Markus - Evangelium 062
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:24/04/1964
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 10, 17 - 22
Skopus: Der reiche Jüngling
Markus - Evangelium 62 - 10, 17 - 22
"Und als Jesus sich auf den Weg machte, lief einer herbei,
kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was
soll ich tun, damit ich das ewige Leben erbe? Aber Jesus
sagte zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als
Gott allein. Du kennst ja die Gebote genau: Du sollst nicht
töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen;
du sollst keine falsche Anklage erheben; du sollst niemand
berauben; ehre deinen Vater und deine Mutter. Er aber sagte
zu ihm: Meister, das alles habe ich gehalten von meiner
Jugend an. Und Jesus sah ihn an, gewann ihn lieb und sagte
zu ihm: Eins fehlt dir noch. Geh hin, verkaufe alles, was du
hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im
Himmel haben, und komm und folge mir nach! Er aber war ganz
niedergeschlagen über die Antwort und ging traurig davon;
denn er hatte großen Besitz."

Das Große und Einmalige des Geschehens in der Person Jesus
von Nazareth liegt darin, daß Gott in ihm uns seine ganz
große Liebe anbietet, eine Liebe, die wir erhalten können,
ohne irgendwelche Bedingungen vorher zu erfüllen. Diese
Liebe Gottes zu uns ohne irgendwelche Bedingungen war etwas
Besonderes, weil im Laufe der Zeit im alten Volk Gottes sich
die Meinung gebildet hatte, Gott liebt nur den, der seinen
Willen tut und nach seinen Geboten lebt. Später kamen zu
diesen Geboten Gottes auch noch die Gesetze frommer Menschen
hinzu. Dieses glaubte man zur Zeit Jesu:
Tut der Mensch das, was Gott will, dann schenkt er ihm zur
Belohnung seine Liebe.
Es wurde die Realität des Sündenfalles nicht mehr ernst
genommen. Der Sündenfall hatte es doch an den Tag gebracht,
wie total wir verdorben sind, wie total wir uns von Gott
abgewandt haben.
Diese Meinung, daß wir uns Gottes Liebe verdienen können,
hatte ja dazu geführt, wie wir es im letzten
Wochengottesdienst gehört haben, daß man die Kinder als vom
Heil ausgeschlossen glaubte, weil sie für Gott noch nichts
tun konnten.
Wie eine Befreiung erscheint uns die Liebe Gottes, die Jesus
von Nazareth bringt und praktizierte, die an keinerlei
Bedingungen geknüpft ist.
Hier in unserem Text erscheint einer, der ganz erfüllt ist
von der Meinung, daß er Gottes Liebe sich selbst verdienen
kann:
"Was soll ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe."
So, wie dieser Mensch in unserer Geschichte sich gibt, ist
es ein junger Mann, der mutig und draufgängerisch eine
Aufgabe oder eine Arbeit anzupacken vermag.
Der Evangelist Matthäus spricht bei dieser Geschichte auch
von einem Jüngling, während unser Evangelist diese Frage
durchaus offen läßt. Jedenfalls will er sich den Himmel
schon selbst verdienen und alle Bedingungen erfüllen, die
dazu notwendig sind.
Bevor Jesus aber auf diese Frage eingeht, stellt er gleich
am Anfang eines richtig, was im letzten Grunde dann auch mit
der ganzen Frage zusammenhängt. Er stellt die Anrede, mit
der der Jüngling Jesus anredet:
"Guter Meister!"
richtig.
Damit meinte der reiche Jüngling nicht, daß er in Jesus von
Nazareth den Messias, den Sohn Gottes, erkannte, auf den das
Wort GUT zuträfe, eine Eigenschaft, die nur Gott selbst
zukommt. Nein, der junge Mann sah in Jesius einen Mann,
einen Lehrer, der durch sein eigenes Bemühen bereits für
sich die Tür zu Gott, zum Himmel, halb aufgestoßen hat. Von
ihm wollte er für sein eigenes Bemühen noch viel lernen.
Darum seine Anrede mit der Frage an Jesus:
"Guter Meister, was mu ich tun, daß ich das ewige Leben
ererbe?"
Nachdem Jesus die Anrede zurückgewiesen hat:
"Was heißest du mich gut? Niemand ist gut als allein Gott."
stellt er sich auf die Seite des Jünglings und antwortet so,
wie der Jüngling es wünscht:
"Du weißt die Gebote: du sollst nicht töten; du sollst nicht
ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht
falsches Zeugnis reden; du sollst niemand berauben; ehre
Vater und Mutter."
Er antwortet also so, wie jeder Lehrer und Schriftgelehrter
damals geantwortet hätte. Wer die Gebote Gottes hält, der
ist ein Kind Gottes.
Wir wissen ja, daß dieser Weg durch die abgrundtiefe Bosheit
der Menschen frakassiert ist. Darum war es das Neue, daß
Jesus Christus durch sein Leben und Wirken und durch sein
Leiden und Sterben die bedingungslose Liebe Gottes zu uns
Menschen brachte. Das haben wir bei der Begegnung Jesu mit
den Kindern klar und deutlich gehört.
Als Jesus nun diesem jungen Mann die Frage nach dem Halten
der Gebote stellt, glaubt dieser, stolz antworten zu können:
"Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend an."
Er war fest davon überzeugt, daß das auch stimmen würde.
Jetzt aber zeigt Jesus auf, daß es eine Illusion, eine große
Enttäuschung, die größte Enttäuschung seines Lebens ist,
wenn er glaubt, durch das Halten der Gebote sich den Himmel
verdienen zu können.
Ja, der Jüngling fordert nun Jesus direkt heraus, ihm noch
mehr Bedingungen zu stellen. Und Jesus stellt ihm diese
Bedingungen.
Der Gott, bei dem er sich Liebkind machen will, hat seinen
Sohn als Jesus von Nazareth in diese Welt geschickt, um uns
das Heil zu bringen, Im Angesichte dieses Geschehens ist
alles andere in dieser Welt zweitrangig.
Jesus will auch jetzt für diesen Jüngling das Heil seines
Lebens sein. Er will auch ihm seine Liebe schenken. Wenn er
also etwas für Gott wirklich tun will, dann soll er alles
verkaufen, was er besitzt und ihm, Jesus, nachfolgen.
"Eines fehlt dir: Gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und
gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben,
und komm, folge mir nach!"
Mit einer Klarheit ohnegleichen zeigt Jesus ihm, was er in
diesem Augenblick seines Lebens für Gott tun könnte. Aber
hier zeigt es sich bei aller Ernsthaftigkeit seiner
Bemühungen, daß darin schon der Totenwurm steckt. Auch über
seinem Leben mit allen Versuchen, den Willen Gottes zu
erfüllen, steht das, was Martin Luther wieder ganz neu
entdeckt hat, was seine Kirche damals unter den Tisch hat
fallen lassen:
"Mein guten Werk, die galten nicht,
es war mit ihn'n verdorben;
der frei'Will haßte Gotts Gericht,
er war zum Guten erstorben;
die Angst mich zu verzweifeln trieb,
daß nichts denn Sterben bei mir blieb,
zur Hölle mußt ich sinken."
Er, der junge Mann, war nicht bereit, dieses Letzte für Gott
zu tun, um ein Kind Gottes, um ein Jünger Jesu, zu sein:
"Er aber ward unmutig über das Wort Jesu und ging traurig
von dannen, denn er hatte viele Güter."
Was hatte dieser reiche Jüngliung nicht wahrhaben wollen?
Dieses, daß man sich mit Gott nicht auf eine gleiche Ebene
stellen kann. Es wäre besser für ihn gewesen, wenn er nicht
nach den Bedingungen gefragt hätte, wie man ein Kind Gottes
werden könnte, sondern wenn er die bedingungslose Liebe
Gottes durch Jesus von Nazareth angenommen hätte.
Wollen wir nicht auch bereit sein, diese bedingungslose
Liebe Gottes in Jesus Christus anzunehmen?
Wer seine leeren Hände von Gottes Liebe füllen läßt, der
braucht nicht unmutig von Jesus Christus fortzugehen. Der
reiche Jüngling war dazu nicht in der Lage.