Kirchenj. 1954/55 bis Himmelfahrt - 2-
Lugar/Ort:Gelsenkirchen-Buer-Hassel

Fecha/Datum:09/12/1954
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Vizcacheras, Adventsandacht 1955
Hernandarias, Adventsandacht 1955
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:2. Adventsandacht
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 1, 46 - 48 a
Skopus: Marias Bekenntnis
Kirchenjahr 1954/55 bis Himmelfahrt-2-Lukas 1, 46 - 48a
"Und Maria sprach: Meine Seele erhebet den Herrn, und mein
Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die
Niedrigkeit seiner Magd angesehen."

Ein Wunder allergrößten Ausmaßes ist geschehen. Diese Maria,
ein Mensch wie wir alle, hat keine besonders guten
Eigenschaften und Fähigkeiten. Sie ist auch nicht sündlos,
wie die katholische Kirche in ihrem Irrglauben meint. Maria
ist ein Mensch wie alle anderen Menschen, eine Frau wie alle
anderen Frauen auch.
Und doch hatte sie etwas erfahren, das sie in eine
unaussprechliche Freude versetzte. Gott hatte ihr verheißen,
daß sie eine Frau im Advent sein sollte. Gott hatte es in
seiner großen Güte und Barmherzigkeit gefallen, daß sie
seinen Sohn als ein Kind zur Welt bringe, so wie alle
Menschen auf diese Erde kommen. Der Sohn Gottes sollte als
ein Säugling von Maria geboren werden.
Das war es, was Maria vor allen anderen Frauen der Welt
auszeichnete. Ihre Größe und ihre Hoheit hatte sie nicht von
sich aus, sondern dadurch, daß ihr der größte Schatz
anvertraut wurde, den es überhaupt jemals gegeben hat und
auch jemals geben wird, den HEILAND DER WELT.
Nun steht sie in der frohen Erwartung des kommenden
Geschehens, sie ist, so können wir es sagen, EINE FRAU IM
ADVENT.
Sie ist ein Mensch in der Erwartungs des kommenden Heilands
der Welt.
Und wenn wir schon lernen sollen, was es heißt, ein Leben im
Advent zu leben, so kann es nichts Besseres geben, als zur
Maria zu eilen und uns von ihr verkündigen zu lassen, wie
wir auf den Herrn warten dürfen und warten sollen.
Glauben wir ja nicht, daß das Geschehen, das Maria erlebte,
nur eine reine Freude war. Manche Anfechtungen von außen und
von innen stürmte auf sie ein. Glauben wir doch ja nicht,
daß die Umwelt, die von diesem besonderen Geschehen mit der
Jungfrau Maria erfuhr, auch herzlichen Anteil nahm. Ja,
Anteil nahm die Umwelt wohl, aber doch nicht anders, als daß
man verächtlich die Nase über sie rümpfte und an Hurerei
dachte. Wir wissen doch, daß Josef, ihr Verlobter, von ihrer
Untreue zuerst fest überzeugt war und sie heimlich verlassen
wollte.
Wir können es uns schon vorstellen, welch ein Klatsch der
Nachbarschaft sich über Maria ergoß. Und Maria tat doch
nichts anderes als zu Gottes Willen Ja zu sagen.
Was meinen wir, was wir in unserer Umgebung erfahren werden,
wenn wir als Menschen im Advent in echter Weise die Ankunft
unseres Herrn verkündigen, wenn wir zum Beispiel Stellung
nehmen gegen all den heidnischen Zauber in Stadt und Land in
dieser Advents- und Weihnachtszeit.
Aber nichts konnte Maria abhalten von ihrer großen
Adventsfreude, die in ihr Herz langsam einzog, von ihrer
Erwartung auf den Heiland der Welt.
Und wohin geht sie mit der geschenkten Freude? Zu ihrer
Freundin Elisabeth. Allerdings gehen ihre Gedanken und
Gebete in einmaliger Weise zu Gott, ihrem Vater im Himmel,
der sie in solcher Weise als sein Werkzeug auserwählt hat.
In einem herrlichen Lobgesang bringt sie Freude und Dank zum
Ausdruck darüber, daß sie eine Frau im Advent sein darf.
Wenn wir Maria in diesem Lobgesang recht verstehen, dann
werden auch wir dadurch aufgefordert, als Menschen im Advent
unsere Freude und unsere Dankbarkeit zum Vater im Himmel
herauszurufen. Verstehen wir es also recht, nur da, wo in
dieser Adventszeit mit allem Trubel sich Hände falten zum
Lobe Gottes und wo Lieder zur Ehre der Liebe Gottes
erschallen, nur da stehen wir in der rechten Erwartung auf
den Heiland der Welt.
Wenn Maria in dem Lobgesang einstimmt:
"Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet sich
Gottes, meines Heilandes, denn er hat die Niedrigkeit seiner
Magd angesehen,"
so werden uns 2 Dinge klar und deutlich:
1. Im Angesichte der frohen Botschaft wird uns unsere
Niedrigkeit und Erbärmlichkeit sichtbar.
Maria spricht von ihrer Niedrigkeit. Sie weiß, da sie diese
gnädige Herabneigung Gottes zu ihr, die sie auch nur eine
arme Sünderin ist wie alle anderen, nicht verdient hat und
auch nicht verdienen kann. Alles, was ihr zuteil wird, ist
ein freies Geschenk Gottes. Auch uns, die wir jetzt im
Advent leben, im Angesichte des Freudengeschehens von
Weihnachten, des Kommens des Herrn, auch wir haben als
fromme Menschen und als Fromme Christen kein Anrecht auf
dieses Wunder der Weihnacht.
Nicht wir erzwingen uns durch unsere frommen Übungen und
durch unsere frommen Werke die Güte Gottes, sondern sie wird
uns zuteil trotz unseres Ungehorsams und trotz unserer
Schuld. Gerade unsere ganze Erbärmlichkeit ist es, die Gott
dazu bewogen hat, Weihnachten werden zu lassen.
2. Durch das Wort
"Mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes",
wird verkündigt, daß Advent und Weihnachten nicht irgendeine
gefühlvolle Angelegenheit bedeutet, sondern das Kommen
unseres ganzen Heils, die VERGEBUNG UNSERER SCHULD.
Es könnte durchaus möglich sein, daß einige unter uns sind,
die sich schon gefragt haben, warum diese Verbindung von
Adventsandacht und Abendmahlsfeier? Aber das ist es ja, was
auch unser Text, der Lobgesang der Maria, uns zuruft:
Mit dem Kommen des Sohnes Gottes, mit dem Kommen der
Weihnacht, kommt der Heiland, kommt unser Heiland, der da
alle unsere Schuld vergibt. Es kommt der, der auch um deiner
Schuld willen am Kreuz auf Golgatha sein Leben aushaucht,
der sein Blut vergißt und seinen Leib dahingibt. Darum
dürfen wir als Menschen im Advent uns auf das Kommen Jesu
Christi, auf Weihnachten freuen, weil mit Weihnachten der
kommt, der uns unsere Schuld vergibt, der unser Heiland ist.
Maria ahnt das, wenn sie singt und lobt:
"Mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes!"
Die Vergebung unserer ganzen Schuld, das ist das größte
Geschenk von Advent und Weihnachten. Darum gehören Advent
und Weihnachten und die Feier des Heiligen Abendmahls
zusammen.
Laßt uns nun mit Maria in den Lobgesang einstimmen:
"Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet sich
Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner
Magd angesehen."