Predigten im Jahre 1952 - 03 -
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum: / /
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 6, 24 - 34
Skopus:
Predigten im Jahre 1952 - 3 - Matthäus 6, 24 - 34
"Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr
essen und trinken werdet, aucvh nicht für euren Leib, was
ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn die
Speise? und der Leib mehr denn die Kleidung? Sehet die Vögel
unter dem Himmel an, sie säen nicht, sie ernten nicht, sie
sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater
nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Wer
ist aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen
möge, ob er gleich darum sorget? Und warum sorget ihr für
die Kleider? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie
wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich
sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit
nicht bekleidet gewesen ist wie derselben eins. So denn Gott
Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute
steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das
nicht viel mehr euch tun, o ihr Kleingläubigen?
Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir
essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden?
Nach solchem allem trachten die Heiden. Denn euer
himmlischer Vater weiß, daß ihr des alles bedürfet. Trachtet
am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner
Gerechtigkeit, so wird
euch solches alles zufallen. Darum sorget nicht für für den
anderen Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine
sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene
Plage habe."

Wahrhaftig, wir alle haben es in den vergangenen Jahren bis
in unsere heutige Zeit hinein erfahren, was Sorgen und Angst
bedeuten. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir Christen oder
Nichtchristen sind. Wir
spüren das in einer derartigen Weise, daß wir kaum zu atmen
wagen. Wie Gespenster gehen Sorgen und Angst durch unsere
Reihen. Wir sind in einen Strudel hineingerissen, der uns
immer wieder hinunter in den Abgrund treibt. Wer erbebt
nicht, wenn er in der politischen Situation an die
Spannungen und den Gegensatz zwischen Ost und West, zwischen
Rußland und Amerika, denkt. Schauen wir das Treiben auf
beiden Seiten an, dann ist das ganze Handeln im Osten wie im
Westen von der Angst vor dem anderen geprägt. Aus Angst
treten die Völker wieder in ein Wettrüsten ein und wir
selbst sollen da mitmachen. Wir wissen, daß ein solches
Handeln in der Angst und Sorge nur zu einer noch größer
werdenden Verzweiflung treibt.
In dieser Lage fragt alles, wie soll das nur weitergehen,
wie soll das noch enden?! Diese Frage kommt bei uns allen
hoch, auch wenn es rein äußerlich jetzt bei uns aussieht,
als ob alles in bester Ordnung wäre. Hinter allem steht doch
bei jedem einzelnen von uns die Frage, was wird aber morgen
oder übermorgen sein?, wird wieder die Kriegsmaschinerie
über uns hinwegbrausen? Weil uns die Sicherheit der Antwort
bei solchem Fragen fehlt, zergrübeln und zersorgen wir
unseren Kopf und unser Herz. Schauen wir einmal in unser
eigenes persönliches Leben, wieviele Fragen, die uns Not und
Sorgen bereiten, brechen über uns herein und wir werden
damit nicht fertig. Wir merken es auch auf allen anderen
Gebieten, sei es auf dem Gebiete der Kunst, der Philosophie,
der Atomforschung, wie die Frage hochkommt:
Wie soll es jetzt weitergehen?
Keiner von uns kann sich von dieser Angst freisprechen.
Nun steht Jesus Christus vor uns und ruft uns zu:
"Sorget nicht!"
Haben wir es recht gehört? Dieses Wort gilt uns allen.
SORGET NICHT! ist ein ungeheuerliches Wort, das wir
vielleicht gar nicht richtig verstehen und wir vor Staunen
nicht mehr unseren Mund schließen können. Aber ist dieser
Aufruf nicht dieses ungeheuerliche Wort, dann ist es eine
ganz billige Phrase. Es käme dann vielleicht dem gleich,
wenn ich zu irgendeinem Menschen sagen würde, hole dir
gleich bei mir DM 1.000,-- ab, ich will sie dir schenken. Es
wäre dieses mein Reden eine billige Redensart, weil es ja
feststeht, daß ich das Geld gar nicht habe. Und wenn ich
euch als Gemeinde dieses Wort zurufe:
"Sorget nicht!"
und täte es in meinem eigenen Auftrag und in eigener Macht,
dann wäre diese Aufforderung auch eine billige Redensart,
denn wer wüßte es nicht, daß ich persönlich eure Sorgen
niemals wegnehmen könnte.
Aber glücklicherweise steht nicht irgendein Mensch vor uns,
sondern unser Herr und Heiland Jesus Christus. Und der ruft
uns gerade zu, daß wir uns nicht sorgen sollen. Ihm
gegenüber könnten wir wahrhaftig nicht fragen, ob es bei ihm
auch nur ein so dahingeworfenes Wort sei, dann wäre er nicht
Jesus Christus. Der Mann, der uns dieses Wort sagt, ist der,
der alle Dinge des Himmels und der Erde in seiner Hand hält.
Er ist der, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf
Erden.
Worum geht es es beim Ruf SORGET NICHT!? Es geht um ganz
feste und bestimmte Dinge. Es geht um Essen, Trinken und
Kleidung. Der Herr sagt uns:
Wenn ihr glaubt, daß ich euer Leben in meiner Hand halte,
meint ihr, dann liegt es es nicht auch in meiner Macht, euch
das zu geben, was ihr zum täglichen Leben braucht?! Müßte
ich doch ein schlechter Herr sein, wenn ich euch das Leben
gegeben habe und wollte es nicht erhalten.
Möchten wir doch recht auf das Wort gehört haben, daß in
aller Not dieser Tage, in allem Fragen nach dem Morgen, wir
uns nicht den Kopf zerbrechen brauchen. Es ist einer da, der
uns schon längst das bereithält, was wir Tag für Tag
benötigen.
Wir werden jetzt gerufen, uns einmal die Vögel unter dem
Himmel anzuschauen:
"Sehet die Vögel unter dem Himmel an!",
auch diese Vögel stehen in meiner Hand. Ich bin der, der
ihnen Tag für Tag aufs neue die Nahrung gibt, daß sie keine
Nahrungssorgen haben.
Die unvernünftige Kreatur traut also dem Herrn mehr zu als
wir Menschen. Diese unvernünftige Kreatur traut dem Herrn
zu, daß er sie erhält. Sie kennen kein gieriges Ansichreißen
von Dingen, die sie meint, nötig zu haben. Sie sammelt
nicht.
Hören wir nur gut zu, unser Herr braucht dem unvernünftigen
Vieh nicht zuzurufen:
"Sorget nicht!"
Das Vieh weiß es von selbst. Und was machen wir Menschen?
Und dabei sind wir Menschen doch die Krone der Schöpfung und
wollen mehr sein als das Vieh.
Wo bleiben wir, die Krone der Schöpfung? Haben wir also ganz
vergessen, daß wir allein auf die Güte unseres Schöpfers
angewiesen sind? Wer weiß, ob wir nicht schon morgen tot
sind. Der Schöpfer hat ja die Macht, von uns heute das Leben
noch zu fordern. Wir sind also in Sorge, wie es weitergehen
soll, aber meinen wir doch nur nicht, daß wir etwas daran
ändern könnten, wenn der Herr unserem Sorgen und unserem
Planen und unserem Schätzesammeln ein Nein entgegenrufen
würde. Wir vermögen wahrlich nicht, unserer Körperlänge auch
nur einen Zentimeter hinzuzufügen. Ja, in unserem Text wird
sogar der Mensch, die Krone der Schöpfung, in Verbindung mit
der Pflanzenwelt gebracht. Wir können uns wahrhaftig nicht
vorstellen, daß die Lilie auf dem Felde oder die Rose im
Garten sich Sorgen machen, welch ein Farbenkleid sie
bekommen. Und doch, wer ist herrlicher gekleidet als solch
eine Pflanze? Wie entsetzlich müßten wir uns alle doch
schämen. Wir als Krone der Schöpfung sind bei dem Vergleich
mit der Pflanze jämmerlich durchgefallen. Wo bleiben wir,
die wir uns so hoch erhaben über alle Kreatur, ja über die
ganze Schöpfung, dünken.
Aber unser Text ruft uns auch ein tröstenden Wort zu. Jesus
Christus selbst sagt uns dieses Wort, obwohl wir bei dieser
Prüfung durchgefallen sind. Er hat uns nicht total
fortgestoßen. Er ruft uns noch immer zu:
"Sorget nicht!"
Wenn wir uns also auch bis zum heutigen Tage gesorgt und
gemüht haben und dem Herrn und seiner Macht nichts
zutrauten, so steht er dennoch vor unserer Tür und wartet
darauf, das wir ihm die Türe auftun. Wir sollen und dürfen
reiche Menschen sein und werden. Wollen wir in der Armut
dieser Zeit reich werden, so laßt uns nach der köstlichen
Verheißung greifen, die in dem Worte SORGET NICHT! liegt.
Aber eines müssen wir dabei auch wissen, bleiben wir in der
Sorge, gehen wir noch immer als ängstliche Menschen über
diese Erde, lassen wir uns nicht von unserem Herrn
beschenken, dann sind wir Heiden. Der Text sagt nämlich:
"Nach dem allem trachten die Heiden."
Wir sind damit vor eine schwere und harte Entscheidung
gestellt. An dieser Entscheidung kann sich keiner von uns
vorbeidrücken. Wir lieben wohl gern das unentschlossene
Dämmerlicht, aber hier geht es ganz klar um ein entweder -
oder. Hier geht es um die Finsternis oder um das Licht. Auf
welcher Seite stehen wir?
"Niemand kann 2 Herren dienen, entweder er wird den einen
hassen und den anderen lieben oder er wird dem einen
anhangen und den anderen verachten."
Es gibt doch keinen größeren Unterschied als den zwischen
hassen und lieben. Wir merken alle, wie ernst es jetzt wird.
Es geht hier um die beiden Herren, es geht darum, daß wir
uns für eienen von diesen Beiden entscheiden müssen.
Entweder wir dienen Gott, dem, der uns unser Leben geschenkt
hat und es auch weiterhin erhalten will und bei dem wir uns
wahrlich nicht unnötig ängstigen und sorgen brauchen. Bei
diesem Herrn dürfen wir fröhlichen Herzens bekennen:
Wir sorgen uns nicht, weil wir einen solch mächtigen Herrn
haben!
Oder aber wir dienen dem Mammon. Unter MAMMON verstehen wir
das, woran unser Herz hängt. Wohlverstanden, es ist damit
nicht ausschließich der Reichtum und Hab und Gut gemeint,
sondern der Mammon ist all das in unserem Leben, woran wir
mit allen Fasern usneres Lebens hängen, woran wir
mit solcher Inbrunst hängen, daß es uns zum Götzen wird. Es
kann auch das sein, was ich gern haben möchte und doch nicht
bekommen kann, aber unser Denken daran so davon erfaßt ist,
daß es den ganzen Menschen erfaßt. Und dabei spielt es keine
Rolle, ob es ein wertvoller und kostbarer Gegenstand ist,
oder eine alte Brechbude. Doch sollen wir alle dabei das
eine wissen, wir können nicht zugleich Gott und unserem
Götzen die Ehre geben. Wir können nicht Gott dienen und dem
Mammon.
Nach der Aufforderung:
Sorget nicht!"
kommt nun im Vers 33 ein anderer Befehl. Sorgen sollen wir
uns hier in diesem Leben nicht nach Dingen, die unserem
Herrn allein zustehen, aber eines können und müssen wir tun:
"Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und seiner
Gerechtigkeit, so wir euch alles andere zufallen!"
Wir sollen darnach trachten, wie unser Leben mit Gott in
Ordnung gebracht werden kann. Wir sollten es wissen, daß wir
wegen unserer Gottlosigkeit und unserem Ungehorsam bereits
dem Tode verfallen sind und daß Gott uns nur noch das Leben
schenkt, damit unser Verhältnis mit ihm wieder in Ordnung
kommt. An einem jeden neuen Tag unseres Lebens bietet Gott
uns seine Hand an und fragt uns, ob wir jetzt endlich allen
Widerstand gegen ihn aufgeben und an seiner Hand durch das
Leben gehen.
"Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes!",
das heißt aber auch, es gilt von jetzt ab, sich nicht mehr
von den Sorgen dieser Welt auffressen zu lassen, sondern ein
klares Ziel vor Augen haben.
Die Fahne des Sieges soll weitergetragen werden. Haben
unsere Freunde und Nachbarn schon gemerkt, daß wir einen
solchen Herrn haben, bei dem wir keine Angst mehr zu haben
brauchen? Ist unser Sorgen schon von unserem Herzen gewichen
und Freude eingekehrt? Wenn das Wirklichkeit geworden ist,
dann werden unsere Freunde und Bekannte es merken, wie reich
wir sind und werden dann auch unserem Herrn nachfolgen.

(Das exakte Datum nicht vorhanden.)