Predigten im Jahre 1952 - 17
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum: / /
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:1952
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 21, 1-9
Skopus: Dieser Mann am Kreuz ist dennoch der König Gottes.
Predigten im Jahre 1952 -17- Matthäus 21, 1-9
"Da sie nun nahe an Jerusalem kamen, nach Bethphage an den
Ölberg, sandte Jesus seiner Jünger zwei und sprach zu ihnen:
Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und alsbald
werdet ihr eine Eselin finden, angebunden und ein Füllen bei
ihm; bindet sie los und führet sie zu mir! Und wenn euch
jemand etwas wird sagen, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer.
Alsbald wird er sie euch lassen. Das geschah aber, auf daß
erfüllet würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da
spricht: Saget der Tochter Zion: Siehe, dein Kónig kommt zu
dir, sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem
Füllen einer lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin und
taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die
Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf, und
er setzte sich darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider
auf den Weg, andere hieben Zweige von den Bäumen und
streuten sie auf den Weg. Das Volk aber, das im voranging
und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna, dem Sohn
Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!
Hosianna in der Höhe!"

Nun ist es soweit. Nun ist es soweit, daß der König der
Ehren seinen Einzug in die Stadt hält. Nun ist es soweit,
daß der König aller Könige seinen Thron besteigt.
Wir wissen es ja durchaus noch aus unserer Zeit, welch eine
Prachtentfaltung sich ausbreitet, wenn ein neuer Regent
seinen Thron besteigt. Von Zeit zu Zeit lesen wir in den
Zeitungen, welche fieberhaften Anstrengungen gemacht werden
zur Thronbesteigung der neuen Königin in England in diesem
Sommer. Jede Zeitung bringt seitenlange Berichte über die
Herstellung der kostbaren Gewänder für die neue Königin und
für den ganzen Hofstaat. In einem Prunk sondergleichen, in
einem goldenen Staatswagen sitzend, wird die neue Königin
von England ihren Einzug halten.
Und wir haben am Anfang schon gesagt, auch in unserer
Geschichte wird von einem Einzug bezeugt, nicht eines
Königs, sondern des Königs aller Könige.
Da ist es nun selbstverständlich daß wir nur zu gerne einen
Vergleich des Einzugs dieses Königs und der Einzüge aller
sonstigen Könige und Machthaber und Weltherrscher anstellen.
Wir werden bei dem Vergleich einfach erschüttert sein über
das, was wir offen vor unseren Augen sehen.
Ja, wir werden nicht nur erschüttert sein, sondern wir
werden uns die Frage vorlegen müssen, was hat denn überhaupt
unsere Geschichte noch mit einer Thronbesteigung zu tun?
Da sehen wir diesen Menschen Jesus von Nazareth auf einem
Esel sitzend in die Königsstadt Jerusalem einziehen.
Wie wir uns auch anstrengen mögen, um an ihm nur etwas
Königliches festzustellen, wir entdecken wahrhaftig nichts
davon. Er trägt keine Purpurgewänder und hat auch keinen
goldenen Zepter in der Hand. Und ob wir uns noch so
anstrengen, von einem goldenen Staatswagen ist nichts zu
sehen. Auch zieht er nicht stolz zu Rosse in die Stadt ein.
Nein, nein, er zieht in die Stadt auf einem Esel ein, auf
dem Tier des armen Mannes der damaligen Zeit.
Ja, wenn dieser Jesus wenigstens noch auf seinem eigenen
Esel gesessen hätte! Aber wir erfahren es aus unserer
Geschichte, daß dieser König sich dieses Tier armer Leute
hat pumpem müssen. Der Evangelist Markus berichtet uns
davon, daß die Jünger dem Mann, der ihnen den Esel gibt,
versprechen, nach dem Einzug diesen Esel wieder
zurückzubringen.
Es ist doch wirklich Lácherlich, hier von einem Einzug eines
Königs zu sprechen.
Was uns zu Gesichte kommt, ist nur eine Karrikatur eines
Königs, ist nur eine Attrappe eines Kömigs. Jeder echte und
anständige König oder Machthaber würde es sich schwer
verbitten, mit solch einer Gestalt überhaupt verglichen zu
werden.
Nein, wahrhaftig, hier ist auch nichts, was an einen Einzug
eines wahren Königs erinnert.
Und wenn wir auch nur einen kurzen Blick tun in das
Geschehen, das diesem Einzug folgt. Es folgt normalerweise
diesem Einzug eines Königs ja immer die Krönung und das
Besteigen des Thrones und die erste Antrittsrede des neuen
Königs.
Wenn wir das betrachten, was diesem Einzug des Jesus von
Nazareth folgt, dann sehen wir auch etwas von einer Krönung,
aber es ist keine Krone aus purem Gold mit Diamanten
besetzt, nein, es ist eine Dornenkrone, die auf seine Stirn
gedrückt wird, sodaß das Blut herabtrieft. Er wird nicht auf
einen erhöhten Königsstuhl gesetzt. Er wird, welch ein Hohn,
auch erhöht, sodaß er über allen und über alles ist, aber es
ist das Kreuz, an dem er sein Leben aushauchen wird. Und was
hören wir dort für eine Antrittsrede des neuen Königs?
"Mich dürstet es."
oder
"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen."
So endet der Einzug dieses Jesus von Nazareth. Und da ist
wahrlich an diesem Einzug nichts, was einem Vergleich mit
einem Einzug eines Königs standhalten könnte und es ist nur
zu selbstverständlich, daß die Führer des damaligen Volkes
nur verächtlich die Nase rümpfen und daß das Volk diesem
König die Worte entgegenschleudert:
"Kreuziget, kreuziget ihn!"
Daran ändert auch nichts, daß hier in unserer Geschichte vom
Volk gesprochen wird, als ob es diesem KÖnig zugejubelt
hätte. Sie hatten ihm zugejubelt, jawohl, aber darum, weil
sie sich das Ende des Einzuges anders vorgestellt hatten.
Sie hatten damit gerechnet, daß dieses alles nur der Auftakt
sei zu dem grandiosen Schauspiel der Thronbesteigung eines
Mannes, der durch einen Staatsstreich doch noch alle Macht
an sich reißen und der dann doch noch in aller Pracht und
Herrlichkeit den Thron besteigen wúrde.
Aber die Hoffnung des Volkes hatte sich nicht erfüllt, sodaß
es selbst von seinen Jüngern heißt:
"Sie flohen alle."
Nein, es ist in der Tat so, dieser König ist in das, was wir
uns von einem König denken und wie wir ihn uns vorstellemn,
nicht einzuordnen.
Und doch, so sagt unser Text, er ist der König aller Könige,
der Herr aller Herren. Er ist der, den Gott schon schon
durch seine Propheten seinem Volk versprochen hatte. Er ist
der, durch den Gott sein Werk mit uns zur Vollendung bringen
wollte. Schon der Prophet Sacharja sagt es mehrere
Jahrhunderte voraus, da der König Gottes auf diese Weise in
Jerusalem einziehen wird:
"Hosianna dem Sohne Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem
Namen des Herrn! Hosianna in der höh!"
Wir sind ja heute so viel besser dran, als die Menschen der
damaligen Zeit, die nur tastend das Geheimnis dieses Königs
ahnen konnten. Wir aber wissen, daß es gerade Gottes guter
Wille zu uns war, daß sein König durch alle Schmach, durch
alles Leiden bis zum Tode am Kreuz zu uns kam, dein und mein
König werden wollte.
Allerdings ist uns dabei auch das eine klar, dieser König
ist kein König von Menschen Gnaden, sondern der einzige und
wahre König auf dieser Erde, der sich den Beisatz leisten
kann: KÖNIG VON GOTTES GNADEN.
Lassen wir also jetzt in der Passionszeit alle Zweifel
beiseite. Dieser leidende Jesus ist in Wahrheit dein König.
Lassen wir uns in dieser Passionszeit auch nicht allzustark
von dem rein menschlichem Mitgefühl hinreißen, sondern laßt
uns alles Schwere, alle Not und alles Leiden und auch den
Tod schon betrachten unter der einen frohen Gewißheit:
"Siehe, dein König kommt zu dir.

(Das exakte Datum ist nicht vorhanden.)