Markus - Evangelium 080
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:20/05/1965
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 13, 1 - 5a
Skopus: Das Ende des Tempels
Markus - Evangelium 80 - 13, 1 - 5a
"Und als Jesus aus dem Tempel ging, sagte einer seiner
Jünger zu ihm: Meister, was für Steine und was für Bauten!
Und Jesus sagte zu ihm: Siehst du diese großen Bauten? Nicht
ein Stein wird auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen
werden wird. Und während er auf dem Ölberg gegenüber dem
Tempel saß, fragten ihn Petrus und Jakobus und Johannes und
Andreas, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das
geschehen? und was wird das Zeichen sein, wenn das alles
vollendet werden soll? Und Jesus antwortete ihnen."

Der Evangelist Johannes Markus ist nun bald so weit, daß er
sich in seiner Predigtsammlung über seinen Herrn und Meister
Jesus Christus der eigentlichen Passionszeit zuwenden kann,
obwohl die letzte Zeitepoche durch den Einzug in Jerusalem
bereits begonnen hat. Aber er schiebt in seinem
Evangeliumsbericht vor diese Passionszeit eine lange Reihe
von Sprüchen ein, die Jesus im Laufe seines Wirkens über das
Ende des Tempels, über das Ende Jerusalems und über das Ende
der Welt gesprochen hat.
Wir haben hier im angefangenen 13. Kapitel neben der
Gleichniszusammenfassung im 4. Kapitel die größte
Spruchsammlung des Markus-Evangeliums vor uns. Der
Evangelist ist normalerweise ja mehr daran interessiert, was
Jesus getan hat, weniger, was er gesprochen hat. Wenn er
diese lange Spruchsammlung über das Ende trotzdem in seinem
Predigtbuch, in seinem Evangelium aufnimmt, dann beweist
das, daß diese Zusammenfassung in den damaligen Gemeinden
zur Zeit des Evangelisten bereits vorhanden und bekannt
gewesen war und als wichtig und entscheidend angesehen
wurde.
Diese Zusammenfassung der Sprüche hat die Form, wie man
damals allgemein vom Ende der Welt redete und sprach. Das
ist zum Beispiel zu sehen an einer apokalyptischen jüdischen
Sektenschrift aus der Zeit vor Jesus Christus, die man vor
wenigen Jahren in einer Höhle bei Qumran am Roten Meer
gefunden hat.
Diese Höhle war der Abstellraum eines alten jüdischen
Klosterordens. Diese apokalyptische Sektenschrift vom Ende
der Welt trägt den Namen:
"Worte des Mose vom Berge Nebo."
Vom Ende der Welt sprach man nur in einer geheimen Weise,
darum waren solche Sprüche und Zusammenfassungen auch geheim
gehalten worden. Das kommt in unserem 13. Kapitel noch
dadurch zum Ausdruck, daß Jesus seine Sprüche nicht allen
Jüngern sagt, sondern nur den 4 ersten, die ihm besonders
nahe stehen: Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas.
Allerdings will der Evangelist dadurch, daß er diese
Spruchzusammenfassung über das Ende der Welt frei und offen
in seinem Evangelium aufnimmt, bezeugen, daß nach der
Auffassung Jesu Christi die Zeit der Geheimnistuerei über
das Ende vorbei ist. Jesus Christus, der Herr, ist auch der
Herr über das Ende. Das ist kein Geheimnis mehr, sondern das
soll gerade durch die Predigt alle Welt erfahren und
auch das will uns der Evangelist Johannes Markus durch diese
eschatologische, diese endzeitzeitgeschichtliche
Spruchreihe, kurz vor dem Bericht über das Leiden und
Sterben predigen: Die Passion Jesu ist ein Schritt näher zum
Ende zu, in dem sich Jesus als der Herr über das Ende der
Welt erweisen wird.
Durch das Leiden und Sterben hindurch geht es direkt in die
Herrschaft über Himmel und Erde.
Jesus kommt nun aus dem Tempel mit seinen Jüngern, in dem er
am Opfer einer ganz armen Witwe aufzeigt, auf was es beim
Geben ankommt, daß nämlich der Mensch sich selbst ganz Gott
übergibt, mit allem, was er ist und was er hat.
Einer seiner Jünger ist beim Hinausgehen von der
Großartigkeit des Tempelbaues so beeindruckt, daß er meint,
Jesus darauf aufmerksam machen zu müssen:
"Meister, siehe,was für Steine und was für Bauten."
Wir wissen aus vielen Aufzeichnungen und Berichten der
Bibel, aber auch aus außerbiblischen Quellen, daß der Tempel
in Jerusalem wirklich für die damalige Zeit ein kollosaler
Bau gewesen ist.
Ein Rabbiner, Ben Sukka, hat von diesem Tempelbau gesagt:
"Wer nicht das Heiligtum in seiner Bauausführung gesehen
hat, der hat niemals einen Prachtbau gesehen."
Und da, wo über die Größe eines Bauwerks uns Menschen vor
Staunen der Mund offen stehen bleibt, da setzt Jesus an, um
sein Gerichtswort anzufangen:
"Nicht ein Stein wird auf dem andern bleiben, der nicht
zerbrochen werde,"
Das Gericht über diese Welt, das Ende dieser Welt, fängt an
mit dem Gericht am Hause Gottes. Im Gericht Gottes wird
nichts, was Menschen Macht und Menschen Größe zeigt,
bestehen bleiben. Die Hoffnung der Frommen der damaligen
Zeit, daß ihnen nichts genommen werden kann, weil mitten
unter ihnen das Haus Gottes steht, von dem Gott selbst
gesagt hat, daß er darin wohnen will, wird sich nicht
erfüllen. Das Gericht Gottes über diese Welt beginnt am
Hause Gottes. Und erst im Gericht Gottes wird es sich
erweisen, was noch in seinem Volk und von seinem Volke
bestehen kann.
Wir sagten nun schon. daß das Gericht über die Welt mit dem
Gericht am Hause Gottes nur beginnt. So haben es ja schon
viele Propheten bezeugt, auch daß die Zerstörung des Tempels
eine Fortsetzung hat. Das wissen die Jünger. 4 von ihnen,
die Erstberufenen, nehmen ihren Herrn beiseite und fragen
ihn:
"Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen
sein, wann das alles soll vollendet werden?"
Das sind Fragen, die zu allen Zeiten alle Menschen bewegen,
die aber nicht in einem Satz zu beantworten sind. Darum
nimmt Jesus die 4 Jünger beiseite und spricht ausführlich
darüber.
Davon werden wir in den nächsten Wochengottesdiensten hören.
Aber dem Evangelisten liegt es daran, daß die Erklärung Jesu
geschieht, während er auf dem Ölberg sitzt. Nach dem
Propheten Sacharja sollen vom Ölberg aus die
endzeitgeschichtlichen Ereignisse beginnen. Manches, was in
diesem ganzen Kapitel verkündigt wird, ist bereits
Wirklichkeit geworden, manches aber liegt selbst noch vor
uns, darum ist es schon wichtig, daß auch wir auf diese
endzeitgeschichtliche Botschaft achten und sie nicht nur den
Adventisten überlassen.