Bibelw. 15a Anstößige Bibeltexte 4
Lugar/Ort:Meroú

Fecha/Datum:15/01/1979
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Camarero/Puiggari, 22-2-1979 -spanisch-
Aldea mProtestante, 14-2-1980 -spanisch-
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Politik wird eine nüchterner Angelegenheit
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 22, 15-22 - Mateo 22: 15-22
Skopus: Das Verhältnis zwischen Staat und Gott.
Bibelwoche 15a -Anstößige Bibeltexte 4-Matthäus 22,15-22
"Da gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rat, wie sie
ihn fingen in seiner Rede. Und sandten zu ihm ihre Jünger
samt des Herodes Diener. Und sie sprachen: Meister, wir
wissen, da du wahrhaftig bist und lehrst den Weg Gottes
recht und du fragst nach niemand; denn du achtest nicht das
Ansehen der Menschen. Darum sage uns, was dünkt dich: Ist's
recht, daß man dem Kaiser Zins gebe oder nicht? Da nun Jesus
merkte ihre Schalkheit, sprach er: Ihr Heuchler, was
versuchet ihr mich? Weiset mir die Zinsmünze! Und sie
reichten ihm einen einen Groschen dar. Und er sprach zu
ihnen: Was ist das Bild und die Überschrift? Sie sprachen zu
ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebt dem Kaiser,
was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Da sie das
hörten, verwunderten sie sich und ließen ihn und gingen
davon."

Wenn wir in dieser bestimmten Reihe über uns und für uns
ärgerliche Bibeltexte nach dem Matthäus-Evangelium
meditieren, darf auf keinen Fall ein Text fehlen, in dem
Jesus Christus selbst zur Politik Stellung nimmt, und zwar
über die Frage der Steuer für den Staat.
Um was geht es in unserem Text?
Jesus soll in die Enge getrieben werden, damit er nicht aus-
noch ein-wisse.
Seine Gegner haben einen raffinierten Plan ausgeklügelt. Aus
seinen eigenen Worten wollen sie ihm einen Strick drehen.
Darum verwickeln sie Jesus in ein politisches Gespräch:
"Ist's recht, daß man dem Kaiser Steuer zahle oder nicht?"
Eine politische Grundsatzerklärung wird von Jesus erwartet.
Wie immer auch Jesus antworten wird, er muß den Gegnern in
die Falle tappen.
Sagt er, zahlt doch dem Kaiser die Kopfsteuer, so hat er die
religiösen und patriotischen Gefühle des Volkes verletzt.
Dann ist er als Prophet und Messias erledigt.
Sagt er aber, verweigert die Steuer, so ist er als Rebell
gegen Rom entlarvt und kann bei römischen Staat angeklagt
werden.
Die Situation ist aussichtslos für ihn. Man muß den
angeblichen Messias nur in die Politik hineinziehen und
schon ist er erledigt.
Bis heute erweisen sich politische Fragen als ein Stein des
Anstoßes und als ein Ärgernis für die Christenheit.
Die alten konfessionellen Gegensätze sind weithin entschärft
oder sogar vergessen worden. Politische Gegensätze aber
wirken noch immer wie Dynamit in der Kirche. Ob ein Christ
evangelisch oder katholisch ist, spielt keine Rolle mehr.
Man fragt nicht danach und möchte es auch nicht wissen. Aber
ob ein Christ RECHTS steht oder LINKS, das spielt eine
erhebliche Rolle, ob man ihn ernst zu nehmen hat.
Wie politisch darf eine Kirche überhaupt sein?
Darüber besteht bis heute keine Einigkeit.
Wir fassen einmal mit wenigen Worten zusammen, was unser
Text uns sagt:
Jesus lehrt den Weg Gottes recht. Er führt aus der
verlogenen Gegenüberstellung GOTT oder STAAT heraus zu einer
sachlichen Entscheidung.
Gebt dem Staat, was ihm zusteht und gebt Gott, was ihm
allein gebührt.
Von Anfang an,, hatte es die Kirche schwer, die rechte
Zuordnung von Gott und dem Kaiser oder dem Staat zu finden.
Zu leicht ist sie Gott ungehorsam geworden, indem sie dem
Staat gab, was ihm nicht zusteht, die göttliche Ehre. Oder
sie mischte sich zu stark in staatliche Dinge, die der
Kirche nichts angingen.
Wir kennen all die Auseinadersetzungen zwischen Kaiser und
Papst, Thron und Altar, Staat und Kirche.
Oft machten sie gemeinsame Sache, oft aber standen sie sich
auch feindlich gegenüber.
Diese Probleme tauchen in jeder Generation neu auf, und
müssen immer wieder neu gelöst werden.
Jedenfalls, ganz gleich, wie die Kirche sich in politischen
Dingen konkret entscheidet, mit Politik hat sie es immer zu
tun.
Das ganze alltägliche Handeln eines Menschen ist ein
politisches Handeln und ohne politisches Handeln ist
menschliches Leben gar nicht möglich.
Wichtig aber ist es, daß wir von Jesus Christus die rechten
Maßstäbe uns geben lassen, damit unser Handeln, auch in der
Kirche, ein gutes politisches Handeln und Reden werde.
Die konkrete Auslegung unseres Textes teilen wir in 3
Abschnitte ein.
Der 1. Abschnitt lautet:
Jesus deckt Verlogenheit auf: Ihr Heuchler, klagt er an.
Der lästige Lehrer der Gerechtigkeit muß weg. Er verführt
das Volk. Er untergräbt das Vertrauen des Volkes zur
geistlichen Führung.
In den unserem Text vorausgegangenen Gleichnissen hat Jesus
den Führern des Volkes ein Urteil gesprochen, das an
Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ.
Das werden sie sich nicht länger bieten lassen. Sein Tod ist
beschlossene Sache. Handfestes Beweismaterial muß für seine
Schuld beschafft werden.
So kommen die Jünger der Pharisäer mit den Herodianern
gemeinsam zusammen, sonst verstanden sie sich nicht so gut,
um Jesus in die Falle zu locken.
In kriecherischer Heuchlerei bekunden sie ihre Verehrung:
"Meister, wir wissen, da du wahrhaftig bist und lehrst den
Weg Gottes recht und fragst nach niemanden, denn du achtest
nicht das Ansehen der Menschen."
Und das ist in der Tat wahr, wenn die Feinde es auch nicht
so meinten, aus dem Munde Jesu ist Wahrheit zu erwarten. Er
wird den Weg Gottes zeigen, auch in den leidenschaftlichen
Irrungen und Wirrungen der Politik, unabhängig von der
Meinung der Menschen, ohne Angst vor den jeweiligen
Machthabern, wird er urteilen. Selbst die Gegner müssen
Zeugen des Christus werden. Noch in ihrer Verblendung müssen
sie bestätigen, daß Jesus der von Jesaja vorhergesagte
Davids Sohn ist:
"Er wird richten nach dem, was seine Augen sehen und nicht
rügen nach dem, was seine Ohren hören."
Tatsächlich bewährt Jesus in seiner Antwort, daß es ihm
wahrhaftig um Gott und nicht um Menschen Gefälligkeit geht.
Und daß er, erfüllt vom Geist Gottes, die Menschen
durchschaut. Ihm kann man nichts vormachen.
Im ersten Zuhören könnte es so scheinen, als zöge sich Jesus
elegant aus der Schlinge:
"Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, gebt Gott, was Gottes
ist!"
Das klingt sehr diplomatisch. Hat Jesus den raffinierten
Gegenern mit gleicher Münze heimgezahlt und sich als noch
raffinierter als sie selbst erwiesen?
Begründen seine Worte gar ein harmonisches Miteinander von
Thron und Altar, Kaiser und Papst, weltlicher und
geistlicher Macht?
Immer wieder sind Jesu Worte so ausgelegt worden:
Ein Teil eures Gehorsams gehört dem Staat und der andere
Teil Gott, macht es also beiden recht.
Keine Rede davon!!
Jesus deckt zunächst die Verlogenheit seiner Gegner auf.
Heuchler nennt er sie. Ehe er auf die Frage eingeht, macht
er klar, in welcher Lage sich die Fragesteller befinden.
Er sagt
a) Ihr tut, als wolltet ihr die Wahrheit wissen, doch im
letzten Grunde wollt ihr sie gar nicht wissen. Ihr fragt und
wollt doch keine Antwort. Ihr fragt scheinbar nach der
Wahrheit und dem Weg Gottes, aber denkt in keinster Weise
daran, euch nach seiner Wahrheit zu richten und seinen Weg
zu gehen, darum IHR HEUCHLER! Jesus sagt:
b) Ihr tut so, als hättet ihr die freie Wahl, für oder gegen
den Staat zu sein. Aber der Staat hat die Macht. Und weil er
die Macht hat, setzt er das Recht. Was bleibt euch anderes
übrig, als euch seiner Macht und seinem Recht zu beugen?
Habt ihr überhaupt noch die Wahl, einem Kaiser, einem
geliebten oder ungeliebten Staat, Steuern zu zahlen oder
nicht? Ihr Heuchler! Jesus bekräftigt:
c) Ihr tut so, als wolltet ihr euch gegen den Staat stellen,
dabei profitiert ihr doch von ihm. Greift nur einmal in eure
Tasche, was kommt da zum Vorschein?
Eine Münze mit dem Bild des Kaisers, ein Geldschein mit den
Symbolen des Staates. Längst raucht ihr sie, die Münzen und
die Geldscheine.
Dem Staat geht es ums Geld und euch auch. Ihr seid aus dem
selben Holz geschnitzt. Ihr könnt nicht einmal wollen, daß
es einen Staat nicht gibt. Ihr Heuchler!
Es ist Heuchelei, Gott nachträglich in Dinge hineinzuziehen,
die wir für uns längst entschieden haben.
Wer nach dem Wort Jesu fragt, möge sich prüfen, ob er sein
Wort hören will oder ob er sich längst entschieden hat.
Der 2. Abschnitt des Textes unserer Bibelmeditation heißt:
Jesus ermöglicht uns eine reale Politik: Gebt dem Kaiser,
was des Kaisers ist.
Jesus weist die Heuchelei der Gegner zurück. Aber er stellt
sich konkret der ihm gestellten Frage:
"Ist'recht?"
Ist es vor Gott erlaubt, dem Kaiser, dem Staat, die
Kopfsteuer zu zahlen! Akzeptiert der, der dem Kaiser oder
besser gesagt, dem Staat die Steuer bezahlt, nicht damit
auch, daß der Kaiser göttlich verehrt wird? Viele Staaten
gebärden sich bis heute noch, als ob sie Gott selbst wären.
Wird nicht durch den Gebrauch der kaiserlichen Münze das 1.
Gebot übertreten?
"Du sollst dir kein Bildnis machen!?
Die Münze, ein Denar aus Silber, zeigt das Bild des Kaisers
und die Aufschrift:
Tiberius Cäsar Augustus, Sohn des göttlichen Augustus.
Ist's recht, den gottlosen Personenkult des Kaisers
mitzumachen?
Jesus hat solch eine Münze nicht bei sich, seine Gegner aber
ja. Sie brauchen nur in die Tache zu greifen und die
gotteslästerliche Steuermünze kommt zum Vorschein.
Sie leben im Herrschaftsbereich dieses römischen Staates und
müssen mit dem Gebrauch dieses Geldes seine Macht
anerkennen. Müssen sie es zähneknirschend tun?
Die Antwort Jesu erinnert an die auch dem Kaiser
beziehungsweise Staat übergeordnete Herrschaft:
"Gebt Gott, was Gottes ist!"
Ihm allein dient Jesus. Um der Gottes Herrschaft willen ist
es möglich zu eiunem sachlichen und nüchternem Verhältnis
zum Staat zu kommen:
Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Gebt dem Staat, was
des Staates ist. Gebt ihm nicht mehr. Gebt ihm bnicht
weniger. Gebt ihmn das, was ihm zusteht.
Was steht einem staatlichen, einem politischen Herrscher zu?
Jesus gibt hier keine grundsätzliche Antwort. In der Frage
der Steuermünze entscheidet er, daß es besser ist, sie zu
gebrauchen, alls Aufstand und Bürgerkriege zu entfesseln.
Die Treue zu Gott bewährt sich nicht in der zelotischen
rebellischen Wüglarbeit gegen den Staat Rom. Sie bewährt
sich im Hören und Tun des Wortes Jesu (12, 46-50).
An anderen Stellen sagt die Heilioge Schrift mehr:
Dem Staat steht es zu, daß Christen für ihn bneten/
Unmöglich aber ist es, das Staatsoberhaupt oder Staat selbst
anzubeten, aber nötig, für ihn zu beten.
Immer stehen Staatsoberhäupter und die Staaten saelbst in
der Versuchung, sich Gott gleich zu setzen, untertänige
Verrehrung, kritiklose Verherrlichung, Hurra- und Heilrufe
zu erwarten.
Doch den Jüngern (Apostelg.. 5, 29) ist gesagt:
"Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen!"
In ihrem Gewissen allein dem kommenden Herrn Jesus Christus
verpflichtet, werden Christen den vorhandenen Herren
untertan sein oder auch widerstehen, wie es sihr Herr
befiehlt (Römer 13; Offenb. 13).
Immer aber werden Christen bezeugen, da dem Staat die
Aufgabe zugewiesen ist,
"in der noch nicht erlösten Welt, in der auch die Kirche
steht, nach dem Maße menschlicher Einsicht und menschlichem
Vermögen unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht
und Friedne zu sorgen."-Barmer Erkl. V-
Der 3. Abschnitt der Erklärung unseres Bibeltextes bezeugt:
Jesus Christus bindet ans 1. Gebot:
"Gebt Gott, was Gottes ist."
Diese Überschrift, die ich gerade erwähnt habe, ist das Ziel
der Worte Jesu.
Hier liegt das Schwergewicht.
Mit dem Kaiser oder dem Staat werden wir so oder so umgehen
müssen. Er ist eine Realität in dieser Welt. Unwandelbar
aber sind Würde und Verpflichtung der Menschen Gottes:
Sie sollen durch ihre Existenz beweisen, daß Gott ihr Herr
ist:
"Gebt Gott, was Gottes ist!"
Was gehört denn Gott?
Unsere Seele? Das Gewissen? Unser Glaube und Gehorsam? Auch
dsas! Doch Gott gehört mehr, ihm gehört ALLES.
"Leib nd Seel, Gut, Ehr und Leben,
ist nicht mein,
Gott allein, ist der,
der es gegeben."
Ihm gehört alles ganz, Zeit, Kraft, Geld und Ehre, Gedanken
und Pläne, Taten und Leiden. Gott teilt nicht, er will uns
ganz.
Paulus schreibt:
"Bringt Gott euer Leibes Leben zu einem lebendigen heiligen,
ihm wohlgefälliges Opfer dar, das soll euer vernünftiger
Gottesdienst sein."
-Römer 12, 1-
Gott läßt sich nicht abspeisen mit ein bisschen Frömmigkeit,
ein bißchen Glauben, ein bißchen christliche Überzeugung,
oder einem Almosengeben.
"Trachtet zuerst nach dem Willen Gottes und nach seiner
Gerechtigkeit, alles andere kommt dann auch von selbst",
sagt Jesus.
Vielleicht wird, wie manche Ausleger vermuten, mit der
Antwort Jesu
"Gebt Gott, was Gottes ist!"
an die Gottesebenbildlichkeit des Menschen erinnert.
Die Münze, die das Bild des Kaisers oder die Symbole eines
Staates trägt, gehört auch dem Kaiser, beziehungsweise dem
Staat. Ihr aber, zum Ebenbild Gottes geschaffen, gehört
Gott.
"Gebt Gott, was Gottes ist!"
heißt dann:
Gebt euch selbst Gott, mit allem, was ihr seid und besitzt.
Auf alle Fälle und unter allen Umständent unsere Anbetung
allein Gott und nicht dem Staat oder seinen Repräsentanten
oder seinen Symbolen.
Auch Menschen können Gehorsam erwarten, Liebe, Ehre und
Dankbarkeit und Hingabe, aber immer nur im Rahmen unseres
Verhältnisses zu Gott, der über allem steht, aber Gott
allein gebührt die göttliche Anbetung.
'Gebt Gott, was Gottes ist!",
also euch selbst und was euer ist, vor allem aber eure
dankbare, dienstbereite, ungeteilte göttliche Anbetung.
Als Fragen, die wir mit nach Hause nehmen sollten, um
darüber nachzusinnen, wären zu nennen:
1."Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was
Gottes ist!"?
2.Worin besteht die Gefahr, daß wir an verschiedenen Punkten
bei uns den Staat über Gott setzen?
3. Machen wir es auch so, wenn es um das Geld für Gott geht,
wie ein angeblicher Christ ironisch sagte:
Alles, was ich besitze und verdiene, werfe ich in die Luft
und sage; Lieber Gott, nimm, was du haben willst. Und was
dann auf den Boden fällt, das behalte ich für mich?