Kirchenjahr 1953/54 - 31 -
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum:04/11/1954
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Reformations-Schulgottesdienst-1.-4. Klasse
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 21, 33
Skopus: Das Wort Gottes-Zentrum der Reformation
Kirchenjahr 1953/54 - 31 - Lukas 21, 33
"Jesus spricht: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine
Worte vergehen nicht!"

Wenn ich euch jetzt fragen würde, warum ihr denn eigentlich
hierhergekommen seid, dann würde ich sehr wahrscheinlich
viele Antworten bekommen. Die einen würden sagen, wir sind
hier, weil uns unsere Lehrer einfach hierhergeschickt haben.
Andere würden sagen, wir sind hier, weil es der erste
Schultag nach den Ferien ist. Aber die Älteren unter euch
möchten jetzt sicher am liebsten in die Höhe springen und
laut rufen, wir sind hierhergekommen, um das Fest der
Evangelischen Kirche, das Reformationsfest, zu feiern. Seht,
das ist auch richtig, wir wollen heute morgen ja einen
Reformationsgottesdienst begehen.
Wenn das Wort REFORMATION ausgesprochen wird, dann ist
sofort klar, daß ein Mann dabei unbedingt genannt werden
muß: Dr. Martin Luther. Was wäre schon geworden, wenn dieser
Mann damals nicht gelebt hätte? Ob wir heute hier sitzen
würden, auch als Kinder, um Gottes Wort zu hören?
Das wäre sehr fraglich.
Wir haben recht daran getan, Martin Luther im Zusammenhang
mit der Reformation zu nennen, aber die Hauptsache oder der
Mittelpunkt der Reformation ist auch Dr. Martin Luther
nicht. Es geht ja garnicht um irgendeinen Menschen, mag er
noch so geehrt und geachtet sein wie Dr. Martin Luther. Er
ist kein Held gewesen, wie wir in unseren Sagenbüchern von
sogenannten Helden lesen. Er ist auch kein Held gewesen, als
er allen Widerständen zum Trotz am 31. Oktober 1517 mit
wuchtigen Hammerschlägen eine Papierrolle an die Tür der
Schloßkirche zu Wittenberg anschlug.
Diese Papierrolle war in kurzer Zeit in ganz Deutschland und
Europa bekannt. Er war auch kein Held, als er vom Kaiser und
vom Papst, dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche,
nach Worms gerufen wurde, um sich vor Kaiser und Papst als
den obersten Richtern zu verteidigen und zu verantworten.
Es war schon ein schwerer Weg, den Dr. Martin Luther nach
Worms ging. Er und seine Freunde sahen bereits am Ende
dieses Weges einen hellodernden Scheiterhaufen, auf dem
Luther verbrannt werden würde. Und von allen Seiten kamen
die Bekannten und Freunde zu ihm und baten ihn, doch ja
nicht nach Worms zu gehen. Wir kennen vielleicht das
Sprüchlein, das sich überliefert hat:
"Mönchlein, Mönchlein, du gehst einen schweren Gang."
Er ließ sich aber durch nichts, aber auch durch rein
garnichts davon abbringen, den einmal eingeschlagenen Weg
weiterzugehen.
Wenn nun Dr. Martin Luther kein Held war, was war er dann?
Unser Herr Jesus sagt in einem Gespräch mit seinen Jüngern:
"Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Wort vergehen
nicht."
Das ist ein gewaltiges Wort. Wir meinen doch allgemein, daß
es nichts Größeres und Herrlicheres gäbe als den Himmel und
als die Erde. Staunen wir nicht alle, wenn wir unsere
Spaziergänge oder Ausflüge machen, wie herrlich die Natur,
die Wälder und die Berge, das Meer und die weiten
Schneefelder, sind?
Wenn wir dann so vor diesen Herrlichkeiten stehen, dann
können wir fast meinen, daß das alles niemals zerstört
werden kann. Es würde in alle Ewigkeit so bleiben,
Allerdings sagt unser Herr Jesus, daß das alles vergehen
wird. Aber dann ruft er aus:
Es gibt etwas, was nie und nimmer vergehen wird oder
zerstört werden kann. Es ist das Wort Gottes.
Es geht darum, daß wir unsere Ohren nicht zuhalten, wenn
Gott, wenn unser Heiland, mit uns reden will. Er möchte von
allen Menschen gehört werden. Er möchte, das sich alle
Menschen im Gottes Hause versammeln und lauschen auf das,
was Jesus zu sagen hat; so wie wir jetzt alle zusammen auf
das hören, was uns unser Herr Jesus Christus in diesem
Reformationsgottesdienst sagen will.
Nun gab es zu allen Zeiten Menschen, die von ihm nichts
wissen wollten. So gibt es solche auch heute noch.
Hoffentlich sind nicht auch einige unter uns, die jetzt
schon sagen, wir wollen von diesem Jesus nichts wissen. Das
wäre schlimm. Das ist immer schlimm, wenn Menschen die Ohren
zuhalten, wenn Gott ihnen etwas zu sagen hat. Es ist
wirklich schlimm, wenn wir die Stimme unseres Vaters oder
unserer Mutter nicht hören wollen, wenn wir gerufen werden,
aber viel viel schlimmer ist es, wenn wir nicht auf Gottes
Stimme hören wollen.
Ich sagte schon, daß zu allen Zeiten es Menschen gibt, die
sich Gott gegenüber die Ohren zuhalten oder die das Buch,
durch das Gott zu uns spricht, die Bibel, einfach beiseite
legen und sagen:
Damit wollen wir nichts zu tun haben.
Vielleicht liegt auch bei uns zu Hause die Bibel im
hintersten Winkel in einem Schrank, damit ja niemand sie
lesen kann.
Ganz besonders furchtbar aber ist es, wenn die Bibel, die
Heilige Schrift, hier von der Kanzel heruntergenommen und
durch ein anderes Buch ersetzt würde, wenn Gott nicht mehr
in der Kirche zu Worte kommt.
Eine Kirche, die die Bibel vom Altar oder von der Kanzel
fortnehmen würde, könnte ihre Kirchentüren verriegeln, da
brauchte dann niemand mehr hineinzugehen.
Aber wenn auch immer der Versuch gemacht wird, Gottes Wort
in die hinterste Ecke zu bringen, damit wir es ja nicht
hören, so bringen wir es im letzten Grunde doch nicht
fertig, Gottes und des Heilandes Wort zu verstecken oder
sogar zu vernichten, denn der Heiland hat gesagt:
"Himmel und Erde werden vergehn, aber meine Worte vergehen
nicht."
Oft konnten wir es in den vergangenen Zeiten schon
beobachten, daß gerade, wenn Menschen oder wenn sogar die
Kirche, von Gottes Wort nichts wissen wollten, Menschen
kamen, die das Wort Gottes wie eine helle Fackel in die Hand
nahmen und sie von Hand zu Hand weitergaben.
Sie taten und tun es nicht aus freien Stücken, sondern Jesus
rief sie und sagte ihnen;
Ihr sollt nun meine Diener sein und meine Worte weiter
verkündigen und predigen und bezeugen.
Dr. Martin Luther war in der damaligen Zeit solch ein Mann,
den Jesus rief:
Du bist mein Diener. Du sollst dafür sorgen, daß mein Wort
verkündigt und weitergesagt wird, denn meine Worte werden
niemals vergehen.
Wenn Martin Luther kein Held war, so fragten wir schon am
Anfang, was war er dann?
Wir können und müssen ihn einen Diener Jesu Christi nennen.
Auch sagten wir, daß nicht diese Gestalt Luther der
Mittelpunkt der Reformation gewesen war, sondern, und das
müssen wir unbedingt festhalten, im Mittelpunkt der
Reformation stand das Wort Gottes. Denken wir daran, daß
unser Heilabnd gesagt hat:
"Aber meine Worte vergehen nicht."
Da steht doch auf dem Reichtstag zu Worms vor dem Kaisen und
den kirchlichen Herren dieser Diener Christi, Dr. Martin
Luther, die Bibel, das Wort Gottes in der Hand und sagt in
aller Deutlichkeit:
Hier redet Gott selbst, verstopft nicht eure Ohren vor der
Stimme Gottes.
Ein großes Gemurmel war die Antwort. Der Kaiser und die
vielen anderen geistlichen und weltlichen Herren hätten am
liebsten diesen Luther sofort auf den Scheiterhaufen
geschleppt, damit sie die Stimme Gottes, die manchmal so
unangenehm sein kann, nicht zu hören brauchen. Und
schließlich stellt der Kaiser auch ein Gesetz her, in dem
erlaubt wird, daß jeder, der Martin Luther fängt, ihn
totschlagen kann. Er glaubt, daß er damit auch die Stimme
Gottes zum Schweigen bringen kann.
Vielleicht fragen wir jetzt, gilt denn in dieser Situation
das Wort Jesu nicht mehr:
"Meine Worte vergehen nicht."?
Ihr lieben Kinder, Gott sei Dank, dieses Wort gilt. Gerade
als der Kaiser und der Papst und die Menschen ringsum im
Land freudig ausriefen, jetzt können wir unsere Ohren vor
Gottes Wort verstopfen, denn der Störenfried Martin Luther
wird bald erschlagen am Weges Rande liegen, gerade in diesem
Augenblick geschieht das große und gewaltige Wunder, daß er
von seinen Freunden ÜBERFALLEN und auf die Wartburg gebracht
wird, damit die Henker des Kaisers ihn nicht erhaschen. Hier
hatte er sehr viel Zeit und was fängt er damit an?
Wir wissen nun, daß Martin Luther ein Diener Jesu ist, der
den Auftrag bekommen hatte, das Wort Gottes wie eine Fackel
weiterzugeben.
Und dieser Diener Jesu sitzt auf der Wartburg und übersetzt
das ganze Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche.
Das Neue Testament ist ja ursprünglich in griechischer
Sprache geschrieben worden, sodaß die einfachen Leute es
nicht lesen konnte.
Dr. Martin Luther setzt sich also hin und schreibt das Neue
Testament so auf, daß jeder einfache Mensch Gottes Wort
lesen kann.
Habt ihr es gehört, gerade als die Feinde Gottes schrieen
und sich freuten, wir haben Gott das Maul verstopft, indem
wir seinen Diener verfolgen, vielleicht ist er schon längst
tot, gerade in dieser Zeit sitzt er auf der Wartburg und
übersetzt ein Evangelium nach dem anderen, ein Brief nach
dem anderen aus dem Neuen Testament.
Wir spüren sicher, daß in der Tat Jesus recht behalten hat,
der sagt:
"Himmel und Erde werden vergehn, aber meine Worte vergehen
nicht."
Und das gilt auch heute noch!


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