Markus - Evangelium 071
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:20/08/1964
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 11, 20 - 26
Skopus: Glaube und Gebetserhörung
Markus - Evangelium 71 - 11, 20-26
"Und als sie am Morgen an dem Feigenbaum vorübergingen,
sahen sie, daß er bis zur Wurzel verdorrt war. Und Petrus
dachte daran und sagte zu ihm: Rabbi, sieh, der Feigenbaum,
den du verflucht hast, ist verdorrt. Und Jesus antwortete
ihnen: Habt Glauben an Gott! Wahrlich, ich sage euch: Wer zu
diesem Berge spricht: Erheb dich und wirf dich ins Meer! und
in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, daß
geschieht, was er sagt, dem wird's zuteil werden. Darum sage
ich euch: Bei allem, worum ihr in eurem Gebet bittet, glaubt
nur, daß ihr's schon empfangen habt, so wird's euch zuteil
werden. Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr
etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater im Himmel
euch eure Übertretungen vergibt."

Jesus in Jerusalem. Darin kommt ein 3-faches zum Ausdruck:
1. Die Verwerfung Jesu durch das alte Volk Gottes bis zum
Tode am Kreuz.
2. Die Verwerfung des alten Volkes Gottes, des Volkes Israel
durch Gott selbst. Das Gericht Gottes beginnt am Hause
Gottes, am Tempel in Jerusalem.
3. Durch menschliche Schuld und durch den Zorn Gottes
hindurch wird doch Gottes Plan zu unser aller Heil zur
Vollendung kommen.
"Es ist vollbracht!"
ruft Jesus Christus schließlich am Kreuz auf Golgatha aus.
Im Gerichtswort Jesu über den Feigenbaum kommt das zum
Ausdruck, was über Jerusalem über das ganze Volk Israel
Wirklichkeit werden wird:
"Bis auf die Wurzel verdorrt.",
und was in der Tempelreinigung simbolhaft durch Jesus
geschieht und aufgezeigt wird:
"Mein Haus ist ein Bethaus allen Völkern. Ihr aber habt eine
Räuberhöhle daraus gemacht."
Das symbolhafte Gericht am Feigenbaum nimmt der Herr zum
Anlaß, seinen Jüngern einen Hinweis auf die Realität des
Glaubens zu geben.
Ein Wort Jesu hatte genügt, den Feigenbaum dem Gericht
Gottes zu übergeben, allen Naturgewalten und allen
Naturgesetzen zum Trotz.
Ein Glaube, der in Gott, dem Schöpfer, fest gegründet ist,
setzt Himmel und Erde in Bewegung:
"Habt Glauben an Gott. Wahrlich ich sage euch: Wer zu diesem
Berge spräche: Hebe und wirf dich ins Meer und zweifelte
nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, daß es geschehen
würde, was er sagt, so wird es ihm geschehen."
Würde unser alltägliches und auch gemeindliches Leben nicht
ganz anders aussehen, wenn wir dieses Wort unseres Herrn und
Heilandes ernster nehmen würden als bisher?
Das heißt doch in allen Lagen unseres Lebens: Gott ist immer
mit seiner ganzen Macht und Gewalt auf der Seite und an der
Seite des an ihn Glaubenden.
Ist unser Leben nicht deswegen von der Furcht und von der
Sorge und Angst geprägt, weil wir dieses Wort nicht
ernstgenommen haben?!
Trotz aller seiner Feinde, die ihm auch nach dem Leben
trachteten, konnte Martin Luther in solch einem fröhlichen
Glauben bekennen:
"Ein feste Burg ist unser Gott", oder "Und wenn die Welt
voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen."
Wer Gott an seiner Seite hat, hat immer nicht nur den
Stärkeren, sondern sogar den Stärksten an und auf seiner
Seite.
Wichtig in diesem Glauben ist es natürlich, dasß wir unseren
Mund auftun, und Gott darum bitten, diese Macht und diese
Gewalt um unsretwillen einzusetzen. Wenn wir von dieser
Möglichkeit nur ein wenig mehr Gebrauch machen würden,
würden wir Wunder über Wunder erleben, auch wir, die wir uns
hier unter Gottes Wort versammelt haben.
Wie hat ein Liederdichter es einmal ausgedrückt:
"Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut,
der hat auf keinen Sand gebaut."
Und nun denkt Jesus an die Lage, in der er sich befindet. Er
hat über die Bedeutung des Glaubens und des Gebetes im
Anschluß an die Verfluchung des Feigenbaumes gesprochen. In
der Verfluchung kam Gottes Gericht zum Ausdruck, und zwar
als Bild für das Gericht über das alte Volk Gottes, über die
Stadt Jerusalem mit ihrem Tempel.
In diesem Geschehen handelt ausschließlich und allein Gott
selbst. Das Gericht über andere Menschen und Menschengruppen
herabzuziehen ist nicht die Angelegenheit der Glaubenden.
Uns Menschen wird der Riegel vorgeschoben vor der
unmöglichen Möglichkeit, über einen anderen Menschen, der
uns nicht gut gesonnen ist, den wir nicht mögen, der uns
Böses angetan hat oder einer anderen Rasse angehört, Pech
und Schwefel, Krankheit und Tod, von Gott herabzubitten. Wir
werden sogar davor gewarnt. Gott ließ einmal das Wort an uns
ergehen:
"Mein ist die Rache, nicht euer, ich allein will vergelten,
dir steht das nicht zu."
Uns ist es nicht gegeben zu vergelten denen, die uns übel
wollen, sondern wir dürfen stattdessen vergeben:
"Und wenn ihr steht und betet, so vergebet, wenn ihr etwas
wider jemand habt, auf daß auch euer Vater im Himmel euch
vergebe eure Übertretungen."
Wer Gott auf seiner Seite hat; wer weiß, daß der, dem alle
Macht und Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden, ihm
helfend zur Seite steht, der hat es einfach nicht nötig, dem
anderen, der ihm schuldig geworden ist, seine Schuld sein
Leben lang im Herzen zu tragen, sie dem anderen immer wieder
aufs neue vorzuwerfen, der kann das Unrecht, das man ihm
zufügte, aus der Welt schaffen, indem er dem anderen diese
Schuld vergibt.
Wie beten wir ja auch schon im Vaterunser?
"Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren
Schuldigern."
Damit sollen wir erinnert werden, daß Gott uns unsere Schuld
in der selben Weise vergibt, wie wir bereit sind, dem
anderen auch seine Schuld zu vergeben.
"Und wenn ihr stehet und betet, so vergebet, wenn ihr etwas
wider jemand habt, auf daß auch euer Vater im Himmel euch
vergebe eure Übertretungen."
Also dürfen wir wissen, daß Gott auf unserer Seite ist, daß
er uns helfend zur Seite steht. Wir dürfen alle seine Macht
und Gewalt erbitten, daß er uns helfe. Allerdings diese
Macht zu erbitten, um an einem anderen Menschen unseren Zorn
auszulassen, das steht uns nicht zu.
Unser Verhältnis zu unseren Mitmenschen braucht nicht von
der Wiedervergeltung, sondern darf von der Vergebung geprägt
sein.