Markus - Evangelium 060
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:11/04/1964
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 10, 1-9 (-12)
Skopus: Über Ehescheidung
Markus - Evangelium 60 - 10, 1 - 9 ( -12)
"Jesus machte sich auf und kam von dort in das Gebiet von
Judäa und jenseits des Jordan. Und wieder strömten Scharen
bei ihm zusammen, und wie es seine Gewohnheit war, lehrte er
sie wiederum. Und Pharisäer traten an ihn heran und fragten
ihn, ob ein Mann seine Frau entlassen darf. Damit wollten
sie ihn auf die Probe stellen. Er aber antwortete ihnen: Was
hat euch Mose geboten? Sie sagten: Mose hat zugelassen,
einen Scheidebrief zu schreiben und sie zu entlassen. Jesus
aber sagte zu ihnen: Um eurer verstockten Herzen willen hat
er euch das Gebot geschrieben; aber von Beginn der Schöpfung
an hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der
Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen (und sich an
seine Frau binden), und die beiden werden ein Leib sein. So
sind sie nicht mehr zwei einzelene, sondern ein Ganzes.
Darum: Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht
scheiden. Und zu Hause fragten ihn seine Jünger nochmals
danach. Und er sagte zu ihnen:
"Wer sich von seiner Frau trennt und eine andere heiratet,
der bricht ihr gegenüber die Ehe: und wenn sich eine Frau
von ihrem Mann trennt und einen anderen heiratet, bricht sie
ihre Ehe."
Wir erinnern uns: Jesus von Nazareth ist auf dem Wege nach
Jerusalem. Ihm ist es durchaus klar und bewußt, was ihn dort
erwartet. Es ist einmal ein Ende mit Schrecken und zum
anderen das Große, daß dieses Ende mit Schrecken doch nicht
das wirkliche Ende ist, sondern ein Durchgang zur
Herrlichkeit und zur Macht und zur Ehre. Auf diesem Wege zur
Herrlichkeit durch das Leiden und Sterben hindurch, bekommen
alle die Fragen, mit denen Menschen es in ihrem Leben zu tun
haben, ein besonderes Gewicht.
Wir haben es schon oft bei der Betrachtung unseres
Evangeliums feststellen können, daß Jesus Christus es nicht
nur mit der Seele eines Menschen, mit seiner Religiösität,
zu tun hat, sondern mit dem ganzen Menschen, der auch eine
leibhafte Gestalt, einen Körper, besitzt, also mit einem
Menschen, wie er leibt und lebt.
Das sehen wir wiederum in unserem Text, wo unser Herr
aufgefordert wird, eine Stellungnahme zur Ehe zu geben, zum
Verhältnis des Mannes zu seiner Frau.
Dieser Text ist verbunden mit einer anderen Stellungnahme
Jesu, zur Kinderfrage, und zur Frage des Reichtums und des
Besitzes.
Es kommt einer der Frommen zu Jesus und fragt ihn:
"Darf ein Mann sich von seiner Frau scheiden?"
In der Beantwortung dieser Frage gab es das größte
Durcheinander. Es gab Gruppen unter den Frommen, die sich in
der Ehescheidungsfrage heftig befehdeten und bekämpften. Es
gab allerdings keine Streitigkeit darüber, ob ein Mann sich
von seiner Frau scheiden kann. Darin waren sich alle einig,
daß ein Mann dazu ein Recht hat.
Gerade die Frommen der damaligen Zeit hatten die Frauen
vollständig entrechtet. Der Mann konnte mit seiner Frau als
sein Eigentum machen, was er wollte. Sie war gewissermaßen
eine Sklavin.
Daher gab es eine Frage, ob eine Frau sich von ihrem Mann
scheiden kann, überhaupt nicht. Das war von vornherein
unmöglich. Die Streitigkeiten zwischen den Gruppen bestanden
nur darin, daß man nicht wußte, wann schon die Frau aaus dem
Hause geschickt werden konnte, ob erst schwere Verfehlungen
dazu berechtigten oder bereits das NICHT-KOCHEN-KÖNNEN.
Wir wissen - und Jesus erinnert auch daran-, daß es nach dem
Worte des Gesetzes Mose die Möglichkeit der Scheidung durch
den Mann gab. Im Gesetz waren die Vorschriften für eine
solche Scheidung gegeben. Und die Pharisäer wollten durch
die Frage Jesus zu einer Antwort verleiten, die sich gegen
das Gesetz Mose aussprach, um ihn dann als einen
Gesetzesübertreter schlecht machen zu können. Jesus aber
läßt sich nicht einfangen. Er läßt das Gesetz stehen, zeigt
aber hier klar auf, daß diese Möglichkeit der Ehescheidung
bei Mose im letzten Grunde eine unmögliche Möglichkeit ist.
Sie ist um der menschlichen Herzenshärtigkeit als
Möglichkeit offen gelassen worden, aber Gottes klarer und
deutlicher Wille ist von Anfang an anders gewesen:
"Ein Mann wird seinen Vater und seine Mutter verlassen und
wird seiner Frau anhangen und werden die 2 ein Fleisch sein.
So sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch."
Dahinter steckt die Vorstellung, daß der erste Mensch
2-geschlechtig war, aus Mann und Frau bestanden hat. Und bei
der Erschaffung der Eva habe Gott diesen einen Menschen als
Mann und Frau getrennt. Und seitdem entsteht das größte
Glück auf Erden, wenn die eine Hälfte die richtige andere
Hälfte findet und wieder zur Einheit geistig und leiblich
wird. Der eine Mann und die eine Frau in der Ehe bilden
diese gottgewollte Einheit, den ursprünglich geschaffenen
einen Menschen.
Ein alter jüdischer Rabbiner hat damals zu dere Stiftung der
Ehe durch Gott gesagt:
"Gott sei nach der Erschaffung von Mann und Frau ständig
damit beschäftigt, die richtigen Hälften zur Einheit
zusammenzubringen, zur Ehe."
Aber er fügte hinzu, daß das Gott schwerer fällt als die
Kinder Israel durch das Rote Meer zu führen.
Von dieser Auffassung des ehelichen Miteinanders von Mann
und Frau her ist eine Scheidung der Ehe einfach unmöglich.
Ein Ganzes darf nicht zerstückelt, zertrennt oder geschieden
werden:
"Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht
scheiden."
Wir sehen daraus, daß Jesus, obwohl er das Gesetz Mose
stehen läßt, sich doch nicht der falschen Auffassung der
damaligen Zeit hingibt und eine Ehescheidungspraxis erlaubt,
die Mose im letzten Grunde als eine unmögliche Möglichkeit
sieht.
Gott wollte die Ehe zwischen dem einen Mann und der einen
Frau auf Lebenszeit und hat nicht an eine Ehe für eine
begrenzte Zeit gedacht.
Damit hebt Jesus die Ehe der damaligen Zeit aus der Willkür
der Männer und gibt den Frauen in der Ehe eine besondere
Würde, die die Männer ihnen weggenommen hatten und macht die
Frau zu einem gleichwertigen und gleichgeachteten Partner
des Mannes in der Ehe.
Es gibt die Möglichkeit der Ehescheidung als eine unmögliche
Möglichkeit -das ist unsere evangelische Auffassung im
Unterschied zur katholischen Kirche-, das heißt, da, wo
menschliche Bosheit oder Unvermögen etwas zerbrochen hat,
was von menschlicher Seite nicht mehr zu reparieren ist,
kann man auch als ein Christ ein Ja zur Ehescheidung sagen.
Allerdings gilt dann diese unmögliche Möglichkeit nicht nur
für die Männer, sondern auch für die Frauen, so wie es in
den letzten Versen unseres Textes ja auch zum Ausdruck kommt
und sehr wahrscheinlich die Situation nicht in Palästina zur
Zeit Jesu wiedergibt, sondern die Situation in Rom zur Zeit
der Apostel. Diese unmögliche Möglichkeit der Ehescheidung
wurde dort in der Christenheit hier und da praktiziert,
allerdings galt es dann als Gesetz, daß die so Geschiedenen
nicht mehr wieder heirateten.
Gott sei Lob und Dank, daß Jesus Christus auch für die
Schuld der Zerstörung einer Ehe am Kreuz auf Golgatha
gestorben ist und einem, der mit an der Zerstörung seiner
Ehe oder einer anderen Ehe Schuld auf sich geladen hat, das
Wort zuzurufen bereit ist:
"Gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen,"
deine Schuld ist dir vergeben, du darfst wieder ganz von
vorn anfangen.
Aber diese Bereitschaft Jesu zur Vergebung ändert nichts an
der Tatsache, daß es zum Wesen der Ehe gehört:
"Was Gott zusammengefügt hat, soll dr Mensch nicht
scheiden."