Brief an die Kolosser 18
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:08/11/1956
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Kolosser 3, 1-3
Skopus: Der Gekreuzigte ist der Herr des Lebens
Der Brief des Apostels Paulus an die Kolosser 18 3, 1-3
"Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so suchet, was
droben ist, sitzend zu der Rechten Gottes. Trachtet nach
dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist. Denn
ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit Christus
in Gott."

Im letzten Wochengottesdienst hörten wir, wie der Apostel
Paulus den Kolossern zugerufen hatte, dass sie nie den Grund
des christlichen Glaubens vergessen sollen: DAS KREUZ AUF
GOLGATHA = Wer Jesus im Glauben am Kreuze erblickt, wird
heil zu der selbigen Stnd.
Damit jagt Paulus die Irrlehrer aus der christlichen
Gemeinde fort, die meinen, der Mensch könne sich den Himmel
durch seine guten und frommen Werke selbst verdienen. Nein,
nein - das Kreuz auf Golgatha zeigt an, dass all unser
Tun, so fromm und gut es aussehen mag, nur dazu ausreicht,
den Sohn Gottes auch noch umzubringen.
Dieser Jesus Christus am Kreuz, den wir alle dahin gebracht
haben, sagt aber als die frohe Bottschaft an uns alle:
"Sei getrost, ich litt und ich starb für dich, gerade auch
für dich!"
Der Mensch nun, der seine ganze Hoffnung darauf setzt, was
Jesus Christus für ihn getan hat, der hat bereits das ganze
Heil geschenkt bekommen. Solch ein glaubender Mensch steht
vor Gottes Thron und darf erfahren, dass er von Gott nicht
verdammt, sondern um des Verdienstes unseres Erlösers willen
errettet wird und die ewige Seligkeit geschenkt bekommt.
Für den an Christus Glaubenden, ist das Kreuz auf Golgatha
das Zeichen dafür, dass sein altes und böses und schlechtes
ICH vor Gott nicht mehr besteht, sondern mit diesem Jesus
von Nazareth am Kreuz gestorben ist. Im Zeichen des Kreuzes,
allerdings nur im Zeichen des Kreuzes, ist vor Gottes
Angesicht der Christusgläubige ein guter und sündloser
Mensch, ein Kind Gottes.
Durch das, was Gott in seinem Sohne für uns tat, werden wir
für gut und sündlos gesprochen. Schauen wir von diesem
Kreuze weg auf uns, auf unser Tun und Lassen, auf unser
Beten, auf unser Singen, dann sind wir wieder die Verlorenen
und Verdammten, die Schlechten, die Bösen, also die Feinde
Gottes.
"Wer Jesus im Glauben am Kreuze erblickt, wird heil zu der
selbigen Stund",
gilt für alle Tage unseres Lebens. Im Kreuz auf Golgatha
verwirklicht sich unsere Rettung, ausserhalb des Kreuzes
wartet auf uns die Verdammnis.
Darum warnt Paulus ja die Kolosser so davor, dass sie unter
keinen Umständen den Blick vom Kreuze abwenden und hinwenden
auf ihr Tun und Lassen und auf ihre eigene Frömmigkeit. Es
geht dabei doch um unsere ewige Seliogkeit oder um unsere
ewige Verdammnis.
In unserem heutigen Abschnitt allerdings sieht Paulus noch
eine Stufe weiter. Er sieht Jesus Christus nicht nur am
Kreuz hängen, sondern er sieht ihn auch als den
Auferstandenen, als den Siegesfürsten. Über dem Kreuz auf
Golgatha leuchtet die helle Sonne des Auferstehungsmorgen.
Der Sohn Gottes, der am Kreuz gestorben ist, ist
auferstanden, er lebt und ist aufgefahren gen Himmel zu
seinem Vater und ist zum König und Herrn Himmels und der
Erde eingesetzt.
Im apostolischen Glaubensbekenntnis bekennen wir diese
Realitát in jedem Gottesdienst:
"Ich glaube an Jesus Christus, .........., am 3. Tage wieder
auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend
zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.'
Jetzt deutet der Apostel ein Geheimnis an, das für uns fast
zu hoch erscheint, um es voll und ganz verstehen zu können.
Paulus schreibt, dass ebenso wie bei uns unser alter Mensch,
mit allem Schlechten und Bösem, mit Jesus Christus am Kreuz
auf Golgatha gestorben ist, ebenso sind wir als neue
Menschnen, als sündlose Menschen, als Kinder Gottes, mit
Jesus Christus auferstanden und in den Himmel aufgefahren
und mit Christus bereits heute schon in der ewigen
Herrlichkeit.
Das ist ein ungeheuerliches Wort, das Paulus den Kolossern
und uns zuruft:
Du gläubiger Christ, dessen alter Mensch mit Jesus Christus
am Kreuz auf Golgatha gestorben ist, du lebst bereits als
der neue MJesus Christus in der ewigen Herrlichkeit.
Wenn Paulus das sagt, dann träumt er nicht, sondern dann
bezeugt er uns im Auftrage seines Herrn, dass der Mensch,
der an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn glaubt,
nicht erst noch das ewige Leben geschenkt erhalten muss,
sondern der gläubige Christ hat bereits das ewige Leben
geschenkt bekommen, so wahr wir mit Jesusu Christus
auferstanden sind.
In einem Osterlied singen wir doch:
"Seinen Raub der Tod musst' geben her,
das Leben siegt und ward ihm Herr.
Zerstöret ist nun all sein Macht,
Christ hat das Leben wiederbracht. Halleluja."
Wir Christen sind solche Menschen, die mit ihrem alten und
bösen Menschen mit Jesus Christus am Kreuz auf Golgatha
gestorben sind, sie sind aber auch solche, die mit ihrem
neuen Menschen, der VOR GOTT gerecht und gut ist, mit Jesus
Christus am Auferstehungsmorgen auferstanden sind und leben.
Dieser neue Mensch wird nicht sterben, sondern mit dem Herrn
leben in Ewigkeit. Schon in der Auferstehung Jesu Christi
ist uns die ewige Seligkeit geschenkt worden.
Allerdiungs weiss der Apostel Paulus, dass der Christ immer
wieder im Alltag seines Lebens seinen Blick nicht hinrichtet
auf das Kreuz auf Golgatha und nicht hinrichtet auf den
Auferstehungsmorgen.
Was geschieht nun, wenn er das nicht tut, oder es nur halb
tut? Der Christ, der seinen Blick nicht immer hinwendet auf
Karfreitag und Ostern, der muss es dann erleben, dass sein
alter Mensch, der ein Feind Gottes ist, noch nicht so
richtig tot ist, dieser alte Mensch, der zornig, geizig oder
bösartig oder schwatzsüchtig ist, der noch nocht richtig tot
ist, versucht, uns ganz und gar wieder in Besitz zu
bekommen, uns ganz und gar zu beherrschen. Der Christ, der
seinen Blick nicht immer richtet auf Karfreitag und Osterm,
muss es erleben, dass der neue Mensch, der ein Kind Gottes,
ein Freund Gottes, ist, noch nicht richtig geboren wurde. Er
lebt und lebt doch nicht.
Das ist das, was der Apostel Paulus in der Gemeinde zu
Kolossä vor sich hat: Eine Gemeinde, eine Schar von
Menschen, die wohl die neuen Menschen in Jesus Christus sein
wollen, bei denen aber der alte und böse Mensch noch nicht
richtig tot ist, sondern immer wieder nach Luft schnappt und
verlangt, dass nach seinen Befehlen gehandelt wird.
Weil dieser alte Mensch in der Gemeinde zu Kolossä, aber
auch in Aldea Protestante, immer noch lebt, darum ist in ihr
auch immer noch Hass und Streit, Lüge und Geiz und Bosheit
und Aberglauben und Irrlehre zu Hause.
Indem Paulus ihnen zuruft
"Trachtet nach dem, was droben ist!"
bitter er sie, dass sie doch wieder ihren Blick hinwenden
sollen zum gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus
Christus, der da sitzet zur Rechten Gottes, damit der alte
Mensch endlich, endlich sterbe und der neue Mensch endlich,
endlich, bei uns und in uns geboren werde und uns beherrsche
und einer christlichen Gemeinde das anzumerken ist, dass sie
aus wiedergeborenen neuen Menschen besteht.