Kirchenjahr 1952/53 - 26 -
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum:20/09/1953
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:16. Sonntag nach Trinitatis 1953
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:2. Korinther 1, 3 - 7
Skopus: Trost im Leiden
Kirchenjahr 1952/53 - 26 - 2. Korinther 1, 3 - 7
"Gelobt sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi,
der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns
tröstet in aller unserer Trübsal, daß auch wir trösten
können, die da sind in allerlei Trübsal, mit dem Trost,
damit wir getröstet werden von Gott. Denn gleichwie wir des
Leidens Christi viel haben, also werden wir auch reichlich
getröstet durch Christum. Wir haben aber Trübsal oder Trost,
so geschieht es euch zugute. Ist's Trübsal, so geschieht es
euch zu Trost und Heil; welches Heil sich beweist, so ihr
leidet mit Geduld, dermaßen, wie wir leiden. Ist's Trost, so
geschieht auch das euch zu Trost und Heil; und unsere
Hoffnung steht fest für euch, dieweil wir wissen, daß, wie
ihr des Leidens teilhaftig seid, so werdet ihr auch des
Trostes teilhaftig sein."

"Immer fröhlich, immer fröhlich, alle Tage Sonnenschein!",
so stellen sich viele das christliche Leben vor. Das ist
aber auch nur zu natürlich, tragen wir alle doch diese
Sehnsucht nach einem Leben voller Glück und voller
Sonnenschein in unserem Herzen. Haben wir nicht wenigstens
ein wenig recht, von Gott ein kleines Entgegenkommen zu
erwarten, wenn wir an ihn glauben, wenn wir zu ihm beten.
Für viele von uns besteht die Gefahr, daß der Glaube so
etwas ist wie ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Wir geben
Gott den Glauben und er gibt uns dafür ein Leben ohne Sorgen
und ohne Kummer. Ist es bei einer solchen Haltung
verwunderlich, daß viele Menschen, die sich voll
Begeisterung zur Kirche hielten, nun sich enttäuscht
abwenden, weil ihre große Sehnsucht nach Glück und nach
eienem herrlichen Leben nicht erfüllt wurde.
Ach, es ist erstaunlich, wie solch eine Meinung vom Glauben
an Gott immer wieder aufkommen kann, als ob unser Glaube der
Garantieschein für ein sorgenfreies Leben wäre.
Wie kann es dazu kommen, daß ein Christ in seiner Jagd nach
dem Glück im Fußball-Toto spielt und jedesmal Gott dabei
bittet, daß doch sein Tip den Hauptgewinn bekommen möchte,
als Belohnung wolle er einen Teil des Gewinnes für einen
nützlichen Zweck stiften.
Tun wir nur nicht so, das gibt es auch hier bei uns in
Hassel; tun wir nur nicht so, als ob es unter uns nicht die
Frage an Gott gibt:
Warum bin gerade ich es, der soviel zu erdulden und zu
erleiden hatte; warum ist mein Leben nicht voller
Sonnenschein?
Insgeheim sind wir alle so geartet, daß wir von Gott etwas
erwarten, was er uns nicht versprochen hat. Nein, nein,
Gott, der Herr, pfeift auf einen solchen Glauben, der mit
ihm ein Geschäft machen möchte, sei es ein weltliches oder
ein frommes Geschäft.
Gott läßt nicht mit sich handeln. Man faßt sich immer wieder
an den Kopf und fragt sich, wie es kommen kann, daß
Menschen, die vielleicht Sonntga für Sonntag in den
Gottesdienst kommen, Gott noch immer als Handelspartner auf
Gegenseitigkeit ansehen, denn das eine steht doch fest, die
Heilige Schrift läßt eine solche Möglichkeit nicht offen.
Wir sehen aus unserem heutigen Text, daß gerade den Christen
statt der Tage voller Sonnenschein Tage voller Nöte, Sorgen,
Anfechtungen und Trübsale, erwarten. Unser Apostel Paulus
ist das beste Beispiel dafür, was auf einen Christen wartet,
Schläge, Gefängnis, Anfeindung, Steinigungen. Unendlich lang
ist die Liste der Trübsale, die Paulus zu erleiden hatte. Er
erinnert uns geradezu daran, daß es einen Christen ohne
Leiden und ohne Anfechtung garnicht geben kann. Sind wir
denn mehr als unser Herr Jesus Christus, der den bittersten
Leidensweg bis zum Verbrechertod am Kreuz ging?
In der Nachfolge hinter Jesus Christus her, geht es immer
durch Leiden hindurch. Wir könnten doch jetzt als Menschen,
die im Westen wohnen, fragen, gilt das denn für uns auch?
Ja, im Osten, da ist es anders, da werden die Christen noch
um des Glaubens willen verfolgt, aber bei uns wird nicht nur
das Christentum vom Staat in Schutz genommen, sondern sogar
gefördert. Allerdings müssen wir in allem Ernst wissen:
Fange einmal einmal an, da wo du stehst, in der Familie, an
der Arbeitsstelle, in deiner Partei, sei es die CDU, die SPD
oder eine sonstige, fange da einmal an, dich zu dem zu
bekennen, wer dein Herr und Heiland ist! Fange doch einmal
da an, zu sagen, was Jesus Christus auch heute noch von uns
will. Und zu solch einem Dienst für Jesus Christus sind wir
alle aufgerufen.
Ein Christ, der seinen Glauben nur im stillen Kämmerlein
hinter verschlossenen Türen praktiziert und zu feige ist,
für seinen Herrn auch in aller Öffentlichkeit zu zeugen, der
kann mit seinem Glauben einpacken, denn er ist hohl und
faul. Fange aber wirklich einmal an, deinen Herrn zu
bezeugen, dann wirst du erleben, wie auch du hier im Westen
etwas von der Christusfeindschaft deines Volkes zu spüren
bekommst. Ob Verleumdungen im Westen nicht manchmal
schlimmer sind als Verhaftungen im Osten? Ob das
Verschrieenwerden als ein christlicher Fantast nicht genauso
schlimm ist wie der Vorwurf der Rückständigkeit?
Wo echtes Zeugnis von Jesus Christus laut wird, da regt sich
auch der Widerstand. Wo das nicht der Fall ist, wo der
Glaube einen Bund geschlossn hat mit Weltanschauungen oder
Ideen oder Parolen und darum gefördert und beschützt wird,
da stimmt etwas nicht am Zeugnis von Jesus Christus, da
kommt Jesus Christus selbst nicht mehr zu Wort. Ein jeder
Christ steht in dieser Welt im Leiden. Das ist unser Weg
hinter Jesus Christus her.
Hüten wir uns, aus Angst oder aus Feigheit, uns drücken zu
wollen. Jede Flucht vor dem Leiden ist Flucht von Jesus
Christus weg.
Der Apostel Paulus zeigt uns in unserem Text, daß das Leiden
nicht zusammenzuhängen braucht mit einem Stöhnen und Seufzen
darüber. Paulus kann mitten in der Trübsal um Jesu Christi
willen, mitten in einer Verfolgungszeit, etwas, was wir
selbst in Ruhe und Frieden kaum können. Er kann Gott loben
und danken:
"Gelobt sei Gott!"
Er weiß, daß selbst, wenn alles um ihn her einzustürtzen
droht und er keinen Ausweg sieht, er dennoch nicht allein
ist. Ein Christ, der hinter Jesus Christus her geht und
seinen Worten traut, ist niemals, selbst in der größten Not
nicht, allein. Jesus Christus, in der Gestalt des
barmherzigen Samariters, geht mit uns, die wir hart
mitgenommen wurden, und läßt uns nicht im Stich. Er bückt
sich zu uns hernieder und verbindet unsere Wunden und sorgt
für uns.
Wie oft hat schon Paulus, wie oft haben es die Jünger Jesu
schon erleben dürfen, daß ihr Herr sie nicht zerschlagen und
halbtot liegengelassen hatte, sondern mitten in dr Not war
er bei ihnen und half.
Hören wir es doch recht gut. Alle Angst, die wir haben vor
den Angriffen und Anfeindungen und Verfolgungen und
Verleumdungen, die auf uns einstürmen, wenn wir den Herrn
bekennen, ist nicht nötig, ist umsonst; er ist bei uns mit
seiner ganzen Hilfe, mit seinem ganzen Trost.
"Denn gleichwie wir des Leidens Christi viel haben, also
werden wir auch reichlich getröstet durch Christum."
Für Paulus ist diese Hilfe, dieser Trost durch den
barmherzigen Samariter, durch den, der selbst vom Himmel
herabgestiegen ist, eine solch herrliche Sache, daß er
darüber das Stöhnen und Seufzen über all die Leiden vergißt
und nur danken kann.
Wir haben gehört, daß sie alle, die vor wenigen Wochen aus
den Gefängnissen der Ostzone, wo sie um ihres Glaubens an
Jesu Christi willen, entlassen wurden, in ihrer Freiheit
wiederum nichts anderes tun konnten, als den Mund zu öffnen
und ihren Herrn zu bezeugen.
"Wir können ja nicht schweigen, sondern müssen reden von
dem, der soviel Großes auf dieser Erde tut."
Gibt uns nicht das, was unsere Brüder und Schwestern in der
Ostzone taten, nicht neuen und frischen Mut, jetzt endlich
an dem Platz, wo wir hingestellt sind, den Herrn zu
bekennen, endlich einmal ernst zu machen mit der Nachfolge
hinter Jesus her. Sie alle, die vor den Gerichten gestanden
haben, die in den Gefängnissen gesessen haben, sie alle
bezeugen in großer Freude:
Der Herr war und ist nahe denen, die seinen Namen bekennen.
Paulus kann geradezu auch auf den Trost Gottes hinweisen,
den er mit seinen Getreuen mitten in allen Verfolgungen
geschenkt bekommen hat und die Korinther auffordern, ja
keine Angst zu haben vor den Folgen, die das Bekenntnis zu
Jesus Christus mit sich bringen. Er ist fest davon
überzeugt, daß genauso, wie der Herr in den Verleumdungen
und Angriffen ihm nahe war, so wird er auch den Korinthern
nahe sein. Unsere Brüder und Schwestern aus der Ostzone
rufen uns zu:
Habt keine Angst, den Herrn Christus zu bekennen! Ihr werdet
dabei nicht allein gelassen, sondern ihr werdet es genauso
wie wir erleben, daß der Herr mit seinem Trost nahe ist.
Paulus kennt die Gemeinde zu Korinth. Er kennt alle
einzelnen Glieder mit Namen. Er kennt ihre Schwächen und
kennt ihre AusfLüchte und ihre Hemmungen, dennoch hat er die
große Hoffnung, daß die korinthische Gemeinde, die Christen
zu Korinth, ihrem Herrn nicht die Treue brechen. Er weiß,
daß der Herr selbst durch die Reihen der Korinther geht und
einem jeden die Kraft gibt, bei Jesus Christus, bei ihm als
Apostel, und bei ihrer Gemeinde auszuhalten, mag da kommen,
was da wolle.
Wir dürfen auch über unsere Gemeinde, über einen jeden
einzelnen von uns, die Hoffnung haben, daß er nun nicht mehr
ängstlich schweigt, wenn ihm jemand entgegenruft:
Wie, du gehst auch noch zur Kirche?
Wir dürfen auch bei uns die Hoffnung haben, daß wir, wenn
wir aufgefordert werden, irgendein krummes Ding zu drehen,
sagen:
Das kommt nicht in Frage, damit würde ich den Herrn
verleugnen.
Auch wir dürfen die Hoffnung haben, daß, wenn um uns her
etwas geschieht, was gegen Gottes Gebot ist, nun endlich den
Mund auftun und in aller öffentlichkeit solch einem Tun ein
Halt entgegenrufen. Wir dürfen auch bei uns die Hoffnung
haben, daß wir nun endlich nicht einfach alles glauben, was
sich als christlich anpreist, sondern endlich dazu
übergehen, die Geister zu prüfen, und den antichristlichen
Mächten ein WEICHT VON UNS! entgegenzuschleudern.
Wir dürfen das hoffen, weil wir keine Angst haben brauchen
vor den Folgen, denn Jesus Christus, unser Herr, ist uns
nahe, auch wenn wir um dieser Dinge willen leiden müssen.
Ja, wir werden es dann erleben, daß wir mit Paulus solch
einen Trost und eine solche Barmherzigkeit erfahren, die uns
aussprechen lassen:
"Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der
Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes.