Markus - Evangelium 034
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:06/06/1963
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 5. 25 - 34
Skopus: Heilung der blutflüssigen Frau
Markus - Evangelium 34 - 5, 25 - 34
"Und da war eine Frau, die hatte seit zwölf Jahren den
Blutfluß und hatte von vielen Ärzten viel erlitten und all
ihr Hab und Gut dafür aufgewandt; doch es hatte ihr nichts
geholfen, vielmehr war es noch schlimmer mit ihr geworden.
Als sie von Jesus hörte, kam sie in der Menge von hinten
heran und berührte sein Gewand. Denn sie sagte sich: Wenn
ich nur seine Kleider berühren könnte, so würde ich gesund.
Und sogleich versiegte die Quelle ihres Bluts, und sie
fühlte an ihrem Leibe, daß sie von ihrer Plage geheilt war.
Und Jesus spürte sogleich an sich selbst, daß eine Kraft von
ihm augegangen war, und wandte sich in der Menge um und
fragte: Wer hat meine Kleider berührt? Und seine Jünger
sagten zu ihm: Du siehst, daß dich das Volk umdrängt, und du
fragst: Wer hat mich berührt? Und er sah sich nach der um,
die das getan hatte. Die Frau aber fürchtete sich und
zitterte, denn sie wußte, was an ihr geschehen war, kam und
fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. Er
aber sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dich
geheilt, geh hin mit Frieden und sei gesund von deiner
Plage."

Unsere heutige Geschichte geschah auf dem Wege vom See
Genezareth zum Hause de Synagogenvorstehers Jairus. Wir
haben im letzten Wochengottesdienst gehört, wie sich Jesus
von Nazareth in der Begegnung mit dem toten Töchterlein des
Jairus als der Herr auch über den Tod erweist. Auf dem Wege
nun zu dem Hause dieses Synagogenvorstehers wird er von
einer Frau angerührt. Sie berührt den unteren Saum des
Gewandes Jesu, das ein um sich gelegtes großes und breites
Tuch ist.
Warum tat die Frau das?
Seit 12 Jahren wird sie von einem schweren Frauenleiden
geplagt. Dieses Leiden brachte auch große seelische Nöte
über sie, da die Gesetze im Volke Israel sie von der
Gemeinschaft mit anderen Menschen absonderte und der, der
mit ihr in Berührung kam oder der das, was sie angefaßt
hatte, auch anfaßt, wurde ebenfalls unrein.
Der unreine Mensch hat die Verbindung, das Zusammensein mit
anderen Menschen zu meiden. Er darf nicht am Gottesdienst
teilnehmen. Zur Reinigung eines Menschen, der sich so
verunreinigt hat, waren eine Unzahl von religiösen
Vorschriften zu beachten.
Wir können es uns schon gut vorstellen, daß diese kranke
Frau von ihrer ganzen Umgebung gemieden, wenn nicht sogar
ausgeschlossen wurde.
Dieses körperliche Leiden und die dazu gekommenen seelischen
Nöte ließen ihr natürlich keine Ruhe, alle nur erdenklichen
Möglichkeiten auszuschöpfen, um wieder gesund zu werden.
Viele Ärzte hatten ihre Krankheit als eine gute Geldquelle
zu mißbrauchen verstanden, sodaß schließlich ihr ganzes Hab
und Gut und Geld dahingeschmolzen war. Liegt nicht in den
Worten
"Und sie hatte viel erlitten von vielen Ärzten und hatte ihr
Gut darauf verwendet, und es half ihr nichts, sondern
vielmehr ward es ärger mit ihr."
ihre ganze Hoffnungslosigkeit?
Der Evangelist Lukas, der selbst Arzt ist, berichtet auch
diese Geschichte. Interessant ist, daß er allerdings den
Vorwurf gegen die Ärzte, daß sie das Geld bewußt der Frau
aus der Geldtasche gezogen haben, nicht gelten läßt. Ein
wenig verteidigt er dadurch schon damals ein wenig die Ehre
des Ärztestandes, zu dem also Lukas selbst gehörte.
Der Evangelist Lukas, der Arzt, berichtete also im
Unterschied zum Evangelisten Johannes Markus an diesem
Punkte die Geschichte also so:
"Die Frau hatte alle ihre Nahrung an die Ärzte gewandt und
konnte von niemand geheilt werden."
Dem Arzt Lukas ist es sehr wichtig festzustellen, daß die
Schuld, daß die Frau nicht gesund geworden war, nicht bei
den Ärzten gelegen hat, sondern bei der Unheilbarkeit der
Krankheit.
In ihrer so hoffnungslosen Lage, von den Ärzten in einer
gewissen Weise aufgegeben, hört sie von Jesus. Wir können
allerdings erkennen, daß sie in ihm nichts anderes sieht
als einen Wunderdoktor, als einen Braucher, als einen
curandero, ja als einen Zauberer, die es zu allen Zeiten
gegeben hat und bei der Dummheit der Menschen auch zu allen
Zeiten geben wird. In dieser Annahme dachte sie sich, daß
eine zauberhafte Kraft von ihm ausgehe, wie man es allgemein
ja ebenso von den curanderos annimmt. die sie heilen sollen.
Es kam ihr garnicht auf die Begegnung mit dem Jesus von
Nazareth an, der der Sohn Gottes ist, der Herr über
Krankheit und Tod, sondern für sie war allein wichtig der
Kontakt mit der geheimnisvollen Kraft, der der angebliche
Braucher Jesus besaß. Und diese zauberhafte Kraft sollte sie
von ihrer bösen Krankheit heilen, sollte sie gesund machen.
"Da die Frau von Jesus hörte, kam sie im Volk von hinten
herzu und rührte sein Kleid an, denn sie sagte sich: Wenn
ich nur seine Kleider könnte anrühren, so würde ich gesund."
Zu ihrem großen Glück nun fiel sie nicht einem
betrügerischen Braucher in die Hände, der ihre Enttäuschung
über die Unheilbarkeit ihrer Krankheit noch mehr gesteigert
hätte, sondern sie begegnet hier dem, der der Herr des
Himmels und der Erde ist, auch der Herr über die
Krankheiten, der Herr und Bezwinger gerade auch ihrer
Krankheit.
Unser Evangelist zeigt uns nun hier, wie dieser Frau, die
sich in einer völlig unmöglichen Weise Jesus nähert, doch
durch ihn geholfen wurde.
"Und alsbald versiegte die Quelle ihres Blutes, und sie
fühlte es am Leibe, daß sie von ihrer Plage geheilt war."
Ist das nicht das Große und das Herrliche an unserem Herrn
und Meister, daß er niemanden von sich stößt, der zu ihm
kommt, selbst dann nicht, wenn man ihn als einen
Wunderdoktor ansieht.
Aber diese Hilfe schließt mit ein, daß er sie, die Frau,
wegruft von einem falschen, von einem Aberglauben, hin zu
einer echten Begegnung mit ihm. Sie, die nur mit der
zauberhaften gesundmachenden Kraft des Wunderdoktors Jesus
in Berührung kommen wollte, wird dahin gebracht, daß sie ihn
ganz persönlich als den Herrn aller Herren, als den Sohn
Gottes, anerkennt.
Wir werden ja auch immerwieder aufs neue zu einer ganz
persönlichen Begegnung mit unserem Herrn und Heiland
aufgerufen, zu einer Begegnung, in der er uns seine Aufträge
gibt und wir ihm unsere Nöte und Sorgen sagen können. Jesus
sucht immer den persönlichen Kontakt mit uns Menschen:
"Wer hat mich angerührt? Und Jesus sah sich um nach der, die
das getan hatte."
Christlicher Glaube ist dann echter Glaube, wenn er zu einem
ganz persönlichen Verhältnis mit Jesus Christus führt. Durch
dieses ganz persönliche Verhältnis mit unserem Herrn Jesus
Christus unterscheidet sich unser christliche Glaube von
irgendwelcher Religiösität, ganz gleich welcher Art.
In der Begegnung der Frau mit Jesus muß sie sich zu erkennen
geben, muß sie sagen, wer sie ist: eine zitternde und
hilflose Frau; gleichfalls aber geschieht das große Wunder,
daß sie den erkennt, der da vor ihr steht: Jesus Christus,
der Herr aller Herren, der Sohn Gottes. Er ist auch der, der
sie gesund gemacht hat. Sie ist zu ihm als einem curandero
gekommen und muß ihn erkennen und anerkennen als Gottes
Sohn. Ihm als dem Herrn aller Herren braucht sie nicht ihr
Hab und Gut zu opfern, ohne Aussicht auf Heilung. Nur eines
erwartet der, der vor ihr steht, der sie gesund gemacht hat:
Die völlige uneingeschränkte Hingabe an ihn.
Wir können es auch so sagen: Jesus Christus erwartet von ihr
den Glauben an ihn als Sohn Gottes, als dem Herrn aller
Herren, als ihrem ganz persönlichen Heiland. Ist dieses
Wunder des Glaubens in dieser Frau geschehen? Ja. Sie fällt
vor ihm nieder und betet ihn als Gott und Heiland an. Und
dieses Wunder ist größer als die Heilung.
Wo Menschen unter uns in der Begegnung mit Jesus Christus
zum Glauben an ihn als Gott und Heiland kommen, da geschieht
das größere Wunder, auf das Gott seine ganze Geschichte mit
uns angelegt und auf das er schon so lange bei uns gewartet
hatte.
Die Frau ist zu Jesus von Nazareth als einem curandero
gekommen, der ihr die Heilung von ihrer Krankheit durch
seine geheimnisvollen und zauberhaften Kräfte schenken
sollte und sie ist dabei dem Herrn aller Herren begegnet,
der ihr nicht nur als der Herr der Krankheiten die
Gesundheit wieder zurückgab, sondern ihr den Glauben an ihn
als ihrem Herrn und Heiland schenkte, und ihr helfend in
allen Dingen zur Seite stehen will und es auch tun wird.
"Gehe hin in Frieden!",
denn ich bin mit dir und darum gibt es für dich keine
ungelösten Probleme, keine hilflosen Situationen, keine
hoffnungslosen Krankheiten mehr.
Die Frau wollte die Hilfe von der zauberhaften Kraft eines
Brauchers und erhält von ihm aber, von dem, der das
lebendige Wort Gottes in Person selbst ist, das Wort der
Hilfe mit auf ihren Lebensweg, das Wort, das alle ihr Not
wendet, nicht nur einmal, sondern immer und immerwieder aufs
neue:
"Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht; gehe
hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage."