Brief an die Kolosser 29
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:05/09/1957
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Kolosser 4, 15-17
Skopus: Paulus grüsst
Der Brief des Apostels Paulus an die Kolosser 29 4, 15 -
17
"Grüsset die Brüder zu Laodicea und die Nympha und die
Gemeinde in ihrem Hause. Und wenn der Brief bei euch gelesen
ist, so sorget, dass er auch in der Gemeinde zu Laodicea
gelesen werde und dass ihr den von Laodecea leset. Und saget
dem Archippus: Siehe auf das Amt, dass du empfangen hast in
dem Herrn, dass du es ausrichtest!"

Jetzt bittet der Apostel Paulus die Kolosser Grüsse von ihm
an bestimmte Personen auszurichten. Zuerst sollen die BRÜDER
ZU LAODICEA gegrüsst werden. Es sind also die Christen in
dem Nachbarort Laodicea. Wir wissen, dass dieser Ort nicht
weit von Kolossä entfernt liegt. Wir kennen diese Gemeinde
auch deshalb besonders gut, weil wir in der Offenbarung des
Johannes ein besonderes Sendschreiben an diese Gemeinde von
dem Apostel Johannes haben. Johannes sagt von dieser
Gemeinde:
"Ich weiss deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist.
Ach, dass du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist
und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspucken aus
meinem Munde."
Aus diesen wenigen Worten spüren wir, dass es auch in dieser
Gemeinde zu Laodicea nicht gut steht und auch sie immer
wieder ermahnt werden muss, ja bei dem einen Worte Gottes,
bei dem einen Glauben an Jesus Christus zu bleiben.
Darum bittet Paulus hier am Schluss des Briefes an die
Kolosser, doch diesen ihren Brief auch nach Laodicea zu
bringen, damit er dort ebenfalls vorgelesen werden kann.
Im allgemeinen wissen wir nicht ganz genau, wie die äussere
Form der Gottesdienste in diesen ersten christlichen
Gemeinden
durchgeführt wurden. Hier und da können wir es uns wohl aus
verschiedenen kurzen Anmerkungen und Notizen in der
Apostelgeschichte oder aus dem Brief zurecht konstruieren.
Aus der Bemerkung des Apostels Paulus ersehen wir, dass in
den damaligen Gottesdiensten, ebenso wie heute, die Briefe
der Apostel vorgelesen wurden, vielleicht auch erklärt.
So soll dieser Brief an die Kolosser ebenfalls im
Gottesdienst zu Laodicea gelesen und erklärt werden:
"Wenn der Brief bei euch gelesen ist, so schaffet, dass er
auch in der Gemeinde zu Laodicea gelesen werde."
Allerdings sagt die weitere Bemerkung
"Und dass ihr den von Laodicea leset,"
dass Paulus auch noch einen ausführlichen Brief an die
Gemeinde zu Laodicea geschrieben hat. In unserer Bibel ist
dieser Brief nicht zu finden, auch sonst wissen wir nicht,
wo er geblieben ist. Aller Voraussicht nach ist dieser Brief
des Apoostels Paulus an die Laodiceer schon sehr früh
verlorengegangen.
In den letzten Jahrzehnten sind durch Ausgrabungen und durch
Entdeckungen von alten Höhlen viele alte Handschriften von
Büchern des Alten Testamentes und der Evangelien und der
Briefe der Apostel gefunden worden, die die Echtheit unserer
Bibel bekräftigen. Es ist also durchaus im Bereich einer
gewissen Mïglichkeit, dass vielleicht dieser Brief des
Apostels Paulus an die Laodiceer eines Tages auch gefunden
wird. Es könnte also darum einmal der Fall eintreten, dass
in unserer Bibel ebenfalls dieser Brief zu finden sein wird
und aus diesem Laodiceabrief des Apostels Paulus in unseren
Gemeinden gelesen und gepredigt wird.
Die Kolosser werden von Paulus gebeten, sich den Brief an
die Laodiceer zu leihen, um ihn auch in ihren Gottesdiensten
zu lesen und ihn auszulegen.
Neben der Gemeinde zu Laodicea sollen die Kolosser auch eine
kleine Hausgemeinde grüssen, die kleine Hausgemeinde im
Hause der Nymphas. Vielleicht wohnten einige Christen so
abseits von der Hauptgemeinde zu Laodicea, dass es für sie
zu beschwerlich war, zu den Gottesdiensten zu kommen, darum
versammelten sich diese verstreuten Christen zu einer
Filialgemeinde im Hause der Nymphas.
Also schon damals ist das gemacht wordenm, wo es nötig war-,
was bei uns in der La Plata- Synode, ganz besonders bei uns
in Entre Ríos, bis auf den heutigen Tag geschieht, nämlich
die Einrichtung von Nebengemeinden und kleineren
Fialialgemeinden und Predigtstellen in Privathäusern. In
Hernandarias versammeln wir uns ja auch zu unseren
Gottesdiensten ium Hause der Familie Dembinski, wie hier im
Text die verstreuten Christen ausser im Hauptgottesdienst
auch im Privathaus der Nymphas zum Gottesdienst sich
versammeln.
Noch ein Gruss soll ausgericht werden
"an Archippus."
Offenbar ist Archippus der jetzige Leiter der Gemeinde zu
Kolossä, der Nachfolger von Epaphras. Auf welche Art und
Weise ist er zum Leiter der Gemeinde zu Kolossä geworden?
Ist er vielleicht sogar der, der der Anführer der Gruppe
ist, die den Unfrieden in der Gemeinde gestiftet und den
Epaphras hinausgedrängt hat, weil dieser Epaphras immer
wieder darauf hingewiesen hatte, dass hinter dieser
Archippus eine falsche Gruppe steht, die nicht mehr Jesus
Christus als den Herrn und König des Himmels und der Erde
erkennen will?
Es ist anzunehmen, dass dieser Archippus der Leiter der
Gemeinde geworden ist, nachdem die Gruppe in der Gemeinde
gesiegt und Epaphras aus seiner Stellung als Leiter
hinausgedrängt hatte. Man merkt es Paulus direkt an, dass er
nur mit gemischten Gefühlen an diesen Archippus denkt, der
solch ein Durcheinander und Unfrieden in diese Gemeinde
gebracht hat. Noch in den Zeilen vorher hat er ganz klar und
deutlich gesagt, Epaphras, der aus der Gemeinde gedrängt
wurde, hat recht gehabt. Paulus stellt sich voll und ganz
hinter Epaphras. Darum ist der Brief wohl auch an die ganze
Gemeinde und nicht an Archippus gerichtet, weil er im
letzten Grunde mit diesem Archippus nichts zu tun haben will
und um des echten Evangelkiums von Jesus Christus willen
auch nichts zu tun haben darf. Aber doch steht jetzt diese
Gemeinde unter dem Einfluss dieses Mannes, da kann er ihn,
so unangenehm es ihm auch sein mag, nicht einfach übergehen.
Er, als Leiter der Gruppe des Unfriedens und jetzt als
unrechtmässiger Leiter der Gemeinde, gehört nun einmal jetzt
einfach zur Gemeinde.
Wenn Paulus diese ganze gewordene Realität nicht einfach
übergehen kann, so bringt er doch diese Dunkelheit, die mit
dem Namen Archippus verbunden ist, in das Licht des
Evangeliums:
"Und saget dem Archippus: Siehe auf deine Stellung als
Gwemeindeleiter, die einer nur von Jesus Christus erhalten
kann und trachte danach, ob es nicht möglich ist, dass du
diese Stellung trotz des ganzen Schmutzes, der durch dich
und deine Gruppe in der Gemeinde angerichtet worden ist,
doch noch nachträglich im rechten Glauben von Jesus Christus
geschenkt bekommst."
Wir können uns vielleicht vorstellen, wie schwer es dem
Paulus, menschlich gesehen, gefallen ist, diesen Gruss an
Archippus zu richten. Er weiss, dieser Mann ist eigentlich
nach seiner Meinung untauglich für eine christliche Gemeinde
und fragt sich, wohin wird er wohl diese gut angefangene
Gemeinde überhaupt hinführen?
Aber er weiss auch das andere, dass nämlich die letzte
Entscheidung in einer christlichen Gemeinde nicht er hat,
auch wenn er ein Apostel ist, sondern diese letzte
Entscheidung hat Jesus Christus selbst. Jesus Christus kann
es auch noch fertig bringen, aus diesem Unruhestifter
Archippus einen gläubigen und verantwortlichen
Gemeindeleiter von Kolossä machen.
In diesem Wissen kann Paulus diesen Archippus in Kolossä
grüssen und ihn bitten, doch ja die Verbindung mit Jesus
Christus wieder ganz neu aufzunehemen, damit er ihm zeige,
was ein rechter Christ ist, was ein rechter Leiter einer
christlichen Gemeinde ist.