Markus - Evangelium 026
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:13/09/1962
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 4, 1o-12
Skopus: Der Zweck der Gleichnisrede
Markus - Evangelium 26 - 4, 10-12
"Als Jesus aber allein war, befragten ihn die, die um ihn
waren, samt den Zwölfen, wegen der Gleichnisse. Und er sagte
zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reichs Gottes gegeben;
denen aber draußen begegnet es alles in Gleichnissen, damit
sie es mit sehenden Augen sehen und doch nicht erkennen, und
mit hörenden Ohren hören und doch nicht verstehen, damit sie
sich nicht doch noch bekehren und ihnen dann vergeben wird."

Der Evangelist Johannes Markus beginnt mit dem 1. Vers des
4. Kapitels eine Predigtreihe Jesu, die wir im Unterschied
zu der Bergpredigt bei Matthäus die Seepredigt nennen
können. Jesus predigt auf dem See Genezareth in einem Boot
sitzend dem Volk, das seiner Predigt am Ufer zuhört. Diese
sogeannte Seepredigt besteht aus verschiedenen Gleichnissen.
Die Gleichnisse sind eine bestimmte Form der Predigt Jesu,
in der das, was verkündigt werden soll, in ein Bild
gekleidet wird. Normalerweise will immer eine einzige
konkrete Wahrheit durch das Bild verkündigt werden, sind es
mehrere Wahrheiten, die durch bestimmte Einzelheiten des
Bildes ausgedrückt werden sollen, so nennen wir es eine
Allegorie, eine Alegorese.
Jesus verkündigt normalerweise durch Gleichnisse. Er kennt
aber auch und benutzt sie ebenfalls, die Form der Allegorie,
der Allegorese.
Die Verse, die wir aus dem 4. Kapitel am Anfang gelesen
haben, stehen in der Mitte des Gleichnisses vom 4-fachen
Ackerfeld. Dieses Gleichnis ist eine Allegorie, weil in ihm
mehrere wichtige Aussagen durch Jesus Christus verkündigt
werden sollen. Beide Arten laufen aber allgemein unter der
Bezeichnung GLEICHNIS.
In den Versen, die wir gelesen haben, bekommen wir gesagt,
warum Jesus durch Gleichnisse predigt. Er hatte seine
Seepredigt mit dem Gleichnis vom 4-fachen Ackerfeld
begonnen, ohne allerdings eine Deutung zu geben. Die Deutung
des Gleichnisses, des Bildes, gehört nicht unbedingt zur
Predigt. Der Zuhörer soll dazu kommen, daß er die Antwort
sich selbst geben kann.
Und nun sind in einem stillen Augenblick einige von denen,
die zu dem größeren Kreise seiner Angehörigen gehörten,
darunter natürlich auch seine Jünger, zu ihm gekommen und
haben ihn nach einer Deutung gefragt:
"Und da er allein war, fragten die um ihn waren, samt den
Zwölfen, über die Gleichnisse."
Bevor er die Deutung gibt, sagt er, warum er diese Form des
Gleichnisses für seine Predigten gewählt hat:
"Und er sprach zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches
Gottes gegeben, denen aber draußen widerfährt es alles durch
Gleichnisse."
Es geht um das Geheimnis des Reiches Gottes, um die
Herrschaft Gottes. In allem, was Jesus sagt und tut, in
seiner Person, kommt das Reich Gottes zu uns auf die Erde.
In ihm als dem Sohn Gottes kommt Gott selbst zu uns
Menschen. Überall da, wo Jesus von Nazareth erscheint, wo er
heilt und wo er predigt, wird ein Zeichen aufgerichtet: Hier
ist Gott am Werke, hier ist Gottes Herrschaft sichtbar, hier
ist der Himmel auf Erden.
Dieses ist allerdings nur erkennbar, in einer direkten Weise
erkennbar für die, die zu ihm gehören, die er zu sich
gerufen hat und die seinem Rufe gefolgt sind.
Wir erinnern uns sicherlich noch an den 13. Vers des 3.
Kapitels, wie es da heißt:
"Und Jesus ging auf einen Berg und rief zu sich, welche er
wollte, und die gingen hin zu ihm."
Das sind die Menschen, die in einer direkten Weise erkennen,
daß in Jesus von Nazareth die Herrschaft Gottes auf Erden
aufgerichtet wird, daß in ihm Gott selbst zu uns Menschen
gekommen ist:
"Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben", sagt
Jesus.
Da die anderen es auch erkennen sollen, es aber in einer
direkten Weise nicht können, wird es ihnen durch
Gleichnisse, durch anschauliche Bilder, verkündugt. Ähnlich
verstehen Kinder ja auch eine Sache viel besser, wenn wir
ihnen etwas durch Bilder erklären. Menschen, die nicht zu
Jesus gehören, stehen dem Geschehen um Jesus von Nazareth
dem Reiche Gottes, das zu uns auf die Erde gekommen ist, wie
Kinder gegenüber, die etwas einfach nicht verstehen können,
weil ihnen die Voraussetzungen nicht vermittel worden sind,
denen es durch Bilder verständlich gemacht werden muß. Daher
also verkündigt Jesus den Menschen, die noch nicht seine
Jünger sind, das Geheimnis des Reiches Gottes, wir können
auch sagen, sein Geheimnis, seine Bedeutung, durch
Bilderpredigten, durch Gleichnisse:
"Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben, aber
denen draußen widerfährt es alles durch Gleichnisse."
Es könnte jetzt jemand sagen, das, was bisher gesagt worden
ist, stimmt nicht mit dem überein, was am Schluß unseres
Textes steht:
"Denen draußen widerfährt es alles in Gleichnissen, auf daß
sie es mit sehenden Augen sehen und doch nicht erkennen, und
mit hörenden Ohren hören und doch nicht verstehen, auf daß
sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde."
Damit wird doch genau das Gegenteil gesagt von dem, was wir
gerade erklärt haben. Wir sagten: Jesus predigt durch
Gleichnisse, damit die draußen das Geheimnis des Reiches
Gottes BESSER verstehen können, während nach unserem
Luthertext aber Jesus durch Gleichnisse predigt, damit die
draußen das Geheimnis des Reiches Gottes ÜBERHAUPT NICHT
verstehen können. Auch für mich persönlich gab es
Schwierigkeiten im rechten Verständnis des Textes.
Nun haben griechische Sprachforscher in den letzten
Jahrzehnten erarbeitet, daß der Urtext anders übersetzt
werden kann, als Martin Luther es getan hat, und zwar in
folgender Weise:
"Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben, denen
aber draußen widerfährt es durch GLeichnisse, weil sie sehen
und doch nicht sehen, weil sie hören und doch nicht
verstehen, damit sie vielleicht doch umkehren und ihnen
vergeben werde."
Uns erscheint diese Übersetzung dem Gesamtverständnis des
Evangeliums entsprechender als die von Martin Luther. Diese
andere Übersetzung ist auch die, nach der wir heute den
ganzen Text ausgelegt haben.
Jesus verkündigt durch Gleichnisse, damit die, die noch
nicht das Geheimnis des Reiches Gottes in ihm erkennen, die
draußen stehen, durch Gleichnisse, durch bildhafte Predigt,
zum vollen Verständnis kommen und Jünger Jesu Christi
werden, teilhaftig werden des Reiches Gottes.