Kirchenjahr 1953/54 - 29 -
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum:15/09/1954
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:13. Sonntag nach Trinitatis 1954
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 13, 44 - 46
Skopus: Wem ist das Himmelreich zu vergleichen
Kirchenjahr 1953/54 - 29 - Matthäus 13, 44 - 46
"Abermals ist gleich das Himmelreich einem verborgenen
Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand und verbarg ihn und
ging hin vor Freuden über denselben und verkaufte alles, was
er hatte, und kaufte den Acker. Abermals ist gleich das
Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte. Und da
er EINE köstliche Perle fand, ging er hin und verkaufte
ALLES, was er hatte und kaufte sie."

Mit diesen beiden Gleichnissen stellt Jesus Christus die
Größe und Herrlichkeit der Herrschaft Gottes in den
Mittelpunkt und lenkt damit seine Zuhörer, die auf ein Wort
von ihm warten, zu dem hin, was die Herrschaft Gottes, was
das Reich Gottes, bedeutet:
"Das Himmelreich ist gleich einem verborgenen Schatz im
Acker oder gleich einer köstlichen Perle."
Er bittet auch uns, alles, was wir von zu Hause mitgebracht
haben an Ärger und Verdruß, an Freude und
Gefühlsüberschwang, unser Denken an den heutigen
Nachmittagsspaziergang oder das gemütliche Zusammensein im
eigenen Heim, alles das, so bittet uns der Herr, zusammen
mit den Zuhörern von damals, möchten wir beiseite tun und
konzentriert unseren Blick und unser Denken richten auf den
Schatz und auf die köstliche Perle.
Jesus hält gewissermaßen diesen Schatz oder diese Perle hoch
in seiner Hand, sodaß sie von allen Leuten ringsumher
gesehen werden können.
Wenn hier vom Schatz oder von der köstlichen Perle die Rede
ist, dann ist das keine allgemeine herabgesetzte
Sommerschlußverkaufsware, die man in den Geschäften so für
einige Groschen erhält.
Das Wort Schatz oder Perle deutet schon die
Außergewöhnlichkeit und Seltenheit, ja, die Einmaligkeit
dessen an, was vor uns aufleuchtet.
Mit großer Ehrfurcht sehen wir in den Tagen der englischen
Königskrönung auf die Krone, die mit Edelsteinen im Werte
von einer Million Mark besetzt ist. Oder noch vor wenigen
Tagen konnten wir in der Zeitung lesen, welch eine Sensation
es in Amerika für eine Abendgesellschaft war, als eine
reiche Dame mit einem Schmuck erschien, in dem ein Edelstein
im Werte von DM 900.000 eingearbeitet war.
Es ist schon etwas um den Wert und um die Einmaligkeit solch
einer Perle oder solch eines Schatzes.
Und nun sagt uns unser Herr Jesus Christus, daß das Reich
Gottes noch alle kostbaren und kostbarsten Schätze und
Diamanten überstrahlt. Nichts auf dieser Erde gibt es, was
ihm gleich und ebenbürtig wäre.
Es drängt sichh jetzt unweigerlich die Frage auf, was meint
denn der Herr mit Herrschaft Gottes, mit dem Königreich der
Himmeln, also mit Schatz und Perle? Sind das so Dinge, die
man von Gott einfach in Empfang nehmnen oder kaufen kann?
O nein, Jesus Christus, der vor dem Volke und auch vor uns
steht, bietet keine Ware an, und sei sie noch so kostbar,
sondern mit allen Umschreibungen, die er gebraucht, meint er
eine PERSON. Gottes Reich ist kein Gegenstand und keine
Sache, sondern ist JESUS CHRISTUS, der Herr Himmels und der
Erden selber.
Wo es um die Herrschaft Gottes geht, da geht es immer um den
Herrn Jesus Christus. Es geht um das größte Geschenk, das es
je im Himmel und auf Erden gegeben hat, es geht um das, was
so ausgedrückt wird:
"Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingeborenen
Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren
werden, sondern das ewige Leben haben."
Mit Gottes Herrschaft und mit Schatz und Perle leuchtet das
auf,, was in der Abendmahlsfeier in den Worten zum Ausdruck
kommt:
"Das ist mein Leib, für dich und deine Schuld in den Tod
gegeben, das stärke und bewahre dich zum ewigen Leben."
So steht Jesus Christus vor dem Volk Israel, so steht er vor
uns und verkündigt mit diesen beiden Gleichnissen sein
Leiden und Sterben, sein Kreuzestod und seine Auferstehung
uns zugut. Er bietet uns also keine Sache an, sondern sich
selbst, damit unser vielleicht verpfuschtes Leben wieder In
Ordnung kommt, damit unser Lebensschifflein nun endlich
wieder den rechten Steuermann erhält, der uns nicht in den
Abgrund oder in die Verzweiflung stürzt, sondern uns an die
Hand nimmt und uns wieder zum Vater im Himmel zurückbringt,
von dem wir weggelaufen sind und immer aufs neue weglaufen
wollen.
"Das Himmelreich ist gleich einem Schatz im Acker und gleich
einer köstlichen Perle."
Dieser Jesus Christus, der sich uns in der Vergebung unserer
Schuld durch sein Wort schenken will, ist der Schatz aller
Schätze, die kostbarste aller Perlen. Unser Herr redet in
unseren beiden Gleichnissen also von sich selbst und von
seinem einzigartigen Werke der Erlösung für uns, für dich
und für mich.
Wie reich sind wir, wenn wir zu diesem Herrn gehören, wie
reich können wir werden, wenn wir Eigentum dieses Herrn
werden wollen. Unser Heil in der Gestalt des Jesus Christus
ist da und steht vor uns oder klopft gerade bei uns an.
Welche Wege sind nun zu beschreiten, um diesen Schatz und
diese Perle zu finden? Innerhalb der Christenheit hat es zu
allen Zeiten Versuche gegeben, direkte Methoden zu finden,
Methoden des Glaubens, Methoden der Bekehrung, Methoden der
Heiligung.Diese Methoden wurden und werden dann noch als der
einzige Weg zum Heil, zu Jesus Christus, angepriesen. Die
beiden Gleichnisse widersetzen sich solchen Methoden.
Wenn wir die 2 Menschen betrachten, die mit dem Heil in
Berührung gekommen sind, stellen wir fest, daß beide ganz
verschieden gehandelt haben und handeln.Der eine suchte
nicht und fand doch. Der andere suchte allerlei Wahrheiten
und fand dann die EINE WAHRHEIT.
Wenn wir uns den Menschen ansehen, der auf dem Acker den
Schatz gefunden hat:
"Das Himmelreich ist gleich einem verborgenen Schatz in
Acker, welchen ein Mensch fand.", dann wird uns klar, daß er
gefunden hat gegen alles Erwarten, ohne je damit gerechnet
zu haben. Plötzlich stand er vor dem Schatz, vor seinem
Heiland Jesus Christus. Er hatte im Traum nicht daran
gedacht, daß er dort auf dem Acker, auf dem er arbeiten
wollte, in wenigen Stunden vor der entscheidensten Wende
seines Lebens stehen wird. Und was war das für eine Wendung?
Vorher ein armer Schlucker, nachher ein reicher Mann in
prachtvollen Gewändern; vorher ein Mensch, der sich um
seinen eigenen Acker drehte und meinte, alles müsse sich um
ihn drehen, und nachher aber ein Mensch, der in freudigem
Gehorsam hinter dem König Jesus Christus als ein treuer
Gefolgsmann umherschritt; vorher ein sich am Sonntag im Bett
Herumwälzender und nachher das Gesangbuch in der Hand zum
Gottesdienst gehend.
Beide Menschen in den Gleichnissen ist das gröste Wunder
widerfahren. Der Heiland hat sich von ihnen finden lassen.
Wenn wir beide Menschen fragen würden, welche Methoden sie
angewandt haben, um den Schatz oder die Perle zu finden,
dann müßte der eine sagen:
Jesus Christus hat sich von mir finden lassen, ohne daß ich
es erklären kann. Auf einmal hörte ich die Stimme Gottes,
die mir zurief:
"Dir sind deine Sünden vergeben, gehe hin mit Frieden!"
Der andere würde bekennen:
Ich habe wohl von mir aus alles getan, um die köstliche
Perle zu finden, um den Sinn meines Lebens zu erkennen, um
aus meinem ungeordneten Leben herauszukommen, aber daß ich
in und durch Jesus Christus das alle gefunden habe, kann ich
nicht erklären. Es ist mir ein unverständlich Ding. Es ist
ein Wunder vor meinen Augen.
Bei beiden war der äußere Weg, wie sie das Heil geschenkt
bekamen, verschieden, aber bei beiden spielte das Suchen
oder Nichtsuchen keine Rolle, sondern die entscheidende
Angelegenheit war, daß Jesus Christus sich von beiden hat
finden lassen.
Wie Jesus Christus sich von einem jeden einzelnen von uns
finden lassen will, ist seine Angelegenheit.
Wehe uns, wenn wir den anderen meinen fragen zu müssen:
Bist du auch so zum Glauben gekommen, mit allen äußeren
Umständen, wie ich? Wenn nicht, dann hast du einen falschen
Glauben, dann bist du kein rechter Christ.
Wie Jesus Christus sich von uns finden lassen will, das
überlassen wir ihm ganz allein.
Wir spüren bei beiden, wie sie nun vor soviel Glück einfach
nicht wissen, wohin sie mit der Freude sollen. Am liebsten
würden sie einen Freudenreigen aufführen.
Haben wir es schon einmal erlebt, diese Freude:
Da schleppten wir uns tagelang und wochenlang mit einer
kleinen oder großen Lüge herum, die uns Tag und Nacht keine
Ruhe ließ, die uns unruhig machte, sodaß wir nicht aus- noch
ein-wußten, Und dann geschah es, daß Jesus Christus uns
begegnete und wir aus seinem Munde es hören durften:
"Dir ist deine Schuld vergeben."
Welch eine Freude zog dann in uns ein, daß wir den Schmutz
und Dreck unseres Herzens nicht mehr mit uns herumschleppen
brauchten. War uns dann nicht zumute, als ob wir wie
Neugeborene wären?
Nur wer das einmal selbst erlebt hat, diese Freude, der kann
es auch ermessen, wie die Herzen der beiden Menschen unserer
Gleichnisse höher schlugen. Und sie fragen uns dann auch.
möchten wir nicht auch so froh werden darüber, daß wir den
größten Schatz gefunden haben.?
Allerdings wird uns auch noch ein letztes an beiden
Gleichnissen deutlich. Es geht bei beiden um den
herrlichsten Schatz und um die köstlichste Perle, die es je
gegeben haben und die wir unser Eigentum nennen dürfen. Wer
sich von dieser köstlichen Gabe Gottes die Hand hat führen
lassen, der findet für andere kleine Schätze und andere
weniger wertvolle Perlen keinen Platz mehr in seiner Hand.
Jesus Christus als die köstlichste Gabe Gottes an uns, nimmt
uns ganz und gar in Anspruch., Wer sich von ihm reich machen
läßt, hat alles Glück und alle Freude, die es nur geben
kann; ein Christ, der von der Vergebung seiner Schuld lebt,
hat alles, was ihm das Leben auf der Erde lebenswert macht.
Er braucht nichts anderes mehr. Ja, alles andere würde ihm
nur zum Schaden gereichen.
Darum kommt es darauf an, daß wir wirklich nur ihn allein
bei uns wirken und anderes fahren lassen, womit wir uns
sonst getröstet hatten und womit wir meinten, über schwere
Stunden hinwegzukommen. Ist es da zuviel verlangt, daß im
Angesichte Jesu Christi wir alles andere, worauf wir unsere
Hoffnung gesetzt hatten über Bord zu werfen haben? Es gilt:
entweder weiter suchen nach irgendwelchen Wahrheiten und
Trostpflästerchen oder annehmen die eine Perle, das eine
Heil; entweder weiter den verzweifelten Mann spielen, der
sich im Lebenskampf abrackert und kein Ende absehen kann
oder alles im Stich zu lassen, weil ja der große Schatz das
nicht mehr nötig macht, Oder wollen wir das so machen, wie
der reiche Jüngling, der, als Jesus Christus ihm sagte:
"Verkaufe alles, was du hast, so wirst du einen Schatz im
Himmel haben"
von Jesus fortging und von ihm nichts mehr wissen wollte? Es
wäre schade für uns, wenn es auch von uns heißen würde:
"Er ging traurig von dannen."
Jedenfalls in unseren Gleichnissen wissen wir, daß diese
beiden die große Stunde ihres Lebens erkennen, in der ihnen
das Heil erschienen ist:
"Sie gingen hin und verkauften alles, was sie hatten und
kauften den Acker mit dem Schatz und kauften die Perle."
Und Jesus Christus möchte, daß das auch die große Stunde
unseres Lebens werde.
Aus der Zeit, in der ich als Junge in den Kindergottesdienst
ging, vergesse ich eine Geschichte nicht, die uns der Helfer
erzählte:
Es war in der Notzeit nach dem ersten Weltkrieg. Viele
zogen hungernd durch das Land. An verschiedenen Stellen
waren Notküchen eingerichtet. An einer solchen Notküche
standen Menschen in Schlangen um Essen zu holen. Mitten
darunter war ein alter Mann. Als er an die Reihe kam und
seinen
Eßnapf vorzeigte, damit er mit frischem und gutem Essen
gefüllt würde, sah der Essenausgeber, daß dieser Eßnapf
gefüllt war mit Essenresten, die er aufgefunden hat. Der
Napf war bis an den Rand gefüllt mit Brotkrusten,
Kartoffelschalen, abgebrochenen Kohlstrünken. Der Eßnapf war
also vollgefüllt, es ging nichts mehr hinein. Es wurde dem
alten Mann angedeutet, doch den Napf zu leeren, damit das
frische Essen hineinkonnte. Er konnte sich aber von seinen
aufgelesenen Resten nicht trennen und zog weiter.
Wir lächeln vielleicht über diese Geschichte und besonders
über diesen Dummkopf. Aber es geht ja bei der heutigen Frage
unseres heutigen Gotteswortes auch darum:
Das Heil, Jesus Christus, will sich von uns finden lassen,
will auch unser Heiland sein.
Stehen bei uns auch die Brotkrusten unserer eigenen
Lebensweisheit und -erfahrung, die Kartoffelschalen unseres
Besserwissens und die Kohlstrünke der Scham und der Blamage
vor anderen Menschen im Wege?
Es gilt jedenfalls:
Entweder Jesus Christus oder unser Verderben. Unser Text
weiß aber, da sich das Heil in Jesus Christus sich von uns
finden lassen möchte.