Kirchenjahr 1952/53 - 03 -
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum:28/12/1952
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Sonntag nach Weihnachten 1952
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:2. Timotheus 4, 5 - 8
Skopus: Der Dienst eines Verkündigers
Kirchenjahr 1952/53 - 3 - 2. Timotheus 4, 5 - 8
"Du aber sei in allen Dingen nüchtern, leide willig, tu
deinen Dienst als Prediger des Evangeliums, erfülle deine
Aufgabe ganz. Denn ich werde schon geopfert, und die Zeit
meines Scheidens ist gekommen. Ich habe einen guten Kampf
gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben
gehalten, nun liegt für mich die Krone der Gerechtigkeit
bereit, die mir der Herr, der gerechte Richter, am Jüngsten
Tage geben wird, aber nicht nur mir, sondern auch allen, die
seine Wiederkunft lieb haben."

Die Weihnachtstage sind gewesen. Nach und nach geht wieder
das normale Leben seinen Gang. Die Geschenke wandern an
ihren Ort. Noch einige Tage darf der geschmückte Baum unsere
Wohnung zieren, dann verschwindet auch er wieder. Und was
bleibt übrig?
Ja, das ist die entscheidende Frage, die wir alle
beantworten müssen: Was bleibt vom Christfest noch übrig?
Damit ist selbstverständlich nicht gemeint, was in äußeren
Dingen noch übriggeblieben ist, sondern die Frage lautet:
Was ist von der Begegnung mit dem Kind in der Krippe noch
übrig geblieben?
Vielleicht staunen wir über diese Frage und meinen, daß sie
doch garnicht so gestellt werden kann, denn waren und sind
wir nicht der Meinung, daß doch im letzten Grunde das
Christfest nur ein Geburtstag des Jesus war, ein Geburtstag,
wie wir ihn alle kennen, an dem man mit den Freunden und
Bekannten zusammenkommt und sich seines Lebens, das man
geschenkt bekommen hat, freut? Aber so geht das mit dem
Christfest, mit unserem Pilgern zum Stall nach Bethlehem
doch nicht, denn ob wir den Christtag in rechter Weise
gefeiert haben, zeigt sich gerade darin, daß wir etwas von
der Begegnung mit dem Jesus Christus mitgenommen haben, das
uns nicht mehr losläßt.
Unser Text heute will uns agen, was das alles ist, was wir
als Geschenk von Weihnachten wirklich mitbekommen haben, ein
Zeichen, daß wir wirklich beim Kind in der Krippe gewesen
sind.
1. DAS KIND IN DER KRIPPE RUFT UNS ZUM GLAUBEN.
Der Apostel Paulus weiß sich von diesem Kind in der Krippe
wie auf einen Sportplatz gestellt:
"Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf
vollendet."
So, wie der Läufer, der in einem Sportwettkampf nur das Ziel
kennt, den Sieg und damit den Preis zu erlangen, und der von
daher jetzt sein ganzes Leben danach einrichtet, daß sein
Sieg nicht in Frage gestellt werden kann, so wird auch der
Christ auf eine Bahn gestellt.
Wir wissen, unser Leben ist nur zu oft ein Leerlauf. Wir
lassen uns dahin und dorthin treiben, so wie gerade die
Situation oder unsere Umgebung es will.Wie ein steuerloses
Schiff auf dem Meer treiben wir umher, den ungestümen Wellen
des Meeres preisgegeben. Jetzt aber hat uns das Kind in der
Krippe aus unserem Leerlauf herausgerissen. So haben wir es
wieder neu durch das Kind in der Krippe erfahren.
Jeder von uns weiß, an welcher Stelle er in so
mannigfaltiger Weise immer wieder gestrauchelt ist, wie er
mit einem Ekel sondergleichen an bestimmte Geschehnisse
seiner Vergangenheit denkt, wie er Gott ungehorsam war. An
der Krippe aber wird uns zugerufen: Dir sind deine Sünden
vergeben. Dort an der Krippe wurde durch deine dunkle
Vergangenheit mit all dem, woran du nicht mehr gerne
zurückdenkst, ein großer dicker Strich gemacht. Alles, was
dich davon bisher belastet hat, braucht dich nicht mehr so
zu quälen. Du darfst jetzt ganz neu anfangen. Und dieses
Geschenk, daß du ganz neu in deinem Leben anfangen darfst,
und zwar jeden Tag neu, das ist das, was die Heilige Schrift
GLAUBEN nennt.
Das Kind in der Krippe ruft also dir zu, jeden Tag neu: Dein
Leben in dem Geschenk der Vergebung deiner Übertrtetungen,
deiner Unverträglichkeit, deiner Klatschsucht, deiner
Gehässigkeit, deines Zornes, neu anzufangen. Aber GLAUBEN
ist nicht nur dieses Eine, daß du dein Leben neu beginnen
darfst, sondern auch das andere, daß dein Leben jetzt ein
klares Ziel bekommt. Unser Text spricht von der "Krone der
Gerechtigkeit" als von unserem Ziel. Die Gerechtigkeit, die
das Kind in der Krippe dir schon jetzt in der Vergebung
deiner Schuld zuspricht, wird einst deutlich vor allen Augen
sichtbar. Es wird sichtbar, daß am Ende deines Lebens nicht
der Tod steht, der dich mit seinen unbarmherzigharten Händen
ergreifen will, sondern am Ende deines Weges steht das
Leben. Der Glaubende ist dem Todesurteil des gerechten
Richters entronnen.Er darf stattdessen als ein Gekrönter in
das ewige Lben eingehen.
Wer aber durch das Startkommando am Wettkampf teilnimmt,
darf nicht aus der Bahn brechen, darf nicht schlapp machen,
darf weder zur Rechten noch zur Linken sehen, sondern muß,
wenn er das Ziel als Sieger erreichen will, durchhalten bis
er am Ziel angelangt ist.
Wir, die wir schon in diesem Lauf nach dem Sieg begriffen
sind, wissen ja selbst, wie uns auf Schritt und Tritt
Situationen gegenübertreten, die uns zuraunen: Geh nicht zum
Gottesdienst, laß das Lesen der Bibel fahren, die Zeitungen
und Zeitschriften sind doch viel interessanter. Wie oft
kommt die Stimme des Versuchers und ruft uns zu: Es hat ja
alles doch keinen Zweck, du mühst und plagst dich und dabei
siehst du, wie es dir noch viel schlechter geht als denen,
die sich nicht zur christlichen Kirche halten.
Aber hören wir ja nicht auf solche versucherische Stimmen,
sondern halten wir aus. Wir kennen aus der Apostelgeschichte
einen großen Abschnitt des Lebensweges des Apostels Paulus
und wir wissen, wie mannigfach seine Nöte und Anfechtungen
waren. Im Galaterbrief spricht er davon, daß er geschlagen
und gefangen wurde, 5 x je 40 Schläge mit der Rute erhalten
hat, 3 x gezüchtet wurde und unter den größten
Schwierigkeiten durch Gefahren hindurch mußte. Und doch kann
er hier bekennen: "Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich
habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten."
Halten wir doch aus, damit wir die Krone der Gerechtigkeit
nicht wieder verlieren!
2. DAS KIND IN DER KRIPPE MACHT UNS ZU ZEUGEN.
Wer an der Krippe im Stall zu Bethlehem gestanden hat und
sich das köstliche Geschenk des Glaubens hat schenken
lassen, der kann einfach nicht schweigen; nein, er muß
seinen Mund auftun, damit der Weg zu diesem Kinde nie allein
geschieht. Christen können und dürfen keine Genießer sein,
die den Glauben, die Gott, die das Kind in der Krippe, nur
für sich allein haben wollen, sondern Christen sind in ihrem
ganzen Leben immer unterwegs zu dem Mitmenschen, um auch ihn
zu dem Glauben zu führen, der alle Not und Angst und Sorge
überwindet. Christen sind Menschen, die die ganze Welt mit
dem Ruf erfüllen: DER KÖNIG KOMMT.
Wir kennen verschiedene Möglichkeiten, um für die Sache des
Evangeliums einzutreten, um Zeugen Jesu Christi zu sein.
Welch ein Mut gehört schon dazu, um regelmäßig zum
Gottesdienst zu kommen, wenn unsere eigene Familie, wenn der
eigene Bruder oder die Schwester, der Freund oder die
Freundin, die Braut oder der Bräutigam, dafür nur Hohn oder
nur ein verächtliches Kopfschütteln übrig haben. Wie schwer
fällt es uns aber erst im Betrieb oder in der Nachbarschaft
für Christus einzutreten. Nur zu leicht bringen wir aus
Feigheit und Angst es nicht fertig, uns offen auf die Seite
Christi zu stellen, wenn er gelästert oder verspottet wird.
Aber wohlgemerkt, wer zum Weihnachtsfest wirklich an der
Krippe gestanden hat und zu einer Begegnung mit dem Kind in
der Krippe gekommen ist, der tut es, weil er von diesem
Kinde die Kraft zum Zeugendienst bekommen hat. Dazu gehört
es, daß wir uns noch mehr und noch viel tiefer mit Gottes
Wort beschäftigen, damit wir im Gespräch mit unseren
Nächsten bei den schwierigsten Fragen vom Worte Gottes her
eine Antwort geben können.
An diesem Punkte müssen wir uns oft schämen vor den
Angehörigen der verschiedenen Sekten, die oft besser in der
Bibel Bescheid wissen als wir Christen.
Der Apostel weiß, daß der Zeugendienst sogar so weit geht,
daß er für Jesus Christus in den Tod zu gehen hat,
"denn ich werde schon geopfert, und die Zeit meines
Abschieds ist gekommen."
Paulus kann das schreiben zu der Zeit, da er in Ketten im
Gefängnis zu Rom liegt und jeden Tag mit seiner Hinrichtung
rechnet. Die Sache Jesu Christi ist es wert, daß wir sogar
dafür unser Leben lassen können. Wir brauchen nur daran zu
denken, daß am Ende unseres Lebens auf uns das ewige Leben
wartet.
Wenn schon von einer rein menschlichen Sache gesagt werden
kann: Eine Sache ist soviel wert, wie einer dafür zu opfern
bereit ist, wievielmehr gilt das von diesem Kind in der
Krippe.
Schon seit 2 Jahrtausenden macht Jesus Menschen zu seinen
Zeugen. Und so wie in einem Staffettenlauf, wo der eine nach
seinem Lauf dem anderen den Staffettenstab weiterreicht,
damit dieser Stab ans Endziel gelangt, so sind auch wir
aufgerufen, die Botschaft weiter zu sagen.
In unserem Text sieht sich Paulus am Ziel angelangt. Er
sieht seinen Lauf beendet, denn sein Martyrium ist nahe. Und
nun gibt er seine Arbeit, seinen Dienst, an den Nächsten, an
seinen Schüler Timotheus, und gibt ihm dafür besondere
Anweisungen. Das Evangelium muß weiter getragen werden, wenn
auch der Zeuge dahingeht. Timotheus ist jetzt an der Reihe.
In dieser Weise wird bis auf den heutigen Tag der
Staffettenstab des Evangeliums weitergetragen.
Haben wir es eigentlich am Weihnachtstage an der Krippe
gehört, daß auch wir jetzt den Lauf als Zeuge Jesu Christi
antreten sollen? Wenn es wirklich ein rechtes Weihnachtsfest
gewesen ist, dann haben wir, du und ich, es gehört. Darum
laßt uns auch keinen Augenblick zögern, diesen Lauf
anzutreten. Dieser Ruf: DER KÖNIG KOMMT!, dieser
Zeugendienst wird weiterhin bis zum Jüngsten Tage, das steht
fest, so wahr Gott Gott ist; dieser Ruf wird auch
weitergehen, wenn wir uns drücken willen. Aber es ist das
Geschenk dieses Kindes in der Krippe, daß auch wir Zeugen
sein dürfen.
3. DAS KIND HAT EIN ZIEL UND ES WIRD SAS ZIEL ERREICHEN.
Vielleicht werden die vielen von uns, die sich zur Krippe
aufgemacht hatten, so ergangen sein, daß sie sich an der
Niedrigkeit des Stalles, an der Armut des Kindes gestoßen
und an den Kopf gefaßt haben mit der Frage:
Was kann schon dieses Kind für eine Rolle spielen? Wer kann
schon von diesem Kindlein Hilfe erwarten? Aber wir brauchen
uns durch die Niedrigkeit und Armut dieses Kindes nicht irre
machen lassen, denn die Krippe ist nur der Anfang eines
Weges, an dessen Ende ein herrliches Ziel steht. Dieses Kind
wird wiederkommen in der ganzen Pracht und Herrlichkeit und
wird die ganze Schöpfung unter seine Herrschaft bringen. Und
das wird dann nicht eine verborgene Herrschaft sein, wie sie
noch jetzt unter uns wirkt, sondern eine Herrschaft, die von
niemanden mehr übersehen werden kann. Wenn dieser Tag kommt,
dann findet eine Umgestaltung aller Dinge, der ganzen Welt,
statt. Wir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde.
Mit der Geburt dieses Kindes ist der Welt schon ein Ende
gesetzt. Die Lebensdauer ist begrenzt, sie geht bis zum Tage
seiner Wiederkunft.
Christen sind Menschen, die das wissen und von daher auch
ihr ganzes Leben auf dieser Erde unter die Gewißheit
stellen: Die Welt vergeht. Sie richten sich in dieser Welt
nicht ein, als ob sie das endgültige Ziel wäre,
sondern sie wissen, von der Vergänglichkeit und schauen nach
dem Tage aus, da ihr Herr kommt. Entweder sind sie Christen,
die es glauben, daß der Herr kommt und die auf das Kommen
ihres Herrn warten, wie es die klugen Jungfrauen getan haben
oder wir halten das Zeugnis der Heiligen Schrift von der
Wiederkunft Jesu Christi für ein Märchen und gleichen dann
den törichten Jungfrauen, die ihr Christsein verscherzt
haben.
Aber wenn wir wissen, daß der Tag näher rückt, an dem der
Herr kommt, dann müssen wir uns von dieser Botschaft fragen
lassen: Haben wir unser Leben so eingerichtet, daß wir dem
Herrn entgegengehen können? Sind wir in diesem Warten und
Wachen jeden Tag und zu jeder Stunde unterwegs hin zu diesem
Tag?
Laßt uns in dieser Gewißheit der Wiederkunft unseres Herrn
nicht mehr versuchen, unser Leben zu sichern, auch nicht
unser Leben als Christen auf dieser vergänglichen Welt,
sondern laßt uns alles so tun, daß der Herr zu jeder Zeit
kommen kann.
"Wir haben hier keine bleibende Statt, sondern die
zukünftige suchen wir."
Unser Warten auf den Tag des Herrn, auf seine Wiederkunft,
darf ein freudiges und fröhliches Warten sein, denn dieser
Tag bringt für den, der glaubt, keinen Schrecken, sondern
eitel Freude, denn dann vollendet sich sich die Geschichte,
die im Stall zu Bethlehem angefangen hat. Das, was im
Verborgenen in der Erbärmlichkeit und Armut des Stalles
begann, wird am Ende der Tage in aller Herrlichkeit
vollendet werden und wir werden mit als die Zeugen des
Wiederkommenden verherrlicht und mit der Krone der
Gerechtigkeit gekrönt und mit dem ewigen Leben beschenkt
werden.