Brief an die Kolosser 02
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:19/04/1956
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Kolosser 1, 1-2
Skopus: Einleitung
Der Brief des Apostels Paulus an die Kolosser 2 1,1-2
"Paulus, ein Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes,
und Bruder
Timotheus den Heiligen zu Kolossä und den gläubigen Brüdern
in Christus:
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater!"

Wir sagten, dass dieser Kolosserbrief ein richtiger Brief
ist, der in der damaligen Zeit geschrieben wurde. Der
Absender ist der Apostel Paulus, der nicht allein in der
Gefangenschaft zu Cäsarea ist, sondern ihm zur Hilfe gegeben
ist Timotheus, den Paulus mit als Absender angibt.
Aber ein richtiger Brief hat nicht nur einen Absender,
sondern auch einen oder mehrere Empfänger.
Wer ist oder sind nun die Empfänger dieses Briefes des
Apostels Paulus?
Diese Frage wird uns in unserem Text beantwortet:
"Es sind die Heiligen und die gläubigen Brüder in Kolossä".
Kolossä ist eine kleine Stadt in Kleinasien, in der es eine
grosse Woll- und Web-Industrie gab, die in der ganzen
damaligen Welt bekannt und geschätzt war. Es wurde die
Weichheit der Fäden und der herrliche Glanz des Gewebes
gelobt und bestaunt.
Wie kam es nun, dass der Apostel Paulus, der diese Stadt
Kolossä niemals betreten hat, einen Brief dorthin schreibt?
Als der Apostel bei seinem Aufenthalt in Ephesus, einer
Hafenstadt in Kleinasien, das Evangelium von Jesus Christus
verkündigte, war ein Mann aus Kolossä mit dem Namen Epaphras
anwesend, der dabei ein Christ wurde. Und dieser Epaphras
kam wieder nach Hause und zu Hause konnte er nichts anderes
tun, als auch den Herrn Jesus Christus zu predigen und zu
verkündigen.
So baute der Herr durch diesen Epaphras seine Gemeinde in
Kolossä.
Oft wartet Jesus darauf, dass die Menschen, die an ihn
glauben, ihn durch Wort und Tat bezeugen und weitersagen,
wie herrlich es ist, ein gläubiger Christ zu sein, damit
auch noch andere Menschen an Jesus Christus glauben und
Christen werden.
Wenn Jesus Christus auch bei uns oft, vielleicht sehr oft,
vergeblich darauf wartete, dass wir seine Boten und seine
Zeugen werden, bei Epaphras jedenfalls brauchte er nicht
lange zu warten.
Durch die Verkündigung des Epapahras war also in Kolossä
eine blühende Gemeinde entstanden. Es sind Menschen, die
früher Heidenchristen gewesen waren.
Paulus redet die Menschen, die zu dieser neuen christlichen
Gemeinde gehören, einmal mit HEILIGE und das andere Mal mit
GLÄUBIGE BRÜDER IN CHRISTUS an.
Wenn der Apostel dieses bei den Christen in Kolossä tut, so
könnte er es auch bei uns tun, die wir hier auf Gottes Wort
hören.
Wir als Christen sind dann die HEILIGEN und die GLÄUBIGEN
BRÜDER IN CHRISTUS. Es wird bei uns allen so gehen, dass wir
bei diesem Worte HEILIGE etwas zusammenschrecken. Wir denken
dann doch sofort an den falschen Gebrauch dieser Bezeichnung
in der katholischen Kirche. Allerdings wäre es nicht recht,
wollten wir die Bezeichnung der Bibel für einen Menschen als
HEILIGEN verächtlich ansehen und mit einer Handbewegung
beiseite schieben, nur weil sie eine andere Kirche
missbraucht.
Es gilt also in voller Wahrheit dieses Wort des Apostels,
dass Christen Heilige, heilige Menschen, dass wir heilige
Menschen sind. Dabei müssen wir eines voraussetzen, dass wir
unsere Heiligkeit uns nicht durch gutes und frommes Reden,
durch viele Taten, durch Gebete und durch Bibellesen oder
durch traurige beziehungsweise fröhliche Gesichter erringen
und erwerben können, wie es die katholische Kirche meint.
Nach katholischer Auffassung ist der ein Heiliger, der mehr
getan hat auf dieser Erde als er für seine Seligkeit hätte
tun brauchen. Wir spüren sicherlich, dass eine solche
Heiligkeit im letzten Grunde eine Scheinheiligkeit ist.
Welcher Mensch unter uns wollte von sich behaupten, dass er
durch seine guten Taten sich den Himmel verdienen könnte
oder sogar mehr zu tun in der Lage wäre, als er zu seiner
Seligkeit nötig hätte.
Wir kennen ja doch alle das Wort, das der Apostel an die
Römer geschrieben hat:
"Denn es ist hier kein Unterschied; sie sind allzumal Sünder
und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten."-
Römer 3-
Damit meint der Apostel auch uns Christen und erinnert uns
daran, dass unsere frommen Werke nie und nimmer genügen, um
in den Himmel zu kommen, um Heilige zu sein.
Wenn wir auf das Tun der Menschen, gerade auch der Christen
schauen, dann gibt es nur Sünder, nur Unheilige und wer es
dennoch glaubt ,-wie es die Katholiken tun-, der wird an
seiner ganzen Scheinheiligkeit zugrunde gehen.
Und doch sind die Christen in Kolossä, sind wir Christen
heute, HEILIGE MENSCHEN.
Paulus kennt das Wort Gottes aus dem Alten Testament, das
heisst: "Gott sprich: Ich bin heilig und darum sollt ihr
auch heilig sein."
Gott allein ist heilig, sonst gibt es nichts und niemand im
Himmel und auf Erden, was sonst auch noch heilig wäre. Es
gibt nur eine Ausnahme, dass Gott nämlich einen Menschen
nimmt und ihm seine Heiligkeit schenkt. Er hat es bei
Abraham, beim Volke Israel und in den christlichen Gemeinden
bis auf den heutigen Tag getan und tut es auch weiterhin,
dass er Menschen diese Heiligkeit schenkt, sodass sie
heilige Menschen werden:
"Gott spricht: Ich bin heilig, darum sollt ihr auch heilig
sein."
Jedemal dann, wenn Gott einem Menschen zuruft: Dir sind
deine Sünden vergeben, du bist wieder mein geliebtes Kind,
geschieht es, dass aus einem unheiligen Menschen, aus einem
Sünder, ein heiliger Mensch, ein Kind Gottes wird.
Darum kann der Apostel Paulus die Christen in Kolossä die
HEILIGEN, die von Gott GEHEILIGTEN Menschen nennen.
Aber er nennt sie auch
"die gläubigen Brüder in Christo".
Wir von Haus aus, sind als Menschen nicht brüderlich
gesinnt. Wir sehen in dem anderen Menschen normalerweise
nicht unseren Bruder, sondern unseren Feind. Wieviel
Feindschaft und Hass gibt es doch unter uns und in der
weiten Welt. Am liebsten möchten sich alle gegenseitig die
Köpfe einschlagen. Das ist nicht nur heute so, sondern es
traf zu allen Zeiten zu. Wir wissen, dass der erste Mord auf
dieser Erde unter Menschen ein Brudermord war:
"Kain erschlägt seinen Bruder Abel".
Das weiss der Apostel schon ganz gut, dass es auf dieser
Erde normalerweise keine Bruderschaft gibt, sondern nur
ausschliesslich und allein bitterböse Feindschaft und
abgrundtiefen Hass. Und doch wagt er, die Christen in
Kolossä BRÜDER zu nennen, obwohl er weiss, dass sie nicht
besser sind als alle anderen auch.
Wieviel Hass gibt es auch gerade in christlichen und
zwischen christlichen Gemeinden und Kirchen, statt, dass sie
wie Brüder und Schwestern miteinander leben.
Paulus wagt es aber trotzdem, die Christen Brüder zu nennen,
weil er nicht auf die Christen schaut, sondrn
ausschliesslich und allein auf Jesus Christus. Er hat es
nicht vergessen und wird es auch nicht vergessen, dass der
Sohn Gottes auf diese Erde kam, um gerade allem Hass und
aller Feindschaft unter Menschen ein Ende zu bereiten. ER
WURDE UNSER ALLER BRUDER, obwohl er dann auch am eigenen
Leibe erfahren musste, was es heisst, ein Mensch unter
Menschen zu sein.
Vom Tage seiner Geburt an erlebte er den Hass und die
Feindschaft und schliesslich wurde er von uns Menschen am
Kreuz auf Golgatha ermordet.
Aber Jesus Christus hasste nicht wieder, da er gehasst
wurde, er vergalt nicht gleiches mit gleichem, sondern
setzte zwischen Mensch und Mensch das Zeichen der VERGEBUNG,
das Kreuz auf Golgatha, an dem er aufgehängt war. Er hasste
auch dann noch nicht seine Mitmenschen sondern liebte und
liebt sie bis auf den heutigen Tag. So ist Jesus Christus
unser uns liebender Bruder geworden. Wer auf ihn sieht,
braucht nun niemanden zu hassen, sondern für den ist der
andere Mensch auch ein Bruder geworden, der unsere ganze
Liebe braucht.
Haben wir mit irgendeinem Menschen zu tun, mit dem wir nicht
fertig werden, der uns nicht sympathisch ist, der uns
vielleicht sogar Böses will, hassen wir ihn bitte nicht,
sondern schauen auf das Kreuz auf Golgatha, wo wir alle in
unserem Hass an seinem Tode schuldig geworden sind, wo er
aber trotzdem unser Bruder blieb.
Wie können wir denn nicht auch zu unseren Mitmenschen
brüderlich sein, wenn Jesus Christus, unser Bruder, auch
ihnen ein Bruder geworden ist?
Weil Paulus weiss, dass Christen Menschen sind, die in Jesus
Christus ihren Bruder sehen und darum auch nicht vergessen
haben, dass Jesus Christus sie alle in einer neuen Weise zu
Brüdern und Schwestern gemacht hat, darum kann er die
Christen in Kolosä in seinem Brief als "die gläubigen Brüder
in Jesus Christus"
anreden.
Die Gemeinde Jesu Christi ist eine Schar von Menschen, denen
Jesus Christus ihr Bruder geworden ist und die darum auch
untereinander Brüder und Schwestern sind.