Kirchenjahr 1953/54 - 07a -
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum:27/12/1953
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Sonntag nach Weihnachten 1953
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Judas 17 - 25
Skopus: Das Verhalten der Christen in der Endzeit
Kirchenjahr 1953/54 - 7a - Judas 17 - 25
"Ihr aber, meine Lieben, erinnert euch der Worte, die zuvor
gesagt sind von den Aposteln unseres Herrn Jesu Christi, da
sie euch sagten, daß zu der letzten Zeit werden Spötter
sein, die nach ihren eigenen Lüsten des gottlosen Wesens
wandeln. Diese sind es, die da Trennungen machen,
Fleischliche, die da keinen Geist haben. Ihr aber, meine
Lieben, erbauet euch auf euren allerheiligsten Glauben durch
den heiligen Geist und betet, und erhaltet euch in der Liebe
Gottes, und wartet auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesu
Christi zum ewigen Leben. Und haltet diesen Unterschied, daß
ihr euch etlicher erbarmet, etliche aber mit Furcht selig
machet und rücket sie aus dem Feuer; und hasset auch den
Rock, der vom Fleische befleckt ist. Dem aber, der euch kann
behüten ohne Fehl und stellen vor das Angesicht seiner
Herrlichkeit unsträflich mit Freuden, dem Gott, der allein
weise ist, unserem Heiland, sei Ehre und Majestät und Gewalt
und Macht nun und zu aller Ewigkeit! Amen. "

Nun erklang wieder in den vergangeneen Christtagen der Ruf
der Engel:
"Euch ist heute der Heiland geboren."
Die entscheidende Frage nun für uns kann nur lauten, ob wir
diesen Ruf gehört haben, und zwar so gehört haben, daß er
uns genauso gilt, wie er damals den Hirten auf dem Felde
gegolten hat. Die Hirten hatten sich aufgemacht, sie hatten
es sich nicht nehmen lassen, den Heiland der Welt, ihren
Heiland, zu begrüßen und ihm ihre Ehre darzubringen.
Nur wenn es auch bei uns gestern und vorgestern zu einer
Begegnung mit unserem Heiland gekommen ist, können wir
sagen: Wir haben gesegnete Christtage verlebt.
Er, unser Heiland Jesus Christus, jedenfalls hat auf dich
gewartet, hat darauf gewartet, daß wir nicht mehr allein
durch das Leben gehen, sondern uns von ihm dahin führen
lassen, wohin er uns führen will.
Wir können nur immer wieder staunend vor dem Wunder im
Stalle zu Bethlehem stillstehen und Gott danken, daß er uns
so geliebt und in dieser Liebe seinen eigenen Sohn zu uns
gesandt hat. Mit der Geburt des Sohnes Gottes begann das
Leben, das unter der großen Überschrift steht:
Das alles tat ich dir zugut.
Wir kennen das Zeugnis der Heiligen Schrift, wie dieses
Leben, das da in der Hütte begann, am Kreuz auf Golgatha
endete. Das Kreuz war das Ja und Amen zu dem, was in der
Krippe begann. Seit der Zeit gibt es Hoffnung, gibt es Heil
für uns Menschen; seitdem steht die Tür zum Vaterhaus weit
offen. Wir haben wieder den Zugang zu Gott. Es heißt jetzt
nicht mehr von uns:
Weichet von mir, ihr Übeltäter!,
sondern jetzt dürfen wir den Ruf vernehmen:
"Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid!"
Wenn wir am Christfest daran denken, daß Gottes Heilsplan in
der Geburt seines Sohnes begann, so bedeutet es unter keinen
Umständen, daß sich das Christfest in der Erinnerung an die
geschehene Geburt erschöpft.
Wir haben es schon am Anfang bezeugt, daß das Christfest uns
verkündigen soll, daß Jesus Christus auch in unserem Herzen
geboren werden will.
Aber auch das ist noch nicht alles, was uns in dieser
weihnachtlichen Zeit bezeugt werden soll:
Die Geburt unseres Herrn, sein Kommen auf diese Erde will
ein Zeichen dafür sein, daß wir seinem zweiten Kommen
entgegengehen. Unsere Zeit, die eine Zeit der Kirche ist,
lebt zwischen der Geburt und seiner Wiederkunft. Wenn er zum
zweiten Male kommen wird, dann geschieht es nicht in der
Verborgenheit eines Dorfes wie Bethlehem, dann geschieht es
nicht in der Niedrigkeit, sondern dann erscheint er als der
Herr der Welt, dem sich alle Kniee derer beugen müssen, die
im Himmel wie auf Erden sind. Wir alle sind auf dem Wege zu
ihm, dem wiederkommenden Herrn. Wir bekennen doch im
Apostolischen Glaubensbekenntnis:
"Von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und
die Toten."
Niemand mehr wird ihm ausweichen können, alle haben sie vor
ihm Rechenschaft abzulegen.
Wir sind also als Christen dieser Zeit Menschen, die wie die
klugen Jungfrauen dem kommenden Herrn entgegenziehen, um bei
ihm zu sein, wenn er sichtbar vor allen Augen seine
Herrschaft aufrichten wird.
Unser Text nun sagt uns, daß das keine so ganz einfache
Sache ist, dem Herrn entgegenzueilen. Mancherlei Hindernisse
wollen uns abhalten von dem Ziel. Jesus Christus selbst und
seine Apostel haben immer wieder darauf hingewiesen, daß
selbst innerhalb der Gemeinde Menschen auf den Plan treten,
die die Gemeinde stören und zerstören, die uns untüchtig
machen wollen, unser Ziel fest im Auge zu behalten.
Wir brauchen nur an die Jahre des Nationalsozialismus
denken, wo die sogenannten DEUTSCHEN CHRISTEN uns vom
rechten Weg abbringen und an eine Irrlehre verkaufen
wollten. Wie durch ein Wunder hat damals der Herr der
Kirche, Jesus Christus, uns vor dem Abgrund bewahrt. Aber
wenn es jetzt bei uns innerhalb der Kirche so aussieht, als
ob alles in Ordnung sei, so müssen wir doch immer auf der
Hut sein. Der Widersacher geht umher wie ein brüllender Löwe
und sucht Menschen, die er vom rechten Glauben abbringen
kann.
Wir haben ja schon oft von der Verderblichkeit der Sekten,
wie der Zeugen Jehovas oder der Neuapostolen oder der
Adventisten, gehört. Der Judasbrief, aus dem wir als
Predigttext diese unsere Verse zur Predigt genommen haben,
mahnt geradezu zur Wachsamkeit, dabei spielt es keine Rolle,
ob die Gefahr von Sekten oder von einzelnen Menschen kommt,
Es geht immerwieder darum, die Gemeinde Jesu Christi zu
verstören und zu zerstören, sie von ihrem Wege ihrem Herrn
entgegen, abzubringen:
"Ihr aber, meine Lieben, erinnert euch der Worte, die zuzvor
gesagt sind von den Aposteln unseres Herrm Jesu Christi, da
sie euch sagten, daß zu der letzten Zeit werden Spötter
sein, die nach ihren eigenen Lüsten des gottlosen Wesens
wandeln. Diese sind es, die da Trennung machen."
Wir spüren daraus, welche Gefahren uns als Gemeinde, aber
auch uns als einzelne immer wieder bedrohen. Es kann also
nicht darum gehen, einmal im Jahr etwas Weihnachtsstimmung
zu erleben, sondern es geht darum, daß wir jeden Tag neu zu
einer Begegnung mit unserem Herrn kommen. Das Kind in der
Krippe wartet jeden Tag darauf, daß wir es aufnehmen, daß
wir mit unserem ganzen Leben Ja zu ihm sagen. Wir können
keine Salon-Zuschauer an der Krippe sein, sondern es geht
immer darum: Entweder wir folgen dem Rufe des Kindes oder
wir werden zu seinem bittersten Gegner, wie es Herodes
gewesen ist, der diesem Kinde nach dem Leben trachtete. Aber
gerade sind wir alle dabei, dieses Kind als unser Heil in
unserem Herzen aufzunehmen.
Unser Text weiß, daß wir auf unserem Wege, dem kommenden
Herrn entgegen, nicht allein sind, links und rechts neben
uns sind Menschen, die den gleichen Weg gehen. Wir sind als
Christen Glieder der Kirche Jesu Christi. Der Judasbrief
bringt das zum Ausdruck, indem er nicht den einzelnen
Menschen anspricht, sondern die ganze Gemeinde:
"Ihr aber, meine Lieben!"
Was mag es für eine Anweisung sein, die dem wandernden
Gottes Volk gegeben wird, damit es nicht vom rechten Wege
abweicht? Es heißt:
"Ihr aber, meine Lieben, erbauet euch auf euren
allerheiliogsten Glauben durch den heiligen Geist."
Das heißt doch nichts anderes, als daß wir ermahnt werden,
uns gegenseitig zu stützen und zu helfen, in dem wir
einander nicht müde werden, den Grund, den festen Grund,
unseres Glauben zu bezeugen, unseren Herrn und Heiland zu
bezeugen, dessen Geburt wir begehen und dessen Wiederkunft
wir entgegengehen. Und dieses geschieht, indem wir zu Hause
auch die Heilige Schrift aufschlagen, indem wir auf Gottes
Wort im Gottesdienst und in der Bibelstunde hören. Laßt uns
nicht müde werden, in der Heiligen Schrift zu forschen. Aus
ihr vernehmen wir, wie wir allen Anläufen des
Durcheinanderbringers widerstehen können, damit wir unser
Ziel nicht aus den Augen verlieren oder von diesem Ziele
abweichen.
Unsere Epistel gibt uns noch eine Anweisung als Hilfe mit:
"Betet!"
Welch eine Hilfe ist es für die Gemeinde, wenn Menschen
vorhanden sind, die ihre Hände falten und BETEN. Wieviele
Unzufriedene sind hier und da in den Gemeinden, überall wird
herumgemeckert und genörgelt, aber wem fällt es einmal ein,
gerade für die Not oder das Problem, die er meint zu sehen,
die Hände zum Herrn emporzustrecken und ihn um Hilfe zu
bitten.Sind wir nicht weithin Gemeinden geworden, die nicht
mehr beten, die nicht mehr beten können. Welch eine Hilfe
wäre es auch für unsere ganze Verkündigung, wenn wir wüßten,
daß da Menschen sind, die ihre Hände dafür falten, daß hier
von der Kanzel das rechte Zeugnis von Jesus Christus
verkündigt wird.
Ich habe es mir noch vor wenighen Tagen erzählen lassen, daß
zum Beispiel die große Erweckungsbewegung im Ravensberger
Land ihren Ursprung nicht so sehr in dem Erweckungsprediger
VolKening hatte, sondern vielmehr in einem Kreis von Betern,
der nicht müde wurde, Gottes Geist auf ihre Gemeinde
herabzuflehen.
Haben wir schon einmal daran gedacht, Gott zu bitten, daß er
auch in unserer Gemeinde ein neues Verlangen nach Gottes
Wort schenke?!
Helft bitte mit, daß die Schar, die dem Herrn entgegenzieht,
noch größer wird! Begnügt euch nicht mit eurer eigenen
Seligkeit, sondern vergeßt nicht den Mitmenschen in eurer
Nähe, für den Jesus Christus auch geboren, gestorben und
auferstanden ist.
Wenn unser Wort heute sagt:
"Erhaltet euch in der Liebe Gottes und wartet auf die
Barmherzigkeit Jesu Christi zum ewigen Leben!",
so weiß es, daß eine Schar, die von außen so angefeindet
wird wie gerade die christliche Gemeinde, in ihren eigenen
Reihen zusammenzustehen hat, nicht auseinanderbrechen darf.
Und wie kann das anders geschehen, als daß in der Gemeinde
alles in der Liebe geschehe.
Welch eine Freude und welch eine Stärkung ist es jetzt zum
Beispielt, daß die Christen hier bei uns im Westen und dort
im Osten in der Liebe zusammenstehen, sich gegenseitig
unterstützen, ja, aufeinander hören. Ob das nicht auch schon
ein Zeugnis ist von der Liebe Gottes zu allen Menschen
gegenüber den politischen Machthabern, die sich in einem
verkrampften Haß nicht an einen gemeinsamen Tisch setzen
wollen.
Jedenfalls ist die christliche Gemeinde auf ihrem Wege zum
kommenden Herrn gerufen, sich in gegenseitiger Hilfe zu
lieben und zu unterstützen. Es geht ja darum, daß die ganze
Gemeinde zum Ziel kommt, ob es Chinesen oder Deutsche oder
Russen oder Amerikaner sind, spielt dabei keine Rolle. Das
wandernde Volk Gottes aus allen Völkern ist unterwegs.
Diese Liebe hat sich auch dann zu erweisen, wenn jemand
neben uns steht, der strauchelt, der abgleitet, der fällt.
Liebe erweist sich dann darin, daß sie nicht die Nase rümpft
und sich höher dünkt als der Gefallene, sondern Liebe zeigt
sich darin, daß sie sich wie der barmherzige Samariter zu
dem Gefallenen herabneigt und ihm wieder aufhilft. Auch der
Gefallene und Gestrauchelte soll ja noch das Ziel erreichen,
wie jeder andere Christ auch.
Liebe zeigt sich auch darin, daß sie nicht in einer falschen
Weise die Schuld und Sünde zudeckt und sagt: So schlimm wird
es schon nicht sein. Nein, nein, die Liebe läuft nicht mit
geschlossenen Augen herum, sondern sie sieht das Schwarze
schwarz und das Weiße weiß. Sie zeigt auf, wo einer dem
Verderben nahe ist und mahnt, daß der nächste Schritt schon
das Verderben bedeutet. Aber Liebe tut das nicht mit einem
verdammenden Herzen. Liebe zeigt im Gegenteil wieder den
Weg, wie der Mensch, der dem Verderben nahe ist, aus dem
Verderben herausfindet, damit er wieder dem Herrn
entgegeneilen kann:
"Haltet, daß ihr etliche mit Furcht selig machet und rücket
aus dem Feuer."
Rechte Liebe, die sich um den anderen müht, vergißt aber in
keinem Fall die Gefahr, in die sie selbst kommen kann. Wer
sich um den am Boden liegenden Gefallenen und Gestrauchelten
bemüht, um den, der im Schmutz und Dreck und Elend dieses
Lebens liegt, muß auf der Hut sein, daß er selbst nicht in
den Schmutz gezogen wird, daß er selbst nicht strauchelt.
Der Gestrauchelte soll und muß unsere ganze Liebe erfahren,
aber seine Schuld und Sünde haben wir zu hassen wie die
Pest, damit haben wir nichts zu tun.
Wir haben nicht in den Verfehlungen und Vergehen des anderen
herumzuwühlen, sondern wir haben mitzuhelfen, sie auf die
Schultern unseres Herrn abzuladen. Da haben sie ihren Platz.
Er, der Herr, ist es auch allein, der uns bewahren kann vor
dem Straucheln und vor dem Fallen:
"Er kann euch behüten, daß ihr vor ihm ohne Fehl seid."
Wir kommen von der Krippe im Stalle zu Bethlehem und sind
nun auf der Wanderschaft als Volk Gottes, dem 2. Kommen
unseres Herrn entgegen. Unsere Wamderschaft ist durch
mancherlei Anfechtungen bedroht, aber durch den heiligen
Geist werden wir immer wieder gestärkt, da wir diese
Wanderscahft als Kirche Jesu Christi fortsetzen können.
Durch den heiligen Geist bekommen wir auch die Liebe
geschenkt, die sich des Strauchelnden und Gefallenen annimmt
und ihnen hilft, auch das Ziel der Wanderschaft zu
erreichen.
So werden wir dann einst, wenn die Stunde kommt, unseren
Herrn sehen von Angesicht zu Angesicht, er, der Herr, in
seiner ganzen Herrlichkeit. Und wir werden mit der gesamten
Christenheit vor ihm niederfallen und ihm allein die Ehre
geben:
"Dem Gott, der allein weise ist, unserem Heiland, sei Ehre
und Majestät und Gewalt und Macht nun und zu aller
Ewigkeit."