Kirchenjahr 1953/54 - 18 -
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum:16/04/1954
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Aldea Protestante, Gründonnerstag 1957
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:7. Passionsandacht 1954
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 23, 55-56
Skopus: Am Grabe Jesu
Kirchenjahr 1953/54 - 18 - Lukas 23, 55 - 56
"Es folgten aber die Weiber nach, die mit ihm gekommen waren
aus Galiläa, und beschauten das Grab und wie sein Leib
gelegt ward. Sie kehrten aber um und bereiteten Spezerei und
Salben. Und den Sabbat über waren sie still nach dem
Gesetz."

Rein menschlich gesehen ist alles aus und vorbei, der Mensch
Jesus von Nazareth, der von sich behauptet hat, der Messias
Gottes zu sein, lebt nicht mehr. Er hat sein Leben am Kreuz
wie ein Verbrecher ausgehaucht. Der Leichnam Jesu liegt
sogar schon in der Grabeshöhle des Josef von Arimathia. Der
grausame Tod, der schon so manch schöne Hoffnung zunichte
gemacht hat, hatte auch hier ganze Arbeit geleistet. Das
müßte schon ein komischer Mensch sein, der Zweifel daran
hätte haben könnte, daß Jesus von Nazareth wirklich tot sei.
Jesus von Nazareth ist tot, daran ist nicht mehr zu rütteln.
Welch ein Triumph ist das für seine Feinde.
Sie haben Grund genug, ihren Sieg zu feiern. Alle Ängste und
Sorgen, die sie um diesen Mann ausgestanden haben, können
jetzt beiseite geschoben werden. Jetzt brauchen sie nicht
dauernd auf seine Spuren zu stoßen, die sie immer wieder
ermahnt und bedrückt haben in ihrer eigenen Frömmigkeit.
Jetzt können sie wieder nach ihrer eigen Facon selig werden,
denn der, der ihnen zurief:
"Ihr Heuchler, ihr Schlangenbrut! Du durch deine Frömmigkeit
"übertünchte Wand!"
liegt wohlverwarhrt und wohlverschlossen in einer
Grabkammer.
Für Jesu Jünger ist eine Welt der Hoffnung und der Erwartung
zusammengebrochen. Ihr Fragen nach der Erlösung Israels, ihr
Fragen nach dem messianischen Gottesreich durch diesen Jesus
von Nazareth hat eine Antwort erhalten, die deutlich genug
ist:
Das Grab im Garten des Josef von Arimathia.
Dort liegen alle Hoffnungen und Wünsche begraben. Vor diesem
Grabe Jesu wird es immer so bleiben, wie es schon damals
gewesen ist: Die einen triumphieren und die anderen
verzweifeln. Der Triumph der Feinde Jesu und die
Verzweiflung seiner Verehrer und Freunde und sogar seiner
Jünger. Auch die Frauen, die Jesus sehr viel verdanken und
die auf ihn ihr ganzes Vertrauen gesetzt hatten, gehören zu
denen, die verschüchtert und verängstigt erleben, wie alle
ihre Hoffnungen wie ein Kartenhaus zusammengestürzt sind.
Aber doch tun sie etwas, was ihnen hoch angerechnet werden
muß:
Sie wollen ihrem toten Herrn wenigstens die letzten
Liebesdienste erweisen. Sie wollen, auch wenn sie bitter
enttäuscht sind, diese ihre Enttäuschung nicht an dem toten
Jesus auslassen und sich von ihm abkehren. Nein, sie wissen,
was sie ihrem toten Herrn schuldig sind:
Eine würdige Ruhestätte mit religiösen Zeremonien.
Deswegen waren sie ja vom Kreuz nicht gewichen und waren dem
Leichnam gefolgt, um die Grabesstätte wiederzufinden, damit
sie dann in Tätigkeit treten können:
"Es folgten aber die Weiber nach, die mit ihm gekommen waren
aus Galiläa, und beschauten das Grab und wie sein Leib
gelegt ward."
Es war ihnen also geglückt, die Grabesstätte ausfindig zu
machen und so eilen sie nach Hause, nicht um ihn im Stich zu
lassen, sondern um zu Hause ihre Vorbereitungen zu treffen
für ihren letzten Liebesdienst.
Wir wissen, daß in der damaligen Zeit die Toten von ihren
Angehörigen mit allerlei Salben bearbeitet wurden, die den
Leichnam vor der Verwesung bewahren sollten. Es war eine
mühselige Sache, diese Vorbereitung der Salben, aber die
Frauen scheuten keine Mühen. Die Salben und Spezereien waren
auch eine sehr teure Angelegenheit, aber die Frauen scheuten
auch keine Opfer. Das zeigt die große Verehrung zu ihrem
Herrn über alle Enttäuschungen hinweg:
"Sie kehrten aber um und bereiteten Spezereien und Salben."
Allerdings ist das ganze Tun der Jüngerinnen unter dem
Zeichen geschehen, dem toten Jesus den letzten Dienst zu
erweisen, ähnlich wie wir ja auch bei lieben Verstorbenen an
den Kränzen eine Schleife anbringen lassen:
Zur letzten Erinnerung an die Hausbewohner
oder an die Nachbarn, oder der letzte Gruß der lieben Mutter
von ihren Kindern.
Der letzte Dienst der Frauen geschieht also auch im Zeichen
der Hoffnungslosigkeit.
Wenn wir noch einmal rückblickend auf die Passionszeit
schauen und auf das, was mit Jesus, dem Messias und Sohn
Gottes geschah, dann können wir wahrhaftig nur beschämt die
Augen niederschlagen, denn dieser Weg Jesu über das Leiden
bis zum Kreuz und bis zur Todeskammer, ist ein Weg, den der
Herr aus Gehorsam zu seinem Vater um unsretwillen ging.
Dieser Weg war kein Vergnügen, sondern er kostete manche
Mühe und Trübsal, manche Angst und Schmerzen und Qualen.
Aber Jesus Christus nahm das alles auf sich, um
unsretwillen. Welch eine Erniedrigung, daß es zum Wege Jesu
gehörte, daß seine Feinde über ihn triumphieren dürfen, daß
seine Jünger an ihm verzweifeln und seine Jüngerinnen ihm
den letzten Dienst als an einem Toten tun:
"Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sichunsere
Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von
Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer
Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen
zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf das wir Frieden
hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt."
Warum können wir das glauben und uns daran halten? Nicht
weil wir das Grab angeschaut haben, sondern weil hinter dem
Grabe unseres Herrn schon das Ja Gottes aufleuchtet zum
gehorsamen Weg seines Sohnes für uns. Das Ja Gottes wird
auch Schloß und Riegel der Grabkammer Jesu Christi
aufsprengen.