jeden Gastgebers, daß er seinem Gast die
Füße waschen ließ, eine selbstverständliche Pflicht. Wer
auch nur kurze Zeit damals auf den Straßen Palästinas
gewandert ist, und außer leichten Sandalen keine
Fußbekleidung trug, hatte eine solche Reinigung schon nötig.
Diese Reinigung wurde von dem geringsten Knecht oder Sklaven
ausgeführt. Diese Gewohnheit war den Jüngern Jesu bekannt
und doch fragt Jesus seine Jünger:
"Wißt ihr, was ich euch getan habe?"
Das bedeutet doch nichts anderes, als daß Jesus Christus mit
dieser Tat etwas ganz besonderes hat sagen wollen, wovon die
Jünger möglicherweise noch nichts oder nur wenig wußten.
Es geht um eine Reinigung.
Jesus Christus ist auf dem Wege zum Kreuz, um dort für den
Schmutz, für die Sünde eines jeden einzelnen, zu sterben,
damit jeder einzelne von seiner Schuld gereinigt würde.
Es ist der Wille des Vaters und auch sein Wille, daß wir am
Kreuz von unserer Schuld und unserer Sünde rein und befreit
würden.
Jesus Christus spricht in dieser gleichnishaften Handlung
von seinem Tod am Kreuz und von der Bedeutung des Todes als
Opfertod, daß er nämlich zur Vergebung unserer Sünde diesen
Tod hat erleiden müssen.
Indem Jesus Christus dieses seinen Jüngern durch die
Fußwaschung deutlich macht, sagt er doch ganz klar:
a) Auch ihr seid so, daß ihr die Vergebung eurer Sünde nötig
habt. Ihr seid so schmutzig, ihr seid in solcher großen
Schuld vor Gott, daß ich auch für euch in den Tod gehe.
b) Aber ebenso deutlich wird, indem Jesus ihnen in der
Fußwaschung gleichnishaft bezeugt, daß sie nun die sind, die
durch Jesu Leiden und Sterben rein geworden sind, daß ihnen
ihre Sünde vergeben worden ist. Die Sünde steht nicht mehr
zwischen den Jüngern und ihrem Herrn.
Jetzt aber gibt Jesus seinen Jüngern auch einen Auftrag:
"So wie ich euch, so sollt ihr auch euch untereinander die
Füße waschen!"
So, wie ich euch eure Sünden vergeben habe, so sollt ihr
auch euch untereinander die Sünde vergeben.
Hier rührt Jesus an einen Punkt im Leben eines jeden
Christen, mit dem wir so häufig nicht fertig werden.
Christliche Bruderschaft bricht oft zusammen, weil gerade
dieses Wort des Herrn nicht mehr ernst genommen wird:
"Vergebet euch untereinander!"
Wir meinen, wir könnten die Vergebung unserer Sünde von Gott
bekommen, ohne daß wir bereit wären, unserem Bruder oder
unserer Schwester zu vergeben. Hier wird es aber deutlich
von unserem Herrn und Meister ausgesprochen.
Gerade darin zeigt es sich, daß uns Gott unsere Schuld
vergeben hat, daß wir auch unserem Bruder oder unserer
Schwester, die mit uns zur Gemeinde Jesu Christi gehören,
die Schuld, mag sie noch so groß sein, vergeben können.
Können wir das nicht, dann ist auch die Vergebung unserer
Schuld durch Jesus Christus fraglich und hinfällig. Es heißt
nicht umsonst im Gebet des Herr, im Vaterunser:
"Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren
Schuldigern!"
So, wie wir unserem Bruder vergeben, so vergibt Gott uns
auch unsere Schuld.
Wir meinen, wenn wir das tun, würden wir etwas von unserem
Stolz und unserer Ehre verlieren. Und wahrlich, es ist keine
kleine Sache! Aber schauen wir doch auf Jesus Christus! Er,
der der Herr aller Dinge ist, er tut in dieser
gleichnishaften Fußwaschung den geringsten Sklavendienst. Er
ist nicht zu stolz, für uns den Tod eines Verbrechers zu
sterben.
Sollten wir diesen Auftrag, den Jesus uns gegeben hat, nicht
viel ernster nehmen:
"Vergebet euch untereinander eure Sünden!"?

(Das exakte Datum ist nicht vorhanden.)