Kirchenjahr 1952/53 - 11 -
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum:03/04/1953
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Karfreitag 1953 -7. Passionsandacht
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 27, 62 - 66
Skopus: Die Bewachung des Grabes
Kirchenjahr 1952/53 -11- Karfreitag- Matthäus 27, 62-66
"Am nächsten Tag, der auf den Rüsttag folgte, kamen die
Hohenpriester und Pharisäer gemeinsam zu Pilatus und sagten:
Herr, wir haben uns daran erinnert, daß dieser Verführer,
als er noch lebte, gesagt hat: Ich will nach drei Tagen
auferstehen. Darum befiehl, daß man das Grab bis zum dritten
Tag bewacht, damit nicht seine Jünger kommen und und ihn
stehlen und zum Volk sagen: Er ist von den Toten
auferstanden, und damit nicht der letzte Betrug schlimmer
als der erste wird. Pilatus antwortete ihnen: Da habt ihr
die Wache, geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt. Sie
gingen hin und sicherten das Grab mit der Wache und
versiegelten den Stein."

Das können wir alle den Obersten des jüdischen Volkes nicht
absprechen, daß sie einen gewaltigen Sieg über diesen Jesus
von Nazareth errungen haben. Er, der ihnen so unangenehm
gewesen war, liegt jetzt tot in einem Grabe, zur letzten
Ruhe niedergelegt. Er liegt an der Stelle, an die wir alle
einmal am Ende unserer Tage niedergelegt werden. Vor
Vergnügen haben sich sicher die Glieder des Hohen Rates die
Hände gerieben und wenn sie sich auf der Straße sahen, dann
gaben sie sich bestimmt gegenseitig zugerufen: Na, wie haben
wir das Ding mit diesem Jesus gedreht? Was wir einmal in die
Hand nehmen, das wird auch zu Ende geführt werden!
Möglicherweise sind sie an den verschiedensten Stellen von
Jerusalem zusammengekommen, um Freudenfeste für ihren Sieg
zu veranstalten.
Daran also ist nicht mehr zu rütteln, Jesus von Nazareth ist
tot.
Und wir könnten jetzt mit Recht erwarten, daß die Prozeßakte
Jesu abgeschlossen und beiseite gelegt worden ist.
Aber was geschieht nun da in Jerusalem?
"Des anderen Tages, der da folgt nach dem Rüsttage, kamen
die Hohenpriester und Pharisäer zu Pilatus."
Kaum eine Nacht ist vergangen, da sehen wir dieselbe Schar,
die vor kurzer Zeit noch mit dem verhafteten Jesus zu
Pilatus zog, wieder denselben Weg zum Pilatus gehen. Sie
haben keinen neuen Verhafteten, den sie aufs neue ans Kreuz
schlagen möchten. Sie gehen diesen Weg jetzt allein. Also
trotzdem Jesus tot ist, trotzdem Jesus im Grabe liegt,
pilgerte der Zug der Führer des Volkes um Jesu willen zum
Pilatus. Sie alle konnten sich ihres Sieges doch nicht so
recht freuen. Der tote Jesus im Grabe läßt sie auch jetzt
noch nicht los. Was ist denn Weltumwälzendes geschehen, daß
für sie trotz des Todes Jesu seine Akte noch nicht
geschlossen worden ist?
O, es ist nichts Gewaltiges geschen. Sie gehen wahrhaftig
nicht zum Pilatus, weil sie vielleicht beeindruckt worden
wären durch das merkwürdige Geschehen, das sich beim Tode
Jesu ereignete. Vielleicht haben sie wohl davon gehört, aber
das ist leicht mit einer Handbewegung abgetan. Wer glaubt
denn von uns aufgeklärten Menschen noch an Märchen?! Uns
kann man doch nichts vormachen, so werden sie auf die
verschiedensten Berichte geantwortet haben.
Was ist es denn aber, das sie in Bewegung gesetzt hat? Es
ist nicht mehr und nicht weniger als ein Wort Jesu, dessen
sie sich erinnern:
"Sie sprachen: Wir haben gedacht, daß dieser Aufrührer
sprach, da er noch lebte: Ich will nach 3 Tagen
auferstehen."
Dieses Wort Jesu hat ihnen keine Ruhe gelassen, hat ihre
ganze Siegesfreude über den Tod Jesu zum Verstummen gebracht
und sie in Bewegung gesetzt. Sie hatten geglaubt, mit diesem
Jesus bald fertig zu sein und müssen erkennen, so leicht ist
das doch nicht. Jesus ist wohl tot, aber sein Wort lebt
noch. Und mit diesem Wort werden seine Feinde nicht fertig.
Es liegt wohl klar auf der Hand, daß sie fest davon
überzeugt sind, daß dieses Wort ein Wort eines Betrügers
ist, so wie er nach ihrer Meinung ja selbst ein Betrüger
war. Aber wie eine Ironie über ihre blinde Wut gegen Jesus
hört sich dieses Wort aus ihrem Munde an:
"Ich, Jesus, will nach 3 Tagen auferstehen."
Und wenn wir näher hinhören, bemerken wir, wie von diesem
Worte ein Glanz und heller Schein in den Karfreitag hinein
ausgeht. Mitten in das Dunkel des Grabes läutet dieses Wort
im Munde der Feinde schon das Wunder der Auferstehung Jesu
ein.
"Ich will nach drei Tagen auferstehen."
Das ist das Wort, das wir gerade am heutigen Tage zu hören
haben. Noch steht das große Ereignis bevor. Aber diese
Verheißung schafft bereits die Verbindung zu Ostern.
Von dieser fröhlichen Gewißheit her, wird das Gebaren der
Feinde Jesu geradezu lächerlich. Glauben sie wirklich,
dieses Wort von der Auferstehung auch vernichten zu können,
wie sie Jesus von Nazareth vernichtet haben? Glauben sie
wirklich, daß sie mit dem verheißenen Wunder der
Auferstehung, das sie als Mörder und Gotteslästerer
bloßstellen wird, so leicht fertig zu werden, wie sie mit
dem Jesus von Nazareth fertiggeworden sind.?
Sie glauben es.
Wir sehen ihr törichtes Handeln. Wir sehen die Soldaten des
Pilatus, die auf Betreiben der Juden in die Richtung des
Grabes zur Bewachung abmarschieren. Wir sehen, wie sie das
Grab versiegeln. Über dieses törichte Handeln geht schon ein
neues Licht auf, ein Licht, das sie, die bewachen, in Staub
und Asche werfen wird. Was spielen da schon so ein paar
armselige Siegel an der Grabespforte für eine Rolle?! Wer
sollte es jemals fertigbringen, dieses Geschehen, daß von
Jesus verheißen worden ist und das nun anzubrechen beginnt,
aufhalten zu können?! Nein, was Jesus gesagt hat:
"Ich will nach 3 Tagen aucferstehen."
wird in Erfüllung gehen, mögen sich noch so viele Mächte
dagegen stemmen.