Brief an die Kolosser 12
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:09/08/1956
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Kolosser 1, 24-29
Skopus: Warum schreibt Paulus diesen Brief?
Der Brief des Apostels Paulus an die Kolosser 12 Kolosser
1, 24-29
2. Teil
Paulus, der Apostel, erinnerte uns daran, dass wir auf das
Ende dieser Welt zugehen, dass aber für uns als Christen
dieses Ende der Anfang der Herrlichkeit sein wird. Jesus
Christus kommt wieder als der Herr der ganzen Welt, als der
Herr der ganzen Schöpfung.
Allerdings ist sein Wiederkommen auf diese Erde begleitet
von viel Not und Verfolgung bei denen, die ihn liebhaben.
Der Weg in die Herrlichkeit geht für uns durch viel Leid und
Kummer und Schmerzen. Der Apostel IM GEFÄNGNIS ZU CÄSAREA
weiss, Jesus ist nahe, Jesus ist schon auf dem Weg, er
kommt.
Bevor nun Paulus in einer ganz besonderen Weise auf die Nöte
und Gefahren der Gemeinde zu Kolossä zu sprechen kommt. legt
er ihnen dar, warum er sich in die Gemeindeangelegenheiten
von Kolossä einmischt. Man könnte doch sagen, ihm gingen die
Verhältnisse dort garnichts an, einer Gemeinde, die er noch
nie gesehen und in der er noch nie gepredigt hat.
Ich habe die Vollmacht, liebe Gemeinde, mich in eure
Angelegenheiten zu mischen, schreibt der Apostel, weil von
Gott es anbefohlen wurde:
"Ich bin nach Gottes Willen ein Diener der Gemeinde
geworden."
Wir brauchen ja kaum daran zu erinnern, wie aus dem
Christushasser Saulus da vor der Stadt Damaskus der Apostel
geworden ist. Mit mächtiger Hand hatte Gott in das Leben
dieses Mannes eingegriffen und jetzt steht er da als ein
Diener der Gemeinde, als ein Apostel der Kirche.
Diener der christlichen Gemeinde zu sein, bedeutet nun
nicht, alles zu tun, was eine Gemeinde haben will, wie ja
auch schon Epaphras sich geweigert hatte, den ganzen
heidnischen Schwindel und Zauber, der in der christlichen
Gemeinde zu Kolossä eingedrungen war, als eine gute
christliche Sache anzusehen. Zum Diener der christlichen
Gemeinde wird ein Mensch auch nicht dadurch, dass er glaubt
und meint, dass das, was die anderen können, kann ich auch
und es ist so schön, vor allen Leuten als Mensch zu
erscheinen, der so viel schon für die Gemeinde getan hat
und heute noch tut.
Nein, Diener einer Gemeinde ist nur der zu Recht, der weiss,
Gott, der Herr, und Jesus Christus, haben ihn zum Dienst in
der Gemeinde gerufen.
Wenn wir einmal unsere Gemeinde ansehen, dann gibt es in ihr
viele Dienste und Aufgaben, ganz gleich, ob es der Vorstand
ist oder die Kirchenvorsteher oder die Organistin oder das
Sauberhalten der Kirche oder auch die Helfer im
Kindergottesdienst oder jetzt die Jugend, die das
Jugendtreffen im September vorbereiten.
Wissen alle diese Diener und Dienerinnen der Gemeinde, dass
sie nur dann rechte Diener und Dienerinnen der Gemeinde
sind, wenn sie ihre Aufgaben erfüllen als solche, die von
ihrem Herrn Jesus Christus zum Dienst für die Gemeinde
gerufen sind?
Und alle Dienste in der Gemeinde haben nur einen einzigen
Sinn, Jesus Christus zu ehren und mitzuhelfen, dass das Wort
Gottes besser verstanden wird und noch lauter zu hören ist
als bisher.
Was wäre zum Beispiel ein Gemeindechor, der nur zu seiner
Ehre singen wollte und sich beim guten Singen bis in den
Himmel hineingeehrt fühlte oder wenn es einmal stimmlich aus
irgendeinem Grunde daneben gehen sollte, sich als blamiert
fühlt?
Es geht in allen Diensten der Gemeinde darum, und zwar,
ausschliesslich und allein, darum, dass Jesus Christus
geehrt wird und sein Wort noch besser und noch reiner gehört
werden kann. Alle Aufgaben in der Gemeinde sind
zusammengefasst in dem einen Auftrag, Jesus Christus zu
verkündigen und zu predigen, sodass er selbst zu Worte
kommen kann. So schreibt der Apostel Paulus:
"Ich bin nach göttlichem Ratschluss ein Diener der Gemeinde
geworden, dass ich nämlich das Wort Gottes verkündigen soll,
damit Jesus Christus unter uns lebendig sei."
Und von diesem Auftrage her als ein Verkündiger der
Gemeinde, den er vom Haupte Jesus Christus bekommen hat, hat
er, der Apostel Paulus, auch die Vollmacht, alles das, was
in der Gemeinde zu Kolossä geschieht, unter das Wort Gottes
zu stellen und zu prüfen, ob das alles vor dem Herrn der
Kirche bestehen kann, was da in der Gemeinde geschieht.
Jeder Dienst in der Gemeinde will mithelfen, dass unser Herr
Jesus Christus mitten unter uns lebt; jeder Dienst und jede
Arbeit, ganz gleich welcher Art, die andere menschliche
Beweggründe und Ziele haben, dürften im letzten Grunde auch
nicht ausgeführt werden, d.h. die Gemeinde müsste auf solche
Dienste verzichten, da sie sonst in der Gefahr stünde, die
eigene Ehre zu suchen und nicht Christi Ehre allein.
So liegt zum Beispiel über dem Gottesdienst von Kain und
Abel in der Bibel ein grosser Schatten der eigenen Ehre, der
dahinführt, dass 2 Kinder Gottes sich aus Religion streiten
und Kain sogar seinen Bruder Abel ermordet. Ob das geschehen
wäre, wenn sie wirklich bei ihrem Opfer-Gottesdienst nur
allein Gottes Ehre gesucht hätten?
Jesus Christus mitten in seiner Gemeinde zu Worte kommen zu
lassen, ihn als den Herrn zu erkennen, bedeutet aber auch,
dass der Einzelne in der Gemeinde sein ganzes Leben so
führt, dass man an ihm erkennen kann: Dieser Mensch wird
Schritt für Schritt begleitet von seinem Herrn Jesus
Christus; dieser Mensch liebt seinen Heiland, weil sein
Heiland ihn zuerst geliebt hat.
Es kann von daher schon bei der Gemeinde zu Kolossä, aber
auch bei unserer Gemeinde, gefragt werden: Ist Jesus
Christus so mitten unter uns, dass es uns Christen Tag für
Tag anzumerken ist, dass Jesus mit uns durch das Leben geht?
Und darin sieht der Diener der Gemeinde, Paulus, seine
Aufgabe, dass durch die Predigt des Wortes Gottes Jesus
Christus mitten in der Gemeinde zu Hause ist, bei den Seinen
und dass wir Christen mit ihm, an seiner Hand, durch das
Leben gehen.
So wird allein schon durch den Auftrag des Apostels ganz am
Anfang der Gemeinde zu Kolossä die Frage vorgelegt:
Ist in dieser Weise bei der Gemeinde wirklich noch Jesus
Christus in der Mitte?