Brief an die Kolosser 19
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:22/11/1956
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Vizcacheras, 24-3-1957
Meroú, 19-5-1957
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Kolosser 3, 4-9
Skopus: Der alte und der neue Mensch
Der Brief des Apostels Paulus an die Kolosser 19 3, 4-9
"Wenn aber Christus, unser Leben, sich offenbaren wird, dann
werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit. So
tötet nun die Glieder, die auf Erden sind, Unzucht,
Unreinigkeit, schändliche Lust, böse Begierde
und die Habsucht, welche ist Götzendienst, um dessentwillen
der Zorn Gottes kommt. In dem allen seid auch ihr gewandelt,
als ihr noch darin lebtet. Nun aber leget alles ab von euch,
Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem
Munde. Belüget einander nicht; denn ihr habt ja ausgezogen
den alten Menschen
mit seinen Werken."

In uns streiten 2 Menschen um die Herrschaft, einmal der
böse Mensch, der immer genau das tut, was Gott nicht haben
will. Für den, der auf das Kreuz auf Golgatha schaut, ist es
eine grosse und herrliche Gewissheit, dass dieser alte und
böse Mensch mit Jesus am Kreuz gestorben ist. Schauen wir
auf den gekreuzigten Jesus, dann ist der böse und schlechte
Mensch in uns tot.
Zum anderen möchte in uns der neue Mensch, der gute Mensch,
der ein Kind Gottes ist, geboren werden, immer wieder neu
geboren werden.
Wer also auf den gekreuzigten und auferstandenen Herrn
schaut, der darf es erleben, dass sein böses Ich stirbt und
das neue gute Herz in uns anfängt zu schlagen.
Nun wissen wir als schwache Menschen dieser Erde, dass wir
immer und immer wieder das gerade in unserem Leben nicht
tun, nämlich auf den gekreuzigten und auferstandenen Herrn
zu schauen. Wir lassen uns durch allerlei andere Dinge
ablenken, so wie die Kolosser sich immer wieder haben von
dem Blick auf Jesus Christus haben abbringen lassen. Darum
das heillose Durcheinander im Leben der einzelnen Menschen,
in der Familie, aber auch im Leben der Gemeinde, damals und
heute:
Der alte und böse Mensch in uns will nicht sterben und der
neue gute Mensch in uns kann noch nicht geboren werden, weil
er noch nicht richtig leben kann.
Aus diesem Zwischenzustand heraus kommen über uns aufs neue
grosse Spannungen und Nöte, mit denen wir kaum fertig
werden, die uns wiederum unter Gottes Zorn und unter Gottes
Gericht bringen.
Wer von uns hätte diese gleichen Nöte nicht selber an seinem
eigenen Leibe und im eigenen Leben auch erleben müssen?!
Nun weiss der Apostel das eine ganz gewiss, in Jesus
Christus ist der alte Mensch wirklich tot und ist der neue
Mensch wirklich geboren und lebt und regiert in uns.
Paulus weiss allerdings das andere auch, dass wir schwachen
Menschen auf dieser Erde, in diesem Leben sind und bleiben.
Wir stehen immer im steten Kampf. Einmal ist der böse Mensch
in uns an der Macht und regiert uns und kommandiert uns und
wir tanzen nach seiner Flöte, sodass nicht nur die anderen
Menschen vor uns Angst bekommen, sondern wir fürchten uns
vor uns selbst. Das andere Mal wieder spüren wir im Aufblick
auf Jesus Christus, wie der neue Mensch in uns lebt und uns
in Besitz nimmt und wir als die besten Menschen von der Welt
erscheinen, sodass sich nicht nur Gott über uns freut,
sondern auch unsere Eltern oder unsere Kinder, Freunde und
unsere Nachbarn.
Man sagt ja schon mal, manchmal handelt er wie ein Teufel
und das andere Mal wieder wie ein Engel. Und der Dichter
Goethe hat vielleicht von dieser Not etwa geahnt, wenn er
seufzt:
"Zwei Seelen, ach, die wohnen jetzt in meiner Brust."
Paulus sagt den Kolossern, verzweifelt nicht in diesem Kampf
in eurem Leben, denn solange ihr auf dieser Erde in dieser
Zeit lebt, solange wird dieser Kampf anhalten. Denkt daran,
am Karfreitag und Ostern ist durch Jesus Christus der Sieg
des guten Menschen über den alten in euch bereits errungen
und es kommt der Tag und es kommt die Stunde, wo auch in
eurem Herzen nicht mehr gekämpft werden braucht, da aller
Streit im eigenen Herzen und alle Not ein Ende hat und die
grosse Freude über den Sieg des guten Menschen unser Herz
erfüllt.
"Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann
werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der
Herrlichkeit."
Es wird der Tag und die Stunde kommen, da wir mit Jesus
Christus zur Rechten Gottes in der ewigen Herrlichkeit
vereinigt sein werden.
In der Offenbarung des Johannes steht darüber das Wort:
"Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der
Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei noch
Schmerz wird mehr sein." Oder:
"Diese sind es, die gekommen sind aus grosser Trübsal und
haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell
gemacht im Blut des Lammes. Sie wird nicht mehr hungern noch
dürsten, es wird auch nicht auf sie fallen die Sonne oder
irgendeine Hitze, denn das Lamm wird sie weiden und leiten
zu den ewigen Wasserbrunnen und Gott wird abwischen alle
Tränen von ihren Augen."
Wahrlich, dann kann jubiliert und triumphiert werden:
"DAS ALTE IST VERGANGEN, SIEHE, ES IST ALLES NEU GEWORDEN."
Paulus bezeugt uns dieses, damit wir in dem Kampf zwischen
dem alten und dem neuen Menschen einmal frische Luft
schöpfen und uns die fröhliche Gewissheit geschenkt wird,
dass einmal der Kampf zu Ende sein wird und uns die ewige
Freude geschenkt wird.
Er sagt uns das allerdings nicht, damit wir nun Kampf Kampf
sein lassen und die Hände in den Schoss legen sollen, um
über kommende herrliche Zeiten zu träumen.
Jesus Christus hat unsere ganze Schlechtigkeit mit auf das
Kreuz genommen, nun erwartet er auch, dass wir JA sagen zu
dem, was er getan hat, dass wir JA sagen zu dem Kampf
zwischen dem alten und neuen Menschen in uns, dass wir
hinter Jesus Christus hergehen und mit ihm auf seiner Seite
kämpfen auch gegen unser eigenes böses Ich.
Darum kann er die Kolosser und uns auffordern, mitzukämpfen
gegen den alten und bösen Menschen in uns,
"So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind!"
Nach Paulus sollen wir in dem Kampf nicht die Hände in den
Schoss legen und träumen, sondern zu jeder Zeit bereit sein,
mutig und tapfer zu kämpfen gegen unseren schlechten
Menschen in uns.
Die Kolosser bekommen nun gesagt, woran sie es erkennen
können, dass der böse Mensch bei uns an der Arbeit ist und
wir bereit sein sollen, nun gegen ihn zu kämpfen und ihn zu
töten.
Bei der Aufzählung der Erkennungszeichen des alten Menschen
in uns nehmen die geschlechtlichen Verirrungen den grössten
Raum ein. Er tut das aus der damaligen Auffassung heraus,
als ob die Geschlechtlichkeit, die Sexualität der Menschen
das Hauptbetätigungsfeld des bösen Ichs sei.
Wenn wir heute das so auch nicht sagen können, so wissen wir
aber doch, zu welchen Irrungen und Verwirrungen der alte
Mensch und gerade auch auf diesem Gebiete verführen kann.
Das Zweite, woran wir erkennen können, ob bei uns der alte
oder der neue Mensch regiert, ist, ob wir geizig sind. Der
Geizige vergisst, dass er im letzten Grunde garnicht der
Besitzer seines Geldes, seines Habs und Gutes ist, sondern
Gott, der Herr. Alles, was wir haben, haben wir von Gott nur
geliehen bekommen, und müssen es einmal verantworten, was
wir damit gemacht haben, ob wir das mit dem Geld gemacht
haben, was Gott haben wollte.
Wer geizig unter uns Christen ist, und seinen Mitmenschen
und Gott nicht geben will, was ihnen zusteht, der muss es
klar und deutlich hören, dass bei ihm zu erkennen ist, dass
er noch von seinem alten Menschen, trotz seines Christseins,
beherrscht wird, den er doch töten sollte.
Nun werden noch andere Erkennungszeichen des alten Menschen
in uns angeführt: Zorn, Groll oder Grimm, Bosheit,
Lästerung, über andere Schlechtes reden, sich gegenseitig
belügen und betrügen.
Ohne ausführlich auf diese Dinge einzugehen, wissen wir alle
selbst, was sie im einzelnen vielleicht gerade bei uns in
unseren persönlichen Kampf bedeuten. Paulus mahnt: Schlagt
diesen alten und bösen Menschen in euch tot, der das alles
von euch will, denn von Jesus Christus ist er bereits
totgeschlagen worden; zeigt, dass ihr Jesus Christus dankbar
seid für das, was er getan hat.