Brief an die Kolosser 05
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:17/05/1956
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Kolosser 1, 3-8
Skopus: Dank des Apostels
Brief des Apostels Paulus an die Kolosser 5 1, 3-8
"Wir danken Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus,
allezeit, wenn wir für euch beten, da wir gehört haben von
eurem Glauben an Christus Jesus und von der Liebe, die ihr
zu allen Heiligen habt, um der Hoffnung willen, die für euch
bereit ist im Himmel.
Von ihr habt ihr schon jetzt gehört durch das Wort der
Wahrheit im Evangelium, das zu euch gekommen ist, wie es
auch in aller Welt da ist und Frucht bringt und so wächst,
wie auch bei euch von dem Tage an, da ihr's gehört habt und
erlangt die Gnade Gottes in der Wahrheit. So habt ihr's
gelernt von Epaphras, unserem lieben Mitknecht, welcher ist
ein treuer Diener Christi für euch, der uns auch kundgetan
hat eure Liebe im Geist."

Wir haben es schon beim letzten Mal gehört, dass der Apostel
Paulus der Gemeinde zu Kolossä zurufen kann: Mitten unter
euch ist die Gnade Gottes, die euch zu Gottes Kindern macht.
Und zwar gilt das, obwohl rein äussrlich nicht viel davon zu
sehen ist, es sieht mehr nach Zusammenbruch, nach Lauheit
und Oberflächlichkeit aus.
Paulus weiss, dass eine Schar von Menschen nicht durch ihren
besonders guten Lebenswandel oder durch einen Heiligenschein
um ihre Köpfe zu einer christlichen Gemeinde wird, sondern
ausschliesslich und allein dadurch, dass Jesus Christus
mitten unter ihnen ist.
Auch in dieser so angefochtenen und gefährdeten Gemeinde ist
Jesus Christus am Werk, davon hatte ja Epaphras, der
Gemeindeleiter, dem Paulus berichtet.
Worin zeigt es sich zum Beispiel auch bei uns, dass Jesus
Christus noch immer am Werke ist und wir also als
christliche Gemeinde unter der Gnade Gottes stehen dürfen?
Es zeigt sich darin, dass bei uns etwas zu spüren ist von
dem, was das heisst: 1. Glaube, 2. Hoffnung, 3. Liebe. Trotz
allem eingedrungenen Heidentum, trotz allem Aberglauben,
trotz aller Lauheit, wird es hier und da doch einmal
Wirklichkeit, dass da ein Mensch ist, der sich nicht
verlässt auf menschliche Meinungen, auf das Brauchen oder
auf den Mond oder was es sonst sein mag, sondern sein ganzes
Vertrauen setzt auf Jeus Christus, d.h. schlicht und
einfach, hier und da kommt es dort in Kolossä und auch hier
bei uns noch vor, dass ein Mensch glaubt, ein Zeichen, dass
Jesus Christus noch in der Gemeinde ist.
In allem Hass und in aller Feindschaft rings um uns her,
genau wie in Kolossä, wird es je und dann doch mal
Wirklichkeit, dass ein Mensch da ist, der nicht hasst, wo er
gehasst wird; der nicht wiederschimpft, wo er beschimpft
wird; der vergibt, wo ihm geflucht wird, der allen Menschen
in echter Liebe begegnet.
Es kommt ja auch unter uns nicht oft vor, aber wo es einmal
unter uns vorkommt, da dürfen wir es wissen, dass Jesus
Christus unseren Glauben hat echte Frucht bringen lassen in
der Liebe, die ausstrahlt vom Kreuz auf Golgatha, dem
grössten Zeichen der Liebe Gottes zu uns.
In allem Streben nach Reichtum, Geld und Gut und Macht, das
uns gefangen nimmt, gibt es doch einmal einen Menschen, der
darauf eben nicht seine Hoffnung setzt, sondern sich allein
darauf freut, dass er einst in aller Herrlichkeit vereint
sein wird zu einem ewigen Leben mit Jesus Christus. Weil je
und dann also in der Gemeinde zu Kolossä doch noch Menschen
waren, die etwas wussten von Glaube, Liebe und Hoffnung,
darum war es für den Apostel klar, dass noch Jesus Christus
in ihr am Werke war, dass sie noch als eine christliche
Gemeinde bezeichnet werden konnte:
"Wir haben gehört von eurem Glauben an Jesus Christus und
von der Liebe zu allen Heiligen
und um der Hoffnung willen, die euch beigelegt ist im
Himmel."
Und dafür kann Paulus seinem Vater im Himmel danken.
So beginnt der eigentliche Brief an die Kolosser mit einem
grossen Dank, nicht gegenüber der Gemeinde, nicht gegenüber
dem Vorsteher Epaphras und nicht gegenüber irgendwelchen
Menschen, sondern der Brief beginnt mit einem Dank gegenüber
Gott, der das Wunder mitten in dieser Welt hat geschehen
lassen, dass aus einer Schar irgendwelcher Menschen eine
christliche Gemeinde geworden ist, in der Jesus Christus das
Haupt und der Mittelpunkt ist:
"Wir danken Gott und dem Vater unseres Herrn Jesus
Christus."
Dieser Briefanfang sagt uns auch, wie es gekommen ist,dass
dieses Wunder einer christlichen Gemeinde geschah, wie
überhaupt in der weiten Welt auch heute noch überall
christliche Gemeinden geschehen und geschehen können, durch
nichts anderes, als dass da Menschen sind, die schlicht und
einfach das Evangelium, die Botschaft von Jesus Christus,
weitertragen.
Hier wird diese Botschaft die Wahrheit genannt, ausser der
es auf dieser Erde keine andere Wahrheit gibt. Wir werden
dabei an das Wort Jesu erinnert, das er gesprochen hat:
"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt
zum Vater denn durch mich."
So ist dann in Kolossä durch die Predigt von Jesus Christus
eine christliche Gemeinde, so ist denn in der ganzen weiten
Welt heute jede christliche Gemeinde dadurch entstanden,
dass von diesem gekreuzigten und auferstandenen Herrn
erzählt wurde und wir sind alle aufgerufen, mitzuhelfen,
dass christliche Gemeinden weiterleben, dass in unserer
Gemeinde das Wort lebendig bleibt, indem wir unseren Kindern
die frohe Botschaft von Jesus Christus weitersagen.
In unserer Gemeinde fehlt es nicht an Männern und Frauen,
die Tag für Tag arbeiten und sich abmühen für das tägliche
Brot ihrer Familien. Aber es fehlt an Männern und Frauen,
die ihren Kindern jeden Tag etwas von Jesus erzählen.
Nur da, wo dieses Wort von Jesus lebendig bleibt, da wird
eine lebendige christliche Gemeinde aufgebaut.
Als während der Hitlerzeit in Deutschland, mitten in der
Evangelischen Kirche Männer und Frauen aufstanden, die
forderten, dass vom Altar das Kreuz genommen und durch ein
Hitlerbild ersetzt werden muss und die weiter forderten,
dass von der Kanzel die Bibel verschwinden muss und ihre
Stelle Hitlers Buch MEIN KAMPF treten müsse und daraus den
Menschen verkündigt werden sollte, dass Hitler noch grösser
sei als Jesus Christus, dass das Heil nicht von Jerusalem
komme, sondern vom deutschen Menschen, der der beste Mensch
der Welt sei, da erkannten ernste Christen, jetzt geht es um
die echte Kirche oder um eine falsche heidnische Richtung,
um Heil oder um eine grosse Katastrophe, die alles und mit
ihr eine Kirche in den Abgrund reissen wird.
Wo das Evangelium von Jesus Christus nicht mehr verkündigt
wird, da steht wirklich und wahrhaftig diese Gemeinde, diese
Kirche, vor dem Abgrund des Verderbens.
Da konnte es nicht anders sein, wenn die Evangelische Kirche
in Deutschland nicht wirklich eine falsche Kirche sein
wollte, dass sich führende Männer und auch einfache
schlichte Christen 1934 zusammenfanden und mit lauter
Stimme, sodass sie von der ganzen Kirche aber auch von den
Máchtigen des Staates gehört werden mussten, die Kirche vom
Irrweg zurückriefen und in einer Erklärung öffentlich
bezeugten:
"Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und
das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. Wahrlich
ich sage euch: Wer nicht zur Tür eingeht in den Schafstall,
sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein
Mörder. Ich bin die Tür; so jemand durch mich eingeht, der
wird selig werden.
Jesus Christus, wie er in der Heiligen Schrift bezeugt wird,
ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben
und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Wir
verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche
als Quelle ihrer Verkündigung ausser und neben diesem einen
Worte Gottes auch noch
andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als
Gottes Offenbarung anerkennen."
Mit diesem Bekenntnis vollzog die Evangelische Kirche eine
offizielle Trennung von der eingedrungenen Irrlehre und
bekannte: Wir bleiben dabei, dass bei uns das Wort vom
gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus
ausschliesslich und allein verkündigt wird; tun wir es
nicht, dann sind wir keine christliche Kirche mehr.
Paulus weiss, dass in einer ähnlichen Weise Epaphras in
Kolossä die Gemeinde immer wieder vom Irrgaluben und vom
Unglauben zurückrief und allein Jesus Christus verkündigte
und darum unterstützt er in diesem Brief diesen Epaphras. Er
sagt den Kolossern in seiner Vollmacht als Apostel, Epaphras
hat euch wirklich die Wahrheit gesagt; ihr braucht zu eurer
Rettung nur das eine: Jesus Christus.