Markus - Evangelium 095
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:03/03/1966
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:2. Passionsandacht
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 14, 26 - 31
Skopus: Ankündigung der Verleugnung des Petrus
Markus - Evangelium 95 - 14, 26 - 31
"Und Jesus sagte zu ihnen: Ihr werdet alle abfallen; denn es
steht geschrieben: Ich werde den Hirten erschlagen, und die
Schafe werden sich zerstreuen. Aber nachdem ich auferstanden
bin, will ich vor euch hergehen nach Galiläa. Petrus aber
sagte zu ihm: Und wenn sie alle abfallen - ich nicht! Und
Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute, in
dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal gekräht hat, wirst du
mich dreimal verleugnen. Er aber redete noch weiter: Auch
wenn ich mit dir sterben mÜßte, werde ich dich nicht
verleugnen! Das gleiche sagten auch alle andern."

Jesus von Nazareth hat mit seinen Jüngern zum letzten Male
an einem Tische gesessen. Sie haben zusammen das Passafest
gefeiert und im Rahmen dieses Passafestes hat der Herr die
Grundlage zur Feier des Heiligen Abendmahls gelegt. Die
Betonung lag da besonders auf die kommende vollkommene
Gemeinschaft des Herrn mit seinen Jüngern bei seinem zweiten
Kommen am Ende der Tage. Nun ist diese Tischgemeinschaft
beendet. Nach dem Segen und dem Lobgesang gingen sie hinaus
an den Ölberg.
Es war Pflicht der Glieder des alten Volkes Gottes, daß sie
in dieser betreffenden Nacht sich in einem bestimmten
Umkreis von Jerusalem aufhaltebn mußten, schlafend, singend
oder auch miteinander redend. Daher konnte Jesus mit seinen
Jüngern nicht dahin gehen, wo er seit seinem Aufenthalt in
Jerusalem wohnte, nach Betanien. Dieses Dorf lag bereits
außerhalb des erlaubten Umkreises. Auf dem Wege nun zum
Ölberg sagt der Herr das so entscheidungsschwere Wort seinen
Jüngern:
"Ihr werdet alle an mit Ärgernis nehmen; denn es steht
geschrieben: ich werde den Hirten schlagen und die Schafe
werden sich zerstreuen."
In klarer Weise sieht Jesus seine Jünger vor sich, wie sie
sich in den nächsten Stunden verhalten werden.
Trotz des mehrjährigen Zusammenseins, trotz der vielen
Erklärungsversuche des Herrn werden seine Jünger im letzten
Grunde seinen Weg nicht verstehen können. Ihre Meinung ist
und bleibt: Ihr Herr und Meister werde in diesen Tagen die
Königsherrschaft über das Volk Israel gewaltsam an sich
reißen und dadurch vor aller Welt bezeugen, daß er der
Messias, der erwartete Gesalbte Gottes sei.
Wenn er vom Sterben sprach, hörten sie nur mit einem Ohr zu
oder dachten, es wird schon nicht so schlimm werden, am Ende
winkt doch die Königsherrschaft. Sie dachten sich das Wort
DURCHS KREUZ ZUR KRONE zu einfach. Ein bißchen leiden, das
ist doch nicht so schlimm, wenn nur der Erfolg die Mühe
lohnt, In keinster Weise haben sie mit einem solchen Ausgang
der Geschichte Jesu gerechnet:
Der Tod eines Verbrechers; der Tod am Kreuz und vorher Hohn
und Spott und Anspucken. Und Jesus sagt ihnen frei ins
Gesicht, daß sie aus diesem ihrem Unverständnis heraus sich
von ihm abwenden werden. Gerade dann, wenn es für ihn am
schwersten sein wird, wird es heißen"
"Und sie verließen ihn alle."
Welch eine Liebe aber spricht doch trotzdem aus seiner
Haltung, wenn er sagt, daß er als der Herr auch durch dieses
ihr Versagen einen dicken Strich setzen wird.
"Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor euch hingehen
nach Galiläa."
Also trotz ihres Versagens geht die Geschichte des Herrn mit
seinen Jüngern weiter, wenn seine eigene Geschichte
weitergeht.
Ihr Leben ist durch Jesus Christus, mitten im Versagen,
nicht hoffnungslos, sondern hoffnungsvoll.
Merkwürdig ist ja das Verhalten des Petrus. Er möchte den
anderen Jüngern gegenüber immer eine Nasenlänge voraus sein.
Er dünkt sich besser als die anderen, mutiger und
verantwortungsvoller. Mögen die anderen so sein, wie der
Herr es gesagt hat:
"Sie werden sich alle an mir ärgern.",
ich, Petrus, aber nicht! Welch ein Hochmut gegenüber den
anderen liegt doch in diesen Worten, aber auch welch ein
Nichtverstehen gegenüber seinem Herrn.
Ist es nicht verbLüffend, welche Ähnlichkeit die
röm.-katholische Kirche mit diesem Petrus aufzuweisen hat,
den sie als ihr Vorbild sieht. Sie ist die Kirche, die auch
noch nach dem Konzil von sich behauptet, daß sie unfehlbar
sei, daß sie nie ihren Herrn als Kirche verleugnet habe, daß
sie die einzig wahre und echte Kirche sei, darum besser als
alle anderen Kirchen, die sie zum Teil garnicht als echte
Kirchen anerkennt.
Auf diese hochmütige Behauptung des Petrus gibt der Herr
eine klare und eindeutige Antwort:
"Wahrlich, ich sage dir: Heute, in dieser Nacht, ehe der
Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen."
Jesus Christus sagt ihm auf den Kopf zu: Du gehörst auch mit
zu den vielen, die mich, wenn es hart auf hart geht, nicht
nur verlassen, sondern sich von mir bewußt lossagen. Du bist
nicht besser als die anderen alle auch.
Petrus hat sich aber in einen solchen Fanatismus
hineingeredet, daß er garnicht ernstnehmnen kann, was der
Herr sagt. Wie ein kleines Kind behauptet er eigenwillig zm
Schluß: Ich habe doch recht.
"Wenn ich auch mit dir sterben müßte, wollte ich dich nicht
verleugnen."
Die anderen Jünger sind mit Petrus darin einer Meinung. Das,
was unser Herr und Meister, redet und tut und was mit ihm
geschieht, können und wollen wir nicht verstehen; es geht
gegen unsere vorgesetzte feste und fromme Anschauung.
So spitzt sich im Leben Jesu alles zu auf das grausame Ende
am Kreuz, verlassen von Gott und von allen Menschen.
Wir heute haben keinen Grund, mit dem Finger auf Petrus und
auf die anderen Jünger zu zeigen. Sie stellen nur das dar,
was auch bei uns immer wieder in unserem Leben
durchzubrechen scheint, auch als Christen.
Im letzten Grunde bleibt uns das Leiden und Sterben unseres
Herrn unverständlich. Verständlich wird das uns nur, wenn
Jesus Christus in unserem Leben uns persönlich begegnet, als
der auferstandene Herr begegnet, immer wieder neu begegnet,
wie er später auch seinen Jüngern begegnet ist.