Markus - Evangelium 039
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:08/08/1963
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 6, 30 - 44
Skopus: Die Speisung der Fünftausend
Markus - Evangelium 39 - 6, 30 - 44
"Und die Apostel kamen bei Jesus zusammen und berichteten
ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Und er sagte zu
ihnen: Geht ihr allein an eine einsame Stelle, dort ruht ein
wenig. Denn ständig kamen und gingen viele; daher hatten sie
nicht Zeit genug zum Essen. Und sie fuhren in einem Boot an
eine einsame Stelle für sich allein. Und man sah sie
wegfahren, und viele merkten es und liefen aus allen Städten
zu Fuß dorthin zusammen und kamen ihnen zuvor. Und Jesus
stieg aus und sah die große Menge; und er hatte Erbarmen mit
ihnen allen, denn sie waren wir die Schafe, die keinen
Hirten haben. Und er fing eine lange Predigt an.
Als nun der Tag fast vorüber war, traten seine Jünger zu ihm
und sagten: Es ist öde hier, und der Tag ist fast vorüber,
entlaß sie, damit sie in die Gehöfte und Dörfer ringsum
gehen und sich etwas zu essen kaufen. Er aber antwortete
ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! Und sie sagten zu ihm:
Sollen wir denn gehen und für zweihundert Silbergroschen
Brot kaufen und ihnen zu essen geben? Er aber sagte zu
ihnen: Wieviel Brote habt ihr? Geht hin und seht nach! Und
als sie es festgestellt hatten, sagten sie: Fünf und zwei
Fische. Und er gebot ihnen, daß sie sich alle in
Tischgemeinschaften auf das grüne Gras lagerten. Und sie
setzten sich in Abteilungen zu hundert und zu fünfzig. Da
nahm er die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum
Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern,
damit sie sie unter ihnen austeilten, und die zwei Fische
verteilte er an sie alle. Und sie aßen alle und wurden satt.
Und sie sammelten die Brocken auf, zwölf Körbe voll, und von
den Fischen. Und die, die Brote gegessen hatten, waren
fünftausend Mann."
"Jesus sah das große Volk, und es jammerte ihn derselben,
denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben."

Diese Tatsache ist der deutliche Hintergrund unseres
heutigen Textes. Das Volk Gottes ohne die Führung, die es so
nötig hatte. Wir sahen einen König, der dem Kaiser der
Unterdrücker aus Rom näher stand als seinem eigenen Volk,
dazu konnte sein persönliches Leben in keinster Weise als
leuchtendes Beispiel dienen. Hatte er nicht den Gottesmann,
den Täufer Johannes, töten lassen?
Dazu kam eine unsittliche Führerschicht, die dem Volk
vorlebte, was egoistische Frömmigkeit, was Frömmigkeit ohne
Gott ist und die dem alleinigen Herrschaftsanspruch Gottes
in seinem eigenen Volk nicht zu seinem Recht verholf.
Diese geistliche Führerschicht war es auch, die von Jesus
Christus nichts wissen wollte, die das Volk aufwiegelte, daß
es nicht so enthusiastisch auf die Stimme des neuen
Propheten Jesus von Nazareth hören sollte. Zum größten Teil
ist es ihnen gelingen. Das Volk wendet sich in der Tat von
Jesus von Nazareth ab.
Allerdings ersehen wir aus den Predigten des Evangelisten,
daß das Volk je und dann, trotz der Aufwiegelung der
Schriftgelehrten und Pharisäer, doch auf die Stimme des
wahren Hirten geachtet hat.
Es gibt Augenblicke, da das Volk ahnt: Dieser da, der Jesus
aus Nazareth, ist kein Betrüger, sondern einer, der uns
helfen kann und helfen will. Solch ein erstaunliches Wunder
ereignete sich zum Beispiel, als die Jünger im Auftrage
ihres Herrn, je 2 und 2 durch das Land zogen, um die
Botschaft ihres Meisters weiter zu sagen. Und auf diese ihre
Botschaft waren die Menschen zu Jesus geeilt, um noch einmal
aus seinem Munde zu hören, daß Gott sein Volk noch liebt.
Als Zeichen dafür hat er ja seinen Sohn unter sie gesandt.
Während er die heimkehrenden Jünger für einige Stunden in
die Stille, gewissermaßen in die Erholung, schickt, nimmt er
sich der vielen Menschen an, die durch den Dienst der
Predigt der Jünger zu ihm gekommen waren. Er sagt ihnen das
Wort vom Vater im Himmel, der auch sie in ihrem Elend, ihrer
Not und ihrer Schuld doch noch lieb hat. Er sagt es in
ganzer Vollmacht als der eingeborene Sohn dieses liebenden
Vaters.
Wenn schon die Predigt der Jünger die Menschen hellhörig
gemacht hat -und sie darum noch mehr von ihm und durch ihn
hören wollten- wievielmehr kann ihnen nun Jesus von Nazareth
als der Sohn Gottes diese Liebe Gottes zu ihnen deutlich
machen.
Es ist schon verständlich, daß die Predigt Jesu eine lange,
eine inhaltsreiche, eine tröstende und helfende Predigt
geworden ist.
Sicherlich zeigt er ihnen -er vergleicht sie mit einer Herde
Schafe ohne Hirten-, daß Gott ihn, Jesus aus Nazareth, als
den guten Hirten zu ihnen geschickt hat.
Wenn alle Führer des Volkes auch versagt haben, zum Schluß
übernimmt Gott sogar selbst die Führung durch seinen Sohn.
Vielleicht hat der Evangelist Johannes Markus bei dieser
unserer heutigen Predigt an den 23. Psalm gedacht:
"Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet
mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen
Wasser. Er erquicket meine Seele; er führet mich auf rechter
Straße um seines Namens willen."
Er selbst, Jesus von Nazareth, ist also der gute Hirte, von
dem der 23. Psalm spricht. Jesus von Nazareth ist der gute
Hirte des Volkes Gottes. Und als dieser Hirte seines Volkes
sorgt er sich nicht nur um die inneren Nöte, um die
Schwierigkeiten und um die Traurigkeiten seiner Kinder,
sondern auch für die äußeren Nöte ist er zur Stelle:
"Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner
Feinde."
Über das Hören der Botschaft von der Liebe Gottes zu uns
Menschen, hatten alle das leibliche Wohl vergessen.
Nach der Beendigung der Ruhestunden waren die Jünger aus der
Einsamkeit zurückgekehrt und fanden die Menge noch immer den
Worten ihres Meisters lauschend vor. Niemand mehr hatte an
das Essen gedacht, obwohl der Tag seinem Ende zueilte. So
fühlen sich die Jünger genötigt, ihren Meister auch an diese
Dinge zu erinnern.
"Es ist öde hier, und der Tag bald dahin; laß sie von dir,
daß sie hingehen umher in die Höfe und Dörfer und kaufen
sich Brot."
Aber der wahre Hirte seines Volkes zeigt sich auch als der,
der sein Volk satt machen kann.
Die Aufforderung Jesu an die Jünger, sich um das leibliche
Wohl der Menschenmenge zu bemühen, macht deutlich, daß sie
wohl die Jünger des guten Hirten sind, aber nicht die
Vollmacht des einen guten Hirten haben.
Mit 5 Broten und 2 Fischen, die sie in der Menge
aufgestöbert haben, können sie keine 5.000 Menschen und mehr
satt machen. Was aber sie nicht können, das kann der eine
gute Hirte, Auf sein Wort hin verteilen sie das Brot und die
Fische unter die Menge, die sich auf dem grünen Gras in
Gruppen zu 100 und 50 Personen niedergelassen hatten. Und
dann heißt es:
"Und sie aßen alle und wurden satt."
Und es blieb noch ein ganzer Haufe von Resten übrig.
Gerade dieser Text macht deutlich, was jahrhundertelang in
allen christlichen Kirchen und auch unter den einzelnen
Christen meistens vergessen oder nicht beachtet wurde.
Der Glaube der christlichen Kirche, der sich um das Zentrum,
um die eine Person Jesus Christus sammelt, hat es nicht nur
mit der Seele des Menschen zu tun, sondern auch mit seinem
Körper. Unter Christen darf es nicht nur Seelsorge, sondern
muß es auch eine Leibessorge geben. Christen haben sich für
die Seelen der Menschen und auch für das tägliche Brot
derselben einzusetzen.
Früher glaubte man, daß der christliche Glaube ja nicht viel
zu kosten braucht, weil man sich nur um die Seele bemühte.
Heute aber geht ein Erwachen durch alle christlichen
Kirchen: Es geht nicht mehr, daß wir den anderen Menschen
Hilfe für die Seele bringen, ihnen das Evangelium von Jesus
Christus verkündigen und dabei vergessen, daß diese Menschen
hungern und verhungern. Und wieviele Menschen hungern oder
verhungern jetzt sogar in diesem Augenblick.
Das Wunder der Speisung der 5.000, in dem Jesus von Nazareth
sich als der gute Hirte erweist, der auch für das leibliche
Wohl sorgt, will sich heute immer wieder neu ereignen, und
zwar in der Weise, daß er unsere Hilfe, unseren Besitz und
unser Geld dazu benutzt.