Brief an die Kolosser 24
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:23/06/1957
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Sonntagsgottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Kolosser 3, 17-21
Skopus: Jesus führt unser ganzes Leben
Der Brief des Apostels Paulus an die Kolosser 24 3, 17 -
21
"Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut
alles in dem Namen des Herrn Jesus und danket Gott, dem
Vater, durch ihn. Ihr Frauen, seid untertan euren Männern,
wie sich's gebührt in dem Herrn. Ihr Männer, liebet eure
Frauen und seid nicht bitter gegen sie. Ihr Kinder, seid
gehorsam den Eltern in allen Dingen, denn das ist dem Herrn
gefällig. Ihr Väter, erbittert eure Kinder nicht, auf dass
sie nicht scheu werden."

Eine christliche Gemeinde ist eine Schar von Menschen, die
im Gottesdienst, im Hören auf Gottes Wort Instruktionen von
ihrem König Jesus Christus erhält, wie sie sich als Kämpfer
des Friedens verhalten sollen.
"Alles, was ihr tut mit Worten und mit Werken, das tut alles
in dem Namen des Herrn Jesus und danket Gott und dem Vater
durch ihn."
Damit sagt der Apostel noch einmal und unterstreicht das,
was er in den vorhergehenden Versen den Kolossern bereits
gesagt hatte: Unser ganzes Leben untersteht dem Herrn Jesus
Christus, unser Sonntag und unser Alltag. Wir haben unser
Leben so zu führen, wie es unserem Herrn gefäll; wir haben
unser Leben so zu führen, dass wir durch unser Reden und
durch unser Handel mithelfen, dass das Reich des Friedens,
das Reich Jesu Christi mitten unter uns aufgerichtet werde.
Der Kampf des Friedens, den wir als Christen zu kämpfen
haben, geschieht mitten im grauen Alltag und an allen Tagen
unseres Lebens, geschieht dann,wenn wir gleich aus diesem
Gottesdienst, aus diesem Gottes Haus, gehen und unseren
Heimweg antreten und in unsere Familien zurückkehren, wenn
wir morgen in unserem Beruf oder in unserem Haus oder auf
unserem Acker unsere Arbeit verichten, wenn wir unseren
Nachbarn und Bekannten und Freunden und Feinden begegnen,
mit ihnen sprechen oder mit ihnen nicht sprechen.
Möchte dann doch herauskommen, dass wir solche Menschen
sind, die alles, was sie tun, mit Worten und Werken, tun im
Namen und im Auftrage und im Sinne unseres Herrn Jesus
Christus.
Paulus nimmt in unseren Versen einen kleinen Ausschnitt aus
unserem Leben heraus und zeigt daran an einem Beispiel, wie
ein rechtes Verhalten des Christen als Friedenskämpfer
auszusehen hat.
Es ist das Leben in der Familie zwischen Mann und Frau,
zwischen den Eltern und den Kindern. Wenn Paulus das tut,
dann weiss er ja auch, dass gerade und besonders auf diesem
Gebiete des Zusammenlebens echter christlicher Frieden
bitter bitter nötig ist.
Wie oft ist das Miteinander von Mann und Frau, das
Verhältnis zwischen Eltern und Kindern, durch Zank und
Streit vergiftet.
Zuerst beleuchtet er das Miteinander von Mann und Frau in
der Ehe. Gott, der Herr, hat mitten unter uns Menschen die
Ehe gestiftet. Je ein Mann und eine Frau finden sich
zusammen, um gemeinsam durch das Leben zu gehen, um sich mit
ihren jeweiligen Gaben und Möglichkeiten zu ergänzen und zu
helfen. Es ist nun Gottes Schöpfungsordnung, dass der Mensch
immer nur geschaffen wird als Mann oder Frau. Und Gott hat
eben die Frau anders geschaffen als den Mann und den Mann
anders als die Frau. Mann und Frau sind Menschen, aber doch
voneinander grundlegend verschieden, nicht nur körperlich,
sondern auch seelisch.
Es gilt für uns Christen, diese ganze Verschiedenheit und
Andersartigkeit von Mann und Frau in der Ehe zu bejahen und
anzuerkennen.
Das bedeutet für die Frau, dass sie bejaht und anerkennt,
dass ihr Mann ihr gegeben ist als ein Führer durch dieses
Leben. Nicht heisst das, dass der Mann mehr wert ist als die
Frau. Der Mann hat von Gott in seinem ganzen Wesen die Gaben
und Fähigkeiten bekommen, der Beschützer der Frau und der
ganzen Familie zu sein. Diesem Beschützerauftrag des Mannes
hat sich die Ehefrau willig zu unterstellen. Für viele
modernen Frauen ist das nicht leicht. Sie sind durch die
besonderen Umstände wie Not, Krieg und Flucht und harte
Berufsarbeit zu einer grossen Selbständigkeit gelangt. Sie
haben bewiesen, dass sie ihr Leben genauso führen und leben
können wie der Mann und finden es als eine grosse
Ungerechtigkeit, sich in der Ehe dem Willen eines anderen
Menschen unterwerfen zu müssen und kämpfen für eine
Gleichberechtigung von Mann und Frau. Für diese Haltung
haben wir vollen Respekt und verstehen und aktzeptieren sie
auch.
Was hier der Apostel meint, ist aber keine sklavische
Unterwerfung der Frau in der Ehe unter den Willen des
Mannes, auch keine Geringschätzung der Frau, sondern eine
Beachtung der Schöpfungsordnung Gottes, in der Gott eben die
Frau anders geschaffen hat als den Mann. Die Frau ist in
ihrer Natur rein körperlich und auch seelisch viel mehr auf
die Hilfe eines Stärkeren angewiesen. Nach den Statistiken
ist sie auch für Krankheiten viel anfälliger. Gott hat ihr
in der Ehe andere Aufgaben gegeben als dem Mann, Aufgaben,
die der Mann nicht erfüllen kann und die genauso wertvoll
sind als die Aufgaben des Mannes. Wie grossartig ist doch
die Aufgabe und der Auftrag, den Gott einer werdenden Mutter
in der Schwangerschaft gegeben hat, oder in der Erziehung
der Kinder, die hier meistens in den Händen der Frau liegt.
Wenn hier in unserem Text der Apostel Paulus den Kolossern
sagt:
"Ihr Frauen, seid untertan euren Männern, wie sich's
gebührt,"
dann ruft er nichts anderes den Frauen zu, als dieses: Ihr
Ehefrauen, erkennt Gottes Willen an, der euch als ein Frau
geschaffen hat und lasst euch darum die Hilfe des Mannes
gefallen; stellt euch willig unter den Schutz des Mannes,
den Gott euch als euren Ehemann geschenkt hat.
Frauen mit einem Benehmen nach der Art der Männer, Frauen,
die allein das Regiment in der Ehe und in der Familie führen
wollen, erscheinen in der Umwelt als traurige Gestalten. Sie
wollen keine Frauen mehr nach der Schöpfungsordnung Gottes
sein und können aber auch keine richtigen Männer werden, so
werden sie zu Tyrannen in der Familie und in ihrer Umgebung.
Hier in diesem Zuammenhang sprechen wir nicht von den
Vielen, die durch Vererbung und von Geburt schon nicht in
die Rolle eines Mannes oder einer Frau hineinpassen. Noch
wissen wir zu wenig überdiese Realität. Aber es gilt, diesen
Menschen in Achtung zu begenen und sie nicht von vornherein
zu verurteilen und zu verdammen.
Der Auftrag des Mannes in der Ehe, seine Frau in seinen
Schutz nu nehmen, bedeutet nun nicht, dass er seine Frau als
seine Sklavin, als seine Dienstmagd behandelt. Er kann
überhaupt nicht mit seiner Frau machen,was er will, sondern
sie steht gleichwertig in der Ehe neben ihm, nur eben mit
anderen Aufgaben als er sie hat. Und in welcher Weise ist
doch gerade der Mann eben auf anderen Gebieten als die Frau,
auf Hilfe angewiesen, auf die Hilfe seiner Ehefrau
angewiesen.
Eine rechte Ehe ist immer ein gemeinsames Miteinander mit
einem Mann und einer Frau, die sich gegenseitig helfen,
jeder mit der Gabe, die er von Gott geschenkt bekommen hat.
Der Mann hilft seiner Frau dadurch, dass er ein ganzer Mann
ist, kein Tyrann, und die Frau hilft ihrem Mann dadurch,
dass sie eine ganze Frau ist.
Weil das so ist, darf ein Mann sich über seine Frau nicht
erheben und sich nicht mehr und nicht höher dünken, sondern
an ihrer Seite und mit ihr gemeinsam in echter Liebe durch
das Leben gehen, da jeder weiss, wie er dem anderen helfen
kann und es auch tut.
Deshalb kann hier der Ehemann auch ermahnt werden:
"Ihr Männer, liebet eure Frauen und seid nicht bitter gegen
sie."
Wenn Mann und Frau als Christen hingehen und so ihre Ehe
leben und führen, dann kann und wird eine solche Ehe ein
Zeichen dafür sein, dass Gott heute noch den Menschen durch
seinen Sohn Jesus Christus den Frieden geben kann.
Nun leuchtet Paulus mit einem Wort auch in das Leben einer
Familie hinein. Auf der einen Seite stehen Vater und Mutter
und auf der anderen Seite die Kinder:
"Ihr Kinder, seid gehorsam den Eltern in allen Dingen, denn
das ist dem Herrn gefällig. Ihr Eltern, erbittert eure
Kinder nicht, auf dass sie nicht scheu werden."
Am meisten bekannt und als eine selstverständliche
Angelegenheit gilt es, den Eltern gehorsam zu sein. Wir
haben ja im Konfirmandenunterricht das 4. Gebot gelernt und
sind vielleicht von den Eltern nur zu oft in diesem Sinne
ermahnt worden, dass wir sie zu ehren und zu lieben haben
und ihnen Gehorsam zu sein schuldig sind. Und daran ist auch
nicht zu rütteln, dass Gott den Menschen, die uns ins Leben
gerufen, uns ernährt und versorgt haben, dass Gott unseren
Eltern eine besondere Würde gegeben hat, die wir zu
respektieren haben und ihnen Gehorsam schuldig sind.
Aber unsere Verse ermahnen nicht nur die Kinder gegenüber
ihren Eltern, sondern ermahnen auch die Eltern im Verhältnis
zu ihren Kindern, was weithin von den Eltern vergessen wird:
"Ihr Eltern, erbittert eure Kinder nicht, auf dass sie nicht
mutlos und scheu werden."
Noch gestern las ich in einer evgl. Zeitschrift in
spanischer Sprache folgende Begebenheit, die sich in einer
christlichen Familie zugetragen hat:
"Vater und Mutter und ein 16-jähriger Sohn sitzen am frühen
Morgen beim Frühstück. Es besteht bei ihen die gute Sitte,
einige
Verse aus der Heiligen Schrift zu lesen. Der Vater liest
vor, und zwar haben sie an diesem Vormittage unseren
heutigen Text aufgeschlagen. Er kommt an die Stelle:
"Ihr Kinder, seid gehorsam den Eltern in allen Dingen, denn
das ist dem Herrn gefällig."
Der Vater fühlt sich in seiner Autorität gestärkt und will
seinen Sohn ermahnen, doch immer daran zu denken und sagt:
Mein Sohn, das ist ein gutes Wort, du musst dieses Wort noch
einmal hören. Er liest also dieses Wort noch einmal und dann
liest er weiter: "Ihr Eltern, erbitter eure Kinder nicht,
auf dass sie nicht mutlos, nicht scheu werden."
Da schaut der Sohn den Vater gross an und sagt: Papa, das
ist aber auch sehr gutes Wort Gottes, das musst du ebenfalls
noch einmal vorlesen. Dieses Wort hast du mir noch nie
gesagt.
Soll ein friedliches Miteinander in der Familie sein,
zwischen Eltern und Kindern eine gute Harmonie bestehen,
dann geht es eben nicht an, dass die Eltern nur auf das 4.
Gebot aufmerksam machen, um die Kinder zum Gehorsam zu
zwingen, einen Gehorsam vielleicht, den die Kinder, so wie
er gefordert wird, nicht mehr geben können und nicht mehr
wollen.
So, wie gute Kinder wissen, dass das 4. Gebot: "Du sollst
deinen Vater und deine Mutter ehren!" gilt und sie es auch
ganz ganz ernst nehmen, so wissen allerdings gute Eltern
auch, dass sie es mit dieser Gehorsamsforderung nicht zu
weit treiben dürfen.
Ich bin doch sehr erschrocken gewesen, als mir vor wenigen
Tagen in einer Nachbargemeinde ein Mann von mehr als 50
Jahren, verheiratet mit mehreren Kindern, voll Zorn
erzählte, dass sein Vater, schon über 80 Jahre alt, von
seinem Sohne verlange, dass er seine ganze Arbeit auf dem
Hof nach den Befehlen seines alten Vaters tun müsse. Wehe
ihm, wenn er einmal etwas nach seinem eigenen Willen tun und
seinem Vater nicht in allen Dingen gehorchen würde, dann
würde er ihm nämlich das Erbteil, dass er ihm besonders
zugedacht habe, nicht geben.
Meines Erachtens geht das zu weit. Zu solch einer
Gehorsamsforderung haben die Eltern in diesem Falle kein
Recht.
Oder welche inneren Nöte entstehen bei erwachsenen und
verheirateten Kindern, die zu Hause lange Jahre noch immer
für Vater und Mutter ohne ein Entgelt arbeiten und trotzdem
nicht wissen, wie einmal die Erbschaftsangelegenheit
geregelt werden wird, weil der Vater sich nicht um das
Testament kümmert, in dem nach seinem Tode die
Besitzverhältnisse klar und deutlich geregelt sind.
Solche Kinder, die zu Hause bleiben mussten, während die
anderen alle bereits jahrelang aus dem Hause sind, verlieren
leicht die ganze Lust und Freudigkeit zur Arbeit auf dem
väterlichen Acker.
Hier gilt auch die Mahnung des Apostels Paulus:
"Erbittert nicht eure Kinder, reizet sie nicht zum Zorn!"
Wenn Eltern solch eine Gehorsamsforderung an ihre
erwachsenen und verheirateten Kinder stellen, dann brauchen
sie sich nicht zu wundern, dass die Kinder sehnsüchtig
darauf warten, dass die Eltern endgültig und fúr immer ihre
Augen schliessen und sie endlich als erwachsene Menschen mit
einem eigenen Willen ihre Arbeit tun können.
Gute Eltern verlangen von ihren Kindern nicht einen
Gehorsam, dem man auch Kadavergehorsam oder Sklavengehorsam
nennt, sondern sie lassen ihnen genügend Freiheit, denn mit
dem Alter haben die Kinder immer mehr Lebenserfahrung, auch
andere Anschauungen, die durchaus besser sein können als die
der Eltern.
Manchmal treten auch starke Spannungen dadurch auf, dass die
Kinder heiraten und die Eltern meinen, ihr Sohn oder ihre
Tochter müssten noch wie zuvor ihnen mehr gehorchen als der
Ehefrau bzw. dem Ehemann. Durch eine Heirat tritt zwischen
den Eheleuten aber eine stärkere Bindung ein als die Bindung
zwischen Eltern und Kindern. Der verheiratete Sohn ist
zuerst in allen Dingen der Ehemann seiner Frau und dann erst
Kind seiner Eltern. Dasselbe gilt auch von der Tochter.
An alle diese Dinge erinnert der Apostel Paulus in unserem
Text die Eltern, wenn er mahnt:
"Ihr Eltern, seid nicht bitter gegen eure Kinder und macht
sie nicht mutlos!"
Eltern, die von ihren erwachsenen Kindern nicht mehr den
Gehorsam fordern und verlangen, den sie einst von ihnen
verlangt haben, wie sie kleine Kinder waren, machen es
ihreen grossen Kindern leichter, das 4. Gebot zu beachten
und Vater und Mutter zu ehren bis ins hohe Alter hinein,
einen Gehorsam, den sie in aller Freudigkeit und Freiheit
geben Können, als freie Kinder ihrer Eltern und nicht als
Sklaven.
"Alles, was ihr tut mit Worten oder Werken, das tut alles in
dem Namen Jesu und danket Gott und dem Vater durch ihn."
Die Kampffront, um als Menschen des Friedens für den Frieden
zu kämpfen, besteht also bereits schon in der Ehe und in der
Familie. Gott. der Herr, möge es uns schenken, dass unsere
Ehen und unsere Familien wirklich solche Stätten des
Friedens und der Freude werden.