Markus - Evangelium 068
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:09/07/1964
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 11, 1-11
Skopus: Jesu Einzug in Jerusalem
Markus - Evangelium 68 - 11, 1-11
"Als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und
Betanien an den Ölberg, sandte Jesus zwei seiner Jünger
voraus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch
liegt. Und gleich wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein
Füllen angebunden finden, auf dem noch niemand gesessen hat,
bindet es los und führt es her! Und wenn jemand euch sagen
wird: Warum macht ihr das?, so sprecht: Der Herr braucht es
und sendet es gleich wieder zurück. Und sie gingen hin und
fanden das Füllen an einer Tür angebunden draußen an der
Straße und banden's los. Und einige, die dort standen,
sagten zu ihnen: Was macht ihr denn da, daß ihr das Füllen
losbindet? Sie antworteten ihnen aber, wie es ihnen Jesus
geboten hatte, und die ließens zu. Und sie führten das
Füllen zu Jesus und legten ihre Kleider darauf, und er
setzte sich darauf. Und viele breiteten ihre Kleider auf den
Weg, andere aber grüne Zweige, die sie auf den Feldern
abgehauen hatten. Und die vorangingen und die nachfolgten,
riefen laut: Hosanna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des
Herrn! Gelobt sei das Reich unseres Vaters David, der da
kommt! Hosanna in der Höhe! Und Jesus ging nach Jerusalem
hinein in den Tempel, und er besah alles riungsum, und erst
spät ging er mit den Zwölfen nach Betanien hinaus."

Was wir gerade gelesen haben, ist ein sehr bekannter Text:
Der Einzug in Jerusalem.
2X im Kirchenjahr hören wir ihn als Evangeliumslesung im
Gottesdienst, am 1. Advent und am Palmsonntag. Beide Male
hat er für uns einen anderen Blickpunkt. Am 1. Advent nehmen
wir diesen Einzug als Anlaß, um an Jesus Christus zu denken,
wie er als der König der Endzeit, als der Richter der
Weltgeschichte, noch einmal auf diese Erde kommen wird.
Und am Palmsonntag denken wir daran, daß er gerade als der
wahre König Israels auf alle seine Hoheit und Würde
verzichtet und arm auf einem Reittier armer Leute, einem
Esel, in Jerusalem einzieht. Damit dokumentiert er, durch
seine Niedrigkeit, durch sein Leiden und Sterben, daß er der
Heiland aller Menschen ist; von den Angehörigen des alten
Volkes Gottes aber wird er verworfen.
Diese beiden Anschauungen über die Bedeutung des Einzugs
Jesu in Jerusalem sind in der Art und Weise, wie der
Evangelist Johannes Markus diese Geschichte erzählt,
deutlich erkennbar.
Rückblickend von der Auferstehung Jesu Christi her, konnte
die christliche Gemeinde wohl in dieser Weise von der
Bedeutung des Einzugs sprechen, als aber diese Geschichte
wirklich geschah, war von all dem noch nichts zu spüren. Was
die große Öffentlichkeit in Jerusalem vielleicht damals zur
Kenntnis nehmen konnte, war dieses:
Ein Wanderprediger, auf einem Esel reitend, umgeben von
seinen Jüngern, naht sich dem Zentralheiligtum, dem Tempel
in Jerusalem. Dieses alles war aber damals nichts Besonders,
sondern eine ganz normale Erscheinung. Die Bevölkerung regte
sich über solch ein Geschehen nicht mehr auf. Es hieß
vielleicht: Ach, wieder so einer!
Aber das ist ja das Entscheidende unseres christlichen
Glaubens, daß wir wissen, daß im ganz Alltäglichen dieses
Lebens auf dieser Erde Gott selbst erscheint, Gott selbst
handelt. Dem Nichtglaubenden erscheint alles als graues
alltägliches Geschehen, dem Glaubenden erscheint in solch
einem alltäglichen Geschehen aber Gott selbst.
So ist in diesem Einzug eines Wanderpredigers mit seinen
Jüngern in Jerusalem Gott selbst, sein Sohn, in der Gestalt
des Menschen Jesus von Nazareth in Erscheinung getreten. Der
Himmel berührt die Erde. Der Evangelist Johannes Markus
berichtet also nicht mit dem Verständnis eines neutralen
Zeitgenossen der damaligen Zeit, sondern er sieht bereits
alles mit den Augen eines Glaubenden, eines an Jesus
Christus Glaubenden und berichtet es weiter, damit auch die
Menschen nach ihm noch an Jesus Christus glauben sollen,
glauben können.
Das Ziel der Wanderschaft Jesu mit seinen Jüngern ist
erreicht, Jerusalem, die heilige Stadt Gottes. Wie ein
Herrscher, wie ein Gewaltiger und Mächtiger, gebietet er und
ihm muß gehorcht werden. Ohne vorherige Absprache wird ihm
das Reittier zur Verfügung gestellt, um als der Herr seines
Volkes in Jerusalem einzuziehen. Es ist durchaus eine
herrschaftliche Würde, die uns der Evangelist aufzeigt.
Allerdings sehen wir auch gleichzeitig das andere: Was ist
schon ein Esel, ein armer Leute Tier. Der, der da einzieht,
sieht äußerlich wirkjlich nicht wie ein König, wie der
erwartete messianische König, aus, sondern in gewisser Weise
wie eine Witzfigur eines Herrschers, ähnlich wie es später
bei der Dornenkrone war. Und doch geht auch damit eine
alttestamentliche Weissagung aus dem Propheten Sacharja in
Erfüllung:
"Aber du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter
Jerusalem, jauchze: Siehe, dein König kommt zu dir, ein
Gerechter und ein Helfer, arm,er reitet auf einem Esel und
auf einem jungen füllen der Eselin."
Das heißt doch, Gott wollte es so.
Nach dem Johannes-Evangelium verstehen das selbst seine
Jünger nicht.
Etwas anderes schwingt hier auch noch mit, was ein jüdischer
Rabbiner angedeutet hat:
"Rabbi Jehoschua ben Levi sagte: Siehe, der Menschensohn
kommt auf den Wolken des Himmels und arm und reitend auf
einem Esel. Wenn Israel dessen würdig ist, kommt er auf den
Wolken des Himmels, und wenn es dessen nicht würdig ist, arm
und reitend auf einem Esel."
Es liegt also bereits in dem Einzug des Messias auf einem
Esel reitend eine scharfe Verurteilung des Volkes Israel.
Das alte Volk Gottes ist nicht würdig, den Messias in
vollkommener Macht und Herrlichkeit zu empfangen. Dieses ist
allerdings auch die ganze Wirklichkeit und wird in den
nächsten Tagen in Jerusalem sich in der ganzen Grausamkeit
zeigen bis hin zum Schrei:
"Kreuzige, kreuzige ihn!"
Selbst der größte Teil derer, die hier in einer gewissen
Begeisterung "HURRA!" oder besser: "HOSANNA!"schreien, wird
später in den Schrei: "Kreuzige, kreuzige ihn!"
miteinstimmen.
Allerdings wird sich der Ruf HOSANNA als vollmächtiger
erweisen als der Kreuzigungsschrei. Allem äußeren Schein zum
Trotz ist der Freudenruf
"Gelebt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn. Gelobt sei
das Reich unseres Vaters David. Hosianna in der Hóhe!"
bereits eine Vorankündigung des wiederkommenden Herrn Jesus
Christus, den wir erwarten.
Mächtig und hilflos, reich und arm, gelobt und verdammt,
erkannt und unerkannt, hoheitsvoll und verspottet, das alles
beginnt sich nun in Jerusalem zuzuspitzen.
Wie ein Sohn heimkehrt in sein Vaterhaus, so kehrt Jesus ein
in Jerusalem und auch in den Tempel:
"Und er ging hinein nach Jerusalem und in den Tempel, und er
besah ringsum alles."
Und doch findet er im letzten Grunde keine Bleibe. Am Abend
verläßt er die Hauptstadt wieder mit seinen Jüngern. Seine
Stadt ist es und doch ist er darin ein Fremder. Das alles
wird bis zur letzten Konsequenz durchgehalten werden müssen.
Gott sei Lob und Dank, daß am Ende das Heil für unsere so
heillose Welt aufleuchtet, für dich und für mich.
Indem er ausrufen kann:
"Es ist vollbracht!"
erfüllen sich alle Weissagungen oder weisen auf ein weiteres
neues Geschehen. Jesus Christus, Heiland aller Menschen;
aber auch: Jesus Christus, Herr der ganzen Welt, der Herr
Himmels und der Erden.