Markus - Evangelium 099
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:31/03/1966
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:6. Passionsandacht
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 14, 53 - 65
Skopus: Jesus vor dem Hohen Rat
Markus - Evangelium 99 - 14, 53 - 65
"Und sie führten Jesus zu dem Hohenpriester, und es
versammelten sich alle Hohenpriester und Ältesten und
Schriftgelehrten. Petrus aber folgte ihm von weitem, bis
hinein in den Palast des Hohenpriesters, und dort saß er bei
den Knechten und wärmte sich am Feuer. Aber die
Hohenpriester und der ganze Hohe Rat suchten nach
Zeugenaussagen gegen Jesus, um ihn zum Tode verurteilen zu
können, doch sie fanden nichts. Denn viele machten falsche
Aussagen gegen ihn, aber ihr Zeugnis stimmte nicht überein.
Und einige standen auf und legten ein falsches Zeugnis gegen
ihn ab. Wir haben gehört, daß er gesagt hat: Ich will diesen
Tempel, der von Menschenhand gemacht ist, abbrechen und in
drei Tagen einen anderen bauen, der nicht von Menschenhand
gemacht ist. Aber auch so stimmte ihr Zeugnis noch nicht
überein. Und der Hohenpriester stand auf, trat in die Mitte
und fragte Jesus: Antwortest du nichts auf das, was diese
gegen dich vorbringen? Er aber schwieg und antwortete
nichts. Da fragte ihn der Hohepriester noch einmal: Bist du
der Christus, der Sohn des Hochgelobten? Jesus aber sprach:
Ich bin's, und ihr werdet den Menschensohn sitzen sehen zur
Rechten der Allmacht und kommen mit den Wolken des Himmels.
Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sagte: Was
brauchen wir noch Zeugnis? Ihr habt die Gotteslästerung
gehört. Was ist eure Meinung? Sie aber urteilten alle, daß
er den Tod verdient hätte. Darauf spuckten sie ihn an,
verhüllten sein Angesicht, schlugen ihn mit Fäusten und
sagten zu ihm: Weissage uns! Auch die Knechte schlugen ihn
ins Angesicht."

Nach der Verhaftung im Garten Getsemani unter der Führung
des Judas Ischariot wird Jesus sofort noch bei Nacht vor das
geistliche Gericht gebracht. Es wird versucht, den Eindruck
zu erwecken, daß es dabei ordentlich nach dem Gesetz
zugegangen sei. Allerdings durfte keine Gerichtsverhnadlung
bei Nacht durchgeführt werden, ebensowenig an Feiertagen,
ebenso mußte sie im vorgeschriebenen Rahmen stattfinden. Und
das war der Sitzungsraum in der Halle Salomos am
Tempelplatz, und nicht in einem Privathause, wie hier im
Hause des Hohenpriesters. Die eilig zusammengerufenen
Glieder des geistlichen Gerichtes fragten im Falle Jesu im
letzten Grunde nichts nach Recht und Gerechtigkeit, in
äußeren Verfahrensfragen nicht, aber auch nicht im
eigentlichen Sinne.
So sollte ja in dieser Sitzung des geistlichen Gerichtes
garnicht mehr das Recht im Falle Jesu erkundet werden. Für
alle war es eine feste beschlossene Sache, daß dieser Jesus
von Nazareth umgebracht werden muß, weil er ihnen unangenehm
geworden war.
Diese Gerichtsverhandlung war im tiefsten Sinne ein
Schauprozeß, eine Theatervorstellung. Es ging nur darum,
Jesus in Widersprüche zu verwickeln, damit sie eine Handhabe
haben, den geplanten Mord mit einem Schein des Rechts zu
vertuschen. Es heißt:
"Aber die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat suchten
Zeugnis wider Jesus, auf daß sie ihn umbrächten, und fanden
nichts."
Es wird uns zwischendurch berichtet, daß Petrus dem Herrn
von ferne nachgeschlichen war und sich als Unbekannter und
Unbeteiligter mitten im Haufen derer, die Jesus verhaftet
hatten, im Hofe des Hohenpriesters, aufhielt. Sicherlich
wollte er erkunden, wie die Sache mit Jesus auslief. Dabei
kam es ihm gut zustatten, daß er sich mit den übrigen am
offenen Holzfeuer in der Nacht wärmen konnte. Auf Petrus
kommen wir ja im nächsten Text in einer bedauerlichen
Angelegenheit zurück.
Nach den Beratungen über Jesus, in denen sie feststellen
mußten, daß sie keinen vollgültigen Anklagegrund haben, um
Jesus aburteilen zu können, kaufen sie sich Zeugen, um ihn
in falscher Weise zu beschuldigen. Aber dieses klappt auch
nicht richtig, sodaß sich diese Zeugen in Widersprüche
verwickeln und ihre Aussagen nicht als vollgültuge
Bezeugungen angenommen werden dürfen. Nun traten wieder
andere Zeugen auf, die konkret behaupten:
"Jesus habe gesagt, er wolle diesen Tempel, der mit Hand
gemacht ist, abbrechen und in drei Tagen einen anderen
bauen, der nicht mit Händen gemacht ist."
Wenn auch dieses Zeugnis nicht übereinstimmt, so ist das
schon ein sehr gefährlicher Anklagepunkt. Jesus hat das
wirklich gesagt. Er sprach aber dabei nicht vom Tempel in
Jerusalem, sondern von seinem eigenen Körper.
Jesus wird also beschuldigt, das Zentrum des Glaubens, den
Tempel zu Jerusalem, zerstören zu wollen. Solch eine Tat
wäre ein frevelhaftes Verbrechen, die mit dem Tode gesühnt
werden müßte. Weil aber das Zeugnis der Zeugen auch über
diese Behauptung nicht übereinstimmt, greift der
Hohepriester als Verhandlungsführer selbst ein und fragt
Jesus nach seiner Auffassung zu dieser Behauptung vom
Abbruch des Tempels:
"Antwortest du nicht zu dem, was diese gegen dich zeugen?"
Als Jesus schwieg, was ihn allein schon deswegen in eine
gewisse schuldige Haltung bringt, geht der Hohepriester zum
Hauptangriff über. Ohne viele Umwege fragt er ihn nach dem
Entscheidenden. Er fragt ihn so, daß Jesus als Angeklagter
eine Antwort geben muß, will er den Hohenpriester als den
von Gott eingesetzrten Richter nicht mißachten.
Der Hohepriester stellt die entscheidende Frage und setzt
damit im Prozeß Jesu alles auf eine Karte:
"Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten?"
Darum handelte es sich in den Auseinandersetzungen Jesu mit
den Frommen von Anfang an, daß sie seinen Anspruch, der
Messias, der Sohn Gottes, zu sein, radikal ablehnten. In der
Frage liegt auch schon ein gewisser Spott:
"Du, der du als ein Häuflein Elend vor uns stehst, gebunden,
uns preisgegeben, du willst wirklich der Messias, der Sohn
Gottes, sein?"
Nach dieser Frage könnte noch die höhnische Feststellung
kommen: Man könnte lachen über solch eine Behauptung, wenn
es nicht so bitter ernst wäre.
Das es nicht heißt SOHN GOTTES, sondern SOHN DES
ALLERHÖCHSTEN, kommt von der damaligen Gepflogenheit,
möglichst den Namen Gottes nicht auszusprechen. Man
umschrieb ihn mit anderen Worten: HOCHGELOBTER etwa, oder
ZUR RECHTEN HAND DER KRAFT, wie Jesus selbst den Namen
seines Vaters im Himmel umschreibt.
Mit der Frage des Hohenpriesters nach der Gottesohnschaft,
geht er aufs ganze, auch auf die Gefahr hin, daß er alles
verlieren kann. Der Hohepriester verliert aber nicht, denn
Jesus bekennt öffentlich:
"Ich bin's, und ihr werdet sehen des Menschensohn sitzen zur
rechten Hand der Kraft und kommen mit den Wolken des
Himmels."
Mit diesen offenen Bekenntnis zu seiner Messiaswürde, das
wir in den Evangelien sonst kaum finden, gibt Jesus sich
ganz in die Hände seiner Feinde, die nun mit ihm machen
können, was sie wollen. Dieses Bekenntnis ist für sie eine
offene Gotteslästerung.
Zum Zeichen des Zornes über solch eine gotteslästerliche
Unverschämtheit zerreißt der Hohepriester an der Brust sein
Gewand und spricht:
"Was bedürfen wir weiter Zeugen? Ihr habt gehört die
Gotteslästerung. Was dünkt euch?"
Jesu klare und deutliche Antwort hat allem Suchen nach einem
Zeugen der Schuld ein Ende bereitet. Seine, Jesu, Antwort
ist Zeugnis genug.
Jesus hat sich zum Herrscher und Richter, der an Gottes
Seite sitzt und damit sich Gott gleichgemacht. Er hat sich
an die Stelle Gottes gesetzt. Damit ist der Tatbestand der
Lästerung erwiesen und auf Gotteslästerung steht der Tod.
Darum kommt auf die Frage des Hohenpriesters
wie mit einem Munde die Antwort:
"Er ist des Todes schuldig."
Damit ist über Jesus durch das geistliche oberste Gericht
das Todesurteil gesprochen.
Das ist und bleibt das Ärgernis an diesem Jesus von Nazaret
zu allen Zeiten, daß der Verlachtete und Verspottete der von
seinem Vater Erhöhte ist, daß der Gekreuzigte der
Auferstandene, der Mensch Jesus von Nazaret der Sohn Gottes,
daß der Arme der Reiche, der Getötete der Lebende, der hier
Verurteilte der Freie, daß der Niedrige und Geringe in
Wahrheit doch der Messias Gottes ist.
Daß dieses ganze Verfahren gegen Jesus kein ordentliches
Gerichtsverfahren ist, zeigt der letzte Vers, der berichtet,
wie die Anwesenden sich wie gemeiner Pöbel auf Jesus
stürtzen, ihn anspucken, schlagen, verhöhnen und verspotten.
Der fromme Haufen hat sein Ziel erreicht.
Aber gerade dieses alles gehört zur Würde und Hoheit des,
der um unsretwillen dieses alles auf sich nahm, damit wir
gerettet würden.