Kirchenjahr 1952/53 - 24 -
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum:30/08/1953
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:13. Sonntag nach Trinitatis 1953
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:1. Johannes 4, 1 - 6
Skopus: Prüfet die Geister
Kirchenjahr 1952/53 -24- 1, Johannes 4, 1 - 6
" Ihr Lieben, glaubet nicht einem jeglichen Geist, sondern
prüfet die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind
falsche Propheten ausgegangen in die Welt. Daran sollt ihr
den Geist Gottes erkennen: ein jeglicher Geist, der da
bekennt, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der
ist von Gott; und ein jeglicher Geist, der da nicht bekennt,
daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist
nicht von Gott. Und das ist der Geist des Widerchrist, von
welchem ihr habt gehört, daß er kommen werde, und er ist
jetzt schon in der Welt. Kindlein, ihr seid von Gott und
habt jene überwunden; denn der in euch ist, ist größer, als
der, der in der Welt ist. Sie sind von der Welt; darum reden
sie von der Welt, und die Welt hört sie. Wir sind von Gott,
und wer Gott erkennt, der hört uns; welcher nicht von Gott
ist, der hört uns nicht. Daran erkennen wir den Geist der
Wahrheit und den Geist des Irrtums."

Die Mahnung unseres Textes "Prüfet die Geister!" setzt
voraus, daß es im Raum der christlichen Kirche, innerhalb
der Christenheit, eine Menge Geister und Geistesbewegungen
gibt, die alle mit dem Anspruch auftreten, der rechte Geist
der Christenheit zu sein.
Daß das so ist, ist nicht nur die Wirklichkeit der Gemeinde
und der Kirche von damals, sondern ist in der gleichen Weise
auch die Wirklichkeit von heute.
Wo wir hinhören und hinsehen, überall kommen uns biblische
und christlioche Wörter entgegen und zeigen mit dem Finger
in eine bestimmte Richtung und fordern uns auf, diesen von
ihnen bezeichneten Weg zu gehen, dort sei das Heil für uns
zu finden.
Wenn wir noch näher zuschauen, dann stellen wir in
erschreckender Weise fest, wie alle diese Wegweisungen
geradezu in entgegengesetzte Richtungen zeigen. Da ziehen
die Propheten der Zeugen Jehovas und der neuapostolischen
Sekte von Haus zu Haus und preisen mit der Bibel in der Hand
ihre Botschaft an. Neuerdings geschieht das auch durch
Lautsprecher auf den Straßen. Manch einem von uns wird es in
den Gesprächen mit ihnen so ergangen sein, daß er beschämt
dastand und mit all den Bibelstellen nichts anzufangen wußte
und kaum auf das Gesagte etwas erwidern konnte, weil seine
Kenntnisse in der Heiligen Schrift sehr stümperhaft sind.
Vielleicht wird es manchem ganz insgeheim sogar so ergangen
sein, daß er sich fragte, sollten diese Propheten nicht doch
recht gehabt haben?
Oder da pries nach dem Kriege der Amerikaner Frank Buchman
in seiner "Bewegung für moralische Aufrüstung" uns Deutschen
einen Geist an, den er uns als christlich anpries und dem
dann auch viele Christen verfielen:
Er meinte, mit ein paar Moralin-Spritzen uns Deutschen, die
wir uns durch die Zeit des Nationalsozialismus unser
moralisches Rückgrat haben zerbrechen lassen, wieder auf die
Beine stellen zu können. Seine Parole lautete: Wenn du
willst, daß es auf der Welt besser werden soll, dann mußt du
dich selbst bessern.
Nicht wahr, es klingen da Gedanken an, die sehr christlich
erscheinen, wie zum Beispiel Bekehrung und Sinnesänderung.
Oder denken wir daran, wieviele Gruppen und Vereine sich
christlich nennen. Christlich zu sein gehört heute zum guten
Ton und man möchte doch nicht als kommunistisch verschrieen
werden. Christliche Programme und Weltanschauungen bieten
sich uns als allein seligmachend an und erwarten, daß wir
sie unterstützen.
In dem augenblicklichen Wahlkampf gibt es kaum eine Partei,
die nicht von sich behauptet, sie wolle das christliche
Abendland vor dem Abgrund retten. Und ganz besonders
behaupten sogenannte christliche Politiker öffentlich:
Daran, daß ihre Partei in den vergangenen Jahren Erfolge
gehabt habe, kann jedermann erkennen, daß Gott gerade ihre
Partei gesegnet habe und Gott auch weiterhin mit ihnen sein
werde. - Wir haben schon längst wieder vergessen, daß Adolf
Hitler eine ähnliche Theologie vertreten hat.
Oder denken wir an die vielen Richtungen in der
Christenheit. Da gibt es neben der Landeskirche die
verschiedenen Gemeinschaften, freikirchlicher und
kirchliocher Art und in irghendeiner Weise hören wir von
überall her: Kommt zu uns! Allein bei uns findet ihr euer
Heil! Allein wir können euch den rechten Weg zu Christus
zeigen, allein bei uns ist der christliche Geist zu Hause.
Wenn wir so einmal bei uns selbst und um uns das alles
bedenken, dann wankt nur zu leicht der Boden unter unseren
Füßen und wir fragen:
Bin ich hier richtig, oder habe ich mich in der Haustüre
vertan?
Unser Text warnt uns von vornherein:
"Glaubet nicht einem jeglichen Geist, sondern prüfet die
Geister!"
Das heißt doch: Nehmt nicht alles einfach als christlich an
was sich christlich gibt oder sich christlich nennt, sondern
PRÜFET!. Schauet euch alle sogenannten Christentümer aufs
Kritischste an, damit ihr nicht ohne darüber nachzudenken,
außerhalb der christlichen Kirche steht.
Ein Christ ist immer ein kritischer Christ und kein
leichtgläubiger Stoffel, der vor dem Wort CHRISTLICH in
Ehrfurcht erschauert und mit verbundenen Augen christlichen
Parolen folgt.
Unser Text weiß, woher es kommt, daß wir vor so vielen
Geistern nicht mehr erkennen können, wo der eine Heilige
Geist am Werke ist.
Der Widersacher selbst, der sich meisterhaft christlich zu
tarnen versteckt, schickt seine Propheten mitten unter uns,
um Unheil und Unruhe zu stiften.
Wo also fromm, wo geistlich, oder wo christlich geredet
wird, ist noch nicht der Erweis erbracht, daß dort der
Heilige Geist wirkt, sondern es kann dort genau so gut der
Geist des Widersachers am Werke sein. Von daher ist es doch
nicht von ungefähr, daß unser Text uns auffordert:
"Prüfet die Geister!"
Man muß da noch hinzufügen:
Bei eurer Seelen Seligkeit, prüfet die Geister, damit ihr
nicht, ehe ihr euch versieht, auf der Seite des Gegenspieler
Gottes steht, auf der Seite der falschen Propheten.
Wenn das eine solch ernste Sache ist, wenn sich der Teufel
selbst in einem christlichen Mäntelchen in unsere Reihen
hineinschleichen kann, dann haben wir wahrhaftig auf der Hut
zu sein. Dann haben wir alle miteinander uns von unserem
Text fragen zu lassen, ob wir, jeder einzelne von uns, in
all unserem Tun und Lassen, am Sonntag und im Alltag, im
stillen Kämmerlein und an der Drehbank, handeln im Heiligen
Geist, ob wir also auf der Seite Gottes stehen?
Dasselbe gilt gilt auch von uns als Gemeinde, in allem, was
wir hier tun und was wir nicht tun. Stehen wir auf der
Seite, an dem Platz, da der Heilige Geist am Werke ist? Nur
dann dürfen wir getrost unsere Straße weiterziehen, auf der
wir uns befinden.
Unser Text läßt uns glücklicher Weise in dieser unserer Not
nicht allein. Er zeigt uns klar und deutlich, wo der rechte,
wo der einzig rechte Weg ist. Und er zeigt uns, woran wir
erkennen können, welche Wegweiser, die wir sehen, in den
Abgrund führen.
Woran allein können wir erkennen, ob der Heilige Geist, der
Geist Gottes des Vaters, der Geist Jesu Christi, seine
Herrschaft ausübt?
Unser Text sagt es uns so:
"Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeglicher
Geist, der da bekennt, daß Jesus Christus ist in das Fleisch
gekommen, der ist von Gott."
Da ist also der Heilige Geist zu Hause, wo er Zeugnis gibt
von Jesus Christus, und zwar in der Weise, daß der Sohn
Gottes nicht irgendeine Idee vom Guten im Menschen gewesen
ist, daß der Sohn Gottes nicht eine christliche
Weltanschauung gewesen ist, auch kein Hirngespinst
verrückter Menschen, sondern da ist der Heilige Geist am
Werk, wo gepredigt und wo verkündigt wird:
Gottes Sohn ist unser Bruder geworden; er hat sich neben uns
gestellt, ist dann an unserer Stelle wie ein Verbrecher am
Kreuz auf Golgatha gestorben.
Das ist eine harte Wirklichkeit des Sohnes Gottes mitten
unter uns, von uns geknechtet und gemartert und verspottet
und von uns ans Kreuz geschlagen und dennoch steht über
seinem Leben das eine Wort: FÜR DICH UND FÜR MICH!
Wo Jesus Christus verkündigt wird als Gottes Sohn, der
Mensch geworden ist, da wird es ganz ernst gemacht mit dem,
was wir sind.
Jesus Christus, der Sohn Gottes, mußte als Mensch auf dieser
Erde so leiden und sterben, weil wir vor Gott uns als
Rebellen, als Gottes Lästerer, als Verbrecher, erzeigt
haben, die nichts anderes als den Tod verdienten.
Wo der Heilige Geist wirksam ist unter uns oder in
irgendeiner anderen Gemeinschft, da gibt es auch das, daß
Menschen vor Gott stehen und ihre Augen tief zu Boden
schlagen und bekennen:
Ich armer, elender Mensch, ich habe gesündigt und übles vor
dir getan, ich bin nicht mehr wert, daß ich dein Kind heiße.
Hier an diesem Punkte ist die Prüfung der Geister anzusetzen
und hier ist zu erkennen, ob der Geist Gottes lebendig ist.
Schauen wir uns doch einmal die Beispiele an, die wir am
Anfang unserer Predigt erwähnt haben.
Nach der Lehre der ERNSTEN BIBELFORSCHER ist der Mensch
nicht schuldig vor Gott. Daß er noch schlecht erscheint, ist
nur ein Konstruktionsfehler Gottes. Gott hat den Menschen
falsch geschaffen, nicht vollständig erschaffen.
Denken wir an die Sekte der NEUAPOSTOLEN. Sie sagen: Nicht
auf die Erkenntnis unserer Schuld vor Gott kommt es an,
sondern darauf, daß wir ihre jetzt lebenden sogenannten
Apostel als Stellvertreter Gottes anerkennen. Die Lehre der
Moralischen Aufrüstung weiß nichts von der Schuld des
Menschen, sie weiß nur davon, daß er sich aus eigener Kraft
wieder aus dem Sumpf und Schmutz herausretten kann.
Wehe, wenn man denen, die vom christlichen Abendland faseln
und die das Wort CHRISTLICH andauernd im Munde führen, daran
erinnet:
Welch eine Schuld wir doch als Deutsche alle miteinander in
den vergangenen Jahren der Nazizeit auf uns geladen haben
und daß es keine Phrasen gewesen waren, als die Männer der
Kirche öffentlich das Schuldbekenntnis von Stuttgart für die
Verbrechen und die Greuel der Nazizeit bekannten.
Wir sind diesem Schuldbekenntnis aus dem Wege gegangen, wie
wir es nur aus dem Wege gehen konnten. Wir wollten vor Gott
und vor der Welt nicht als Verbrecher gestempelt werden.
Wir glaubten immer noch so tun zu können, als ob wir als
Deutsche eine reine Weste anhaben.
Nicht da ist der Heilige Geist am Werke, wo vom christlichen
Abendland geredet wird und wo christliche Programme
aufgestellt werden, sondern da, wo Menschen unter ihrer
Schuld vor Gott zusammenbrechen und bekennen:
Ach, sei uns Sündern gnädig!
"Prüfet die Geister!"
heißt es am Anfang. Nur wer vor Gott als dieser Sünder
gestanden hat, darf auch das andere hören, was Jesus
Christus durch sein Leiden und Sterben für uns getan hat,
nämlich das eine Wort:
"Dir sind deine Sünden vergeben."
Nur der hat ein Recht, sich CHRIST zu nennen, der beides hat
erleben dürfen: Sein Bekenntnis:
"Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein sündiger Mensch!"
und das Wort des Herrn:
"Dir sind deine Sünden vergeben."
Wo dieses verkündigt wird, da lebt und regiert der Heilige
Geist. Und dann allerdings spielt es keine Rolle, ob ich zur
Landeskirche gehöre oder zu einer Freikirche oder zu einer
Gemeinschaft, dann sind wir, die wir das erleben alle
miteinander Brüder und Schwestern, eine Gemeinschaft unter
dem Heiligen Geist.
Damit haben wir einem Maßstab bekommen, um all die vielen
Geister, die sich christlich nennen, zu unterscheiden.
Akzeptiert nicht die Sekten und die christlichen und
nichtchristlichen Weltanschauungen, die daran vorübergehen,
daß wir Sünder sind, denn sonst seid ihr auf dem Wege des
Verderbens:
"Und ein jeglicher Geist, der da nicht bekennt, daß Jesus
Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist nicht von
Gott. Und das ist der Geist des Widerchrist, von welchem ihr
habt gehört, daß er kommen werde und er ist schon in der
Welt."
Welch eine ernste Mahnung, ja sich nicht verführen zu
lassen, denn kein anderer als der Widersacher Gottes und
sein Helfer, der Antichristus, sind die, die diese falschen
Geister im Raum der Christenheit loslassen.
"Prüfet die Geister!"
Unser Text weiß aber auch, nachdem er uns unsere Situation
so klar gekennzeichnet hat, daß wir keine Angst mehr zu
haben brauchen. Er weiß, daß sein Wort. das er uns zugerufen
hat, uns schon auf den rchten Weg stellt:
"Wir sind von Gott, und wer Gott erkennt, der hört uns."
Unser Wort traut es uns zu, daß wir die Predigt von Jesus
Christus ganz ernst nehmen und damit uns trennen von allen
Geistern, die mit Jesus Christus nichts zu tun haben.
Aber dennoch bleibt die Mahnung:
Seid wachsam! Prüfet die Geister, damit ihr eure Seligkeit
nicht verscherzt.