Kirchenjahr 1953/54 - 19 -
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum:19/04/1954
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Ostermontag 1994
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:1. Korinther 15, 35 - 50
Skopus: Über die Auferstehung
Kirchenjahr 1953/54 - 19 - 1. Korinther 15, 35 - 50
"Möchte aber jemand sagen: Wie werden die Toten auferstehen,
und mit welcherlei Leiber werden sie kommen? Du Narr: Was du
säst, wird nicht lebendig, es sterbe denn. Und was du säst,
ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes
Korn, etwa Weizen oder der andern eines. Gott aber gibt ihm
einen Leib, wie er will, und einem jeglichen von den Samen
seinen eigenen Leib. Nicht ist alles Fleisch einerlei
Fleisch; sondern ein anderes Fleisch ist der Menschen, ein
anderes des Viehs, ein anderes der Fische, ein anderes der
Vögel. Und es sind himmlische Körper und irdische Körper;
aber eine andere Herrlichkeit haben die himmlischen und eine
andere die irdischen. Eine andere Klarheit hat die Sonne,
eine andere Klaheit hat der Mond, eine andere Klarheit haben
die Sterne; denn ein Stern übertrifft den anderen an
Klarheit. Also auch die Auferstehung der Toten. Es wird
gesät verweslich, und wird auferstehen unverweslich. Es wird
gesät in Unehre, und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es
wird gesät in Schwachheit, und wird auferstehen in Kraft. Es
wird gesät ein natürlicher Leib, und wird auferstehen ein
geistlicher Leib. Ist ein natürlicher Leib, so ist auch ein
geistlicher Leib. Wie es geschrieben steht: Der erste
Mensch, Adam, "ward zu einer lebendigen Seele", und der
letzte Adam zum Geist, der da lebendig macht. Aber der
geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche:
darnach der geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde
und irdisch; der andere Mensch ist der Herr vom Himmel.
Welcherlei der irdische ist, solcherlei sind auch die
irdischen; und welcherlei der himmlische ist, solcherlei
sind auch die himmlischen. Und wie wir getragen haben das
Bild des irdischen, also werden wir auch tragen das Bild des
himmlischen. Das sage ich aber, liebe Brüder, daß Fleisch
und Blut nicht können das Reich Gottes ererben; auch wird
das Verwesliche nicht erben das Unverwesliche."

Darüber besteht doch zwischen uns allen volles
Einverständnis, daß die Botschaft von Ostern:
"Jesus Christus ist von den Toten auferstanden!"
nicht irgendein Lehrsatz ist, der durch das eine Ohr
hereinkommt und durch das andere Ohr hinausgeht, sondern die
Botschaft von Ostern greift in unser Leben ein, so daß wir
von einer großen Freude erfüllt werden.
Wer wollte sich auch nicht freuen über die
Auferstehungsbotschaft, die uns alle in das helle Licht des
Lebens rückt. Jesus Christus hat durch seine Auferstehung
die Macht des Todes gebrochen, der Tod hat auch für uns
seinen Schrecken verloren. Jesus Christus öffnet durch seine
Auferstehung auch uns den Weg durch die Pforte des Todes
hindurch zum ewigen Leben.
Eigentlich könnte es keinen Menschen mehr auf dieser Erde
geben, der nach dem Hören der Osterbotschaft noch mit einem
bitteren und traurigen Herzen durch das Leben geht. Aber
doch gibt es immer wieder solche Menschen, die mit Ostern
nichts anzufangen wissen. Paulus weiß, daß bei diesen
Menschn etwas in ihrem Glauben nicht in Ordnung sein muß. Er
hat es bald herausgespürt, daß bei diesen Menschen in ihrem
Glauben etwas nicht in Ordnung sein muß. Er hat es bald
herausgespürt, daß ebenfals eine ganze Gruppe in der
Gemeinde zu Korinth wohl die Osterbotschaft vernommen hat,
aber noch wie früher mit langen Gesichtern mißmutig und
traurig herumläuft.
Diese Menschen wurden von einer Frage, die sie nicht losläßt
und auf die sie keine Antwort wissen, getrieben. Sie spüren
in etwa auch, daß ihr Glaube zu wanken droht, wenn sie nicht
von irgendwoher eine Antwort finden. Der Apostel Paulus
greift in unserem Text die Frage dieser Gruppe auf, um sie
in rechter Weise zu beantworten und auch diesen Menschen die
ganze Osterfreude zu bezeugen:
"Wie werden die Toten auferstehen, und mit welchem Leibe
werden sie kommen?"
Wir könnten diese Frage leicht abtun und den Korinthern
zurufen:
Ihr sollt nicht so neugierig sein!
Paulus tut das aber nicht, denn er erkennt den Ernst, der
hinter dieser Frage steht. Diese Gruppe in der Korinther
Gemeinde besteht aus jungen Christen, die aus dem Heidentum
der damaligen Zeit kamen. Und dieses Heidentum hatte
gelehrt, daß es im Leben darauf ankomme, die Seele des
Menschen, die göttlichen Ursprungs ist, von der Knechtschaft
des Leibes zu befreien. Der Leib, der menschliche Körper,
galt als etwas Minderwertiges, als eine Ausgeburt des Bösen.
Herbeigesehnt wurde die Zeit, da die unsterbliche Seele,
befreit aus der Gefangenschaft des bösen Körpers, wie ein
kleines Vögelein zum Ursprung, zum Götterhimmel,
zurückfliegen würde und das geschah eben im Tod. Mit dieser
heidnischen Anschauung kamen diese Menschen in die
christliche Gemeinde:
Der Körper ist vom Teufel und die Seele ist ein Teil Gottes
und darum unsterblich. Diese heidnische Lehre sieht auf den
ersten Blick so aus wie die Verkündigung des Apostels Paulus
vom auferstandenen Herrn und von der Auferstehung der Toten.
Es besteht ja bis auf den heutigen Tag die Gefahr, daß
menschliche und heidnische Anschauungen und Lehren große
Ähnlichkeit haben mit der christlichen Botschaft und sie
darum mit dem Evangelium nur zu leicht verwechselt werden.
Im letzten Grunde, so meinen die Korinther, Auferstehung hin
und Auferstehung her, es geht doch bei ihr, wie bei unserer
Auffassung, um das LEBEN NACH DEM TODE.
Kann man es ihnen verdenken, daß sie von der Auferstehung
garnicht so beeindruckt waren und dem Paulus vorhielten:
Was du da verkündigst, kennen wir im Heidentum schon lange,
schon unser Philosoph PLATO hat von der Unsterblichkeit der
Seele und damit von dem Leben nach dem Tode gesprochen.
Damit war allerdings die ganze Osterfreude unterhöhlt und
konnte garnicht mehr richtig zur Geltung kommen.
Aber ist es nicht so, daß diese Korinther überhaupt garnicht
verstanden haben, was es heißt:
"Jesus Christus ist von den Toten auferstanden"
und
"Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches!"?
Auf keinen Fall heißt das:
Ich glaube an ein ewiges Leben in der Weise, daß die Seele
nach dem Tode in den Himmel fliegt.
Noch ein zweiter Widerstand regt sich bei dieser Gruppe.
Sie konnte nicht verstehen, daß Paulus die Abwertung und
Geringschätzung des Körpers und die Überbewertung der Seele
nicht mitmacht. Für ihn war es eine Selbstverständlichkeit,
daß der ganze Mensch aus Leib und Seele von Gott geschaffen
ist und darum kann es für ihn eine Abwertung des Körpers und
eine Überbewertung der Seele garnicht geben.
Es heißt in unserem Text:
"Der erste Mensch, Adam, ward zu einer lebendigen Seele",
oder es wird gesprochen von
"einem seelischen Leib".
Der Mensch wird als Leib und Seele in einer unzertrennbaren
Einheit gesehen. Was mit der Seele geschieht, geschieht auch
mit dem Leib, und was mit dem Leibe geschieht, geschieht
ebenfalls mit der Seele.
Wenn nun Paulus die AUFERSTEHUNG VON DEN TOTEN verkündigt,
dann meint er die Auferstehung des ganzen Menschen, auch des
Fleisches. Das aber konnten die Korinther einfach nicht
verstehen. Für sie bestand die ganze Seligkeit nach dem Tode
eben darin, daß die göttliche Seele nun endlich von der
Sklaverei des Leibes befreit sei und frei atmne könne. Die
Botschaft von der Auferstehung des Fleisches jagte ihnen
großen Schrecken und große Angst ein:
Soll denn nun wieder eine neue Zeit der Sklaverei der Seele
unter der Tyrannei des Fleisches beginnen?
Da ist es nun selbstverständlich, daß ihnen die
Osterbotschaft keine Freude brachte, sondern nur Angst und
Schrecken.
So kann das Evangelium durch menschliche Gedanken und
Meinungen verdreht werden, wenn nicht wirklich auf die
Botschaft hingehört wird und man meint, alles längst
verstanden zu haben.
Paulus als ein besonderer Zeuge der Auferstehung hat aber
allen Eifer, daß auch diese Menschen die ganze Osterfreude
kennenlernen und darum nimmt er die Frage ganz ernst:
"Wie werden die Toten auferstehen und mit welchem Leibe
werden sie kommen?"
Während die Heiden das ewige Leben sehen in der Vernichtung
des Körpers und der Wiederherstellung der göttlichen Seele,
weiß die Heilige Schrift, daß beides, Körper und Seele vor
Gott als der irdische oder natürliche oder seelische Leib
gilt:
In unserem Text heißt es vom ersten Menschen:
"Der erste Mensch ist von der Erde und darum irdisch", und
"Er ist ein irdischer Körper", und
"Dieser Leib wird sterben", und
"Er wird gesäet verweslich, in Unehre, in Schwachheit".
Dieser Mensch aus Leib und Seele verfällt in seiuner
Ganzheit dem Gericht Gottes. Er geht seiner totalen
Vernichtung entgegen. Er stirbt.
Es gibt immer Menschen, die sich daran stoßen, daß Paulus zu
der heidnischen Lehre von der Unsterblichkeit der Seele ein
vom Evangelium her bestimmtes Nein entgegensetzt.
Man möchte noch unbedingt das göttliche Fünklein im Menschen
retten und vergißt dabei, daß der Mensch nur ein Werk
Gottes ist und nicht ein Teil Gottes oder göttlich.
Wenn wir dieses göttliche Fünklein einer unsterblichen Seele
unbedingt retten wollen, was müßten wir denn dazu sagen, daß
Gott, der Herr, seinen eigenen Sohn, der doch nicht nur ein
göttliches Fünklein war, sterben läßt.
Karfreitag ist doch eine harte Wirklichkeit:
"O große Not, Gotts Sohn ist tot."
Paulus weist diese irrige Gruppe in der Gemeinde zu Korinth
nicht nur mit den Worten:
"Ihr Narren!"
zurecht, sondern er gibt ihnen auch eine Antwort auf das,
was es um die Auferstehung der Toten sei.
Auferstehung von den Toten bedeutet in keinster Weise ein
Weiterleben als ein leibloses Gespenst, sondern die
Neuschöpfung, die Neuerschaffung, des gestorbenen Menschen
in eine himmlischer Gestalt. Jesus Christus, der
Auferstandene, ist seinen Jüngern auch nicht als ein
Gespenst begegnet, sondern als der wirkliche Jesus Christus,
mit einem herrlichen Leibe angetan. Thomas konnte sogar
seine Hände in die Wundmale des Herrn legen. Unser Text
spricht von
"himmlischen Körpern"
oder vom
"geistlichen Leibe"
oder
"Es wird auferstehen unverweslich, in Herrlichkeit, in
Kraft."
oder "Wir tragen das Bild des himmlischen Menschen".
Der irdische Mensch, so wie er hier leibt und lebt wird im
Tode vergehen. Wir alle werden im Tode vergehen, wir ganz
und gar, mit Leib und Seele. Das, was wir jetzt auf dieser
Erde sind, wird der Vernichtung anheimfallen, es wird nicht
das Reich Gottes ererben können:
"Das sage ich aber, liebe Brüder, daß Fleisch und Blut nicht
können das Reich Gottes ererben, auch wird das Verwesliche
nicht erben das Unverwesliche."
AUFERSTEHEN WIRD DER NEUE MENSCH.
Wir haben nun gegenübergestellt den seelischen und den
geistlichen Menschen. Der seelische Mensch stirbt und
auferstehen wird der geistliche Mensch.
Unser Text deutet auch das Geheimnis der Auferstehung selbst
an, mehr kann es nicht sein. Er sagt es in einem Bilde, was
mit der Auferstehung von den Toten gemeint ist. Es wird auf
ein Samenkörnlein hingewiesen, das in die Erde getan wird
und dort stirbt. Wenn wir im Herbst unsere Kartoffeln
ausmachen, dann finden wir im frischen Kartoffelbusch noch
die die alte vollständig verfaulte Kartoffel, die wir im
Frühjahr in die Erde gesteckt hatten. Was wir da der Erde
anvertraut hatten, ist nicht dasselbe, was einst im Herbst
aus der Erde wieder frisch herausgeholt wird::
"Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der werden soll,
sondern ein bloßes Korn, etwa Weizen oder der anderen
eines."
Über diesem Samenkörnlein, das der Fäulnis entgegengeht,
spricht Gott, der Herr, sein schöpferisches
"Es werde!"
wie er es am Anfang der Schöpfung schon getan hat. Dieses
schöpferisches Wort:
"Es werde!"
schafft aus dem Faulenden und Stinkendem heraus ein neues
Pflänzlein:
"Gott aber gibt einen Leib, wie er will."
Durch dieses Bild will Paulus hinweisen auf den grosen
Auferstehungstag, an dem Gott sein großes und neues ES
WERDE! über die weiten Totenfelder sprechen wird, und aus
den modernden und verwesenden Leichnamen der Menschen wird
der neue Mensch in himmlischer Herrlichkeit ins Leben
gerufen, in einer Herrlichkeit, die wir heute noch nicht
beschreiben können.
Dieses soll die Korinther nun endlich zu der echten
Osterfreude führen, denn der große Auferstehungstag wird
kommen, weil Jesus Chgristus als der Erstling von den Toten
auferstanden ist.
Wer wollte sich nun nicht mehr über die Osterbotschaft
freuen können?