Markus - Evangelium 055
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:20/02/1964
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:2. Passions-Andacht
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 9.30-37
Skopus: Wer ist der Größte?
Markus - Evangelium 55 - 9, 30 - 37
"Sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa und er
wollte nicht, daß es jemand wissen sollte. Denn er lehrte
seine Jünger und sprach zu ihnen: Der Menschensohn wird in
die Hände der Menschen ausgeliefert werden, und sie werden
ihn töten; und wenn er getötet ist, so wird er nach drei
Tagen auferstehen. Sie aber verstanden das Wort nicht, doch
fürchteten sie sich, ihn zu fragen. Sie kamen nach
Kapernaum. Und als er zu Hause war, fragte er sie: Was habt
ihr unterwegs verhandelt? Sie aber schwiegen; denn sie
hatten unterwegs miteinander verhandelt, wer der Größte
unter ihnen wäre. Und er setzte sich, rief die Zwölf zu
sich, und sagte zu ihnen: Wenn jemand der Erste sein will,
soll er der Letzte von allen sein und aller Diener. Und er
nahm ein Kind, stellte es mitten unter sie, herzte es und
sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind in meinem Namen
aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der
nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat."

Jesu Weg hat ein deutliches Ziel, eine überaus klare
Richtung bekommen: Jerusalem, mit dem Kreuz auf Golgatha im
Hintergrunde.
Er hat sich mit seinen Jüngern aus dem Norden des Landes auf
den Weg gemacht und ist in Galiläa, seiner Heimat,
angelangt.
Diesmal hält er sich sehr von der Öffentlichkeit zurück. Er
sieht es als seine Aufgabe an, seine Jünger auf den Weg
vorzubereiten, der vor ihm liegt, der Weg durch das Leiden
und Sterben hindurch; es heißt:
"Denn Jesus lehrte seine Jünger und sprach zu ihnen: Des
Menschensohn wird überantwortet werden in der Menschen
Hände, und sie werden ihn töten; und wenn er getötet ist, so
wird er nach 3 Tagen wieder auferstehen."
Wie oft haben wir es schon in den Wochengottesdiensten
gehört, daß Jesus seine Jünger auf seinen Leidensweg
vorbereiten wollte. Und immer war das Ergebnis, daß sie es
zum Teil nicht verstehen konnten, zum anderen Teil aber
sogar nicht verstehen wollten.
Sie hatten es sich erträumt, daß sie an der Seite Jesu als
dem Messias Gottes einer herrlichen Zukunft entgegengehen
würden. Und nun das dauernde Gerede aus seinem Munde vom
Leiden und Sterben. Das paßte in keinster Weise in ihre
Gedanken und Pläne hinein. Sie fürchteten sich sogar, ihn zu
fragen, da sie gerne weiter träumen wollten. Jesus sollte
sie in ihren Träumereien nicht stören. Das Reden vom Leiden
und Sterben war ihnen so entsetzlich, daß sie es vollständig
übersehen, daß Jesus vom Leiden und Sterben garnicht als vom
Ende seines Weges gesprochen hatte.
Für ihn war das Leiden und Sterben nur ein Übergang, ein
Durchgang, zur Herrlichkeit, zur Herrschaft und zur Macht:
"Und wenn er getötet ist, so wird er nach 3 Tagen
auferstehen."
Allgemein nennt man das heutige Wort Jesu von seinem Leiden
und Sterben die 2. Leidensankündigung. Das Besondere daran
besteht darin, daß nach ihr nicht nur die Bosheit der
Menschen es ist, die Jesus ans Kreuz bringt, sondern daß
durch sie gesagt und bezeugt wird, daß es Gottes Wille ist,
daß der Menschensohn der Bosheit der Menschen preisgegeben,
den grausamen Menschenhänden ausgeliefert wird.
Aber auch dieses Mal lassen sich die Jünger nicht durch
ihren Meister belehren, sie sehen ihn in ihren Träumereien
schon auf dem Königsthron in Jerusalem und waren dabei
eifrig im Gespräch, wer denn wohl von ihnen in der kommenden
Regierung den höchsten Posten bekommt. Solche Träumereien
und solche Aussichten sind natürlich schöner als die
Gedanken an einen gewaltsamen Tod:
"Und sie kamen nach Kapernaum und da er daheim war, fragte
er sie: Was habt ihr miteinander auf dem Weg verhandelt? Sie
aber schwiegen; denn sie hatten miteinander auf dem Weg
verhandelt, wer der Größte unter ihnen wäre."
Und nun zeigt Jesus ihnen, daß es in seiner Nachfolge
niemals darum gehen kann, wer der Größte sei, wer am meisten
geehrt werden soll. Unter Jesu Jüngern sollten andere
Maßstäbe gelten. Wer zu Jesus gehört, soll sein Tun und
Handeln danach ausrichten, wie er der beste Diener der
anderen sein kann. Der Größte unter Jesu Jüngern ist der,
der der Kleinste zu sein bereit ist. Der Größte im Reiche
Gottes ist der, der sich der Kleinsten, der Niedrigsten, der
Ärmsten, dieser Welt annimmt und ihnen hilft.
"So jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein von
allen und aller Diener."
Um dieses zu unterstreichen, nimmt er ein kleines Kind auf
den Arm. Ein kleines KInd ist ein getreues Bild der
Hilflosigkeit. Was würde schon ein kleiner Erdenwurm
anfangen, wenn da nicht seine Mutter wäre, die sich seiner
helfend annimmt? Er würde elendig umkommen. Und wer bereit
wäre, solch ein kleines Kind zum Beispiel aufzunehmen, dem
die Mutter oder die, die dafür sorgen wollten oder sollten,
gestorben oder abhanden gekommen wäre, der wäre ein Großer
im Reiche Gottes.
Um solch ein Dienen geht es in der Nachfolge Jesu Christi
und keine Rolle darf spielen das Herrschenwollen. Dieses zum
Dienst- und zum Dienen- Bestimmtsein war es ja auch, daß
Jesus in voller Bereitschaft seinen Weg durch Leiden und
Sterben bejahen läßt.
Man kann sogar sagen: Wahres Herrschen besteht in der
Bereitschaft zum Dienen.
Noch auf eine andere wichtige Sache macht Jesus aufmerksam:
".Wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt
mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf,
sondern den, der mich gesandt hat."
Die Hilfe, die wir einem Hilfsbedürftigen geben, geben wir
im Grunde Gott selbst, der uns in einer solchen Gestalt
begegnet, um uns nach der Bereitschaft zum Dienst zu fragen.
In einer anderen Stelle heißt es ebenfalls:
"Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt
ihr mit getan."
Wenn wir dieses alles recht bedenken, dann werden wir wohl
sagen müssen, daß die Bereitschaft zur Hilfe und zum Dienst
die einzige richtige Antwort ist auf das Leiden und Sterben
unseres Heiulandes um unsretwillen.