Predigten im Jahre 1952 - 02 -
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum: / /
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 2, 1 - 12
Skopus:
Predigten im Jahre 1952 - 2 - Matthäus 2, 1 - 12
"Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lnde, zur
Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen die Weisen vom
Morgenlande nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der
neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen
im Morgenlande und sind gekommen, ihn anzubeten. Da das der
König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm das ganze
Jerusalem. Und ließ versammeln alle Hohenpriester und
Schriftgelehrten unter dem Volk und erforschte von ihnen, wo
Christus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: Zu
Bethlehem im jüdischen Lande, denn also stehet geschrieben
durch den Propheten: Und du, Bethlehem im jüdischen Lande,
bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Juda's; denn
aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk
Isarel ein Herr sei. Da berief Herodes die Weisen heimlich
und erlernte mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen
wäre und wies sie gen Bethlehem und sprach: Ziehet hin und
forschet fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet,
so sagt mir's wieder, daß ich auch komme und es anbete. Als
sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe,
der Srtern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor
ihnen hin, daß er kam und stand oben über, da das Kindlein
war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und
gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner
Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre
Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten
wieder zu Herodes lenken; und sie zogen durch einen anderen
Weg wieder in ihr Land."

Es läßt sich nicht mehr verheimlichen, die Weihnachtszeit
ist zu Ende. Vielleicht klingen heute noch einmal hier und
da in den Häusern die Weihnachtslieder, vielleicht werden
zum letzten Mal noch die Lichter am Weihnachtsbaum
angezündet, aber morgen schon stehen wir sicher, wenn es
nicht schon längst geschehen ist, vor dem geplünderten
Weihnachtsbaum. Und mit Wehmut denken wir an die schönen
Tage im Familienkreise. Vielleicht fürchten wir uns auch vor
der Nüchternheit der Wochen, die wieder vor uns liegen.
Während wir also in besonderer Weise es schmerzlich
empfinden, daß Weihnachten vorbei ist, will uns der
Evangelist die Geburt des Heilandes als Anfang eines großen
Ereignisses berichten, das von ausschlaggebender Bedeutung
ist.
Der Evangelist erzählt, daß sich bei der Geburt etwas
ereignete, was unverständlich ist. Aber es kann ja nicht
anders sein, als daß da, wo Christus geboren wird. als daß
da, wo sein Wort verkündigt wird, sich etwas Besonderes
ereignet. Und von daher kommt die kritische Frage auf uns
zu:
Hat sich in der Weihnachtszeit denn auch bei uns etwas
Außergewöhnliches ereignet? Oder hat das KInd in der Krippe
nur als Puppe unter dem Weihnachtsbaum gelegen, bzw. sahen
wir es nur im Schein eines Kerzenstumpfes am Transparent?
Jedenfalls berichtet uns unser Wort, daß aus dem weiten
Osten Männer nach Jerusalem gekommen sind. Ein recht
merkwürdige Angelegenheit! Was waren denn das für Leute? Sie
waren auf keinen Fall Könige, wie sie so oft auf Bildern und
in Legenden dargestellt werden. Die Schrift nennt sie
Magier. Wir können auch Sterndeuter oder Zauberpriester
sagen. Sie waren in den heidnischen Riten und Kulten des
Ostens eingeweiht, die sich in besonderer WEeise der
Verehrung der Sternenwelt zuwandten. Diese heidnischen
Zauberpriester also hatten sich auf den Weg gemacht, um den
neugeborenen König zu suchen und anzubeten.
Hier finden wir also schon das vorgezeichnet, was heute je
und dann in der weiten Welt geschieht, daß nähmlich einzelne
oder ganze Stämme sich auf den Weg machen, um Jesus zu
suchen. Sendboten Christi haben ihnen den Weg gewiesen und
weisen ihnen noch heute den Weg. Vielleicht haben die Heiden
unserer heutigen Geschichte vom aufgehenden Stern aus Juda
durch die in babylonischer Gefangenschaft geratenen Juden
gehört. sie haben den alten Weissagungen der Juden
gelauscht. Gott braucht manchmal so eigenartige Wege, um
seine Botschaft den Heiden zu verkündigen.
Sicherlich werden bei den Erwägungen um den Stern, den sie
entdeckt haben, auch mancherlei heidnische Gesichtspunkte
eine Rolle gespielt haben. Manche Fragen bleiben ungelöst.
Und doch: Wenn Gott schon diese Heiden das Kind hat suchen
lassen, ,dann dürfen auch wir, die wir uns hier zum
Gottesdienst versammelt haben, hoffen, daß er auch uns zu
Christus führt.
Aber täuschen wir uns nicht und meinen, wir wären anders
dran als die Magier. Prüfen wir uns doch nur einmal selbst,
welche Gründe uns heute in den Gottesdienst gebracht haben.
Die Zauberpriester sind in Jerusalem angekommen und wissen
nicht weiter. Sie haben keine Ahnung, an was sie sich halten
können. Und es ist schon richtig, das sie hier in der
Hauptstadt des Landes die Verheißungen erkunden, was es um
diesen neugeborenen König der Juden sei.
Und was erleben wir? Sowohl der König Herodes wie auch die
ganze Stadt wissen von der Geburt dieses Königs garnichts
und sie wollen es auch nicht wissen. Wenige Kilometer weiter
nur von Jerusalem entfernt ist in der Tat der König der
Juden geboren worden und die Hauptstadt nimmt keine Notiz
von diesem Ereignis. Sind wir nicht besser dran? Zur
Adventszeit hören und sehen wir an allen Straßen und Ecken,
daß Weihnachten nahe ist.
Aber wie wäre es, wenn uns jemand auf der Straße anhielte
und fragte:
Wo kann man man Jesus finden? Würden wir darauf eine Antwort
geben können oder würden wir nur allerlei Ausreden stammeln
können? Wir würden selbstverständlich auf diese Frage keine
Antwort geben können, wenn wir selbst Jesus Christus noch
nicht gefunden haben.
Nur zu verständlich ist es, daß Herodes sofort eine Gefahr
für seine eigene Königskrone wittert. Und so nimmt es auch
nicht Wunder, daß er diesem Kinde nach dem Leben trachtet.
Um selbst eingreifen zu können, geht er mit dieser Frage zur
Kirchenleitung seines Landes. Wenn schon jemand darüber
Bescheid wissen könnte, dann muß es auf jeden Fall die
geistliche Führung des Landes sein.
Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten wissen es
wirklich genau, wo dieser König geboren werden sollte, sie
kennen ganz genau alle Verheißungen über ihn.
Aber von der wirklichen Geburt dieses Königs haben sie noch
nichts gehört und wollten auch nichts hören. Ihr erwarteter
König, als mächtiger Held, hatte mit diesem unscheinbaren
Flüchtlingskind im Stall zu Bethlehem nichts zu tun.
Man ging über diese Geburt zur Tagesordnung über, so wie man
auch durch die vergangenen Weihnachtstage nun zur
Tagesordnung übergegangen ist. Die Festtage sind vergangen,
wie alle anderen Tage, nur ein wenig stimmungs- und
gefühlsvoller. Wir könnten darüber erschrecken, wie hier die
Kirche durch die Interessenlosigkeit an der Wirklichkeit der
Geburt des neuen KÖnigs zum Handlanger des mordenden Königs
Herodes geworden ist.
Hier zeichnet sich schon etwas von der Tragik des Geschehens
auf Golgatha ab, wo Staat und Kirche zusammen an der
Kreuzigung Jesu Christi mitwirkten.
Und glauben wir nur nicht, daß diese Frage nur die
Kirchenleitung etwas angeht, nein, auch wir werden von
dieser Frage ernstlich bedrängt:
Sind auch wir, obwohl wir Weihnachten gefeiert haben, am
wirklichen Kind in der Krippe interessenlos vorübergegangen?
Ging die Botschaft von Jesus Christus in das eine Ohr hinein
und aus dem anderen wieder heraus?
Während Herodes die Erkundigungen einzieht, sind die
Zauberpriester auf eine harte Folter gespannt. Es ist
wirklich ein Wunder Gottes, daß sie nicht verbittert über
diesen ganzen vermeintlichen Schwindel zurückgekehrt sind.
Aber Gott, der Herr selbst, läßt sie nicht mehr los. Steht
nicht der Mensch, auch der fromme Mensch, auch der rechte
Christ, auch der rechte Verkündiger, der Proklamierung des
Reiches Gottes durch seine Fehler und Schwächen im Wege?
Müssen wir nicht feststellen, daß da, wo ein Mensch Jesus
Christus findet, ob es hier in der Heimat ist oder draußen
auf dem Missionsfeld; wo ein Mensch von Gott selbst gefunden
wird, trotz der Untreue, trotz der Schwächen des
Verkündigers. da ist ein Wunder geschehen.
Und da geschieht es dann auch, daß selbst ein Herodes, der
das Kind in der Krippe töten will, von Gott gebraucht wird,
um diesen Heiden den Weg nach Bethlehem zu zeigen.
Und nun diese Freude, die Heiden haben das Kind gefunden.
Sie waren nicht enttäuscht über den armen Stall. Sie waren
nicht enttäuscht darüber, daß er so garnicht nach einem
Königssohn aussah. Allen menschlichen Überlegungen zum Trotz
fielen sie vor dem Kind nieder und brachten ihm königliche
Ehre dar. Wer Jesus Christus gefunden hat, sieht in diesem
schwachen und elenden Kinde schon den, dem alle Macht
gegeben ist, im Himmel und auf Erden.
Und so, wie diese Heiden aus dem Morgenlande, bezeugen die
vielen Menschen auf den Missionsfeldern der Welt und den
jungen Kirchen, Jesus Christus läßt sich finden. Jesus
Christus möchte sich auch von uns finden lassen. Das ist die
große Frage an uns, die Weihnachten hätte beantwortet werden
sollen. Haben wir sie recht gehört und recht beantwortet?
Aber gottlob, Weihnachten ist noch nicht vorüber, weil Jesus
Christus auch heute noch mit seinem Worte bei uns bleiben
will.
Vielleicht sind wir solche Menschen, die auch wie diese
Zauaberpriester in Jerusalem an einem Punkte angelangt sind,
wo man am liebsten alles wieder einpacken möchte, um
zurückzukehren, enttäuscht und verbittert. Aber nun ruft uns
unser Wort zu:
Halt, gehe nicht zurück, sondern gehe noch ein Stück weiter!
Siehst du nicht, daß du sogar jetzt vor dem Kind in der
Krippe stehst? Merkst du nicht, wie dieses Kind dir zuruft,
du möchtest deine schwere Last bei ihm an der Krippe ablegen
als dein Weihnachtsgeschenk.
Das haben auch die Zauberpriester erfahren, daß sie bei dem
Kind etwas haben zurücklassen müssen, nein, zurücklassen
dürfen.
Unsere Geschichte berichtet, daß sie ihre Ranzen aufmachten
und ihm etwas schenkten. Können wir dann aber dem Kind in
der Krippe etwas schenken? Ja, und zwar das, was die Heiden,
wenn sie Christen werden wollen, dem Missionar bringen:
Götzen, Amulette und Zauberbücher und andere Dinge.
Bei den Heiden unserer Geschichte sind es die goldenen
Geräte, sind es Weihrauch und Myrrhe, mit denen sie den
heidnischen Sternenkult versahen. Alle diese Dinge haben sie
mit sich herumgeschleppt, selbst auf dem Wege der
Königssuche, aber nun sind sie frei von der Last des
Heidentums. Das Kind hat sie freigemacht.
Was mag nun ein jeder von uns mit sich herumschleppen an
stillem und verborgenem Heidentum:
Die ganze Vergötterung seines eigenen Ichs, vielleicht sogar
in einem frommen Gewand, wie sie sich in der Lieblosigkeit
den Mitmenschen gegenüber, im Geiz, in der Sucht nach
Vergnügungen, zeigt. Selbst unser Kummer und unsere Sorgen
sind ein Stück Heidentums.
Alles das will unser Leben schwermachen. Aber hier an der
Krippe dürfen wir alles ablegen, wir dürfen ganz frei
werden. Und dann, aber auch nur dann, haben wir recht
Weihnachten gefeiert, alles andere ist nur frommes Machwerk.
Und wer so Weihnachten gefeiert hat, darf fröhlich in die
kommende Zeit gehen, so wie die ehemaligen Zauberpriester,
die nun als Kinder Gottes von ihm jetzt selbst
Weisungen erhalten. Gott redet mit ihnen durch sein Wort.
Und wenn wir als solche Freigemachten unsere Straße ziehen,
werden wir auch ohne viele Aufforderungen derer gedenken,
die auf dem Wege vom dunkelsten Heidentum zum Kind in der
Krippe sich auf den Weg gemacht haben, oder wir werden
mithelfen mit unserer ganzen Kraft, daß noch viele Menschen
aus der Dunkelheit diesen Weg zum Stalle nach Bethlehem
gehen.
Heil und Glück uns, wenn wir eine von Weihnachten
herkommenden Gemeinde sind.

(Das exakte Datum nicht vorhanden.)