Jahreslosungen 15
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:21/11/1976
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Meroú, 27-3-1977 -deutsch-
Reffino, 25-3-1977 -deutsch-
Grabschental, 5-11-1978 -deutsch-
Camarero/Puiggari, 18-2-1979 -deutsch-
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Jahreslosung 1976 - Lema anual 1976
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Psalm 86, 11 - Salmo 86: 11
Skopus: Der Herr zeigt uns unseren Weg.
Jahreslosungen 1976 15 -Psalm 86,11
"Weise mir, Herr, deinen Weg."

Es geht eine Zeit zu Ende, in der wir als Menschen der
festen Überzeugung waren, daß wir alles machen und alles
verändern können, wenn wir nur die richtigen Mitarbeiter,
die besten Ideen und die modernsten Maschinen und die
fortgeschrittensten wissenschaftlichen Erfolge aufweisen
können.
Was haben wir in der Tat in den letzten Jahrzehnten nicht
auf allen Gebieten für Erfolge aufzuweisen!
Wir bauen Maschinen, die den Menschen in seinen Funktionen
ersetzen können. Wir nehmen Menmschen auseinander und setzen
ihn wieder zusammen. Selbst das, was wir Seele nennen,
scheint offen vor uns Menschen zu liegen.
Es scheint im Vokabular der Menschheit das Wort UNMÖGLICH
nicht mehr zu geben. Es scheinen alle Voraussetzungen
vorhanden zu sein, um aus dieser Erde ein Paradies zu
machen, da alle Menschen ein volles ausgefülltes glückliches
Leben gestalten können.
Und scheinen die Kirchen der Welt mit ihren Millionen von
Gliedern und dem tiefen religiösen Gefühl und den wertvollen
Moralvorstellungen und -lehren und den endzeitlichen
Glückshoffnungen und den reichen Traditionen auf humanem
Gebiete nicht eine ungeheure Aufgabe in der Verbesserung der
menschlichen Lbensbedingungen zu haben. Ist nicht das
Paradies ihr ureigenstes Gebiet?
Seit Jahrzehnten haben sich bereits die verschiedensten
Utopien gebildet, wie sie wirklich auf dieser Erde, auch
ohne die Christenheit, ja, sogar gegen sie, das Paradies
schaffen können.
Und schauen wir uns diese Welt heute an, in der wir leben,
und in der alle die vorhin angeführten Anstrengungen gemacht
werden, in der es nur so von Paradiesvorstellungen wimmelt,
dann stellen wir fest, daß trotz aller Anstrengungen, mehr
sich von einer Hölle auf Erden verwirklicht hat, als von
einem Paradies, daß die Menschheit sich fast wie noch nie in
einem gegenseitigen Vernichtungskampf befindet und die
vielen Friedensparolen eine einzige Heuchelei sind und aller
technischer und wissenschaftlicher Fortschritt ausgenutzt
wird, um uns noch leichter und schneller zu vernichten.
Was nützt es uns Menschen, wenn wir zum Mond fliegen können,
aber dafür Tausende von Millonen Dollars ausgeben müssen und
nicht fähig sind, Menschen vor dem Hungertod zu bewahren.
Was für Erfolge zum Beispiel haben wir auf dem Gebiete der
Heilkunde zu verzeichneen und sind damit in der Lage,
Menschen wieder gesund zu machen über die noch vor
Jahrzehnten das Todesurteil gesprochen war, weil keine
Rettung mehr bestand. Oder was für Möglchkeitem sind uns
gegeben, um uns wenigstens das Leiden zu erleichtern!
Aber was nützt das all den vielen Millionen von Menschen,
die nicht das Geld haben, um sich dieses alles zu leisten.
Wieviele Menschen haben sich in den letzten Jahrzehnten
schon in ihrem CAUDILLO-Bewußtsein als Retter ihrer Völker
und Kontinente, ja, der ganzen Welt, aufgespielt. wie
geschichtlich in alter Zeit auch schon der Kaiser des
römischen Reiches als der Heiland der damaligen Welt begrüßt
wurde, und am Ende waren sie die, die über die Völker und
Kontinente oder sogar über die ganze Menschheit Elend und
brutale und grausame Leiden gebracht haben.
Obwohl wir alle wissen, wie wir glücklich werden können,
erleben wir als einzelne, als Familie, als Völker oder als
ganze Menschheit ein Frakasso nach dem anderen und in dieser
Welt wird es immere dunkler.
Der Psalmist in einer ähnlichen Situation verläßt sich
allerdings nicht auf Versprechungen, ganz gleich welcher
Art, ob sie von rechts oder links, von oben oder unten,
kommen. Er verläßt sich nicht auf große Wörter angeblich
großer Männer, nicht auf wissenschaftliche Erfahrungen,
nicht auf Waffen und auch nicht auf religiöse Traditionen,
die er von seinen Vorfahren übernommen hat. Von dem allem
ist nicht nur er, sondern die ganze Menschheit nur zu oft
enttäuscht worden.
Auch in unserer so turbulenten Zeit ist auf das alles kein
Verlaß.
Was tut der Psamist mit dieser Erkenntnis, die noch zum
Ausdruck bringt:
Ich weiß in der Tat nicht mehr weiter. Ich sehe keinen
Ausweg mehr. Für mich ist alles schwarz in schwarz.
Von einer Realität allerdings ist er fest überzeugt, daß
nämlich, wenn es noch eine Hilfe für uns geben kann, dann
ist es ein neues Eingreifen Gottes.
Darum ist es notwendig, wieder Kontakt zu ihm zu suchen, den
wir in der Vergangenheit so vernachlässigt haben, weil wir
meinten, ihn nicht nötig zu haben.
So eilt der Psalmist in unserem Text zu seinem Gott und
bittet ihn um Hilfe, bittet ihn darum, daß er ihn an die
Hand nehme und aus der Dunkelheit seines Lebens herausführe
und ihm auch den Weg zeige, den nicht nur er, sondern auch
seine Zeitgenossen zu gehen haben, um wieder ihres Lebens
froh zu werden, um wieder an eine bessere Zukunft zu denken:
"Weise mit, Herr, deinen Weg!"
schreit er zu seinem Gott.
Eines ist noch ganz besonders wichtig in diesem Gebet des
Psalmisten:
"Weise mit, Herr, deinen Weg!"
Daß er nicht bittet um die Erfüllung seiner Ideen, seiner
Träume und Sehnsüchte des Weges, sondern daß er darum
bittet, daß Gott ihm den Weg zeige, den er nach seinem
Willen gehen soll und daß er ihm für diesen Weg Klarheit und
Kraft schenke.
So beten, wie der Psalmist gebetet hat:
"Weise mir, Herr, deinen Weg!"
kann er nur, weil er das noch nicht vergessen hat, daß Gott
bereit ist, mit uns den rechten Weg und die rechten
Entscheidungen zu suchen.
Ja, hat er nicht direkt seinen Sohn Jesus Christus zu uns
auf diese Erde geschickt, daß er uns den Weg in eine bessere
Zukunft zeige, nein, noch mehr, mit uns den Weg in eine
bessere Zukunft gehe, aus der Dunkelheit in das helle Licht,
aus der Knechtschaft in die Freiheit, aus einer Welt der
Zerstörung in eine neue Welt. Dieses Gebet ist geradezu für
uns heute geschaffen:
"Weise mir, Herr, deinen Weg!",
daß wir ganz neu gezeigt bekommen, wie der Weg in eine
bessere Zukunft konkret aussehe und daß Gott uns in aller
Mutlosigkeit und Verzweiflung auch die nötige Kraft schenke,
diesen Weg zu gehen, nun aber nicht allein, sondern an der
Hand dessen, den Gott extra dafür zu uns gesandt hat, Jesus
Christus.
Indem wir beten:
"Weise mir, Herr, deinen Weg!"
sind wir in derselben Weise überzeugt, wie der Liederdichter
Paul Gerhardt, der singt:
"Weg hast du allwerwegen,
an Mitteln fehlt dirs nicht;
dein Tun ist lauter Segen,
dein Gang ist lauter Licht,
dein Werk kann niemand hindern,
dein Arbeit darf nicht ruhn,
wenn du, was deinen Kindern
ersprießlich ist, willst tun."