Kirchenjahr 1952/53 - 27 -
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum:04/10/1953
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Aldea Protestante, 2-2-1957
Camarero, 2-2-1957
Reffino, 10-2-1957
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Erntedankfest 1953
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Offenbarung 14, 14 - 19
Skopus: Ernte = Gericht
Kirchenjahr 1952/53 - 27 - Offenbarung 14, 14 - 19
"Und ich sah, und siehe, eine weiße Wolke. Und auf der Wolke
saß einer, der gleich war eines Menschen Sohn; der hatte
eine goldene Krone auf seinem Haupt und in seiner Hand eine
scharfe Sichel. Und ein anderer Engel ging aus dem Tempel
und schrie mit großer Stimme zu dem, der auf der Wolke saß:
Schlag an mit deiner Sichel und ernte; denn die Zeit zu
ernten ist gekommen, denn die Ernte der Erde ist dürr
geworden! Und der auf der Wolke saß, schlug an mit seiner
Sichel an die Erde, und die Erde ward geerntet. Und ein
anderer Engel ging aus dem Tempel im Himmel, der hatte eine
scharfe Hippe. Und ein anderrer Engel ging aus dem Altar,
der hatte Macht über das Feuer und rief mit großem Geschrei
zu dem, der die scharfe Hippe hatte und sprach: Schlag an
mit deiner scharfen Hippe und schneide die Trauben am
Weinstock der Erde; denn seine Beeren sind reif! Und der
Engel schlug an mit seiner Hippe an die Erde und warf sie in
die große Kelter des Zornes Gottes."

Das heutige Erntedankfest weist uns auf das hin, was wir am
vergangenen Sonntag im Gottesdienst gehört haben:
Gott will uns unser tägliches Brot schenken.
Nun ist es soweit. Größtenteils sind die Felder abgeerntet,
die Früchte des Feldes eingebracht. Gott, der Herr und
Schöpfer, hat es wieder wahrgemacht, daß er für uns sorgt.
Darüber besteht doch bei uns keine Unklarheit, daß von der
Ernte rings um uns her und auf der weiten Welt, hängt es ab,
wie wir in den kommenden Wochen und Monaten werden leben
können. Wir dürfen jetzt froh und getrost sagen, die vielen
Arbeiten und Bemühungen auf den Feldern und Äckern sind
nicht umsonst gewesen, Gott hat uns seinen Segen nicht
vorenthalten.
Wie könnten wir an solch einem Tage anders als voll Lob und
Dank zu unserem Schöpfer schauen.
Unser Text läßt uns allerdings dabei nicht stille stehen,
sondern lenkt unseren Blick und unsere Gedanken hin zu einem
anderen Erntetag, zu dem Erntetag, da unser Herr Jesus
Christus selbst der Herr der Ernte ist.
Der Ackersmann, der den Samen aufs Land streut, weiß, daß
sein ganzes Sorgen und Mühen um die Saat nur ein Ziel, nur
eine Ausrichtung, kennt:
Der Erntetag, da er die Früchte einholen darf.
Haben wir aber nicht längst vergessen, -oder wissen wir es
noch nicht?- daß auch Gott bei all seinen Bemühungen um
einen jeden einzelnen von uns, ebenfalls nur ein Ziel, eine
Ausrichtung, kennt, an seinem großen Erntetag, am Jüngsten
Tage, ernten zu können.
Gottes Wort ruft uns heute zu:
Richte dein Leben, richte dein Tun und Lassen auf diesen
Erntetag Gottes ein!
Und unser Leben steht unter der großen Überschrift, daß der
Tag kommen wird, da es so lauten wird, wie in unserem Text:
"Schicke deine Sense und ernte, denn die Zeit zu ernten ist
gekommen!"
Von verschiedenen Seiten will uns dieses Ziel und diese
Ausrichtung unseres Lebens genommen werden. Unwesentlich ist
es dabei, ob uns gesagt wird:
Koste dein Leben auf dieser Erde bis zur letzten Neige, denn
morgen bist du tot und dann ist alles aus, oder ob uns
ebenfalls gesagt wird, das Zeugnis vom Jüngsten Tage sist
ein Märchen der damaligen Zeit.
Wir aber wollen es uns an das Zeugnis der Heiligen Schrift
halten und wirklich gesagt sein lassen:
Wir gehen dem großen Erntetag Gottes entgegen. Der Erntetag
kommt und wir werden gefragt, ob wir in unserem Leben Tag
für Tag, Stunde für Stunde, damit rechnen und unser Leben
daraufhin ausrichten.
Unser Wort sagt uns auch in seiner bildhaften Sprache, was
an diesem Jüngsten Tag auf uns wartet. Es spricht davon, daß
einmal die Gemeinde, das Volk Gottes, in das Haus des Vaters
an die große Festtafel gerufen wird. Von dieser großen
Festtafel ist ja im Gleichnis vom großen Abendmahl die Rede.
An dem Erntetag Gottes zieht die Gemeinde singend und
dankend und anbetend ins Vaterhaus ein, eine Schar, die
durch alle Anfechtungen und Sorgen den Glauben bewahrt hat:
"Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen."
Es spricht aber auch davon, daß da eine andere Schar sein
wird, die dem furchtbaren Gericht mit dem ewigen Tod
entgegengehen wird, eine Schar, die den Ruf Gottes in den
Wind geschlagen hat und meinte, so leben zu können, als gäbe
es keinen Gott, als gäbe es keinen Erntetag Gottes.
Wir sagten schon, die Entscheidung, zu welcher Schar wir
gehören werden, fällt bereits in unserem Leben hier auf
dieser Erde, in unserem Tun und Lassen, genauso wie ja
unsere Ernte davon abhängt, wie das Pflänzlein bis zur Ernte
gedeiht. Die Entscheidung des Jüngsten Tages ist eine
endgültige, es gibt kein Zurück mehr.
Wenn wir das so hören, daß am Erntetag eine Schar in das
ewige Leben einzieht und die andere ins ewige Verderben,
dann doch nur deshalb, damit uns ganz deutlich wird, der Weg
ins Verderben hinein ist ein Weg, der für uns nicht in Frage
kommt.
Gott, der Herr, hat uns alle dazu bestimmt, zu der Schar zu
gehören, die ihm, dem kommenden Herrn Jesus Christus, dem
Herrn des großen göttlichen Erntetages als die erlöste, aus
dem Gericht herausgerettete Schar, entgegenzieht.
Welch eine köstliche Botschaft ist das. Es gibt keinen
Menschen unter uns, ganz gleich, ob er daran zweifelt oder
ob er infolge seiner Schuld sich ausgeschlossen fühlt, es
gibt keinen Menschen unter uns, der nicht von Gott dazu
bestimmt wäre, den Weg des Lebens zu gehen. Wir alle dürfen
zu der Schar der Erlösten gehören.
Wir dürfen also unser Leben jetzt führen im Hinblick auf den
großen Erntetag Gottes, das heißt dann doch für uns:
Von der Freude und von dem Glanz des großen Erntetages fällt
aus dem Vaterhaus ein hellfer Schein heute bereits auf
unseren Weg. Wir dürfen unser Leben führen im Lichtschein
und in der Freude der kommenden Erlösung.
Wir brauchen als solche, die den Freudenruf schon vernehmen,
nicht als griesgrämige Menschen durch das Leben gehen. Unser
Leben, das oft durch mancherlei Nöte und Sorgen und Ärger zu
erbittern droht, darf sich wieder entkrampfen, es darf sich
von Herzen freuen. Was sind schon alle die Nöte und Sorgen
im Verhältnsis zu dem, was unser wartet.
In unser Leben strahlt die helle Sonne der Freude und gibt
uns Mut und Kraft, treuer in allen Entscheidungen unseres
Lebens nach unserem Herrn zu fragen.
Da, wo das Wiort vernommen wird:
"Erhebet eure Häupter, darum, daß sich eure Erlösung naht!",
da weicht alle Angst und Traurigkeit dieser Welt. Glaubt es
mir, das merken dann auch unsere Eltern und unsere
Geschwister und unsere Kinder, das merken ebenfalls unsere
Freunde und Nachbarn und Bekannte.
Ob nicht der Gottes Verächter Nietzsche dieses besser
erkannt hatte als wir, wenn er sagte:
"Die Christen müßten erlöster aussehen, wenn ich auch an
diesen Jesus Chritsus glauben sollte."
Vielleicht sprechen insgeheim viele in Hassel in derselben
Weise:
Wenn ich an diesen Jesus Christus glauben sollte, dann
müßten die, sich hier zur Gemeinde halten, erlöster aussehen
und erlöster handeln.
Gottes Wort möchte uns heute diese Freude schenken, Gott zu
danken für unsere Berufung zum großen Abendmahl in seinem
Vaterhaus am Jüngsten Tage. Wir dürfen Gott danken, daß wir
an der Feier des Heiligen Abendmahls etwas schon heute von
dieser Freude geschenkt bekommen. Wir dürfen aber auch Gott
dafür danken, daß er auch wieder in diesem Jahre uns in
seiner Güte und Barmherzigkeit das geschenkt hat und noch
schenken will, was wir zum Leben brauchen.
Dank gegen Gott für seine unausprechliche Gabe bleibt aber
kein Lippenbekenntnis, bleibt kein Stammeln im leeren Raum,
sondern der Dank gegen Gott findet seinen Ausdruck darin,
daß wir diese Güte und Traue Gottes anderen Menschen, die
diese Freude noch nicht erfahren haben, weitersagen und
weitergeben. Dank gegen Gott aber findet auch seinen
Ausdruck, daß wir von dem, womit uns Gott unsere Hände
gefüllt hat, etwas angefüllt hat, - nein, nein, das kann ich
mir garnicht vorstellen, das ist einfach unmöglich, daß Gott
geizig ist, daß er uns nur sehr sehr wenig in die Hand
gegeben hat, zu wenig, um selbst leben zu können und erst
recht zu wenig, etwas davon an andere weiterzugeben. Nein,
unser Gott füllt unsere Hände immer so, daß wir ohne Schaden
auch dem, der in Not ist, etwas abgeben können.
Heute begehen wir den Erntedanktag. Ob wir ihn wirklich
feiern, zeigt sich darin, wieviel wir zum Beispiel an
Lebensmitteln in weniegen Tagen unseren Brüdern und
Schwestern in der Ostzone zuschicken können. Ob wir heute
wirklich danken können, das wird sich zeigen, wieviel wir am
Ausgang dieses Gottesdienstes in die Kollekte tun, die
ebenfalls für die Brüder und Schwestern der Ostzone bestimmt
ist, die große Not leiden.
Wollen wir also Erntedankfest feiern? Ach, laßt uns nicht
fragen, sondern danken wir wirklich Gott für seine Gaben!