Jahreslosungen 02
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:31/12/1958
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Jahreslosung 1958
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Galater 5, 1
Skopus: Befreit zum Dienst.
Jahreslosungen 2 -1958 Galater 5,1
"So bestehet nun in der Freiheit, zu der uns Christus
berufen hat."

Wieder geht ein Jahr zu Ende. Dieses zu Ende gehende Jahr
1958 stand in der evangelischen Christenheit unter dem Worte
Gottes, das der Apostel Paulus an die Gemeinde in Galatien
geschrieben hat:
"So bestehet nun in der Freiheit, zu der uns Christus
befreit hat."
Mit diesem Worte deutet Paulus den großen Unterschied an
zwischen einem Menschen, der an Jesus Christus glaubt und
einem Menschen, der nichts von Jesus Christus wissen will.
Paulus sieht den Ungläubigen als einen gebundenen Menschen,
als einen Menschen, dem von einer anderen Stelle aus
befohlen wird und der nichts anderes tun kann als hingehen
und den Befehl ausführen.
Ein Ungläubiger ist ein Sklave einer anderen Macht.
Es wäre sicherlich zu primitiv zu erklären, der Ungläubige
wäre ein Sklave des Teufels. Welcher Mensch könnte es schon
anerkennen, daß er einer Gestalt mit 2 Hörnern und einem
Schwanz und einem Pferdefuß gehorchen müßte.
Solch einer Gestalt eines Teufels würde kein Mensch
gehorchen und auch nicht dazu gezwungen werden können. Solch
ein Teufel würde höchstens ausgelacht werden.
Nein, der Apostel Paulus weiß, daß die Macht, die den
Nichtgläubigen befiehlt und der Mensch der ihr wie ein
Sklave gehorcht, anders aussieht als diese märchenhafte
Gestalt eines Teufels mit einem Pferdefuß.
Der ungläubige Mensch ist in einer ganz anderen Art und
Weise versklavt. DEer Sklavenhalter ist ein Teil sogar in
uns, der wir als Menschen restlos verfallen erscheinen.
Welch eine ungeheure Macht stellt zum Beispiel die Ichsucht
mitten unter uns dar. Wir spüren es manchmal einem Menschen
direkt ab, in welch furchtbarer Weise er ein Sklave seines
Ichs ist.
Im Verhältnis zu den Eltern oder den Kindern oder zu den
Geschwistern oder in der ganzen Nachbarschaft wird nur eines
als richtig erkannt von solchen Menschen, nämlich, was sie
selbst wollen.
Solche Menschen werden zu einer direkten Last für ihre
Mitmenschen.
Entweder sie werden zu Tyrannen in ihrer Umgebung, wenn sie
ihren dicken eigenen Kopf durchsetzen können oder sie
kriechen in irgendeine Ecke und schimpfen und fluchen auf
jeden Menschen und auf alle Dinge, wenn sie es nicht
fertigbringen, mit ihrem Kopf durch die Wand zu rennen.
Auch in ihrer Frömmigkeit drehen sich solche Menschen immer
um sich selbst.
Eine andere Macht, die den Menschen versklaven kann, ist die
Klatschsucht. Es gibt Menschen, die solche Sklaven dieser
Klatschsucht sind, daß aus ihrem Munde nur böse Worte über
die anderen Menschen kommen.
Und wer kennt nicht diese ungeheure Macht des Geizes, die
den Menschen versklavt, daß er keine Ruhe mehr hat und zwar
gibt es die Macht des Geizes sowohl bei den Reichen wie bei
den Armen.
Es soll reiche Menschen geben, die am liebsten dem Armen
noch den letsten Peso aus der Tasche holen möchten, aber es
soll auch Arme geben, die dem Reichen am liebsten Hab und
Gut stehlen möchten, weil sie gerne selbst reich werden
möchten.
Oder wer kennt nicht die Gestalten der Trunksucht und
Spielsucht, die den Menschen so in ihrer Hand haben, daß er
sich willig ins Verderben führen läßt.
Es ist wohl klar, daß wir mit diesen wenigen Beispielen
nicht alle Gewalten angegeben haben, die darauf warten, uns
in ihre Gewalt zu bekommen.
Und so merkwürdig es klingen mag, aber es ist doch wahr, daß
jeder Mensch in der Gefahr steht, einer bestimmten Gewalt zu
verfallen und deren Sklave zu werden.
Jeder von uns steht in der Gefahr, der Ichsuch und der
Klatschsucht zu verfallen, der andere dem Geiz, wieder ein
anderer der Trunk- oder Spielsucht oder wie diese Mächte und
Gewalten alle heißen mögen.
Nun sagt uns Paulus, daß ein Mensch, der an Jesus Christus
glaubt, frei wird von allen seinen Bindungen an irgendwelche
Mächte und Gewalten.
Der Christ ist kein Sklave irgendeiner fremden Macht. Der
Christ kennt nur einen Herrn über sich, dem er aber nicht
als ein Sklave dient, sondern als ein freier Mensch in
voller Freiheit.
Dieser eine Herr, dem ein Christ in voller Freiheit dient,
heißt Jesus Christus.
Und dieser Herr Jesus Christus macht uns frei von aller
Sklaverei.
Das bedeutet, daß ein Mensch, der in allem seinem Tun und
Handeln bisher nur sein eigenes Ich sah und seinen eigenen
Willen überall durchsetzen wollte, jetzt als Christ von
dieser seiner Sklaverei an sich selbst frei gemacht wird und
nun plötzlich entdeckt, daß nicht nur er allein auf der Erde
lebt, sondern auch noch andere Menschen .
Dieser Mensch wird frei gemacht, anzuerkennen, daß der
andere Mensch auch etwas weiß, auch etwas kann, auch etwas
gelernt hat.
Ja, dieser Christ wird sogar frei gemacht zu der Haltung,
die anerkennt, daß der andere Mensch sogar vieles besser
kann und weiß als er selbst, sogar vielleicht ein besserer
Mensch ist als er selbst.
Christus macht uns frei von unserer Bindung und Sklaverei an
uns selbst.
Ebenso wird der Mensch, der bisher ein Sklave der
Klatschsucht war, frei davon, sogar so frei, daß er jetzt
bei dem anderen Menschen nicht das Böse sucht, sondern das
Gute und darum nicht das Böse über andere spricht, sondern
das Gute, was Martin Luther in der Erklärung zum 8. Gebot
sagt:
"Wir sollen die anderen entschuldigen, Gutes von ihnen reden
und alles zum Besten kehren."
Und der Mensch, der ein Sklave des Geizes war, wird als
Christ davon befreit und er wird auch frei, sein Hab und Gut
und Geld dazu zu gebrauchen, um anderen zu helfen, um Gutes
zu tun.
Ebenfalls befreit uns Jesus Christus aus allen anderen
Sklavereien, wie Trunksucht, Spielsucht, Vergnügungssucht
oder wie die Mächte alle heißen mögen, denen wir versklavt
sind und die uns in ihren Bann gezogen haben.
Der Ungläubige = ein Sklave irgendeiner Macht.
Der Christ= freigeworden, ist bereit, freiwillig seinem Gott
und seinen Mitmenschen zu dienen.
Heute ist nun der letzte Tag des Jahres 1958. Da ist es gut,
wenn wir einmal zurückschauen in dieses zu Ende gehende
Jahr. Waren wir die Sklaven oder waren wir die Freien?
Wenn wir in unserem Herzen wahrhaftig sind, dann müssen wir
bekennen:
Immer und immer wieder waren wir die Sklaven, wie die Heiden
auch.
Aber ich wage es auch von uns allen zu sagen, daß hier und
da im vergehenden Jahr es doch zu spüren war, daß wir einen
Herrn Jesus Christus haben, der uns freigemacht hat aus
aller Sklaverei und freigemacht zum Dienst für Gott und zur
Liebe zu den Mitmenschen.
Unsere vielen Versager und unsere vielen Rückfälle in die
Sklaverei und in den Unglauben, rühren daher, daß wir den
einen Herrn Jesus Christus nicht ernstgenug nahmen und ihm
nicht alles zutrauten. Und es bleibt nichts anderes übrig
als uns vor Gott zu beugen und zu bekennen:
Gott, sei mir Sünder gnädig! Gott, vergib mir meine Ich- und
Herrschsucht!
Gott, vergib mir meinen Geiz und meine Klatschsucht. Herr,
mache mich frei von der Trunk-, Spiel- und Vergnügungssucht
und von allen anderen Bindungen.
Aber in fröhlicher Weise können wir uns auch daran erinnern,
wo wir etwas von der durch Christus geschenkten Freiheit in
unserem Leben spürten und uns auffordern, doch ja in dieser
geschenkten Freiheit zu bleiben. So fordert uns ja in
unserem Textwort der Apostel Paulus auch auf:
"So bleibet nun in der Freiheit, zu der uns Christus befreit
hat!"
Mit diesem Wort sagt Paulus, daß ein Christ, jeden Tag neu,
sich diese Freiheit von aller Sklaverei, diese Freiheit zum
Dienst für Gott und für seine Mitmenschen, schenken lassen
muß.
Unser Christsein ist nicht nur die Angelegenheit einer Taufe
oder der einmal irgendwann geschehenen Bekehrung, sondern
muß jedesmal jeden Tag neu errungen, erkämpft und erbeten
werden.
Laßt uns die Aufforderung des Apostels Paulus mit in das
neue Jahr nehmen:
"Bleibet nun in der Freiheit, zu der uns Christus befreit
hat."
Wir bleiben in dieser Freiheit, wenn wir im neuen Jahre noch
mehr auf unseren Herrn Jesus Christus schauen und auf sein
Wort hören. Dann bleiben wir zum Dienst befreite Menschen
und fallen nicht in erneuter Weise in Sklaverei.
Herr Jesu, führe mich, so lang ich leb auf Erden,
laß mich nicht ohne dich durch mich geführet werden.
Führ mich mich ohne dich, denn so werd ich leicht verführt;
wenn du mich führst, tu ich, was mir gebührt.