Markus - Evangelium 074
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:01/10/1964
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 12, 13 - 17
Skopus: Die Frage nach der Steuer, vom Zunsgroschen
Markus - Evangelium 74 - 12, 13-17
"Und sie sandten einige von den Pharisäern und von den
Leuten des Herodes zu ihm, um ihn mit Worten zu fangen. Und
sie kamen und sagten zu ihm: Meister, wir wissen, daß du
wahrhaftig bist und nach niemand fragst; denn du achtest
nicht auf das Ansehen der Menschen, sondern du lehrst den
Weg Gottes in aller Wahrheit. Ist's recht, daß man dem
Kaiser Steuern zahlt oder nicht? Sollen wir sie zahlen oder
nicht zahlen. Er aber merkte ihre Hinterlist und antwortete
ihnen: Was stellt ihr mich auf die Probe? Bringt mir einen
Silbergroschen, damit ich ihn vor Augen habe! Und sie
brachten einen. Da fragte er: Wen zeigen Bild und
Aufschrift? Sie antworteten ihm: Den Kaiser. Da sagte Jesus
zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und
Gott, was Gott gehört! Und sie wunderten sich über ihn."
Im letzten Grund liegt der Beschluß der Obersten des alten
Volkes Gottes fest, diesen Jesus von Nazareth zu beseitigen,
ihn umzubringen. Sie suchen jetzt noch eine Gelegenheit, wie
sie ihn unauffällig verhaften können und sie suchen
ebenfalls nach einer Gelegenheit, wie sie ihn mit seinen
eigenen Worten in lästerliche Widersprüche verwickeln
können, damit sie dann später in einem ordentlichen
Gerichtsprozeß Gründe genug haben, ihn zu verurteilen.
Nachdem ihr direkter Versuch bei der Vollmachtsfrage
mißlungen ist, schicken sie jetzt Abgesandte mit dem
einzigen Auftrag, ihn zu unüberlegten und widersprüchlichen
Äußerungen zu reizen. Merkwürdig ist es schon dabei, daß
sich Menschen zur Verfügung stellen, die sich sonst
spinnefeind sind: Pharisäer, also gesetzestreue fromme
Männer und Herodianer, die es mit dem König zu tun hatten,
der vom Glauben nichts hielt und mit dem heidnischen Kaiser
in Rom paktiert hat:
"Und sie sandten zu ihm etliche von den Pharisäern und des
Herodes Leuten, daß sie ihn fingen in seinen Worten."
Diese versucherischen Fragen leiten sie ein mit
schöntuerischen Reden:
"Wir wissen, daß du wahrhaftig bist; wir wissen, das du
nicht nach dem Ansehen der Person fragst:
wir wissen, daß du den Weg Gottes recht lehrst."
Zuerst streicheln sie ihn, um dann zu dem entscheidenden
Schlag auszuholen.
Was sie da von Jesus sagen, ist in der Tat recht gesagt.
Aber wir wissen, daß diese Feststellungen im Munde der
Feinde Jesu ihn nur in eine gewisse Sicherheit wiegen
sollen, damit er frei ausspricht, ohne Hemmungen, was er
denkt, und sie dann nur daraus das ihnen Passende
heraussuchen brauchen Und wie lautet dann die verfängliche
und versucherische Frage?
"Ist's recht, daß man dem Kaiser Steuern zahle, oder nicht?
Sollen wir sie geben oder nicht?"
Das Versucherische oder das Verfängliche liegt darin, daß
Jesus bei einem Ja oder bei einem Nein sich festgerannt
haben würde.
Die frommen Leute ertrugen die Herrschaft des heidnischen
Kaisers von Rom nur sehr widerwillig und ersehnten aus
vollem Herzen die Befreiung vom römischen Joch. Nach ihrer
Meinung sollte ja der erwartete Messias die Römer aus dem
Lande vertreiben. Den Glauben, daß dieser Jesus von Nazareth
dieser Messias sein könne, der die Freiheit erringen würde,
hatten sie längst verloren oder noch nie gehabt. Das Zeichen
der Unterjochung durch die Römer war für jeden einzelnen
Israeliten deutlich zu spüren durch den Zwang einer
Kopfsteuer, die unter Umständen mit brutaler Polizeigewalt
eingezogen wurde. Es gab eine starke Partei, die sich durch
einen offenen Widerstand gegen die römische Besatzungsmacht
auszeichnete. Diese Partei der ZELOTEN verweigerte die
Zahlung der Kopfsteuer an den römischen Kaiser und
bezeichnete sie als eine nationale Schande.
Bejahte Jesus also die Frage:
"Ist es recht, daß man dem Kaiser die Kopfsteuer zahle?",
so hätte er das ganze fromme Volk gegen sich und auch die
besonders national empfindlichen Kreise und erst rcht würde
dadurch bewiesen sein, daß er nicht der erwartete Messias
ist, nicht sein kann, sondern ein hergelaufener Betrüger.
Würde er aber die Kopfsteuerfrage verneinen, so hätten die
Obersten einen triftigen Grund, beim römischen Statthalter
über Palästina ihn als Revolutionär und Aufwiegler
anzuzeigen, den es zu vernichten gilt.
Wie reagiert Jesus nun auf die verfängliche Frage der
Pharisäer und Herodes Anhänger, die er längst durchschaut
hatte?
Er läßt sich ein römisches kleines Silbergeldstück geben: 1
Denar, der heute etwa einen Wert von 3 $ MONEDA NACIIONAL
hätte. Nach den bisherigen Funden weiß man, daß diese kleine
Silbermünze auf der Vorderseite das Brustbild des Kaisers
Tiberius trug. Der Kopf war geschmückt mit einem
Lorbeerkranz, dem Zeichen seiner göttlichen Würde. Die
Inschrift lautete: Tiberius, Caesar, des göttlichen Augustus
Sohn, Augustus. Auf der Rückseite trug diese Münze die
Inschrift PONTIFEX MAXIMUS und das Bild der Mutter des
Kaisers, auf einem Götterthron sitzend, in der Hand hält sie
das olympische Herrschaftssymbol und in der linken einen
Ölzweig als Zeichen dafür, daß sie die Inkarnation der
himmlischen Friedensgöttin sei. Sie hat viele Ähnlichkeiten
mit der katholischen Maria.
Diese Silbermünze, die die Macht des Kaisers dokumentiert,
ist gefüllt mit heidnischer Religion. Die Kopfsteuer mußte
mit dieser Münze bezahlt werden.
Jesus wird nun diese Münze gebracht und er zeigt auf sie und
fragt, was für ein Bild und was für eine Inschrift trägt
diese Münze? Sie können nicht anders antworten als mit "des
Kaisers". Damit haben sie selbst die Frage beantwortet, die
sie Jesus gestellt hatten:
"Ist es recht, dem Kaiser die Kopfsteuer zu zahlen ode
nicht?"
Der Umlauf dieses Geldes zeigt an, daß sie einfach unter der
Herrschaft des römischen Kaisers stehen, ganz gleich, ob es
ihnen gefällt, ganz gleich, ob sie es wollen oder nicht
wollen. Es gibt keinen Weg an dieser Anerkennung vorbei. Es
gibt keinen Weg an der Bezahlung der Kopfsteuer vorbei. Das
sagt nicht Jesus, sondern das müssen sie selbst in einer
indirekten Weise sagen, so daß es ihm nicht mehr zur Last
gelegt werden kann. Ja, jetzt kann Jesus sogar, ohne ihnen
die Möglichkeit der Anklage des Landesverrates, der
Revolution, des Aufruhrs zu geben, diese Herrschaft und
Gewalt des römischen Kaisers einschränken:
"Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes
ist."
Das Geld gehört dem Kaiser, dieses winzig kleine Stück
Silber, aber Gott gehört ALLES. Ihr seid von Gott als sein
Volk gabz in Beschlag genommen, und zwar von dem Gott, der
zu euch gekommen ist in meiner Person. Und mich wollt ihr
ermorden. Ihr streitet euch darum, ob ihr um Gottes Willen
die Kopfsteuer bezahlen dürft, aber gleichzeitig beschließt
ihr skrupellos, den Sohn Gottes umzubringen, der vor euch
steht.
Es sieht nicht danach aus, daß sich die Obersten nun
zufrieden geben, erst recht sieht es nicht danach aus, daß
sie dieser verborgenen Einladung, diesen Jesus doch noch als
ihren Heiuland anzunehmen, Folge leisten.
Hoffentlich hören wir immer wieder neu in unserem Leben das
Rufen Gottes und werden ihm gehorsam!