Markus - Evangelium 096
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:10/03/1966
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:3. Passionsandacht
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 14, 32 -36
Skopus: Jesus in Getsemani a)
Markus - Evangelium 96 - 14, 32 - 36
"Und sie kamen zu einem Stück Land, das Getsemani hieß. Und
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Setzt euch hierher, solange
ich bete.Und er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich,
und es ergriff ihn Angst und Furcht, und er sagte zu ihnen:
Meine Seele ist betrübt bis an den Tod, bleibt hier und
wacht! Und er ging ein wenig weiter, warf sich auf die Erde
und betete, daß, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm
vorüberginge, und sagte: Abba, mein Vater, alles ist dir
möglich; nimm dieses Kelch von mir, doch nicht, was ich
will, sondern was du willst!"

In der letzten Passionsandacht hörten wir von dem Gespräch,
das Jesus mit seinen Jüngern auf dem Wege zum Ölberg geführt
hatte. Nun sind sie dort angekommen. Dieser Hügel ist mit
Olivenbäumen bepflanzt. Die Anlage dieser Ölbaumplantage ist
parkähnlich, sodaß man in ihr spazierengehen kann. An einer
Stelle sind dann auch die Gebäulichkeiten zur Verarbeitung
der Olioven, darunter die Ölpresse, oder Ölkelter.
Daher ist es kein Widerspruch, wenn hier der Evangelist
Johannes Markus von einem Hof spricht, während der
Evangelist Johannes diesen Ort "Garten" nennt. Er liegt am
Fuß des Hügels. Getsemani heißt übrigens Ölpresse oder
Ölkelter.
An einer Stelle trennt er sich von seinen Jüngern und nimmt
nur 3 von ihnen weiter mit, Petrus, Jakobus und Johannes.
Aber auch von ihnen trennt er sich, um ganz allein zu sein.
Mit seinem Vater im Himmel will er allein sein. Hier nun
ereignet sich die entscheidungsvollste Stunde der
Menschheitsgeschichte, der Geschichte Gottes mit uns
Menschen. Hier geschieht das Ringen des Sohnes Gottes um
Klarheit für den kommenden Weg: Darf er die Möglichkeit, die
letzte Möglichkeit, noch ergreifen, um vor dem Entsetzlichen
zu fliehen oder muß er den gewiesenen Weg bis zum Ende
weitergehen. Es fehlen uns die Sinne, um die Schwere dieser
Entscheidung zu verstehen und auch die Worte, um sie je
beschreiben zu können.
Es ist die Frage des Sohnes an seinen Vater, ob wir Menschen
wirklich so schlecht sind, daß wir ihn zu töten bereit sind.
Es ist die Frage des Sohnes an seinen Vater, ob es denn
wirklich keinen anderen Weg zu unserem Heile gibt, als den
Weg durch das Leiden und Sterben hindurch. Diese Frage liegt
so schwer auf ihm, daß er zittert und zagt, und selbst keine
Antwort weiß:
"Meine Seele ist betrübt bis in den Tod."
Und wir dürfen direkt einen Blick tun in das Ringen Jesu mit
seinem Vater:
"Und Jesus ging abseits, fiel auf die Erde und betete, daß,
so es möglich wäre, die Stunde an ihm vorübergehe, und
sprach: Abba, mein Vater, es ist dir alles möglich, nimm
diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was
du willst."
Die äußere Handlung, das Zurücklassen der Begleiter, das
einsame Stehen vor Gott hat einige Parallelen im Alten
Testament:
1. Abraham steigt mit Isaak zur Opferstätte Zion hinauf, die
Begleiter zurücklassend.
2. Mose steigt allein zum Berge Sinai hinauf, die Ältesten
bleiben am Fuße des Berges zurück.
3. Der Hohepriester geht im Tempel allein die Stufen zum
Heiligsten hinauf, seine Begleiter bleiben vor dem Vorhang.
Es geht dabei um die Ausführung eines von Gott gegebenen
Dienstes oder Auftrags, oder um den Empfang einer göttlichen
Offenbarung, einer göttlichen Antwort. Beides geschieht ja
bei Jesus in Getsemani.
Jetzt ist die Zeit und die Stunde und der Ort, da Gott von
seinem Sohn um der Menschen willen einen Dienst fordert und
hier erwartet der Sohn von seinem Vater eine neue
Offenbarung, eine neue Antwort, über seinen zukünftigen Weg.
In seiner Haltung bezeugt Jesus Christus seine vollkommene
Unterwerfung gegenüber seinem Vater im Himmel: Jesus fällt
auf die Erde, Stirn und Knie berühren den Boden. Diese
Haltung macht es allerdings nicht unmöglich, den Vater um
etwas zu bitten, was gegen seinen festgesetzten Weg für ihn
ist:
"Jesus betete, daß, so es möglich wäre, die Stunde an ihm
vorüberginge."
Diese Bitte zeigt gerade in deutlicher Weise an, in welch
einem schweren Ringen der Sohn Gottes steht und wie schwer
ihm dieser Weg wird.
Während die Bitte um das Vorübergehen der Stunde uns durch
unseren Evangelisten überliefert wird, erfahren wir nun auch
das Gebet in direkter Weise aus dem Munde Jesu:
"Abba, mein Vater, es ist dir alles möglich; nimm diesen
Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du
willst."
Bei der ersten Beschreibung des Gebetes geht es um das
Vorübergehen der STUNDE, da Gott durch das Gericht über
diese Welt das Ende einleitet. Hier heißt es also, Gott möge
das Gericht über uns Menschen noch nicht beginnen, indem er
das Urteil, das uns gilt, an seinem Sohn vollstreckt.
In dem uns direkt überlieferten Gebet Jesu geht es um den
KELCH, der vorübergehen möchte. Der Kelch ist das Zeichen
einer Mahlzeit. Gott lädt seinen Sohn zu sich ein; er lädt
ihn ein zum Gastmahl des Leidens. Gott reicht ihm den Kelch
des Leidens. Durch das böse Handeln der Menschen hindurch
handelt Gott selbst. Es ist des Vaters Wille, daß sein Sohn
diesen Weg geht.
Und hier geht es darum, daß Jesus Christus diesen Weg
willentlich und nicht gerzwungen geht. Es fällt ihm schwer.
Hier in unseren Versen erhalten wir noch keine klare Antwort
Gottes auf die Bitte des Sohnes:
"Nimm diesen Kelch von mir!"
Aber selbst schon aus der Bitte läßt sich die Bereitschaft
zu eiunem vollen Ja zu der Antwort erahnen:
"Abba, mein Vater, nicht, was ich will, sondern was du
willst."
Wir können sicherlich manches in dieser Getsemani-Begegnung
des Sohnes mit seinem Vater in der vollsten Bedeutung nicht
verstehen, weil wir Menschen sind und nicht Gott, doch
merken wir, wie schwer dem Sohne das freie und volle Ja zu
diesem Weg des Leidens und Sterbens um unsretwillen geworden
ist.
Wie schwer muß unsere Schuld sein, daß es für den Sohn
Gottes keinen anderen Weg gibt als den ihm vom Vater
vorgezeichneten.
Wie groß aber wird die Liebe des Sohnes Gottes zu uns
Menschen sein müssen, wenn er mit einem freien und klaren Ja
den Weg des Leidens und Sterbens um unsretwillen wird gehen
wollen.