Brief an die Kolosser 06
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:07/06/1956
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Kolosser 1, 9-12
Skopus: Paulus betet für die Gemeinde
Der Brief des Apostels Paulus an die Kolosser 6 1, 9-12
"Darum auch wir von dem Tage an, da wir's gehört haben,
lassen wir nicht ab, für euch zu beten und zu bitten, dass
ihr erfüllt werdet mit Erkenntnis seines Willens in aller
geistlichen Weisheit und Einsicht, auf dass ihr des Herrn
würdig wandelt zu allem Gefallen und Frucht bringt in
jeglichem guten Werk und wachset in der Erkenntnis Gottes
und gestärkt werdet mit aller Kraft durch seine herrliche
Macht zu aller Geduld und Langmut. So saget nun Dank mit
Freuden dem Vater, der euch tüchtig gemacht hat zu dem
Erbteil der Heiligen im Licht."

Selbst bei dieser Gemeinde zu Kolossä, die in der Gefahr
steht, aus einer christlichen Kirche zu einem rein
menschlichen Verein zu werden, hat der Apostel noch viel
Grund, zu danken. In aller Schwachheit, aber doch als eine
feste Wirklichkeit, ist Jesus Christus mitten unter ihnen,
indem durch Epaphras Gottes Wort verkündigt wird.
Nun aber kennt Paulus die Lage zu Kolossä zu genau mit allen
Nöten und Schwachheiten und Gefahren und Irrtümern, um nicht
zu wissen, dass der Herr der Kirche noch mehr als bisher zu
Worte kommen muss, dass dem Worte dieses Hernn noch mehr
gehört werden muss als bisher, dass dem Herrn Jesus Christus
durch die Gemeinde noch mehr Gehorsam geschenkt werden muss
als bisher. Darum faltet der Apostel seine Hände und fleht
diesen Herrn der Kirche im Gebet um Hilfe an:
"Derhalben auch wir von dem Tage an, da wir es gehört haben,
hören wir nicht auf, für euch zu beten und zu bitten."
Paulus weiss, dass es eine Stelle gibt, an die wir uns
wenden können, wenn grosse Nöte und Gefahren eine Gemeinde
bedrängen und ihre Existenz bedrohen. Es ist Jesus Christus
selbst, ist Gott, der Herr und Vater.
Wer sich an ihn wendet, wer ihn um etwas bittet, wird
niemals enttäuscht werden, zumal es hier ganz besonders um
seine Kirche und um seine Gemeinde geht und er uns ja
gelehrt hat, zuerst um sein Reich, um sein Kommen, für seine
Kirche zu bitten.
Es ist doch nicht umsonst, dass er uns im Vaterunser lehrt,
dass wir zuerst beten sollen um das Kommen seines Reiches:
"Dein Reich komme."
Erst dann sollen wir beten auch um die Dinge unseres
persönlichen Lebens:
"Unser tägl;iches Brot gib uns heute."
So ist es dem Apostel gewiss, dass Jesus Christus auf dieses
Gebet hin der Gemeinde das schenken wird, was sie vom
Abgrund des Verderbens retten kann.
Ob wir alles das als Christen eigentlich schon wissen, was
wir dadurch geschenkt bekommen haben, dass wir zu unserem
Vater im Himmel und zu unserem Herrn Jesus Christus beten
dürfen? Wir könnten und müssten viel mehr Gebrauch von
diesem Geschenk machen.
Durch dieses Gebet ist der Apostel auch in einer besonderen
Weise mit der Gemeinde zu Kolossä verbunden, die er ja
persönlich garnicht kennt, sondern von ihr nur durch
Epaphras gehört hat. Aber im Gebet werden alle
vermeintlichen Schranken durchbrochen und wir stehen mit der
gesamten Christenheit auf Erden verbunden vor dem Herrn.
Wofür bittet Paulus den Herrn der Kirche?:
"Dass ihr erfüllet werdet mit Erkenntnis seines Willens!"
Damit bittet er darum, dass das Hören des Evangeliums nicht
zu einer blossen Form wird, was nun einmal zu einer
Gemeinde, die sich christlich nennt, dazu gehört, und
vielleicht sogar gern gesehen wird, wenn die Gottesdienste
ja nicht zu oft geschehen, wie ich es einmal in einer
unserer Gemeinde gehört habe. Jeden Monat Gottesdienst zu
haben, das sei doch ein bisschen zu viel, jede 2 Monate
würde auch genügen. Oder wenn bei uns im Dorfe gesprochen
wird, jede Woche einen Gottesdienst zu haben, ist doch zu
viel, einmal im Monat würde auch genügen, glücklicherweise
habe ich das Dorf noch nicht gehört.
Nein, Paulus bittet Jesus darum, dass sein Evangelium in den
Gemeinden nicht eine selbstverständliche Form und Sitte
wird, das wäre nicht genug, sondern dass wir Christen so von
diesem Evangelium abhängig sind, dass wir ohne es nicht
leben können, dass wir jeden Tag neu Hunger nach diesem
Evangelium haben und jede Gelegenheit ausnutzen, um satt zu
werden und keine Mühen scheuen um immer und immer wieder das
Wort Gottes zu hören, um Gottes Willen zu erfahren:
"Ich bitte Gott darum, dass ihr erfüllet werdet mit
Erkenntnis seines Willens."
Und wie nötig hat es doch diese Gemeinde zu Kolossä, dass
das frohmachende Evangelium in ihr noch mehr als bisher zur
Sprache kommt.
Hört die Gemeinde mehr auf Jesu Wort, dann findet sie keine
Zeit mehr, auch noch auf die Stimme vermeintlicher Götzen
und auf menschliche Stimmen zu hören.
Indem Paulus den Herrn der Kirche bittet, dass die Gemeinde
in Kolossä eine grössere Freude zum Evangelium, zum Worte
Gottes, zum Willen Gottes, bekommt, weiss er, dass diese
Freude nicht bei uns eindressiert oder eingeübt werden kann,
sondern sie ein Geschenk unseres Herrn, um das wir ihn
bitten dürfen.
Allerdings bittet Paulus nicht nur um die Freude, das
Evangelium zu hören, sondern auch darum, dass die Glieder
der Gemeinde nach diesem Willen Gottes auch leben"
"Ich bitte Gott darum, dass ihr würdig wandelt dem Herrn."
Ich möchte einmal den Bettler sehen, der eine
Millionenerbschaft bekommt und noch weiter in zerrissenen
Anzügen und Lumpen gehüllt herumläuft.
Genauso weiss der Apostel, dass ein Mensch, der das Wort
gehört hat:
Dir sind deine Sünden vergeben, du bist mein
geliebtes Kind,
nicht mehr so sein Leben führen kann, als ob er noch immer
den Schmutz und Dreck und die Schuld seines Lebens mit sich
herumschleppt.
Wie kann ein Christ zu Kolossä, dem Jesus Christus als der
auferstandene Herr begegnet ist, noch am hellen Tag oder in
der Dunkelheit des Abend zu seinem ehemaligen heidnischen
Mitgesellen gehen und sich von ihm Rat holen will über
Dinge, über die Jesus Christus allein eine Auskunft geben
kann, über die Erschaffung der Welt oder über Weltsysteme
und sonstigen Dinge? Es kann nicht möglich sein, dass jemand
sich zur christlichen Gemeinde hält uind zum Heiligen
Abendmahl geht und an den Wochentagen heimlich oder am
offenenen Tage im eigenen Dorfe oder heimlich zur Braucherin
im Nachbardorfe geht, um allerlei heidnisches Zeug zu
treiben. Dabei ist das noch das Schlimmste, dass bei diesem
dunklen Tun Gottes heiliger Name in den Schmutz gezogen
wird.
Wie könnte einer, der sich Christ nennt und sich zu den
Gottesdiensten hält, jeden Tagen vom Morgen bis zum Abend
betrunken sein und sein Hab und Gut und Geld versaufen.
Ein Christ wandelt auch so im Alltag wie am Sonntag, dass
sein Herr Jesus Christus sich seiner nicht zu schämen
braucht. Auch der Gehorsam der Menschen gegen Gott ist nicht
etwas, was wir erlernen können, was wir den Kindern
anerziehen können, sondern der Gehorsam ist ein Geschenk
Gottes an die Seinen, um den wir Gott bitten dürfen.
Überall da, wo Menschen nicht nach dem eigenen Kopf handeln,
sondern nach Gottes Willen und nach seinen Geboten, da ist
Gott selbst am Werk gewesen und hat diesen Menschen mit
seinem dicken Kopf besiegt, da hat Gott bereits diesen
Gehorsam geschenkt.
So bittet Paulus Gott für diese Gemeinde, dass sie doch von
ihrem eigenen Willen lasse und ihr Leben allein nach seinem
Willen gestalte.
Jesus Christus, der Herr, selbst ist es, der uns die Kraft
und die Vollmacht gibt, geduldig und langmütig und
freundlich und lieb zu sein zu allen Menschen. Lasst auch
uns um diesen Gehorsam gegenüber Gottes Willen bitten.
Zum Schluss endet das Gebet wiederum in ein Danklied:
"Danksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat, zu dem
Erbteil der Heiligen im Licht."
Paulus ist in einer solchen freudigen Gewissheit darüber,
dass dieser Gemeinde das Erbetene geschenkt wird, dass er im
Augenblick des Gebetes schon dafür danken kann, dass dieses
sein Gebet erhört wird. Und zwar wird der Apostel daran
erinnert, dass Gottes Hilfe für uns alle, auch für die
Kolosser, bereits geschehen ist, als er uns zu Erben seines
Himmelreiches machte. Wir sind Himmelsbürger. Wir gehören zu
Gott. Wir sind sein Eigentum. Und darum hält er auch seine
schützende Hand über uns. Er will, dass keiner von uns
verlorengeht.
In dieser frohen Gewissheit lässt Paulus mitten im Bitten
schon sein Lob- und Danklied erschallen und fordert die
Kolosser und auch uns auf, in diesen Lobgesang mit
einzustimmen:
"Euer himmlischer Vater, weiss, was ihr bedürfet, ehe ihr
ihn bittet, darum lobet und danket ihn."