Kirchenjahr 1953/54 - 09 -
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum:10/01/1954
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:1. Sonntag nach Epiphanias
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:1. Samuelis 16, 1 - 13
Skopus: Davids Berufung zum König
Kirchenjahr 1953/54 - 9 - 1. Samuelis 16, 1 - 13
"Und der Herr sprach zu Samuel: Wie lange trägst du Leid um
Saul, den ich verworfen habe, daß er nicht König sei über
Israel? Fülle dein Horn mit Öl und gehe hin: ich will dich
senden zu dem Bethlehemiter Isai; denn unter seinen Söhnen
habe ich mir einen König ersehen. Samuel aber sprach: Wie
soll ich hingehen? Saul wird's erfahren und mich erwürgen.
Der Herr sprach: Nimm ein Kalb von den Rindern zu dir und
sprich: Ich bin gekommen, dem Herrn zu opfern. Und sollst
Isai zum Opfer laden; da will ich dir weisen, was du tun
sollst, daß du mir salbest, welchen ich dir sagen werde.
Samuel tat, wie ihm der Herr gesagt hatte, und kam gen
Bethlehem. Da entsetzten sich die Ältestesten der Stadt und
gingen ihm entgegen und sprachen: Ist's Friede, daß du
kommst? Er sprach: Ja, ich bin gekommen, dem Herrn zu
opfern; heiliget euch und kommt mit mir zum Opfer. Und er
heiligte den Isai und seine Söhne und lud sie zum Opfer. Da
sie nun hereinkamen, sah er den Eliab an und gedachte, der
sei vor dem Herrn sein Gesalbter. Aber der Herr sprach zu
Samauel: Siehe nicht an seine Gestalt noch seine große
Person, ich habe ihn verworfen. Denn es geht nicht, wie ein
Mensch sieht: ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr
aber sieht das Herz an. Da rief Isai den Abinadab und ließ
ihn an Samuel vorübergehen. Und er sprach: Diesen hat der
Herr auch nicht erwählt. Da ließ Isai vorübergehen Samma. Er
aber sprach: Diesen hat der Herr auch nicht erwählt. Da ließ
Isai seine sieben Söhne an Samuel vorübergehen. Aber Samuel
sprach zu Isai: Der Herr hat der keinen erwählt. Und Samuel
sprach zu Isai: sind das die Knaben alle? Er aber aber
sprach: Es ist noch übrig der jüngste; und siehe, er hütet
die Schafe. Da sprach Samuel zu Isai: Sende hin und laß ihn
holen; denn wir werden uns nicht setzen, bis er herkomme. Da
sandte er hin und ließ ihn holen. Und er war bräunlich, mit
schönen Augen und guter Gestalt. Und der Herr sprach: Auf!
und salbe ihn; denn er ist's. Da nahm Samuel sein Ölhorn und
salbte ihn mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des
Herrn geriet über David von dem Tage an und fürder. Samuel
aber machte sich auf und ging gen Rama."

Das können wir dem Samuel nicht verdenken, daß er so traurig
ist. Sollte da auch einer nicht traurig werden, wenn mit
einem Schlage alle seine Hoffnungen zusammenbrechen,
zerplatzen wie Seifenblasen. Und was waren das doch für
herrliche Hoffnungen, die Samuel mit dem König Saul verband.
Gott selbst hatte diesen Saul aus der großen Schar der
Männer des Volkes Israels herausgesucht und ihn zum König
über das Volk Israel, zum König über sein Volk gesetzt.
Durch diesen König wollte Gott seinem Volke nahe sein. Durch
ihn wollte Gott sein Volk vor allen seinen Feinden
beschützen. Durch ihn wollte er seinem Volke Ruhe und
Frieden schaffen. Samuel hatte dem Saul bei der Salbung zum
König das Wort der Verheißung zugerufen: Gott ist mit dir.
Ach, wie wünschten wir all denen, die unser Volk, die unser
Volk und auch die anderen Völker regieren, daß Gott mit
ihnen sei. Meint ihr nicht auch, daß wir dann über die
kommende Viererkonferenz in Berlin keine Angst mehr zu haben
brauchten. Vielleicht wäre es auch in diesen Tagen die
Aufgabe unserer Gemeinden Gott darum zu bitten, daß er mit
den Mächjtigen der Erde sei.
Dem Saul durfte jedenfaslls Samuel sagen:
Gott ist mit dir.
Wie froh durfte da doch das ganze Volk und auch Samuel sein,
daß es einen König und eine Regierung hatte, von der Gott
sagte, daß er mit ihr sei.
Und nun das große Entsetzen:
Gott wollte nicht mehr bei diesem König Saul sein. Er wollte
nichts mehr mit ihm zu tun haben. Und Samuel weiß ganz
genau, daß damit das Volk Isarel dem Abgrund entgegeneilt.
Ein Herrscher, eine Regierung, von der Gott seine Hand
abzieht, geht seinem Untergang entgegen.
Wir haben es ja selbst an unserem eigenen Leibe erfahren
müssen. Aber das können wir uns doch wohl denken, daß Gott
seine Hand nicht aus einer schlechten Laune von Saul
abgezogen hat. Gott handelt mit uns nicht nach irgendeiner
undurchsichtigen Willkür. Nein, Samuel weiß deutlich: Saul
hat sich Gottes Gúte verscherzt. Er sollte ja ein König von
Gottes Gnaden sein, ein König also, der Gottes Willen in
seinem Volke vollführen wird. Saul aber behagte das nicht.
Er glaubte, machen zu können, was er wollte. Und darum zog
Gott seine Hand von ihm ab.
Nur zugut verstehen wir die Trauer des Samuel über das Nein
Gottes zu Saul, über seine Verwerfung. Wer soll jetzt das
Volk vor den Feinden schützen. Wer sollte jetzt seinem Volke
Ruhe und Frieden schaffen? Wer sollte jetzt Gottes Willen in
seinem Volke zur Durchführung bringen?
Nicht lange bleibt Samuel mit dieser Not allein. Gott reißt
ihn heraus aus seiner Trübsal und zeigt ihm, daß Trauer
nicht mehr am Platze ist. Gott hat schon längst wieder eine
Hilfe für sein Volk gesetzt. Durften wir nicht auch als
Christen immer wieder erleben, daß Gott uns selbst in der
größten Not nicht allein läßt, nicht ohne Hilfe läßt. Wir
haben einen Gott, der da hilft. Das dürfen wir in allen
Lebenslagen wissen und erfahren. Gott gibt dem Samuel einen
Auftrag, der die große Hilfsaktion Gottes für sein Volk
einleiten soll. Samuel soll nach Bethlehem gehen, und zwar
zu dem Hause Isai oder Jesse oder Jesaja genannt. Dort in
Bethlehem ist der neue König der Juden, von dem es wieder
heißen soll:
Gott ist mit ihm.
Wir könnten jetzt annehmen, daß Samuel eiligst seinen Esel
packt und sich auf den Weg nach Bethlehem macht, wie es
viele Hundert Jahre später die Weisen aus dem Morgenlande
getan haben.
Aber so einfach ist die Sache doch nicht. Samuel weiß es,
daß der Glaube nicht etwas ist, was sich hinter
verschlossenen Türen abspielt, sondern eine höchst
politische Angelegenheit ist. Gott hat ihn ja nicht
beauftragt, für das Seelenheil des Volkes Gottes zu sorgen,
sondern seinem Volke einen neuen König einzusetzen. Solange
es darum geht, in seinem Innern und im stillen Kämmerlein
ein Eckchen für Gott zu reservieren, wird kein Machthaber
und seien es die Bolschewisten etwas dagegen haben. Wir
kennen ja selbst das Lied:
"Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?"
Wenn aber Menschen da sind, die Gottes Auftrag ganz ernst
nehmen und in alle Welt das Wort Gottes hineinrufen, in die
Politik hinein, in die Besprechungen der Wiederaufrüstung
mit dem Wort:
"Du sollst nicht töten,"
und in den Kampf um die Weltherrschaft zwischen Amerika und
Rußland mit dem Wort:
Einer ist der Herr, Jesus Christus,
oder in die Verhandlungen um die Rechte des Arbeiters, die
ihm verweigert werden wollen mit dem Ruf:
Sehet, welch ein zerschundener Mensch, den ihr seines
Verdienstes beraubt,
dann schreit alles auf und Mord- und Zetrio-Geschrei wird
laut und die das dort verkündigen, werden als Phantasten
abgestempelt oder wandern sogar in die Gefängnisse.
Samuel ist genau im Bilde, daß er im Auftrage Gottes eine
höchst aktuelle politische Angelegenheit zu regeln hat. Ich
glaube, daß keiner von uns denkt, daß die Einsetzung eines
neuen Königs in Israel keine politische Angelegenheit sei.
Darum ist von vornherein das Tun des Samuel mit einer großen
Gefahr verbunden. Wer läßt sich denn gern in seine Karten
pfuschen? Das tut keiner von uns; darum gehen wir ja auch
oft hoch, wenn Gott uns mit seinem Wort getroffen hat. Es
ist uns dann so, als ob uns jemand auf die Zehen getreten
hätte. Samuel weiß, daß der König Saul es sich schwer von
ihm gefallen lassen wird, beiseite gedrückt, von seinem
Thron gestürzt zu werden.
Saul wird sich in seinem großen Haß gegen Samuel, der sich
in seine politischen Angelegenheiten mischt, als Angehöriger
des Volkes Gottes genauso verhalten wie die Heiden auch. Er
wird ihm den schweren Kampf ansagen und wenn es geht, ihn
sogar umbringen.
Ist die Situation heute anders als damals? Wo das Wort
Gottes von Jesus Chriostus als dem Herrn aller Herren
verkündigt wird, da entsteht Feindschaft und Verfolgung, sei
es im entschristlichen Osten, sei es im sogenannten
christlichen Abendland.
So ist es durchaus verständlich, daß Samuel sich dem
Auftrage Gottes gegenüber, nach Bethlehem zu ziehen, wehrt.
Er möchte nicht gern ein Märtyrer werden und sich von Saul
töten lassen. Aber wenn Gott uns einen Auftrag gibt, dann
geht es nicht darum, ob wir es wollen oder nicht, ob wir
Angst haben oder mit Freuden gehen, sondern es kommt darauf
an, daß wir Gott gehorsam werden. Und das dürfen wir
bekennen, trotz des anfänglichen Widerstrebens wird Samuel
doch gehorsam und fragt nicht mehr, was daraus werden kann.
ER ZIEHT NACH BETHLEHEM.
Er steht jetzt im Hause Jesse, aus dem Gott, der Herr, einen
berufen hat zum König, zum Messias, zum Gesalbten. Wir
können uns gut vorstellen, da er ein wenig ratlos ist. Dort
im Hause Jesse oder Isais gibt es eine stattliche Anzahl von
Söhnen. Wo aber ist der neue König Isarels unter ihnen? Er
steht in der gleichen Lage wie die Magier aus dem
Morgenlande, die in Israel zur Zeit der Geburt Jesu fragten:
"Wo ist neugeborene König der Juden?"
Wie die Weisen dahingingen, wo man zuerst einen Königssohn
begrüßen kann, nämlich in das Königsschloß, so denkt Samuel
in Bethlehem:
Selbstverständlich ist der König, der am meisten nach Wuchs
und Gestalt und Reife einen würdigen König abgeben kann. Wir
würden ja alle miteinander ähnlich so urteilen. So kommen
die Söhne Isais vorbei, die würdigsten und stattlichsten
zuerst. Ein Eliab geht an Samuel vorbei, ein Adinadab folgt
und hinter ihm all die anderen Söhne. Und bei jedem erhält
Samuel die Weisung Gottes:
Er ist es nicht, den ich mir zum König von Israel erwählt
habe.
Welch eine Enttäuschung: Der König Israels ist nicht unter
diesen würdigen Söhnen Isais.
Halt, einen Sohn hat Isai nicht vorgeführt. Aber nach seiner
Meinung scheidet er sowieso aus. Er ist ja noch ein
Jüngling, den man unter Männwern nicht für vollnimmt. Er hat
noch seine Flusen im Kopf, seine Dummheiten und Streiche. Er
ist wohl ein lieber Sohn, aber für eine Auswahl zum König
von Israel, nein, dafür kann er nicht in Betracht gezogen
werden.. Als König kann doch nur der in Frage kommen, der
seinen Mann bereits in mancherlei Kämpfen und Entscheidungen
gestanden hat, der bewiesen hat, daß er ein tugendhafter und
gottesfürchtiger Mann ist. Nein, er, der David, ist gerade
am richtigen Platz, die Schafe zu hüten., da kann er noch
seinenjugendlichen Träumen nachgehen. Er kann nach
menschlicher Ansicht und Einsicht keinen würdigen König
abgeben. Über ihn würden sich sonst die Leute geradezu
lustig machen und ihre Nasen rümpfen.
So mögen Samuel selbst und der Vater Isais und alle seine
Brüder gedacht haben. Aber Gottes Pläne sind anders als
unsere Meinungen und Gedanken und Urteile.
Es gilt das Dennoch Gottes, so sagt uns unser Text, daß
gerade den unmündigsten und unwürdigsten Sohn des Isai Gott
zum König von Israel macht, zu seinem Gesalbten, zu seinem
Messias. Wider alle menschliche Einsicht muß Samuel diesen
David zum König salben.
Zu allen Zeiten können wir es beobachten, daß Gott gerade
die zu seinen besten Werkzeugen beruft, von denen wir es am
wenigsten erwartet hatten.
Hier in diesem David erblickt Samuel die neue große Hilfe
Gottes für sein Volk. Nun weiß er, daß sein Volk nicht mehr
verstoßen und verlassen dasteht, sondern daß sein Volk
genauso von Gott geliebt wird, wie es durch die vergangenen
Zeiten hindurch geliebt worden ist.
Wohl wird Samuel gestaunt haben darüber, daß Gott sich
gerade den David zum Retter erwählt hat, aber wenn er es
auch mit seinem Verstand nicht hat verstehen können, so
steht er doch vor diesem Ereignis Gottes voll Lob und Dank
still, denn mit diesem David kommt die Hilfe Gottes zu
seinem Volk. Gott hat sein Volk nicht verlassen. Der Weg ins
Verderben und in den Abgrund hinein ist beendet.
Gott hat recht gehabt, als er ihm zurief:
Traure nicht darüber, daß das Volk Israel durch den
Ungehorsam Sauls hilflos, ohne Recht und Halt hin- und
her-treibt. Alle Not hat ein Ende, der neue König ist da.
War das wirklich eine Hilfe für das Volk Gottes? Darauf
können wir nur freudig bekennen:
In der Tat hat Gott seinem Volk mit der Erwählung des Davids
zum König aus seiner Hilflosigkeit und aus seinem Elend
errettet.
War das DIE Hilfe für das Volk Israel und für die ganze
Menschheit?
Hier können wir nur sagen, daß auch das Königtum Davids
versagt, wie Saul versagt hat.
Der Prophet spricht von dem Gericht über das Haus Davids als
von einem abgehauenen Baumstumpf.
Allerdings war auch das Gericht Gottes über das Haus Davids
nicht das letzte Wort über das Volk Israel.
Da, wo wir alle, Saul und David, unsere Eltern und
Großeltern, du und ich, versagten, wo wir dem sicheren
Abgrund, ohne den König Gottes und ohne den Messias
entgegeneilten, da hielt es Gott in seiner großen Liebe zu
uns Menschen nicht mehr in seiner Herrlichkeit aus und kam
zu uns auf die Erde und wurde so die Hilfe für uns, die nie
enttäuscht. Jetzt endlich haben wir einen, auf den wir uns
100 %-ig verlassen können. Er möchte auch uns heute vor dem
Abgrund und vor dem Verderben bewahren.
Wenn wir unseren Text vergleichen mit dem, was sich beim
Kommen des Sohnes Gottes ereignete, dann stehen wir erstaunt
vor der großen Ähnlichkeit. Hier wie dort ist der Ort des
Geschehens BETHLEHEM. Hier wie dort geht es um das
Geschlecht Isais. Hier wie dort geht es um das Wüten der
Menschen ohne Gott, hier in der Gestalt des zürnenden Sauls,
dort in der Gestalt des tobenden Herodes. Es ist erkennbar
die Wut der irdischen Macht über den neuen König.
Das aber soll genügen, die große Ähnlichkeit des Geschehens
in Bethlehem aufzuzeigen. Wir könnten es durchaus noch
erweitern.
In beidem Geschehen dürfen wir etwas hören von der Liebe
Gottes, die uns sucht und uns nicht ins Verderben laufen
lassen will. Aber das können und dürfen wir sagen:
Unser Text ist nur ein Gleichnis und Zeugnis von der Liebe
Gottes, die sich im Kommen seines Sohnes im Stalle zu
Bethlehem als nicht mehr steigerungsfähig erweist.
SOVIEL SIND WIR GOTT WERT.