Markus - Evangelium 079
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:13/05/1965
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 12. 41 - 44
Skopus: Das Opfer der Witwe
Markus - Evangelium 79 - Markus 12, 41 - 44
"Und Jesus setzte sich dem Gotteskasten gegenüber und sah
zu, wie das Volk in den Gotteskasten Geld einlegte. Und
viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe und
legte zwei Heller ein, das macht zusammen einen Pfennig. Und
er rief seine Jünger zu sich und sagte zu ihnen: Wahrlich,
ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten
gelegt als alle anderen, die etwas eingelegt haben. Denn sie
haben alle etwas von ihrem Überfluß eingelegt, diese aber
hat von ihrer Armut alles, wovon sie lebt, ihre ganze Habe,
eingelegt."

In der Auseinandersetzung Jesu mit den frommen
Schriftgelehrten war auch über ihr Verhältnis zu den Witwen
gesprochen worden. Dieses Wort "Witwe" hat sicherlich der
Evangelist bewogen, an dieser Stelle eine Begegnung mit
einer Witwe einzufügen.
Jesus ist im Tempel, besser gesagt, auf dem Tempelvorplatz.
Zu diesem Vorplatz hatten ja auch die Frauen des alten
Volkes Gottes freien Zutritt. Dort waren 12 Opferstörcke
aufgestellt, in die man die freiwilligen oder gesetzlich
vorgeschriebenen Opfergaben hineinlegte.
Ein Ausleger sagte, daß der Opferstock in unserer Geschichte
ein Opferstock für freiwillige Gaben gewesen sei, an dem ein
Priester das Geld oder das Opfer in Empfang nahm. Der
Opfernde sagte dabei die Höhe und den Zweck der Gabe, sodaß
alle Umstehenden es hören konnten.
Jesus beobachtet das Leben und Treiben auf diesem
Tempelvorplatz und wird Zeuge dessen, was an einem solchen
Opferkasten geschieht:
"Viele Reiche legten viel ein und es kam eine arme Witwe und
legte zwei Scherflein ein, die waren ein Heller."
Im griechischen Urtext steht hier als Geldmaß angegeben:
"2 Lepta, die 1 Quadran ausmachen."
1 Leptin ist die kleinste römische Münze, eine Kupfermünze;
eine Münze, die einen Wert von 25 argentinischen Centavos
gehabt hat. Das ist wirklich ein Betrag, mit dem wir auch
hier bei uns in Argentinien nichts anfangen könnten. Was
sind schon 25 argentinische Centavos?! Das würden bestimmt
auch wir sagen, wenn wir an unseren Kirchneubau denken und
an die Summen, die bisher dazu gegeben wurden. Diese Art,
wie die Kollekten, die Opfer und die Gaben, beurteilt
werden, ist nicht nur damals üblich gewesen, sondern auch
heute.
Geld ist doch Geld, je mehr Geld ein Christ für eine gute
Sache gibt, desto höher steigt sein christliches Ansehen und
wir nehmen an, daß sein Ansehen auch bei Gott steigen wird.
Das war nicht nur zur Zeiut Jesu so, nicht nur zur Zeit
Martin Luthers in der römisch- katholischen Kirche, da der
Mönch Tetzel ausrief:
"Sobald das Geld in dem Kasten klingt, die Seele aus dem
Fegefeuer in den Himmel springt,"
sondern das ist heute noch so, auch in evangelischen
Kreisen.
Wenn wir das sagen, dann wollen wir damit nicht ableugnen,
daß es schon eine gute Sache ist, wenn es im Volk Gottes, in
der Kirche Jesu Christi heißen kann:
"Und viele Reiche legten viel ein."
Was könnte in der Christenheit nicht alles erreicht werden,
wenn man von allen christlichen Gemeinden der Welt sagen
könnte:
"In ihnen legten viele Reiche viel in den Opferkasten ein."
Ja, Jesus Christus würde sich sehr freuen, wenn das überall
unter uns sich ereignete, hat er doch einem Reichen sogar
zugemutet, daß er sich vollständig von seinem Reichtum
trennen möge:
"Gehe hin und verkaufe alles, was du hast und gib's den
Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben."
Es soll also hier unter keinen Umständen gesagt werden, daß
in seiner Gemeinde nur Centavos geopfert werden sollen und
keine Pesos.
Hier geht es aber darum, daß ein Mensch sich ganz und total
in seinen Dienst stellt, auch mit dem, was er besitzt an Hab
und Gut und Geld. Von diesem Maßstab aus schaut Jesus
Christus alle Opfer und alle Gaben an, die seinem Vater im
Himmel, die ihm gegeben werden. Von diesem Maßstab wird das
VIEL der Reichen angestrahlt.
Ist dieses Viel wirklich ein Opfer für den Herrn Christus?
Ist dieses Geben mit der Summe, die alle Leute vielleicht
bewundern, wirklich in den Geldgeschäften des Gebenden hart
zu spüren, oder ist die betreffende Summe, sie mag noch so
hoch sein, ein Geben mit dem kleinen Finger?
Um Jesus Christus eine Freude zu machen, muß eine Gabe
wirklich ein Opfer sein und so hoch bemessen, daß es uns
schmerzt, daß es uns wehtut, daß es uns durcheinanderbringt
in allen unseren Planungen.
Das Viel der Reichen im Opferkasten in dem Vorhof des
Tempels von Jerusalem hielt dieser Maßstab nicht stand:
"Sie, die Reichen, haben alle von Ihrem Überfluß eingelegt."
Es war also im letzten Grunde kein Opfer.
Und nun sieht Jesus die Witwe. Sie ist arm. So sagt es uns
der Text ausdrücklich. Man schämte sich vielleicht, diese
Summe überhaupt mit dem Munde zu nennen; man glaubte, seinen
Ohren nicht trauen zu können, vielleicht hat der Priester an
dem Opferkasten sogar seine Nase gerümpft über diese
lumpigen 50 Centavos. Wie kann diese kleine Gabe der armen
Witwe sich überhaupt vergleichen wollen mit dem VIEL der
Reichen?!
Unsere Augen wären ganz bestimmt auch voll und ganz in den
Bann des VIEL der Reichen gezogen worden.
Wie sieht nun allerdings diese kleinste Gabe der armen Witwe
vor dem Maßstab Jesu über das Opfern aus? Jesus sagt hier,
daß diese arme Witwe sich voll und ganz, mit allem, was sie
hat und besitzt, in den Dienst Gottes gestellt hat. Das, was
sie da in den Opferkasten gelegt hat, war das Einzige, was
sie besaß. Auf alle Sicherungen ihres Lebens hat sie
verzichtet, hat sie Gott dahingegeben, weil sie davon
überzeugt ist, daß der Mensch, der sich Gott übergibt, mit
allem was er ist und was er hat, in der Fürsorge dieses
Gottes steht. Gott wird schon für ihn sorgen an einem jeden
neuen Tag.
Vor dem Maßstab Jesu wiegt das Wenige der armen Witwe mehr
als das Viel der Reichen:
"Diese aber hat von ihrere Armut alles, wovon sie lebte,
ihre ganze Habe, eingelegt."
Es wäre auch für uns sehr gut, wenn wir es niemals vergessen
würden, daß Gott von uns mehr als das erwartet, was wir mit
dem kleinen Finger zu geben bereit sind. Er erwartet von uns
ein sehr kräftiges Dankeschön! für seine Liebe zu uns, so
daß wir es richtig spüren, nicht nur in unseren Kopfplänen,
sondern auch in unserem Geldbeutel und vielleicht auch auf
unserem Bankkonto.
Wenn wir nach diesem Masßstab handeln, dann spielt die Höhe
oder die Niedrigkeit eines Opfers keine Rolle mehr. Keine
Gabe kann dann zu groß und keine Gabe kann dann zu gering
und zu niedrig sein. Diese Begegnung Jesu mit der armen
Witwe steht inmitten seiner dreifachen Angriffsrede gegen
die frommen und vornehmen Schriftgelehrten im Volk. Sie will
denen sagen, die sich damit brüsten, daß sie den Zehnten als
Opfer abgeben, was ist das schon, daß ihr meint, euch darauf
etwas einzubilden. Ihr habt nur mit dem kleinen Finger etwas
von eurem Überfluß gegeben. Schon diese arme Frau tut mehr
für Gott als ihr in eurem frommen Hochmut und in eurer
frommen Heuchelei.
Möge auch uns in Wahrheit das Kleine klein und das Große
groß erscheinen.